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Warum bekommen Frauen häufiger als Männer eine Nierenentzündung?

Lesezeit: 3 Min.

Tatsächlich sind beide Geschlechter gleich anfällig für eine Glomerulonephritis

Bei Frauen sind die Harnwege kürzer als beim Mann. Keime gelangen schneller über den Urogenitaltrakt (Harn- und Geschlechtssystem) bis zur Blase. In sehr seltenen Fällen gelangen sie bis zur Niere. Erkältungen, Hygienefehler oder Geschlechtsverkehr gelten als Ursachen für Blasen- und Nierenbeckeninfekte. Doch sind Frauen tatsächlich anfälliger für Nierenentzündungen als Männer?

Dabei ist zu erwähnen, dass eine Nierenentzündung (Nephritis) nicht mit einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) gleichzusetzen ist. Bei der Nierenentzündung ist das Nierengewebe selbst betroffen, die Nierenbeckenentzündung ist eine Erkrankung des Nierenbeckens, welches als „Auffangbecken“ für den Urin aus der Niere dient und in den Harnleiter übergeht. Frauen leiden im Vergleich zu Männern vermehrt an Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen. Doch nur in sehr seltenen Fällen greifen diese auf die Nieren über. Hauptsächlich passiert dies dann, wenn eine chronische Nierenbeckenentzündung sich ausbreitet. Dann allerdings ist die Funktion der Niere akut gefährdet.

Wie entstehen Nierenentzündungen und hängt dies vom Geschlecht ab?

Risikofaktoren für eine Nierenentzündung sind

  • Antikörperkomplexe, die sich nach vermeintlich ausgeheilten bakteriellen Infektionen „verselbständigen“. Sie lagern sich in der Niere an und lösen dort eine Reaktion mit Entzündungsprozessen aus, die aufgrund des Immunangriffs gegen das eigene Nierengewebe entstehen (Autoimmunreaktion). Die vorangehenden Infektionen können insbesondere Hals, Mandeln, Haut oder Hirnhaut betreffen.
  • polyzystische Nierenerkrankungen (in der Niere entstehen krankhafte Zysten/Gewebekammern), die genetisch bedingt sind, aber nicht vermehrt bei Frauen vorkommen
  • Diabetes mellitus ist aber ebenfalls kein speziell „weibliches“ Risiko
  • Schwangerschaft, d.b. die Nierenfunktion verändert sich und der Hormonstatus führt dazu, dass sich die Gefäße erweitern. Daher ist das Risiko einer Nierenentzündung geringfügig erhöht, wenn andere Faktoren wie Vorschäden der Niere dazukommen.

Repräsentative Studien befassten sich mit der Frage, ob Frauen tatsächlich stärker von Nierenentzündungen bedroht sind als Männer. Verglichen wurden verschiedene Formen der Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen, häufige Varianten der Nierenentzündung) und weitere Nierenfunktionsstörungen. Dabei achteten die Forscher auf

  • Bluthochdruck
  • Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin)
  • die jeweilige Reaktion auf eine Behandlung des Bluthochdrucks
  • das Ansprechen auf eine Behandlung mit Immunsuppressiva (immun-unterdrückende Mittel), die bei den Unterformen IgA- oder postinfektiöser Glomerulonephritis verabreicht werden. Bei den Erkrankungen lagern sich Antikörper-Komplexe (Immunglobulin-A-Molekülkomplexe) an der Niere an und provozieren eine Entzündung. Frauen reagierten auf die Eindämmung dieser Autoimmunreaktion ebenso wie Männer.
  • das Risiko eines Funktionsverlustes der Nieren
  • die Bedeutung der Kreatinin-Werte im Blut. Kreatinin ist ein Stoffwechselabfallprodukt. Es erlaubt Aussagen über die effektive Filterfunktion der Niere.
  • die Überlebensrate nach Nierenversagen

Etwa ein Drittel der Probanden in den Studien waren Frauen. Im Durchschnitt waren sie zum Zeitpunkt der Erkrankung um zwei Jahre jünger als die beteiligten Männer. Ihre Behandlung mit Immun-unterdrückenden oder den Blutdruck senkenden Mitteln verlief identisch zur Therapie der Männer.

Krankheitsverlauf und Therapie-Erfolg bei der häufigen Nierenentzündungs-Form der IgA-Glomerulonephritis waren bei beiden Geschlechtern gleich. Bei anderen Nierenerkrankungen war die Proteinurie (Protein-Ausscheidung über den Urin) bei Frauen um bis zu 50 Prozent geringer als bei Männern. Die Regeneration nach einer Nierenentzündung verlief in etwa gleich, der Behandlungserfolg war bei beiden Geschlechtern ähnlich.

Die postinfektiöse Glomerulonephritis (Nierenentzündung als eine Reaktion auf eine vorangegangene Infektion des Körpers) tritt überwiegend bei Jungen im Alter zwischen zwei und zehn Jahren auf, seltener bei Mädchen oder Frauen. Auch bei anderen Formen der Nierenentzündung sind eher Männer ab der Lebensmitte betroffen als Frauen.

Neben der Glomerulonephritis gibt es eine weitere, weniger häufige Art der Nierenentzündung, nämlich die interstitielle Nephritis. Dabei gibt es ebenfalls unterschiedliche Varianten, so dass sich Aussagen darüber nicht verallgemeinern lassen. Einige von diesen selteneren Entzündungen treten vermehrt bei Frauen auf, andere haben ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis oder kommen bei Männern öfter vor.

Fazit

Insgesamt ist die Rate an den verschiedenen Nierenentzündungen beim weiblichen und männlichen Geschlecht ähnlich.

Grundsätzlich erkranken Mädchen und Frauen öfter an Infektionen der unteren und oberen Harnwege, der Blase oder des Nierenbeckens. Ihre Anatomie erleichtert das Eindringen von Krankheitserregern. Das bedeutet nicht, dass sie anfälliger für eine Nierenentzündung sind. Die meisten Formen einer Glomerulonephritis entstehen durch Autoimmunreaktionen im Organismus anstatt durch direkten Kontakt mit Krankheitserregern.



B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 06.10.2017
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fragt Jojo2   vor > 7 Jahre  2650

Liebe Forumsmitglieder,
ich schreibe im Telegrammstiel, weil ich wenn ich meine Ängste in Sätze verpacken würde, ein ganzes Buch zustande ... mehr

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