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COPD, Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung

Die COPD ist eine schwerwiegende Lungenerkrankung...

Die Lunge ist eines unserer wichtigsten Organe. Sie steht durch die eingeatmete Luft in direktem Kontakt mit der Umwelt. Ihre Aufgaben sind lebenswichtig und vielfältig. Sie reguliert den Blutdruck, beherbergt einen großen Teil unserer Immunabwehr, scheidet Schadstoffe aus und versorgt uns natürlich mit Sauerstoff. Der wichtigste Abnehmer des Sauerstoffs ist das Gehirn. Wenn das Gehirn länger als drei Minuten lang keinen Sauerstoff bekommt, treten schon Schäden auf, die teilweise nicht mehr reparabel sind. Nach zehn Minuten ohne Sauerstoff tritt dann der irreversible (nicht mehr rückgängig zu machende) Hirntod ein. Die Lunge ist das einzige Organ, das nennenswert Sauerstoff aufnehmen kann (Darm und Haut fallen nicht ins Gewicht). Es ist also unbedingt notwendig, dass die Atmung funktioniert.

Erkrankungen, die einen Einfluss auf die Atmung nehmen, können grob in obstruktive und restriktive Erkrankungen eingeteilt werden. Bei den restriktiven Lungenerkrankungen ist die Entfaltung der Lunge behindert. Diese Behinderung kann zum einen durch Veränderungen des Brustkorbs ausgelöst werden. Zum anderen können aber auch Veränderungen der Lunge selbst die Atmung behindern (z.B. Lungenfibrose). Bei den obstruktiven Erkrankungen ist die Füllung der Lunge durch die Atemwege behindert (lat. obstruere, verstopfend).

Die COPD (engl. chronic obstructive pulmonary disease, dt. chronische obstruktive Lungenerkrankung) betrifft vor allem die Bronchien. Sie resultiert meist aus gehäuft auftretenden Bronchitiden (Bronchusentzündungen) oder aus Emphysemen. Beim Emphysem verschmelzen mehrere Alveolen (Lungenbläschen) miteinander, so dass die Aufnahmefläche für Sauerstoff verkleinert wird. Die COPD stellt weltweit die vierthäufigste Todesursache dar. Die meisten Doppellungentransplantationen (Verpflanzung beider Lungenflügel gleichzeitig) werden wegen COPDs durchgeführt. Die meisten COPD-Patienten sind oder waren Raucher.


Ursachen

Die COPD entwickelt sich aus einer chronischen Bronchitis. Durch die Entzündung verdickt und vergrößert sich die Schleimhaut der Atemwege. Außerdem wird die natürliche Schleimsekretion der Lunge gestört. Dieser Schleim bindet normalerweise Bakterien und eingedrungene Schmutzpartikel. Durch die Flimmerhärchen, die auf der Schleimhaut sitzen, wird der Schleim in Richtung Rachen transportiert, wo er dann abgehustet oder geschluckt werden kann. Des weiteren werden durch die chronische Entzündung der Bronchien die Flimmerhärchen zerstört und in ihrer Funktion eingeschränkt. Dadurch wird das Abhusten des zähen Schleims erschwert („Raucherhusten"). Die Bedingungen für Keime aller Art werden hierdurch enorm verbessert, was zu häufig auftretenden kleineren Infekten mit den jeweiligen Entzündungsreaktionen führt. Durch diese permanenten Schädigungen der Bronchien werden Rezeptoren („Empfänger") voraktiviert. Es benötigt nur noch geringe Reize (z.B. kalte Luft, Rauch), um diese Rezeptoren zu aktivieren, was dann zu einem Zusammenziehen der Bronchien führt und einen asthmaähnlichen Anfall auslösen kann. Durch diese Belastungen werden wiederum Schleimhaut und Flimmerhärchen geschädigt. Dies ist ein Teufelskreis, der früher oder später in die COPD mündet. Durch die Stoffe, die während einer Entzündung freigesetzt werden, können die Wände der Alveolen (Lungenbläschen) geschädigt werden, was schließlich zum Lungenemphysem führt. Das Lungenemphysem mündet meist auch in eine COPD.

Es gibt viele verschiedene Ursachen für die chronische Bronchitis. Andere Erkrankungen können eine COPD auslösen, wie z.B. Mukoviszidose (gestörte Schleimbildung) oder ein Mangel an IgA (Protein, das Schleimhäute vor Erregern schützt).

