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Aszites (Bauchwassersucht), Wasser im Bauch

Die Flüssigkeit kann mittels Bauchpunktion entfernt werden

Das Wort Aszites beschreibt eine krankhafte (pathologische) Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle. Umgangssprachlich wird die Störung auch Bauchwassersucht genannt. Ursache für den Aszites ist ein Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen, der in ähnlicher Form auch beim Ödem (Wassereinlagerung im Gewebe) geschieht. Das kann durch unterschiedliche, teils schwerwiegende Erkrankungen hervorgerufen werden. Kleinere Mengen von freiem Wasser im Bauch verursachen in der Regel keine Beschwerden. Eine ausgedehntere Wasseransammlung kann sich als riesige Bauchschwellung bemerkbar machen, der Bauchumfang kann dabei sehr stark zunehmen.

Ursachen eines Aszites

Ein Aszites entsteht, wenn Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in die freie Bauchhöhle übertritt. Die Wasseransammlung im Bauch ist meist Anzeichen einer schweren, fortgeschrittenen Erkrankung. Häufig sind die Betroffenen schon seit Monaten oder Jahren in ärztlicher Behandlung. Am häufigsten besteht der Aszites (Bauchwassersucht) aufgrund von Erkrankungen der Leber (hepatogene Ursache), insbesondere einer Leberzirrhose. Aber auch aus Erkrankungen anderer Organe kann sich ein Aszites entwickeln.

Häufig entsteht der Aszites bei einem erhöhten Druck in der Pfortader (dem Verbindungs-Blutgefäß zwischen den meisten Bauchorganen und der Leber), was als portale Hypertension bezeichnet wird. Gründe dafür können Erkrankungen der Leber selbst sein, oftmals eine Leberzirrhose, oder das Budd-Chiari-Syndrom, bei dem ein Verschluss von Lebervenen besteht. Auch Erkrankungen des Herzens (Herzschwäche/Rechtsherzinsuffizienz) können die Ursache darstellen.

Oftmals hat die Flüssigkeitsansammlung mit einem Eiweißmangel im Blut (Hypalbuminämie) zu tun. Dieser Albuminmangel kann aufgrund einer Mangelernährung bestehen. Er führt zu einer Abnahme des sogenannten kolloid-osmotischen Druckes des Blutes. Das bedeutet, dass Flüssigkeit vermehrt aus den Gefäßen austritt und weniger in das Blutgefäß zurückgelangt. Der Aszites kann entstehen, wenn bestimmte Entzündungsfaktoren ausgeschüttet werden und es deshalb zu einer vermehrten Durchlässigkeit der Gefäßwände kommt. Außerdem können Erkrankungen der Niere, Krampfadern (Varikosis), Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Lymphabflussstörungen sowie Entzündungen, Verletzungen oder Tumore zu einem Aszites führen.

Symptome bei Aszites (freie Flüssigkeit im Bauch)

Geringe Mengen einer Wasseransammlung in der Bauchhöhle führen meistens selbst nicht zu Beschwerden. Ein Aszites mit weniger als zwei Litern freier Flüssigkeit lässt sich kaum nachweisen. Erst höhere Mengen an Flüssigkeit lassen den Bauch schwellen und hervorwölben. Der durch Aszites geschwollene Bauch ist in der Regel schmerzlos. Am liegenden Betroffenen macht sich der Aszites vor allem dadurch bemerkbar, dass der Bauch zur Seite hin ausladend ist. Der Nabel verliert an Ausprägung und manchmal kommt es zu Hernien (Brüchen, z. B. Leistenbruch oder Nabelbruch).

Ein ausgeprägter Eiweißmangel (Albuminmangel) kann zu erweiterten Venen (Kollateralen) an der vorderen Bauchwand führen. Gehen die erweiterten Venen vom Nabel kreisförmig aus, kann das ein Hinweis auf eine Abflussstörung der Pfortader sein. Ziehen die erweiterten Venen vom Schambein bis zu den Rippenbögen, dann spricht dies eher für eine Abflussstörung der unteren Hohlvene.

