Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die mit erhöhten Blutzuckerwerten einhergeht. Der Begriff Diabetes kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet „honigsüßer Durchfluss“. Aufgrund der erhöhten Blutzuckerspiegel treten mit der Zeit Folgeerkrankungen auf, die sich insbesondere an den Augen, Nieren, dem Nervensystem, Herz, Gehirn und an den Gefäßen manifestieren. Hauptsächlich unterscheidet man zwei Diabetesformen:
Beim Typ-1-Diabetes liegt ein absoluter Mangel des Hormons Insulin vor. Durch körpereigene Abwehrstoffe (Autoantikörper) werden die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Daraus resultiert für den Körper ein Insulinmangel, der schon meist im Kindes- und Jugendalter auftritt.
Beim Typ-2-Diabetes liegt ein relativer Insulinmangel vor. Es besteht eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin (Insulinresistenz), oder aber die Insulin produzierenden Zellen sind durch die jahrelang andauernde Überproduktion, irgendwann derartig erschöpft, so dass sie nicht mehr ausreichend Insulin produzieren können. Der Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, tritt bevorzugt im Erwachsenenalter, bei Übergewichtigen und älteren Menschen auf.
Diese Form des Diabetes tritt während der Schwangerschaft auf und verschwindet auch meist wieder. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es nach der Schwangerschaft zu einer Manifestation oder aber die Patienten entwickeln in den folgenden Jahren einen Typ-2 Diabetes. Etwa eins bis fünf Prozent aller Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes.
Diese Form des Diabetes wurde neu entdeckt und betrifft vor allem Personen über 25 Jahren. Bei diesen Patienten sind im Blut Antikörper nachweisbar, die für die Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse verantwortlich sind. Die Patienten weisen ähnliche Symptome, wie die Typ-1-Diabetiker auf. Der LADA – Diabetes ist mit einer Diät oder Tabletten mehrere Jahre gut behandelbar.
Der Sekundäre Diabetes entwickelt sich als Folge anderer Erkrankungen. Diese sind vor allem Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der hormonproduzierenden Drüsen mit einer vermehrten Hormonproduktion (z.B. Kortisol beim Cushing-Syndrom) und die langjährige Medikamenteneinnahme (vor allem Einnahme von Kortison oder wassertreibenden Medikamenten).
In Deutschland leiden etwa 8 Millionen Menschen an Diabetes mellitus, davon sind 5-10 Prozent Typ-1 Diabetiker und ca. 90 – 95 % Typ-2 Diabetiker. Die Tendenz für die nächsten Jahre ist durch die zunehmende Altersentwicklung der Bevölkerung eher steigend.
Diabetes ist die häufigste Stoffwechselkrankheit und zählt immer mehr zu den Volkskrankheiten. Je früher der Diabetes erkannt und behandelt wird, desto geringer sind auch die Folgeschäden.
Für die verschiedenen Diabetestypen kommen unterschiedliche Ursachen in Frage.
Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der durch eine Fehlregulation des Immunsystems körpereigene Strukturen zerstört werden, d.h. Antikörper sind gegen die B Zellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet. Die B-Zellen produzieren das Hormon Insulin, welches den Blutzuckerspiegel senkt.
Die Zerstörung der B-Zellen kann durch verschiedene Auslöser hervorgerufen werden. Als Auslöser kommen insbesondere Medikamente (z.B. nach Behandlung mit Interferonen bei Leberentzündungen oder Kortisonbehandlungen) und verschiedene Virusinfektionen in Frage, z.B. Masern, Röteln und Coxsackieviren. Als Ursache ist auch eine genetische Veranlagung zu sehen. Hierbei sind spezielle Eiweißstrukturen auf den weißen Blutkörperchen nachweisbar, die so genannten HLA (Human leukocyte Antigens) bzw. „menschliche Lymphozytenantigene. Besonders Menschen mit dem HLA-DR3-DQ2 oder HLA-DR4-DQ8 Typ neigen zu einer Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 1. Diese genetischen Merkmale sind aber auch bei Gesunden nachweisbar, so dass sie allein nicht das Schicksal bestimmen, an Diabetes zu erkranken.