Die häufigste Ursache ist jedoch Rauch. Hier ist auch die Luftverschmutzung („Common Pollution") zu nennen. Allerdings ist der Faktor „Rauchen" („Private Pollution") um ein Vielfaches gefährlicher. Jeder zweite Raucher über 40 Jahre leidet schon an einer chronischen Bronchitis, der Vorstufe einer COPD. Und mehr als 90 Prozent aller COPD-Patienten haben zumindest schon einmal über längere Zeit geraucht.


Symptome

Die Symptomatik der COPD lässt sich aus der den Ursachen und dem Verlauf der Krankheit ableiten.

Atemnot

Durch die Verengung der Atemwege und die Veränderungen der Lunge selbst kommt es zu Störungen der Sauerstoffaufnahme. Die Muskulatur der Lunge muss mehr arbeiten, um eine ausreichende Menge Luft in die Lunge zu pumpen. Außerdem erhöht sich im Blut der Kohlendioxidgehalt. Die Menge an Kohlendioxid im Blut wird vom Gehirn gemessen und bewertet. Bei erhöhtem Kohlendioxid verspürt der Betroffene Atemnot.

Husten

Der zähe Schleim reizt die Rachen- und Kehlkopfschleimhaut, was zur Auslösung des Hustenreflexes führt. Im Anfangsstadium der Erkrankung tritt der Husten noch vorwiegend tagsüber auf, wenn die Schleimproduktion durch Schadstoffe aus der Umwelt stark angeregt wird. Ein Warnzeichen für die Entwicklung einer COPD besteht in starkem morgendlichem Husten. Später dann tritt der Husten auch nachts auf, ist am Morgen aber weiterhin besonders heftig und hartnäckig.

Auswurf

Der Auswurf beim Husten besteht vor allem aus zähem Schleim. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwieriger wird es, diesen Schleim abzuhusten.

Das gemeinsame Auftreten dieser drei Symptome wird häufig auch als AHA-Symptomatik (Atemnot-Husten-Auswurf) bezeichnet. Sie tritt vor allem bei chronischer Bronchitis und COPD auf.

Cor pulmonale

Im weiteren Verlauf der Krankheit wird auch das Herz geschädigt. Durch die hohe Belastung im Lungenkreislauf vergrößert sich die rechte Herzhälfte. Durch diese Vergrößerung versucht das Herz, gegen den erhöhten Druck in der Lunge noch ausreichend Blut zu pumpen. Ab einer gewissen Größe aber kann das Herz nicht mehr ausreichend pumpen, und man spricht von einer Rechtsherzschwäche oder einem Cor pulmonale. Da die schwache rechte Herzhälfte nicht mehr ausreichend Blut pumpen kann, staut sich dieses vor dem Herzen zurück. Es entstehen Ödeme (Wassereinlagerungen, vor allem in den Beinen) und blaue Finger- und Fußnägel (Zyanose, aufgrund des Sauerstoffmangels). Die Zyanose kann auch die Lippen betreffen.

 

Es gibt zwei unterschiedliche Extremfälle der COPD:

Blue Bloater

Beim „blauen Huster" steht die COPD mit all ihren Symptomen im Vordergrund. Es handelt sich meist um einen übergewichtigen Menschen, der an Ödemen und Zyanose der Lippen und Nägel leidet. Er verspürt jedoch meist keine Atemnot. Dieser Typ verstirbt häufig an der Rechtsherzinsuffizienz.

Pink Puffer

Der „rosa Keucher" stellt das andere Extrem dar. Hier steht das Emphysem der Lunge im Vordergrund. Es handelt sich um einen stark untergewichtigen Menschen mit wenig Fett- und Muskelmasse (Kachexie), der starke Atemnot verspürt und unter nächtlichen Erstickungsanfällen leidet. Eine Zyanose tritt nicht auf, er verstirbt jedoch häufig an Atemversagen.

Der tatsächlich vorliegende Schweregrad einer COPD wird anhand der Symptomatik in verschiedene Stufen eingeteilt.

Die erste Stufe ist erreicht, wenn eine AHA-Symptomatik besteht, die Atemnot aber nur bei körperlicher Belastung auftritt. Die Lungenfunktion beträgt hierbei noch über 80 Prozent des Normalwertes.

Auf der zweiten Stufe ist die Lungenfunktion stärker eingeschränkt (50 bis 80 Prozent des Normalwertes), es besteht auch in Ruhe eine leichte Atemnot.

Die dritte Stufe imponiert durch starke Atemnot in Ruhe und eine Lungenfunktion zwischen 30 und 50 Prozent.

Die vierte und letzte Stufe ist durch sehr starke Atemnot und einer Lungenfunktion unter 30 Prozent gekennzeichnet. Hier sollte schnellstmöglich eine Therapie eingeleitet und eine Transplantation erwogen werden.


