Gicht ist eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der es zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen (Urat) in verschiedenen Gelenken (besonders das Großzehengrundgelenk) und Geweben kommt. Diese Ablagerungen entstehen aufgrund eines Anstiegs des Harnsäurespiegels im Blut. Die Harnsäurekristalle führen zu einer gelenknahen Knochenresorption und Knorpelveränderungen. Bei langfristig bestehenden Schäden kann sogar eine Niereninsuffizienz entstehen.
Im Körper entsteht die Harnsäure als Endprodukt des Purinstoffwechsels. Purine, wie z.B. Adenin und Guanin, sind Bestandteile der Nukleinsäuren und damit der DNA (menschliches Erbgut). Sie kommen in allen menschlichen und tierischen Zellen vor.
Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Fleisch, Innereien und Bier sind auch Purinreich. Steigt der Harnsäurewert im Blut über 7 mg/dl, so spricht man von erhöhten Werten, die aber meistens durch Medikamente und einer entsprechenden Ernährung wieder normalisiert werden können.
Man unterscheidet zwei Formen der Gicht:
Auslöser einer akuten Gicht sind Ereignisse, die den Harnsäurespiegel verändern (erhöhen oder reduzieren). Hierzu gehören z.B. ein Festessen, übermäßiger Alkoholkonsum, körperliche Anstrengung und extremes Fasten. Besonders nachts kommt es zu einer akuten Entzündung des Großzehengrundgelenks (das Daumengrundgelenk ist seltener betroffen), die sich durch starke Schmerzen, Schwellung, Rötung und Erwärmung bemerkbar macht. Die Gichtanfälle betreffen meistens das Knie, die Fingergelenke, das Handgelenk und den Ellenbogen. Werden Gichtanfälle nicht behandelt, so kommt es immer wieder zu neuen Anfällen mit Zunahme der Schmerzen und der Dauer, sowie der Anzahl der betroffenen Gelenke.
Über mehrere Jahre können sich an verschiedenen Körperstellen Harnsäurekristalle ablagern. Diese Ablagerungen können in den Gelenken zu irreversiblen Gelenkveränderungen und Knochenzerstörungen führen. Außerdem können sich so genannte Gichtknoten in Gelenknähe und in anderen Geweben ausbilden, z.B. Gichtperlen im Ohrknorpel.
Über die Jahre hinweg schädigen Harnsäureablagerungen auch die Niere und führen zur Nierensteinbildung. Wichtig ist hier noch zu erwähnen, dass Nierensteine auch ohne Gicht der Gelenke auftreten können.
In Gebieten mit hohem Lebensstandard ist die Gicht viel häufiger anzutreffen als in Entwicklungsländern. Man kann die Gicht als Wohlstandskrankheit auffassen. Sie geht in vielen Fällen mit Übergewicht, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erhöhten Blutfettwerten und Bluthochdruck einher.
Die Erkrankung tritt meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Männer sind viel häufiger betroffen als Frauen. Besonders in den Industriestaaten haben etwa 20 Prozent der Männer einen erhöhten Harnsäurespiegel. Dies ist deshalb so wichtig, denn je höher die Konzentration der Harnsäure ist, desto größer ist die Gefahr für einen Gichtanfall.
Ursache der Gicht ist ein erhöhter Harnsäurespiegel. Die Harnsäure wird sowohl im Körper produziert und auch mit der Nahrung aufgenommen. Sie wird zum größten Teil über die Niere ausgeschieden.
In den meisten Fällen liegt ein genetischer Defekt vor, der zur verminderten Harnsäureausscheidung führt. Die Krankheit wird häufig durch purinreiche Ernährung, übermäßigem Alkoholkonsum und Übergewicht zusätzlich verstärkt.
Häufige Ursachen der Gicht sind:
In der Medizin wird zwischen zwei Ursachen der Gichtkrankheit unterschieden:
Leicht erhöhte Harnsäurespiegel bereiten meistens über viele Jahre keine Beschwerden. Häufig wird die Erkrankung erst bei einem akuten Gichtanfall des Großzehengrundgelenks entdeckt.
Ein akuter Gichtanfall führt zu plötzlich einsetzenden heftigen Schmerzen in einem Gelenk, die sich bei Berührung verstärken. Das Gelenk ist oft stark gerötet, geschwollen und überwärmt. Außerdem können weitere Zeichen wie Fieber, vermehrt weiße Blutkörperchen, erhöhte Harnsäurewerte und manchmal auch Kopfschmerzen auftreten, die alle ein Entzündungszeichen darstellen. Meistens ist das Großzehengrundgelenk betroffen, die auch als Podagra bezeichnet wird. Unbehandelt hält der Gichtanfall drei Tage an, wobei die Dauer der Anfälle im Krankheitsverlauf stark zunehmen kann.
Sind mehrere Anfälle abgelaufen, so entwickelt sich mit der Zeit eine Arthritis urica. Hier liegt eine Zerstörung des Gelenks vor. Im Röntgenbild sind typische gelenknahe Stanzdefekte in der Spongiosa (schwammartig aufgebautes System im Innenraum des Knochens) zu sehen und der Gelenkkopf sieht durchlöchert aus. Folgen sind häufige Schmerzattacken, Gelenkdeformitäten, Nierensteine und Nierenversagen.
Eine unbehandelte Gicht führt im Laufe der Jahre zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in verschiedenen Geweben und Organen.