Der Typ-2-Diabetes unterscheidet sich vom Typ-1-Diabetes im wesentlichen dadurch, dass hier nur ein relativer Insulinmangel besteht. Während beim Typ-1- Diabetes eine völlige Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen vorliegt, ist beim Typ-2-Diabetes zu viel Insulin im Blut vorhanden. Da die Zellen aber nicht mehr auf das Insulin ansprechen und resistent werden, produziert die Bauchspeicheldrüse vergeblich vermehrt Insulin, um das Defizit auszugleichen.
Auch die Vererbung spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes, wobei bis heute viele Details noch unklar sind. Die Erkrankung am Typ-2-Diabetes wird nicht nur durch die Gene verursacht, sondern auch andere Risikofaktoren tragen wesentlich dazu bei.
Als Risikofaktoren zählen hier insbesondere eine ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel. Laut den neusten Erkenntnissen sind auch hormonelle Ursachen für die Entstehung der Insulinresistenz verantwortlich. Man fand heraus, das das Hormon Resistin die Empfindlichkeit der Körperzellen auf das Insulin herabsetzt und gleichzeitig die Speicherung von Fett in die Fettzellen fördert.
Im Gegensatz zu Männern kommen bei Frauen zwei weitere Risikofaktoren in Frage, die die Entstehung begünstigen. Dazu zählt zum einen die starke Fetteinlagerung an Bauch und an den Hüften, sowie eine starke Behaarung (Hirsutismus), die durch Störungen des Hormonhaushaltes entstehen können.
Der Schwangerschaftsdiabetes entsteht aufgrund des Ungleichgewichts zwischen blutzuckererhöhenden Hormonen und dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin. Die Bauchspeicheldrüse muss während dieser Zeit vermehrt Insulin produzieren. Ist die Bauchspeicheldrüse erschöpft und kann dem hohen Bedarf nicht mehr nachkommen, so entwickelt sich der Gestationsdiabetes.
Bei einem Diabetiker treten meistens folgende Symptome auf, wenn der Diabetes nicht behandelt wird:
Der Typ-2-Diabetes wird oft zufällig entdeckt, da die Erkrankung zu Beginn fast völlig beschwerdefrei verläuft und sie sich erst über einen längeren Zeitraum schleichend entwickelt. Die Symptome kommen erst nach mehreren Jahren zum Vorschein.
Beim Typ-1-Diabetes vergehen Monate, da sie sich relativ schnell entwickelt, bis erste Symptome auftreten. Denn erst wenn etwa 80% der B-Zellen zerstört sind, kann der Insulinmangel vom Körper nicht mehr ausgeglichen werden.
Ein schlecht eingestellter Diabetes kann nach Jahren Folgeerkrankungen verursachen, die im wesentlichen folgende sind:
Durch die hohen Blutzuckerwerte werden kleine Blutgefäße besonders stark geschädigt. Der Wandaufbau wird geschädigt, so dass Blutungen auftreten können. Zudem kommt es zu einer Wandverdickung, die einen Gefäßverschluss verursachen kann und so Durchblutungsstörungen auftreten können. Die diabetische Mikroangiopathie betrifft vor allem die Netzhaut des Auges (Diabetische Retinopathie) und schädigt die Nieren (Diabetische Nephropathie).
Durch den Diabetes mellitus werden arteriosklerotische Veränderungen an den Gefäßen begünstigt. Das bedeutet es kommt zu einer Verengung der Blutgefäße (durch Ablagerungen an der Gefäßwand), die zusätzlich durch erhöhte Blutfettwerte, hoher Blutdruck, Übergewicht und Rauchen, das Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Koronare Herzerkrankung und Durchblutungsstörungen der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit) begünstigen.
Durch den hohen Zucker im Blut werden auch die Nerven geschädigt, die für die Sensibilität, das Temperaturempfinden, Schmerzempfinden und Berührungsempfinden verantwortlich sind. Patienten mit einer Neuropathie klagen oft über brennende Schmerzen, haben kalte Füße und die Schweißsekretion an den Füßen ist meist aufgehoben.
