Tollwut ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems, die durch Speichel von infizierten Tieren übertragen wird. Tollwut ist ohne Impfung in den allermeisten Fällen tödlich.
Ursachen
Verantwortlich für die Erkrankung ist das Tollwut-Virus. Die Übertragung erfolgt meist über den Biss eines infizierten Tieres (z. B. Hund, Katze, Fuchs, Wolf, Fledermaus oder Waschbär). Möglich ist auch eine Infektion von Mensch zu Mensch, z. B. bei einer Transplantation. Neben einem Biss kann die Übertragung auch durch Speichel des tollwütigen Tieres, der auf eine offene (eventuell kleine und unbemerkte) Wunde des Menschen kommt, geschehen. Ebenso genügt manchmal auch bloßes Kratzen des jeweiligen Tieres, um eine Ansteckung zu bewirken. Von der Eintrittsstelle breitet sich das Virus zunächst in Richtung Gehirn aus und von dort aus in den gesamten Körper (z. B. auch in die Speicheldrüsen, so dass es über den Speichel an andere Menschen oder Tiere weitergegeben werden kann).
Symptome
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und Krankheitssymptomen, beträgt meist einige Wochen bis einige Monate, es kann aber auch wenige Tage oder mehrere Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht. An der Bissstelle oder sonstigen Eintrittspforte für die Erreger werden zunächst Sensibilitätsstörungen wahrgenommen. Ebenfalls treten dann häufig Kopfschmerz und Fieber auf. Weitere Krankheitssymptome können Halsschmerz, Husten und allgemeines Schwächegefühl sein. Im Verlauf kommt es zu zunehmenden Muskelkrämpfen, Erregung, Angst- und Verwirrtheitszuständen und Überempfindlichkeit. Das Fieber steigt stark an, und auch die Krämpfe nehmen zu. Die Schlundmuskulatur ist verkrampft. Trotz großem Durst kommt es dann zu einer „Wasserscheu“ (Hydrophobie), da ein Schlucken nicht mehr möglich ist. Durch die Schluckprobleme und die vermehrte Speichelausschüttung entsteht der typische Schaum vor dem Mund. Der Patient fällt in ein Koma. Durch Atemversagen kommt es dann meist zum Tod.
Diagnose
Die Befragung des Patienten (Anamnese) kann oft bereits Hinweise bringen. Ansonsten muss die Diagnose zunächst über die Symptomatik erfolgen. Es kann gelingen, mittels einer Speichel- oder Tränenuntersuchung das Erbgut des Virus durch eine so genannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nachzuweisen. Auch können im Verlauf manchmal Antikörper gegen den Erreger im Blut festgestellt werden. Meist kann jedoch eine definitive Diagnose erst nach dem Tod des Patienten durch eine Gehirnuntersuchung gestellt werden.
Differenzialdiagnose
Zunächst können bei Tollwut auch Symptome wie bei einer Grippe (Influenza) auftreten. Später kann die Tollwut mit einer Gehirnentzündung verwechselt werden, die durch andere Viren verursacht wird. Im späteren Stadium ist die Erkrankung eindeutig.
Therapie
Konservative Therapie
Die Infektion endet in den allermeisten Fällen mit dem Tod des Patienten, falls keine Impfung durchgeführt wurde. Die Tollwut-Impfung erfolgt vorbeugend bei Menschen, bei denen eine Gefährdung besteht, sich mit dem Tollwut-Virus zu infizieren. Dazu gehören unter anderem Jäger, Tierärzte, Landwirte und andere Personen, die viel in Kontakt mit Tieren kommen. Außerdem kann eine Impfung vorgenommen werden bei Menschen, die in ein Gebiet reisen, in denen eine hohe Rate an tollwut-infizierten Tieren vorkommt.
Die Impfung kann auch noch nach einem Biss oder sonstigem Kontakt mit einem Tier vorgenommen werden, bei dem Verdacht auf Tollwut besteht.
Zur Impfung werden abgetötete Tollwutviren gespritzt. Es erfolgt eine Injektion in einen Muskel, z. B. an Oberarm oder Gesäß, oder teilweise auch in eine eventuell vorhandene Wunde, durch die die Infektion möglicherweise hineingelangen konnte.
Bei einer prophylaktischen Impfung erfolgt nach der ersten Spritze nach einer Woche eine weitere, nach drei Wochen eine dritte und nach einem Jahr die vierte Impfung. Nach drei bis fünf Jahren wird eine Auffrischungsimpfung notwendig, um den Schutz aufrechtzuerhalten.
Nach einem Kontakt mit einem infizierten oder auf Tollwut verdächtigen Tier wird nach der möglichst sofortigen Erstimpfung nach drei Tagen, einer Woche, zwei Wochen, einem Monat und drei Monaten jeweils eine weitere Impfspritze gegeben. Bei einer Verletzung (z. B. Biss oder Speichel in Kontakt mit einer offenen Wunde) wird zusätzlich zu dieser aktiven Impfung eine passive Impfung mit Antikörpern gegen das Tollwutvirus gegeben. Falls der Patient bereits zuvor geimpft wurde, sind weniger Spritzen notwendig, eine passive Impfung kann meist weggelassen werden.
Zur Behandlung einer Tollwut kann mit antiviralen Arzneimitteln versucht werden, die Erkrankung einzudämmen. Ebenfalls erfolgt eine Behandlung auf der Intensivstation. Meist führt die Tollwut ohne Impfung dennoch zum Tod des Patienten.
Operation | Mögliche Erweiterungen der Operation
Möglicherweise muss eine Bisswunde operativ versorgt werden. Ansonsten ist eine Operation zur Behandlung von Tollwut nicht sinnvoll.
Komplikationen
Bei einer Tollwut-Impfung entstehen meist keine Probleme. Es kann selten zu Blutungen, Blutergüssen, Entzündungen, Wundheilungsstörungen und Narbenbildung an der Einstichstelle kommen. Es können nach der Impfung Krankheitsgefühl, leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und weitere Allgemeinsymptome auftreten, was bald von alleine wieder verschwindet. Des Weiteren sind allergische Reaktionen jeden Schweregrades nicht auszuschließen. Besteht eine Allergie gegen Hühnereiweiß, so ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch bei der Impfung gegen Tollwut eine allergische Reaktion auftritt.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Tollwut endet nach dem Ausbruch in fast allen Fällen tödlich. Eine Impfung bietet einen sehr guten Schutz gegen die Erkrankung. Auch nach der Infektion (z. B. dem Tierbiss) ist eine Impfung meist noch wirksam, solange keine Symptome vorliegen.
Hinweise
Vor der Operation
Nach dem Kontakt oder Biss mit einem möglicherweise mit Tollwut infizierten Tier sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, damit schnellstmöglich eine Impfung erfolgen kann.
Nach der Operation
Der Patient sollte keine großen körperlichen Belastungen auf sich nehmen, bis die Impfreaktion verschwunden ist.
Bei Besonderheiten, die auf Komplikationen hindeuten könnten, sollte baldmöglichst der Arzt informiert werden.
Letzte Aktualisierung am 12.11.2010.