Diagnose

Anamnese

In der Anamnese wird der Patient gezielt nach Risikofaktoren der vermuteten Krankheit gefragt. Wichtig sind hier vor allem die Fragen nach Dauer und Intensität des Rauchens, Krankheitsbeginn und Symptomen. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Bei bestehender COPD kann schon durch das bloße Auge eine Veränderung des Thorax diagnostiziert werden. Der „Fassthorax" bezeichnet einen Brustkorb, bei dem die Rippen horizontal stehen. Diese Veränderung entsteht durch die überblähte Lunge und die vermehrte Atemarbeit, die der Patient leisten muss. Bei der Auskultation (Abhören der Lunge) fallen verschiedene Geräusche auf, die beim Gesunden nicht vorkommen.

Laboruntersuchungen

Durch eine Blutentnahme kann die Diagnose gestützt werden. Im Blutbild sind häufig zu viele rote Blutkörperchen zu sehen (Polyglobulie). Ursache hierfür ist der permanente Sauerstoffmangel, der zur Ausschüttung verschiedener Hormone führt (z.B. EPO). Diese steigern die Produktion der roten Blutzellen, was jedoch mit einem erhöhten Thromboserisiko einhergeht. Die Blutgasanalyse zeigt im fortgeschrittenen Stadium der COPD eine Anreicherung von Kohlendioxid (Hyperkapnie), eine erhöhte Säurekonzentration (respiratorische Azidose) und einen verminderten Sauerstoffgehalt (Hypoxämie).

Lungenfunktionstest

Bei chronischer Bronchitis sind die Werte der verschiedenen Lungenfunktionstests nur leicht verändert. Bei COPD hingegen kommt es zur starken Abnahme des „forcierten Ein-Sekunden-Volumens" (FEV). Zur Messung muss der Patient tief einatmen und dann möglichst schnell und möglichst kräftig wieder ausatmen. Die Menge an Luft, die der Patient dabei in einer Sekunde ausatmet, ist das forcierte Ein-Sekunden-Volumen. Das FEV nimmt normalerweise ab dem 25. Lebensjahr um 20 ml pro Jahr ab. Bei bestehender COPD jedoch beträgt dieser Abfall 120 ml pro Jahr.

Bildgebende Verfahren

Eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs wird vor allem angefertigt, um ein Bronchialkarzinom oder eine Lungenentzündung (Pneumonie) auszuschließen. Bei fortgeschrittener COPD mit Beteiligung des Herzens (Cor pulmonale) können die Lungengefäße verdickt und deutlicher sichtbar sein.

Bei der EKG-Untersuchung können Hinweise auf ein Cor pulmonale oder eine Beteiligung der Herzkranzgefäße entdeckt werden.


Differentialdiagnose

Chronischer Husten kann viele verschiedene Ursachen haben.

Bronchialkarzinom

Diese Art des Lungenkrebses kann sehr aggressiv sein und erfordert eine sofortige Behandlung (Strahlentherapie, Chemotherapie, Operation). Im Gegensatz zur COPD kommt es beim Bronchialkarzinom gelegentlich zu blutigem Auswurf (Hämoptyse).

Fremdkörperaspiration

Kommt es zum „Einatmen" eines festen Gegenstandes, so kann dieser die Bronchialschleimhaut reizen und lange andauernden Husten auslösen. Im Normalfall wird jedoch die Aspiration bemerkt.


Therapie der COPD

Die Therapie der COPD erfolgt überwiegend medikamentös. Die Operation sollte als Ultima Ratio (letzte Möglichkeit) in Betracht gezogen werden.

Konservative Therapie

Die beste Therapie der COPD besteht darin, die schädlichen Einflüsse zu meiden. Das bedeutet, dass der Betroffene schnellstmöglich das Rauchen aufgeben muss. Tut er das nicht, kann die medikamentöse Therapie ein Fortschreiten der COPD nur hinauszögern.