Das charakteristische Bild der Beschwerden und die Erhebung der Krankengeschichte, lassen einen akuten Gichtanfall bereits sicher diagnostizieren. Bei einem akuten Gichtanfall liegt jedoch häufig kein erhöhter Harnsäurespiegel vor, es sind lediglich hohe Entzündungswerte vorhanden.
Im Frühstadium können verschiedene Untersuchungen Hinweis auf einen Gicht geben, hierzu gehören:
Ein erhöhter Harnsäurespiegel lässt sich im Blut gut nachweisen. Man sollte hier aber nicht vergessen, dass der Blutspiegel, je nachdem was gegessen oder getrunken wurde, stark schwanken kann. Der Harnsäurespiegel kann auch während der Blutabnahme wieder im Normbereich liegen. Dass heißt ein einziger negativer Laborbefund gibt keinen Hinweis dafür, dass keine Gicht vorliegt. Im Labor sind weiterhin folgende Daten zu sehen: Leukozytenanstieg, Anstieg der Blutsenkungsgeschwindigkeit und ein Anstieg der Harnsäure auf > 6,5 mg/dl. Ist die Harnsäurekonzentration > 8 mg/dl, so erleiden 25 % der Patienten einen Gichtanfall. Bei Werten > 9 mg/dl erleidet nahezu jeder Patient einen Gichtanfall. Neue Studien ergaben, dass bei nur 5 Prozent der Patienten mit hohen Harnsäurewerten, tatsächlich eine Gicht entwickelt wird. Gicht kann aber auch bei völlig normalen Werten entstehen.
Im Frühstadium der Gicht sind keine Auffälligkeiten zu sehen. Erst im späteren Verlauf treten Gelenkveränderungen auf, die im Röntgenbild darstellbar sind, z.B. Gelenkzerstörung und gelenknahe Usuren (Knochendefekte).
Die Urografie dient der indirekten Darstellung einzelner Uratsteine, da sie im Röntgenbild nicht darstellbar sind.
Bei unklaren Fällen kann eine Gelenkpunktion durchgeführt werden um festzustellen ob Uratkristalle vorliegen.
Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die oft ähnliche Symptome aufweisen. Rheuma und Gicht weisen oft die gleichen Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und Unbeweglichkeit des Bewegungsapparates auf.
Folgende Krankheiten können auch zu Gelenkstörungen führen:
Der akute Gichtanfall wird anders therapiert als der erhöhte Harnsäurespiegel.
Therapiemöglichkeiten bei einem akuten Gichtanfall:
NSAR hemmt die Prostaglandinsynthese durch Hemmung eines Enzyms des Entzündungsstoffwechsels. Dies führt zu einer Schmerzsenkung und einer Entzündungshemmung.
Die Entzündungsreaktion wird dadurch gehemmt, das das Colchicin die Leukozyten (besonders Makrophagen= Fresszellen) daran hindert, die Harnsäurekristalle aufzunehmen. Die Anwendung dieses Giftstoffes ist so alt wie die Medizin, doch wird sie aufgrund der hohen Toxizität nur noch selten angewandt. Die Niereninsuffizienz stellt eine Kontraindikation für die Anwendung dar.
Das Cortison ist ein körpereigenes Hormon, das stark entzündungshemmend wirkt. Die Kortikosteroide haben in den letzten Jahren, bei der Behandlung von Gicht einen großen Stellenwert erhalten. Auch die Niereninsuffizienz stellt hier keine Kontraindikation dar. Man beginnt in der Regel mit einer Startdosis von 30-60 mg/ Tag für etwa zwei bis drei Tage. Dann wird das Kortison über 10 bis 14 Tage ausgeschlichen.
Die aufgeführten Medikamente bekämpfen aber nur die Symptome!
Bei der chronischen Gicht sind folgende Maßnahmen hilfreich:
Purinreiche Nahrung sollte wenig aufgenommen werden. Zudem sind regelmäßige Kontrollen des Harnsäurespiegels erforderlich.
Sie hemmen die Rückresorption (Aufnahme) der Harnsäure in die Nieren. Die Ausscheidung wird dadurch gefördert. Zu den Urikosurika gehören das Benzbromaron, Probenecid und Isobromindion.
Im Handel ist derzeit nur das Allopurinol. Sie hemmt die Bildung der Harnsäure. Es fallen vermehrt Vorstufen der Harnsäure an, die wesentlich besser wasserlöslich sind und dadurch einfacher über die Nieren ausgeschieden werden können. Das Allopurinol kann allerdings folgende Nebenwirkungen hervorrufen: Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und in einigen Fällen Blutbildveränderungen und Leberfunktionsstörungen.
Die Prognose ist abhängig von der Therapie und dem Krankheitsverlauf der Gicht. Bei chronischen Verläufen die zu Gelenkveränderungen oder starken Nierenschäden führen, kann es zur Invalidität und Dialysepflicht kommen.
Patienten mit einem erhöhten Harnsäurespiegel, können das Risiko eines Gichtanfalls minimieren, wenn sie die allgemeinen Ratschläge zur Ernährung beachten und auslösende Faktoren meiden.
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer Gicht, ist die Senkung des Harnsäurespiegels. Diese kann man gut erreichen, wenn man purinhaltige Lebensmittel meidet. Dazu gehören vor allem Innereien, Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte, außerdem Nahrung mit hohem Fettanteil und alkoholische Getränke.
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