Durch die Nervenschäden sind meist das Schmerz- und Temperaturempfinden so weit herabgesetzt, dass der Diabetiker Verbrennungen oder Fehlhaltungen kaum verspürt. Zudem bestehen Durchblutungsstörungen, die eine Minderversorgung des Gewebes verursachen. So sind bei dem Diabetiker an den Füßen oft offene, schlecht heilende Wunden und Geschwüre zu finden, die im schlimmsten Fall eine Amputation erfordern können. Daher sollten Diabetiker täglich ihre Füße auf Druckstellen und Einrisse kontrollieren und auf bequeme Schuhe und sanfte Fußpflege achten. Insgesamt 15% der älteren Diabetiker leiden an einem diabetischen Fuß.
Nervenschäden und Durchblutungsstörungen können Potenzprobleme verursachen, die sexuelle Erregbarkeit stören und zu Erektionsschwierigkeiten führen. Bei den Frauen können unter anderem die Monatsblutungen aussetzen.
Die Diagnose des Diabetes mellitus kann bereits anhand einer Messung des Nüchternblutzuckers (der Glukose-Konzentration im Blut) oder durch einen Glukosebelastungstest (Oraler Glukose Toleranztest, OGTT) gut gestellt werden. Beträgt der Nüchternblutzucker, mindestens an zwei verschiedenen Tagen, höher als 120 mg/dl, so kann man mit großer Sicherheit die Diagnose Diabetes mellitus stellen. Besonders wichtig ist hier, dass die Patienten acht Stunden vor der Blutentnahme nichts essen dürfen. Wasser trinken ist erlaubt.
Liegt der Nüchternblutzuckerwert zwischen 100 bis 125 mg/dl, dann wird im folgenden ein Glukosebelastungstest durchgeführt. Hierbei müssen die Patienten eine genau festgelegte Glucoselösung trinken. Der Blutzuckerwert wird einmal vor der Untersuchung und anschließend in bestimmten Zeitintervallen gemessen. Beträgt der Blutzuckerwert nach zwei Stunden mehr als 200 mg/dl, liegt ein Diabetes mellitus vor. Wenn Werte zwischen 140 und 200 mg/dl gemessen werden, dann spricht man von einer „Gestörten Glukosetoleranz”.
Auch die Harnuntersuchung wird zur Bestimmung eingesetzt. Ist im Urin Glucose nachweisbar, so spricht dass für einen Diabetes, da der Nierenschwellwert für Glucose überschritten wurde und somit vermehrt Glucose im Urin auftaucht. Ebenso ist die Bestimmung des HbA1c-Wertes für die Einschätzung des Zuckerstoffwechsels, über einen längeren Zeitraum, unentbehrlich. Der HbA1c-Wert gibt den Prozentanteil des roten Blutfarbstoffs an, der mit Glucose verbunden ist. Normalerweise liegt der Wert bei Gesunden zwischen vier bis sechs Prozent, die Höhe ist von dem Blutzucker abhängig. Durch diesen Wert kann man unter anderem die Blutzuckereinstellung der letzten acht bis zehn Wochen beurteilen und somit als Verlaufsparameter sinnvoll betrachten. Ein gut eingestellter Diabetiker sollte immer HbA1c Werte unter sieben Prozent haben, optimalerweise unter 6,5 Prozent.
Erhöhte Blutzuckerwerte weisen nicht grundsätzlich auf eine Zuckerkrankheit hin, insbesondere wenn es sich um einen einmalig erhöhten Blutzucker handelt. Denn allein extrem kohlenhydratreiche Nahrung kann den Blutzucker sehr ansteigen lassen, obwohl kein Diabetes vorliegt.
Erhöhte Blutzuckerwerte sind vor allem bei folgenden Erkrankungen zu finden:
Die Therapie ist abhängig von der zugrunde liegenden Diabetesform.
