Probleme mit dem Stuhlgang gehören zu den häufigsten Problemen der gastroenterologischen Praxis. Aus medizinischer Sicht spricht man von einer chronischen Verstopfung, wenn über mindestens drei Monate der Stuhlgang länger als drei bis vier Tage ausbleibt, wenn auch bei längeren Toilettenbesuchen starkes Pressen erforderlich ist und trotzdem ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung bestehen bleibt. Eine vollständige Darmpassage dauert 60 bis 120 Stunden, dies ist der Weg von der Aufnahme einer Nahrung bis zur Ausscheidung. Erst wenn die Intervalle zwischen den Ausscheidungen größer als 3 Tage sind, spricht man von Verstopfung. Häufig sind Frauen, besonders schwangere Frauen, Kleinkinder und ältere Menschen betroffen.
Formen der Verstopfung (Obstipation)
Generell unterscheidet man zwischen der akuten und chronischen Form der Obstipation.
- Akute Verstopfung: Eine akut einsetzende Verstopfung kommt relativ selten vor, muss aber unbedingt medizinisch untersucht werden. Die Ursachen sind meist in den persönlichen Lebensumständen der Betroffenen zu suchen. Treten zu den typischen Verstopfungsbeschwerden weitere Beschwerden wie heftige Schmerzen, angeschwollener Bauch, Erbrechen von Kot oder Schock auf, so können diese auf einen Darmverschluss hinweisen und erfordern eine sofortige Krankenhauseinweisung. Unbehandelt kann der Darmverschluss tödlich sein.
- Chronische Verstopfung: Die chronische Verstopfung wird nochmals in verschiedene Formen eingeteilt:
- Kologene Verstopfung (kologene Obstipation): Die kologene Obstipation wird auch als „Slow-transit-Obstipation" bezeichnet. Hierbei liegt eine langsame Darmpasse vor, welches durch mangelnde Beweglichkeit des Darms hervorgerufen wird. Der Darminhalt wird nur langsam vorwärts bewegt, jedoch wird die ganze Zeit dem Darminhalt weiter Wasser entzogen. In der Folge kommt es zu einer Verstopfung. Die Ursachen für die veränderte Darmbeweglichkeit können sehr vielfältig sein. Hierzu gehören vor allem Nervenstörungen, muskuläre Störungen, Bindegewebserkrankungen, hormonelle Einflüsse (z.B. Schilddrüsenunterfunktion), ballaststoffarme Ernährung sowie Nebenwirkungen von Medikamenten. Häufig liegt eine Störung im Bereich der Nerven oder der Muskulatur vor, weshalb die häufig sinnvolle Therapie mit ballaststoffreicher Ernährung, körperlicher Bewegung und viel Flüssigkeit bei einer kologenen Verstopfung nicht wirkt. Neben der Untersuchung und der Behandlung durch einen Arzt, ist hier die Verabreichung des richtigen Abführmittels notwendig.
- Anorektale Verstopfung (anorektale Obstipation): Die anorektale Obstipation ist auf Veränderungen oder Störungen im Bereich des Enddarms (Rektum) und des Afters bzw. Anus zurückzuführen. Erkrankungen wie Analstenosen, Prolaps, Rektozele oder verminderte Rektumsensibilität können zu einer anorektalen Verstopfung führen. Es ist nicht immer leicht zu beurteilen, ob die Erkrankung zu der Verstopfung geführt hat oder umgekehrt.
- Idiopatische Verstopfung: Bei der idiopatischen Obstipation sind keinerlei krankhafte Veränderungen der Darmfunktion oder der Darmanatomie feststellbar. Sie tritt sehr häufig auf und wird anhand der Beschwerden des Einzelnen und mit Hilfe einer Transitzeitmessung (Zeitspanne von der Aufnahme bis zur Ausscheidung der Nahrung) sowie Proktoskopie und Sphinktermanometrie (Druckmessung des Schließmuskels) festgestellt.
Ursachen
Typische Ursachen einer Verstopfung sind Darmträgheit, Medikamente (z.B. Schlafmittel, Opiate, Diuretika, Bluthochdrucksenker, Antiepileptika und Aniparkinsonmittel), Ernährungsfehler, Psychische Faktoren und Bewegungsmangel. Auf der anderen Seite können Verstopfungen auch Zeichen einer Erkrankung sein. Ursache der Verstopfung ist dann meist eine Verengung des Darms an einer Stelle.
Symptome
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Hierzu gehören vor allem seltener Stuhlgang, harter Stuhl, starkes Pressen bei der Darmentleerung und das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung. Zudem leiden die Betroffenen meistens unter Völlegefühl und einem allgemeinen Unwohlsein. Der Stuhlgang ist schwierig und oft schmerzhaft. Es werden meistens viele kleine und harte Bröckchen ausgeschieden.
