Als Leberzirrhose bezeichnet man eine schwere Erkrankung der Leber, die sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Dabei ist eine Vielzahl verschiedener Lebererkrankungen in der Lage, eine Leberzirrhose auszulösen. Die Leber ist ein etwa 1,5 Kilogramm schweres Organ, das sich im rechten Oberbauch unter dem Zwerchfell befindet. Sie ist das größte Organ des menschlichen Körpers und spielt eine wichtige Rolle bei der Ausscheidung und dem Abbau von Giftstoffen. Zudem werden in der Leber so genannte Gerinnungsfaktoren produziert, die für die Gerinnung des Blutes und damit für die Wundheilung notwendig sind.
Im Falle einer Leberzirrhose wird das ursprünglich funktionstüchtige Gewebe der Leber zerstört und durch Bindegewebe ersetzt. Dieses Ersatzgewebe kann die eigentlichen Aufgaben der Leber nicht übernehmen, wodurch die Funktion der Leber mit dem Fortschreiten der Erkrankung immer weiter eingeschränkt wird. Der Begriff Zirrhose leitet sich vom griechischen Wort für „Gelborange" ab und bezieht sich auf die gelb-grüne Verfärbung der erkrankten Leber. Auf 100 000 Einwohner kommen pro Jahr etwa 250 Neuerkrankungen an Leberzirrhose. Dabei ist die Leberzirrhose eine relativ häufige Erkrankung in Deutschland. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Leberzirrhose ist vor allem in den Industriestaaten der chronische Alkoholmissbrauch. Etwa 60 Prozent aller Fälle von Laberzirrhose sind auf langjährigen Alkoholgenuss zurückzuführen. Weitere Auslöser der Leberzirrhose sind Entzündungen der Leber (Hepatitis), die etwa 20-30 Prozent ausmachen. Dabei unterscheidet man zwischen den Hepatitisformen A, B, C und D.
Des Weiteren können als Auslöser für eine Leberzirrhose in Frage kommen:
- Die Nicht-alkoholosche-Steato-Hepatitis (NASH), die auch als Fettleber bezeichnet wird. Sie wird durch fettreiche Ernährung, Alkohol und Diabetes mellitus ausgelöst.
- Autoimmunhepatitiden, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Leberzellen als körperfremd wahrnimmt und bekämpft.
- Erkrankungen der Gallenwege, wie beispielsweise die primär biläre Zirrhose.
- Speichererkrankungen, wie beispielsweise der Morbus Wilson. Bei dieser Erkrankung lagert der Körper Kupfer in der Leber ab.
- Stoffwechselstörungen wie der ά-1-Antitrypsinmangel, bei der die fehlende Funktion eines bestimmten Enzyms zu bindegewebigen Umbauprozessen unter anderem in der Leber führt.
Anhand der Strukturveränderungen der Leber werden drei Formen der Leberzirrhose unterschieden:
- Die kleinknotige Form der Leberzirrhose entsteht meist durch längjährigen Alkoholmissbrauch.
- Die großknotige Leberzirrhose ist oft das Endstadium einer lange bestehenden Virushepatitis.
- Bei der gemischten Form der Leberzirrhose sind sowohl kleinknotige als auch großknotige Veränderungen an der Leber erkannbar.
Symptome
Die Beschwerden, die eine Leberzirrhose verursacht, sind vor allem zu Beginn der Erkrankung noch sehr unspezifisch. Meist leiden die Betroffenen unter Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust. Später können ein Druckgefühl im Oberbauch und eventuelle Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen hinzukommen. Die Patienten berichten in diesem Fall über eine Umfangszunahme des Bauches.
Im Verlauf der Erkrankung können die Betroffenen einen Ikterus entwickeln. So bezeichnet man eine Gelbfärbung der Haut, die als erstes in den Bindehautsäcken erkennbar wird. Vor allem von der Erkrankung betroffene Männer berichten zudem über einen Verlust der sekundären Körperbehaarung vor allem am Bauch (Bauchglatze) und einer Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie). Bei Frauen treten oftmals Unregelmäßigkeiten bei der Regelblutung (Menstruationsstörungen) auf.
Der narbige Umbau von funktionsfähigem Labergewebe zu funktionslosem Bindegewebe schränkt die Aufgaben der Leber so weit ein, dass es zu teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen kommen kann. Dazu gehören beispielsweise schwere Blutungen im Bereich der Speiseröhre, die durch Erkrankungsbedingte Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) ausgelöst werden. Die Blutgerinnung ist im Endstadium der Leberzirrhose weitestgehend aufgehoben, weshalb die Betroffenen auch bei kleinsten Verletzungen eine starke Blutungsneigung aufweisen.
Eine weitere gefürchtete Komplikation ist zudem die so genannte hepatische Enzephalopathie. Da die Leber ihre Entgiftungsfunktion des Blutes nicht mehr ausführen kann, sammeln sich immer mehr Giftstoffe im Blut an und gelangen schließlich auch ins Gehirn, was zu schweren Bewusstseinsstörungen bis hin zum Leberkoma führen kann.