Ein massiver Aszites drückt auf die Umgebung des Bauchraumes und kann daher zu einem Hochstand des Zwerchfells führen. Ein Erguss in die Lungenhöhle (Pleuraerguss) ist möglich und führt zu einer erschwerten Atmung.

Der Arzt teilt mehrere Formen des Aszites nicht nur nach der Ursache, sondern auch nach dem Aussehen ein. So kann die Flüssigkeit im Bauch wässrig (serös), eitrig, milchig (chylös) oder blutig (hämorrhagisch) sein und somit jeweils auf unterschiedliche Ursachen hindeuten.

Erkrankungen mit Aszites können zu einer Vielzahl unterschiedlicher, oft schwerer Komplikationen führen, die bisweilen schlecht zu behandeln sein können. Zu den möglichen Folgen, die im Rahmen eines Aszites auftreten können, gehören:

  • Bakterielle Entzündung im Bauchraum (Peritonitis), die eine Behandlung mit Antibiotika erfordert
  • Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)
  • Hepatorenales Syndrom (Nierenversagen bei Lebererkrankung), das eine schlechte Prognose aufweist und eine Lebertransplantation erforderlich macht
  • Pleuraerguss (Erguss im Lungenraum), der zu Atemproblemen führen kann
  • Verminderung des Natriums im Blut (Hyponatriämie)
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie), weil das Volumen des Blutes im Kreislauf abnimmt

Diagnose des Aszites

Aszites kann mittels verschiedener Methoden festgestellt werden. Zunächst erfolgt eine körperliche Untersuchung durch den Arzt. Dieser stellt einen vergrößerten Bauchumfang fest, der unter anderem durch das Volumen der Flüssigkeit im Bauch (Aszites) aufgebaut wird. Der Arzt stößt seitlich den Bauch mit der Hand an und testet, ob auf der anderen Seite eine tastbare Welle ankommt (Undulation). Dies ermöglicht eine Unterscheidung zwischen einem Aszites und einem großen Bauch, der lediglich durch Fettleibigkeit zustande kommt. Der Arzt klopft den Bauch auch ab und kann dann einen unterschiedlichen Schall feststellen, je nachdem, in welcher Position sich der Patient befindet

Zu den apparativen Untersuchungen gehört der Ultraschall (Sonographie). Die Ultraschalluntersuchung ist eine relativ genaue Methode, die schnell zu Ergebnissen führt und einen Aszites nachweisen kann. Begleitende mögliche Ergüsse in der Lungenhöhle (Pleuraerguss) oder im Herzbeutel (Perikarderguss) lassen sich ebenfalls sehen. Der Aszites kommt oft über den Ultraschall am Unterrand der Leber oder oberhalb der Harnblase zum Vorschein. Darüber hinaus bietet eine Computertomographie (CT) eine weitere aufschlussreiche bildgebende Untersuchung.

Eine Entnahme von Aszites-Flüssigkeit über eine Hohlnadel (Punktion) ermöglicht die nähere Untersuchung der Flüssigkeit. Unter Ultraschallkontrolle führt der Arzt die Hohlnadel in den Bauchraum ein und kann eine gewisse Menge Flüssigkeit abziehen. Er beurteilt den Aszites nach dem Aussehen und auch nach dem Geruch. Im Labor lässt sich die Flüssigkeit genau untersuchen hinsichtlich der Zusammensetzung (z. B. Elektrolyte) und möglicherweise enthaltener Zellen.

Differenzialdiagnose

Aszites ist meist ein Anzeichen für eine zugrunde liegende schwere Erkrankung. Mediziner müssen diese jeweilige Ursache unterscheiden, um eine gezielte Behandlung durchführen zu können. Zu den möglichen Erkrankungen, in deren Richtung eine Differenzialdiagnose gehen muss, gehören insbesondere Lebererkrankungen wie Leberzirrhose, weiterhin Lymphabflussstörungen, Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), Herzerkrankungen oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen.