Komplikationen
Bei eine langanhaltenden Verstopfung können gesundheitliche Probleme auftreten. Zu den häufigsten Komplikationen gehören Hämorrhoiden, Schleimhautrisse, Rektumprolaps, Kotsteine und Divertikulitis (Entzündung von Ausstülpungen der Darmschleimhaut). In den meisten Fällen ist eine Verstopfung nicht auf schwerwiegende Erkrankungen zurückzuführen. Trotzdem sollte eine länger andauernde Verstopfung ärztlich abgeklärt werden.
Therapie
Die Behandlung ist abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Generell erfolgt die Behandlung nach folgendem Stufenschema:
- Ernährungsumstellung: Die Ernährungsberatung sollte durch eine Fachperson erfolgen, die speziell auf die Probleme der Patienten eingeht und eine ausführliche Information über Normalkost, weiche Kost, abführende Ernährung (z.B. Kleie, Leinsamen oder Rhababer) und stopfende Ernährung (z.B. Bananen, Karotten, Schokolade und Teigwaren) bietet. Zudem sollten auch die Lebensgewohnheiten umgestellt werden.
- Verhaltenstherapie: Wichtig sind vor allem eine Normalisierung des Lebensrhythmus und ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus mit Aktivitäts- und Ruhepausen. Der Darm soll sich an eine gewisse Regelmäßigkeit gewöhnen. Zudem sollte der Stuhldrang nicht unterdrückt werden. Hilfreich sind auch Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training.
- Bewegungstherapie: Jegliche Form der körperlichen Bewegung begünstigt die Darmtätigkeit. Weiterhin haben Darmmassagen und Bindegewebsmassagen eine günstige Wirkung auf die Darmtätigkeit.
- Physikalische Therapie: Eine Besserung der Symptome erreicht man insbesondere durch kalte Fuß- und Halbbäder, kalte Reibe-Sitzbäder und Kniegüsse.
- Rektale Entleerungshilfen (Klistier, Irrigator): Eine besonders schonende Alternative zu Abführmitteln sind Darmspülungen mit reinem Wasser. Sie werden vor allem eingesetzt, um eine rasche, gezielte Entleerung des Enddarms herbeizuführen. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass die Anwendung nur lokal wirkt, nämlich im unteren Abschnitt des Darms. Der Körper und seine Organe werden dadurch nicht belastet.
- Medikamentöse Behandlung: Bei der kologenen Obstipation kommen osmotische oder motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel zum Einsatz. Ist die Ursache jedoch auf Ballaststoffmangel zurückzuführen, so eignen sich Füll- und Quellstoffe wie z.B. der indische Flohsamen. Die anorektale Obstipation lässt sich am besten mit rektal verabreichten Mitteln wie Zäpfchen therapieren. Bei einer lange bestehenden, chronischen Obstipation, bei der schon länger motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel verwendet wurden, ist ein etwas aufwendigeres Verfahren notwendig. Besteht ein Laxantienabusus, so muss auf osmotisch wirkende Abführmittel wie Magnesiumsulfat gewechselt werden. Besteht hingegen eine gestörte Koordination des inneren und des äußeren Schließmuskels in Form einer Spastik, so kann durch Einspritzen von Botulinumtoxin (Botox) in den äußeren Schließmuskel eine Besserung der Symptomatik erzielt werden. Durch Botox erreicht man für etwa drei bis neun Monate eine Schwächung der Verschlusskraft um etwa 20-40 Prozent und erleichtert somit die Stuhlentleerung.
- Operative Behandlung: In bestimmten Fällen, vor allem bei anorektaler Obstipation, kann eine operative Behandlung erforderlich werden. Sie soll jedoch nur angewandt werden, wenn alle anderen Behandlungsversuche fehlgeschlagen sind. Indikationen dafür sind vor allem Megacolon, Morbus Hirschsprung, Rektozele, Invaginationen und Verwachsungen (Briden).
Hinweise für Patienten
Hilfreiche Tipps und Maßnahmen bei Verstopfung:
- Greifen Sie nicht sofort zu einem Abführmittel.
- Sollte die Verstopfung länger als zwei Wochen bestehen, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. Abführmittel maximal 2 Wochen einnehmen.
- Umstellung der Ernährung auf faser- und ballaststoffreiche Kost.
- Trinken Sie viel Wasser. Täglich mindestens 2 Liter trinken. Das macht den Stuhl weich und geschmeidig.
- Achten Sie auf regelmäßige Bewegung, dies wirkt sich positiv auf Ihren Stuhlgang aus.
- Vermeiden Sie Stress und erlernen Sie Entspannungsübungen.
- Hausmittel wie Sauerkraut, Trockenpflaumen und Feigen wirken abführend.
- Trinken Sie direkt nach dem Aufstehen ein Glas Wasser oder Obstsaft, das regt die Darmtätigkeit an.
- Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen durch Vollkornprodukte, Weizenkleie, Obst und Gemüse.
- Alle genannten Maßnahmen sollten nicht nur einmal, sondern dauerhaft durchgeführt werden. Seien Sie konsequent.
- Unterdrücken Sie den Stuhldrang nicht und planen Sie ausreichend Zeit für den Stuhlgang ein.
Letzte Aktualisierung am 23.07.2010.