Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist entweder angeboren und beginnt schon im frühesten Säuglingsalter, oder sie ist erworben, das heißt sie tritt erst im späteren Lebensalter auf.
Die angeborene Form geht meist auf nicht richtig ausgebildetes Schilddrüsengewebe zurück, so dass keine ausreichenden Mengen an Hormon produziert werden können. Manchmal ist das Hormon falsch zusammengebaut und funktioniert deswegen nicht. Extrem selten ist der Hormonrezeptor kaputt.
Bei der erworbenen Hypothyreose unterscheidet man in Formen: primäre und sekundäre Unterfunktion. Dabei geht es darum, wo der Defekt liegt. Ist er direkt in der Schilddrüse zu finden, nennt man das primäre Hypothyreose. Das ist entweder die Folge einer Autoimmunerkrankung, bei der durch eine Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) Antikörper gegen die Schilddrüse gebildet werden. Die häufigste Ursache ist die Hashimoto-Thyreoiditis, Frauen sind sehr viel häufiger betroffen als Männer. Manchmal wird eine Unterfunktion durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufen, zum Beispiel einer Schilddrüsenentfernung (Strumektomie) bei Schilddrüsenkrebs, nach einer Radiojodbehandlung oder durch verschiedene Medikamente wie Lithium (ein Antidepressivum) oder bei Überdosierung eines Medikamentes gegen eine Überfunktion (Thyreostatikum).
Die sekundäre Form wird durch einen Defekt im übergeschalteten Regelkreis hervorgerufen. Im Gehirn gibt es neben anderen ein Steuerzentrum für verschiedene Stoffwechselfunktionen, den Hypothalamus. Dieses Zentrum steuert mit dem Botenstoff Thyreoblobulin-Resleasing-Hormon (kurz TRH) die Freisetzung von einem anderen Botenstoff aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Die Hypophyse produziert durch das Signal des TRH in ihrem vorderen Lappen das Thyreoglobulin-Stimulierende Hormon (kurz TSH). Das TSH wiederum regt die Schilddrüse an, die beiden Schilddrüsenhormone T4 (auch Tetrajodthyronin oder Thyroxin genannt) und T3 (Trijodthyronin) herzustellen. T4 ist die Speicherform, sie ist stoffwechselinaktiv, kann aber von jedem Organ in die Wirkform T3 verwandelt werden. Gespeichert werden die beiden Formen in der Schilddrüse im Thyreoglobulin. Das TSH regt aber nicht nur die Produktion von T3 und T4 an, es fördert auch die Freisetzung aus dem Thyreoglobulin, so dass die Hormone in das Blut gelangen und zu allen Zielorganen transportiert werden. Der etwas umständlich aussehende Regelkreis ist wichtig, um die Funktion der Schilddrüse zu steuern. Wird nämlich vermehrt Thyreoglobulin freigelassen, senkt das die TRH-Produktion im Hypothalamus (und umgekehrt) im so genannten Rückkopplungskreislauf.
enn also die Hypophyse trotz Anregung durch das TRH aus dem Hypothalamus kein TSH produzieren kann, ist das eine sekundäre Hypothyreose. Meist ist daran eine Unterfunktion der Hypophyse Schuld (Hypophysenvorderlappeninsuffizienz). Ist die Herstellung vom TRH kaputt, ist das ein Defekt im Hypothalamus, diese Variante der sekundären Form ist allerdings extrem selten.
Da in den Organen die wichtigen Schilddrüsenhormone fehlen, ist der Stoffwechsel verlangsamt. Die häufigsten Zeichen sind zum Beispiel ein verlangsamter Herzschlag, ein Leistungsknick mit Antriebsarmut, unerklärliche Müdigkeit, das Denken und Handeln sind verlangsamt. Oft leidet der Patient auch unter einer Kälteunverträglichkeit (Kälteintoleranz), er friert praktisch ständig. Die Haut ist trocken, kühl, blass und fühlt sich typisch teigig an. Das kommt von einer leichten Wassereinlagerung, die auch Myxödem genannt wird. Weil das Bindegewebe der Augenlider besonders weich ist, kann man es dort besonders gut an einem Lidödem erkennen.
Das Myxödem kann auch Schuld an einer Gewichtszunahme sein. Aber auch die Verdauung ist verlangsamt, der Betroffene neigt zu Verstopfung, die aufgenommene Energie der Nahrung kann nicht verwertet werden und wird in Form von Fett eingelagert. Das kann zu einer frühzeitigen Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) führen. Die Haare werden brüchig und sind wie die Haut trocken, die Stimme kann heiser wirken, die Sprache verlangsamt und undeutlich. Sogar die Stimmung wird durch fehlendes Schilddrüsenhormon negativ beeinflusst. Der Mangel kann bis zur Depression führen, weswegen der Arzt bei dem Verdacht auf eine Depression immer die Hormone mitbestimmen muss. Auch Muskelbeschwerden (Myopathie) können vorkommen und ein rheumatisches Beschwerdebild vortäuschen.
Der Verdacht auf eine Hypothyreose entsteht durch die Symptome, wobei die drei häufigsten Kälteintoleranz, Müdigkeit und psychische wie körperliche Antriebsarmut (auch Adynamie genannt) sind
Beweisen lässt sich die Erkrankung ganz einfach mit einer Hormonbestimmung im Blut.
Bei einer primären Hypothyreose reicht ein erhöhter TSH-Wert und ein erniedrigtes Thyroxin (fT4) zur Diagnose aus. Bei der Suche nach ihrer Ursache werden Schilddrüsenantikörper bestimmt. Sind sie vorhanden, ist eine immunologisch bedingte Entzündung der Übeltäter. Zum Beispiel findet sich bei der Hashimoto-Thyreoiditis in 95 von 100 Fällen ein TPO-Antikörper.
Auch eine Sonographie (das ist eine Untersuchung mittels Ultraschall) kann weiterhelfen, es zeigt bei einer Unterfunktion durch eine Hashimoto-Thyreoiditis ein meist kaum zu erkennendes und von der Umgebung abzugrenzendes Gewebe.
Eine Szintigraphie ist oft unnötig, sie zeigt zwar deutlich ein schwach anreicherndes, also nicht gut arbeitendes Schilddrüsengewebe, aber die Sonographie ist besser geeignet und hat keine Nebenwirkungen, ist also angenehmer für den Patienten.
Bei einer sekundären, durch die Hypophyse bedingten Unterfunktion sind neben einem erniedrigten TSH auch noch andere Hormone erniedrigt, die dort ebenfalls hergestellt werden (zum Beispiel Gonadotropine oder manchmal das ACTH), diese sollte der Arzt dann auch testen.
Manchmal ist die Schilddrüsenfunktion verändert, aber noch als normal anzusehen. Wenn zum Beispiel das TSH hochnormal ist und das fT3 und fT4 normal oder nierdrignormal sind, nennt der Arzt das latente, also versteckte Unterfunktion. Es ist die Übergangsphase einer chronischen Schilddrüsenentzündung, bei der nach und nach das Gewebe zu Grunde geht, die Funktion im Moment aber noch ausreicht. Deswegen muss dieser Zustand weiter beobachtet werden.