Meningokokken-Erkrankungen sind ein weltweit bedeutsames Gesundheitsproblem. Regelmäßig kommt es zu schweren Epidemien, insbesondere im Meningitisgürtel Afrikas, und selbst moderne Therapien in Industrieländern können bis zu 10% tödliche (letale) Ausgänge sowie schwere Folgen nicht verhindern.
Meningokokken-Erkrankungen werden durch die gramnegativen, semmelförmigen Bakterien, den Neisseria meningitidis, verursacht. Aufgrund der Struktur der Kapselpolysaccharide lassen sich 13 verschiedene Serogruppen unterscheiden. Die Mehrzahl der Infektionen wird durch die Serogruppen A, B und C sowie in geringerem Umfang durch W135 und Y verursacht. Als Infektionquelle gilt der Mensch.
Übertragen werden Meningokokken durch Aerosole oder Kontakt mit respiratorischen Sekreten. Die Kolonisation des Erregers erfolgt auf den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums, wobei die Träger meist asymptomatisch (ohne Symptome) sind. Die Trägerrate beträgt ca. 15 bis 25% bei Jugendlichen und 2 bis 15 % bei Bewohnern der Stadt.
Jedes Jahr werden in Deutschland zwischen 700 bis 800 Erkrankungsfälle gemeldet. Die Infektionen werden vor allem durch die Serogruppe B und C verursacht. In den letzten Jahren wurde eine leichte prozentuale Verschiebung der Serogruppen hin zu Serogruppe C beobachtet. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) beträgt der aktuelle Anteil der Serogruppe B ca. 68%, Serogruppe C ca. 22%, Serogruppe W135 ca. 3% und Serogruppe Y ca. 4%.
Wenn die Schleimhautbarriere durchbrochen wird und der Erreger sich hämatogen ausbreitet, resultieren in Abhängigkeit vom befallenen Organsystem vielfältige klinische Bilder.
Bei den invasiven Meningokokken-Erkrankungen kann es zur Verbreitung Meningokokken-Meningitis (Hirnhautentzündung) transienten Bakteriämie bis zu einem perakuten, innerhalb von wenigen Stunden tödlich (letal) verlaufenden Bild kommen.
Von besonderer klinischer Bedeutung sind dabei die Meningokokken-Meningitis (Hirnhautentzündung) und die Meningokokkensepsis.
Etwa 5-10% der invasiven Meningokokken-Erkrankungen verlaufen als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, welches durch eine fulminate Sepsis mit massiver Purpura (Kapillarblutungen in die Haut) gekennzeichnet ist.
Im Gegensatz zur Meningokokken-Sepsis verläuft die Meningitis (Hirnhautentzündung) meist weniger dramatisch und ist therapeutisch durch rechtzeitige Verabreichung von Antibiotika (Penicillin G) besser beeinflussbar.
Zur Prävention der Meningokokken-Erkrankung stehen heute Impfstoffe, mit Ausnahme der Serogruppe B, in Deutschland zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Meningokokken-Impfung seit kurzem generell für alle Kinder im 2. Lebensjahr.
Ferner ist die eine Indikationsimpfung bei Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, insbesondere Komplement-/Properdindefekte, Hypogammaglobulinämie sowie Asplenie (keine Milz).
Ferner wird sie als Reiseimpfung in endemische Gebiete empfohlen. Für Schüler und Studenten mit Langzeitaufenthalt in Ländern mit empfohlener Impfung, wie zum Beispiel dem Vereinigten Königreich, ist Impfung von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Oftmals jedoch verlangen die Schulen bzw. Universitäten für die Einschreibung von Gastschülern einen Impfnachweis.
Bei Pilgerreisen nach Saudiarabien besteht in der Regel eine Impfpflicht gegen Meningokokken. Bei Ausbrüchen oder regionalen Erkrankungshäufungen kann die Impfung von den Gesundheitsbehörden empfohlen werden.
Für die Impfung gegen Meningokokken stehen zwei Impfstofftypen zur Verfügung: Meningokokken-Gruppe-C-Konjugatimpfstoffe (Meningitec®, Menjugate®, NeisVac-C® ), die bereits ab dem Säuglings- bis ins Erwachsenenalter verabreicht werden können und ein tetravalenter Polysaccharidimpfstoff (Mencevax®), der die Serogruppen A, C, W135 und Y enthält und für Personen ab dem vollendeten 2. Lebensjahr empfohlen ist.
In den USA ist dieser tetravalente Impfstoff bereits als Konjugavakzine zugelassen und generell für Kinder und Jugendliche empfohlen.