    Therapie bei Aszites (Bauchwassersucht)

    Die Therapie des Aszites ist abhängig von der Ursache. Daher ist es zunächst so wichtig, die Grunderkrankung zu diagnostizieren, damit sie gezielt behandelt werden kann. Generell gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten.

    Besonders wichtig ist bei Aszites die Einhaltung einer salzarmen Diät. Die Basistherapie besteht im Wesentlichen in der Herabsetzung der zugeführten Kochsalzmenge sowie in einer begrenzten Flüssigkeitsaufnahme (in der Regel zwischen einem und anderthalb Litern am Tag).

    Neben einer Diät können auch entwässernde Medikamente (Diuretika) wie Spironolacton oder Furosemid notwendig werden.

    Bei massivem Aszites kann auch eine Bauchpunktion erfolgen. Dies ist eine Maßnahme, bei der eine Hohlnadel in den Bauch eingeführt wird, über die oft mehrere Liter Wasser aus der Bauchhöhle abgelassen werden können. Der Eingriff wird auch als Parazentese bezeichnet. Eine solche Punktion erfordert eine Behandlung der Ursache des Aszites, damit Flüssigkeit nicht nach kurzer Zeit wieder in den Bauchraum gelangt.

    Sind diese Behandlungen nicht erfolgreich, dann kann ein Aszites-Shunt (peritoneovenöser Shunt, abgekürzt PVS) in Frage kommen. Es handelt sich um einen Abflusskatheter, der unter der Bauchhaut liegt und die Bauchflüssigkeit in die obere Hohlvene ableitet. Der Shunt kommt nur in Frage, wenn ein guter Blutfluss in der Pfortader und eine geringe Konzentration von Albumin (Eiweiß) im Blut vorliegen. Vorteil der Methode ist, dass wichtige Substanzen dem Körper zurückgeführt werden, Nachteile sind einige mögliche Komplikationen.

    Eine neuere Methode ist die Ableitung der Aszites-Flüssigkeit mittels eines Pumpsystems in die Harnblase.

    Eine Lebertransplantation (LTX) kann die letzte Möglichkeit sein, eine schwere Erkrankung mit der Folge Aszites erfolgreich zu behandeln. Sie kann in Erwägung gezogen werden, wenn mit den anderen Therapieformen keine günstigen Erfolgsaussichten mehr bestehen.

    Prognose

    Die Heilungschancen sind abhängig von der Grunderkrankung. Das Auftreten von Aszites ist z. B. bei Leberzirrhose eher ungünstig für die Prognose. Aszites stellt die häufigste Komplikation einer Leberzirrhose dar. Die Sterblichkeitsrate bei Patienten mit Aszites ist leider relativ hoch. Ungefähr 50 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb der folgenden fünf Jahre. Bei 30 Prozent der Patienten mit Aszites entwickelt sich ein hepatorenales Syndrom (Nierenversagen bei schwerer Lebererkrankung), dessen Prognose noch ungünstiger ist (Sterblichkeit bis 80 Prozent). Auch eine Entzündung im Bauchraum (Peritonitis) oder ein fehlendes Ansprechen auf die entwässernden Medikamente (Diuretika-Resistenz) sind Anzeichen für eine herabgesetzte Prognose.

    Hinweise für Patienten

    Kleine Mengen an Aszites werden in der Regel von Betroffenen nicht bemerkt. Doch Patienten sollten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn sie eine Zunahme des Bauchumfangs feststellen und gleichzeitig an einer der oben genannten Grunderkrankungen leiden. Eine erfolgreiche Behandlung führt in der Regel zu einer kompletten Rückbildung der Wasseransammlung in der Bauchhöhle. Doch der Aszites ist auch häufig ein Zeichen einer schweren und stark vorangeschrittenen Erkrankung.

    Weiterführende Informationen

    Fachinformationen zu Diagnose und Therapie von Aszites

    Leitlinien Aszites mit Infos zu Studienergebnissen

     



    V. Kittlas
    Medizinischer Redakteur und Arzt

    verfasst am 27.11.2009, aktualisiert am 21.06.2014.
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