Die parenterale Ernährung ist eine Form der künstlichen Ernährung, bei der die gesamte Nährstoff- und Energiezufuhr unter Umgehung des Verdauungstraktes erfolgt. Die Versorgung erfolgt durch eine intravenöse Infusion, direkt in die Blutbahn.
Ziel der parenteralen Ernährung ist die Verhinderung einer Mangelernährung bzw. einer negativen Stickstoffbilanz. Dadurch erfolgt vor allem eine schnellere postoperative Genesung und die Überlebenschancen der Patienten werden erhöht.
Wann ist eine parenterale Ernährung indiziert?
Eine parenterale Ernährung ist indiziert bei allen Patienten, die über einen längeren Zeitraum (3 Tage und mehr) nicht ausreichend enteral ernährt werden können. Das bedeutet also, dass eine orale Ernährung oder Ernährung über eine Magensonde nicht mehr möglich ist.
Ursachen für eine parenterale Ernährung sind:
- Akute Krankheiten des Magen-Darm-Traktes, z.B. Pankreatitis oder Ileus
- Operationen, bei denen neue Verbindungen im Magen-Darm-Trakt (Anastomosen) angelegt worden sind. Hier dient die parenterale Ernährung zur Entlastung der neu geschaffenen Verbindung.
- Resorptions- oder Verdauungsstörungen im Dünndarm, z.B. akute Entzündungsphasen eines Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom oder Passagestörungen.
- Kritisches Untergewicht
In Ausnahmefällen kann man auch bei Essstörungen wie der Magersucht zur parenteralen Ernährung übergehen.
Wie wird die parenterale Ernährung durchgeführt?
Die Ernährung erfolgt über Speziallösungen, die intravenös verabreicht werden. Es handelt sich um hochkonzentrierte Lösungen, die auf Dauer über einen zentralvenösen Katheter (ZVK) in eine der großen Venen des Körpers infundiert werden müssen. Die dünneren Armvenen sind in der Regel ungeeignet, da solch hochkonzentrierte Lösungen zu brennenden Schmerzen führen und die Venen sich nach kurzer Zeit entzünden.
Bei der parenteralen Ernährung wird dem Patienten ein Gemisch aus Wasser, Elektrolyten, Kohlenhydraten (meist in Form von Glucose, aber auch Fructose und Xylit können zum Einsatz kommen), Aminosäuren, Fett, Vitaminen und Spurenelementen verabreicht. Ein hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren scheint besonders günstig zu sein, da sie zum einen Entzündungsreaktionen und zum anderen die Thromboseneigung mindern.
Die Menge der zugeführten Ernährung ist abhängig vom Krankheitsbild und dem Energiebedarf des Patienten, so dass sie für jeden Patienten individuell berechnet werden sollte. Der Nährstoffbedarf des Körpers sollte zu 50 bis 60 Prozent durch Kohlenhydrate, zu 20 bis 30 Prozent aus Fetten und zu 10 bis 15 Prozent aus Aminosäuren gedeckt werden.
Letzte Aktualisierung am 23.07.2010.