Die Therapie ist hier mit Insulingabe durchzuführen, da hier ein absoluter Insulinmangel besteht. Das Insulin muss lebenslang von außen eingespritzt werden. Eine Therapie mit oralen Antidiabetika ist sinnlos, da sie eine vermehrte Insulinausschüttung hervorrufen, die beim Typ-1-Diabetes aufgrund des totalen Mangels aber unmöglich ist.
Die Insulintherapie erfolgt in den meisten Fällen mit einem Insulinpen, der einem Füllfederhalter ähnelt und durch eine vorab eingestellte Insulinmengen exakt verabreicht wird. Der Pen wird, wie auch ein Füllfederhalter, mit einer Patrone gefüllt, die eine bestimmte Insulinmenge aufweist. Die Dosis, die injiziert werden soll, wird durch eine entsprechende Einstellung an einem Drehknopf des Pens festgelegt.
So kann man sich sicher sein, dass man nicht versehentlich zu viel oder gar zu wenig Insulin spritzt.
Des Weiteren hat man die Möglichkeit mittels einer Insulinpumpe das Insulin in den Körper zu verabreichen. Die Insulinfreisetzung aus der Pumpe erfolgt ähnlich wie die Freisetzung des Insulins aus der gesunden Bauchspeicheldrüse. Mit dieser Methode erreicht man in der Regel sehr gute Blutzuckerwerte und die Patienten fühlen sich ausgesprochen wohl.
Die Pumpe kann z.B. am Gürtel getragen werden. Über einen Schlauch ist sie mit einer Injektionsnadel verbunden, die unter der Haut im Fettgewebe platziert wird. Hier ist besonders auf eine sorgfältige Hygiene zu achten (hohes Infektionsrisiko), da die Nadel in der Regel für 24 Stunden an einer Stelle verbleibt. Durch eine bereits vorherige Programmierung der Pumpe, wird zu verschiedenen Zeitpunkten eine bestimmte Insulinmenge über den Schlauch in das Unterhautfettgewebe gespritzt.
Die Basistherapie besteht hier in der Umstellung der Ernährungsgewohnheiten (Diät) und regelmäßiger körperliche Bewegung. Wenn diese Maßnahmen aber nicht ausreichend sind, können blutzuckersenkende Medikamente (Antidiabetika) eingesetzt werden. Später bei Bedarf auch evtl. Insulin.
An Medikamenten stehen zur Auswahl:
Während einer Schwangerschaft sind die Blutzuckerwerte unbedingt im Normbereich zu halten, da hohe Werte Schäden beim ungeborenen Kind auslösen können. In erster Linie wird eine Ernährungsumstellung durchgeführt, wenn diese nicht ausreicht kann man die Patienten mit Insulinspritzen behandeln. Medikamente kommen beim Schwangerschaftsdiabetes nicht in Frage, da sie das Kind schädigen können.
Sind Diabetespatienten schlecht eingestellt und haben hohe Blutzuckerwerte, so können im Laufe der Zeit Folgeschäden auftreten. Nach einigen Jahren sind beim Diabetes bereits die ersten Spätkomplikationen vorhanden. Daher sind hier eine gute Einstellung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen für den Patienten sehr wichtig. Durch die gute Einstellung können Spätschaden und Folgeerkrankungen minimiert werden. Auch ist durch die gute Blutzuckereinstellung eine normale Lebenserwartung möglich.
Durch eine gesunde Lebenshaltung kann man den Diabetes gut in Griff bekommen. Dabei ist es wichtig, dass die Patienten geschult werden (Diabetesschulung) und so die Fähigkeit erlangen, sich selbst zu behandeln und lernen gezielt mit der Erkrankung umzugehen.
Zu empfehlen sind hier außerdem:
Nach den Empfehlungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (2001) und der American Diabetes Association, Diabetes Care, (2003), sollten folgende Personen zu einem Diabetes Screening (Untersuchung) gehen:
Die Richtlinien der Diabetes-Gesellschaften sind vor allem bei der Suche nach dem oft lange unbemerkten Diabetes Typ 2 (Erwachsenendiabetes) sehr hilfreich. Da sie oft schleichend eintritt und lange Jahre unbemerkt bleibt.