Medikamentöse Therapie

Es stehen verschiedene Medikamente zur Wahl, die vor allem die Symptomatik der Erkrankung verbessern. Sehr häufig kommt es hierbei zum Einsatz von Anticholinergika, wie z.B. Tiotropium. Diese Medikamentengruppe hemmt den Einfluss der Nerven, die eine Verengung der Bronchien auslösen. Ebenso wirksam sind auch lang wirksame Beta2-Agonisten wie Salmeterol oder Formoterol. Sie binden an bestimmte Adrenalinrezeptoren (Beta2), die eine Weitstellung der Bronchien bewirken und damit die Luftzufuhr zur Lunge verbessern. Diese beiden Wirkstoffgruppen (Anticholinergika und Beta2-Agonisten) können auch kombiniert werden. Dadurch kann von beiden eine geringere Menge verabreicht werden, was sich positiv auf das Nebenwirkungsspektrum auswirkt. Umstritten ist der Einsatz von inhalativen Kokortikosteroiden (z.B. Cortisol). Sie sollten nur bei schweren Formen der COPD angewendet werden. Eine Besserung der Krankheit konnte bisher noch nicht bewiesen werden, aber die Zahl der Exazerbationen (akute Anfälle) konnte vermindert werden.
COPD-Patienten sollten stets gegen Pneumokokken und Influenza geimpft sein, da sie besonders anfällig für einen Befall mit diesen Krankheitserregern sind.

Sauerstofftherapie

Sauerstoff ist das einzige Medikament, für das bisher eine wirkliche Besserung des Krankheitsverlaufs nachgewiesen werden konnte. Wenn der Sauerstoffgehalt des Blutes einen bestimmten Wert unterschreitet (unter 55 mmHg, bei Rechtsherzbelastung schon unter 60 mmHg), sollte eine Langzeittherapie mit Sauerstoff gestartet werden. Dabei sollte die Sauerstoffgabe täglich über mindestens 15 Stunden stattfinden, Sie kann auch zuhause über eine Nasenkanüle durchgeführt werden.

Auch die nächtliche Sauerstoffgabe kann die Erkrankung verbessern, allerdings nur, wenn das Rauchen vollständig aufgegeben wird. Durch die Erholung der Atempumpe über Nacht kann die Atmung am Tag verbessert werden.

Alternative Therapie

Die alternative Therapie soll vor allem zur Verbesserung der Atemmechanik beitragen. Durch eine spezielle Physiotherapie kann die Atemmuskulatur gestärkt werden. Außerdem wird dem Patienten beigebracht, „richtig" zu atmen, um den zähen Schleim abhusten zu können.

Operation

Eine Lungentransplantation sollte als letzte Behandlungsmöglichkeit angesehen werden. Um eine Spenderlunge zu erhalten, muss ein Arzt den Patienten auf die Empfängerliste setzen. Je nach Dringlichkeit beträgt die Wartezeit einige Monate bis zu drei Jahren. Es gibt verschiedene Techniken der Lungentransplantation, die in verschiedenen Zentren in Deutschland durchgeführt werden. Die höchste Überlebensrate wird mit der sogenannten Double-lung-transplantation erreicht. Hierbei wird die vollständige Lunge (beide Lungenflügel) eines Spenders entnommen und einem Empfänger eingesetzt. In Deutschland besteht jedoch ein großer Mangel an Organspendern, so dass häufig auf die komplikationsreichere single-lung-transplantation zurückgegriffen werden muss. Hierbei wird nur ein Lungenflügel ersetzt.
Nach einer Transplantation muss das Immunsystem des Patienten unterdrückt werden, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Diese immunsuppressive Therapie muss lebenslang durchgeführt werden, was eine erhöhte Infektanfälligkeit nach sich zieht. Trotzdem kann durch eine Transplantation die Lebensqualität enorm gesteigert werden, da sie vor allem im Endstadium der COPD angewendet wird.

Komplikationen

Die häufigste Komplikation der COPD ist die Exazerbation. Hierbei kommt es zu starker Atemnot, die durch Husten und erhöhte Schleimproduktion noch verschlechtert wird. Die Therapie der COPD kann diese akuten Verschlechterungen nicht vollständig verhindern. Meist sind Bakterien der Auslöser.

Im Falle einer Exazerbation kann mit Glukokortikoiden und Antibiotika behandelt werden. Dadurch kann die Dauer der Verschlechterung häufig verkürzt werden.


Prognose

Die Prognose hängt stark vom Stadium der Erkrankung und der Bereitschaft, das Rauchen aufzugeben, ab. In den frühen Stadien ist die Prognose (nur bei Rauchkarenz) gut. Im Stadium 4 der COPD liegt die 5-Jahres-Überlebensrate unter 35 Prozent. Das bedeutet, dass nach 5 Jahren nur noch 35 von 100 Patienten leben.

Wenn das Rauchen, egal in welchem Stadium, nicht aufgegeben wird, schreitet die Erkrankung unaufhaltsam voran. Die Therapie kann die Entwicklung nur verlangsamen, aber nicht stoppen.



Letzte Aktualisierung am 23.07.2010.

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