Schreitet eine Leberzirrhose weiter fort, kann es auch zu Leberkrebs und schließlich zu Leberversagen kommen.
Diagnose
Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Leberzirrhose wird der behandelnde Arzt durch eine ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese) zunächst versuchen, die ursprüngliche Erkrankung als Auslöser zu finden. In der körperlichen Untersuchung wird der Arzt auf typische oberflächliche Anzeichen der Leberschädigung achten. Dazu wird er auch die Augen inspizieren, um erste Hinweise auf einen Ikterus zu erkennen. Zudem können verschiedene Veränderungen der Haut Hinweise auf eine Lebererkrankung geben. Zu diesen Leberhautzeichen zählen beispielsweise so genannte Teleangiektasien, die vor allem am Körperstamm auftreten, oder das Palmarerythem, bei dem eine Rotverfärbung der Handinnenflächen auftritt.
Im Rahmen der Leberdiagnostik wird in der Regel auch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt (Abdomensonographie). Im Anfangsstadium der Leberzirrhose wirkt die Leber im Ultraschall oft vergrößert. Das Lebergewebe ist verhärtet und an der Oberfläche mit Knoten, Narben und Höckern übersät. Im Verlauf der Erkrankung wird die Leber immer mehr vernarbt und schrumpft in such zusammen. Dieser Zustand wird auch als Schrumpfleber bezeichnet. Zudem kann auch die Milz an Größe zunehmen (Splenomegalie). In der Sonographie kann oft bereits eine Ansammlung von freiem Wasser im Bauchraum auffallen (Aszites).
Um die Diagnose einer Leberzirrhose zu sichern, kann oftmals auch eine Leberbiopsie notwendig werden. Dazu wird die Leber von außen mit einer Nadel punktiert um eine Probe des Lebergewebes zu gewinnen. Diese wird anschließend unter dem Mikroskop auf krankhafte Veränderungen hin untersucht.
Therapie
Das Ziel der Therapie einer Leberzirrhose ist zunächst die Behandlung der Grunderkrankung. So kann zumindest das Fortschreiten der Leberschädigung gestoppt oder verlangsamt werden.
- Im Falle einer Alkoholtoxischen Leberzirrhose ist allein die Alkoholabstinenz die entscheidende Therapie. Eine erfolgreiche Entwöhnung vom Alkohol kann das Überleben in hohem Maße verlängern und verbessern.
- Eine Autoimmunhepatitis kann durch eine Unterdrückung der Körpereigenen Abwehr (immunsuppressive Therapie) oft sehr gut behandelt werden. Dabei kann auch bei schon manifester Leberzirrhose die Überlebensrate der Betroffenen angehoben werden.
- Im Falle einer Virushepatitis kann das Fortschreiten der Erkrankung durch Medikamente gehemmt werden, die die Vermehrung der Hepatitisviren im Blut verhindern. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn noch eine ausreichende Konzentration an Viren im Blut nachgewiesen werden kann.
- Bei einer Erkrankung an Morbus Wilson können Kupferablagerungen in der Leber mit Hilfe von D-Penicillamin aus dem Organ entfernt werden. Dabei bindet der Wirkstoff sich an das Kupfer, wodurch es schließlich mit dem Urin ausgeschieden werden kann.
Zudem sollen die Betroffenen vor allem weitere Infektionen der Leber vermeiden. Die ständige Impfkommission des Robert Koch Institutes empfiehlt deshalb vor allem für Risikopatienten eine Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B.
Außerdem sollte die Leber keinen Giftstoffen (Noxen) ausgesetzt sein, die sie weiter schädigen können. Dazu zählen vor allem Alkohol und verschiedene Medikamente. Die Betroffenen sollten außerdem darauf achten, sich ausgewogen und vitamin- und eiweißreich zu ernähren. Eine Ausnahme stellt lediglich die hepatische Enzephalopathie dar, bei der weitestgehend auf Eiweiß verzichtet werden sollte. In schweren Fällen von Leberzirrhose hilft jedoch nur noch die Transplantation einet gesunden Spenderleber. Diese kann jedoch nur erfolgen, wenn die erforderlichen Kriterien für eine Lebertransplantation erfüllt werden, die das Transplantationszentrum festlegt.
Prognose
Die Schäden, die durch eine Leberzirrhose am Organ verursacht wurden, können meist nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bei angemessener und rechtzeitiger Therapie kann die Erkrankung jedoch oftmals zum stillstand gebracht werden. Sind noch mindestens 15 Prozent des Lebergewebes erhalten reicht dies in der Regel aus, um alle Funktionen des Organs aufrecht zu erhalten.Zur Beurteilung der Prognose einer Leberzirrhose dient der so genannte Child-Pough-Score, bei dem anhand verschiedener Kriterien Punkte vergeben werden, die mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelieren. Je nach Punktwert wird die Erkrankung dann in Child A, B, C, oder D unterteilt, wobei Child A die beste Prognose aufweist.
Letzte Aktualisierung am 23.07.2010.