Folgen Sie uns auf  

Wie läuft eine MRSA-Sanierung ab?

Lesezeit: 3 Min.

Die Beseitigung geschieht mit antibiotischen und desinfizierenden Mitteln

MRSA lösen nicht immer eine Infektion aus. Weitaus häufiger finden sie sich auf der Haut und der Schleimhaut einer Person, ohne dass eine Erkrankung entsteht. Das nennt sich Besiedlung oder Kolonisation mit MRSA. Diese Bakterien befinden sich am häufigsten in der Nase (Nasenvorhöfe), ebenfalls oft auf dem Gesicht und im Mund.

Die Bakterien sind dennoch ansteckend und müssen beseitigt werden. Die Entfernung von MRSA durch medizinisch-hygienische Maßnahmen wird als Sanierung bezeichnet. Die Sanierung verhindert, dass andere Personen sowie auch der Besiedelte selbst eine Infektion mit MRSA bekommen.

Eine Sanierung ist insbesondere angezeigt, wenn

  • ein Patient im Krankenhaus mit MRSA besiedelt ist
  • ein MRSA-belasteter Patient aus dem Krankenhaus entlassen wurde, bei dem die Sanierung noch nicht abgeschlossen wurde
  • ein Patient, bei dem in absehbarer Zeit ein Klinikaufenthalt zu erwarten ist, mit MRSA besiedelt ist
  • eine mit MRSA besiedelte Person andere Menschen mit einem erhöhten Risiko in ihrem direkten Umfeld hat (z. B. jemanden, der eine offene Wunde hat, eine Dialyse bekommt oder ein geschwächtes Immunsystem hat)
  • medizinisches Personal eine MRSA-Besiedlung aufweist

Die Sanierung ist aber auch bei anderen Menschen von Nutzen, die mit MRSA kolonisiert sind und die keine sanierungshemmenden Faktoren aufweisen. Solche sanierungshemmenden Faktoren sind beispielsweise bestehende Infektionen oder offene Wunden. In diesen Fällen wird erst einmal diese Störung gezielt behandelt. Auch Behandlungsmaßnahmen wie Katheter gehören zu den hemmenden Faktoren. Die Sanierung geschieht meist erst, nachdem beispielsweise eine Wunde sich verschlossen hat. Davor kann sie sich trotzdem bereits lohnen, weil sie die Keimzahl herabsetzt.

Wie hartnäckig eine Besiedlung mit den Bakterien ist, weicht bei verschiedenen Menschen stark voneinander ab. MRSA ist eine besondere Form von Bakterien der Art Staphylococcus aureus. Der Unterschied ist, dass MRSA gegen die meisten Antibiotika unempfindlich sind, ansonsten haben sie prinzipiell die gleichen Eigenschaften. Staphylococcus aureus gehört zu den Bakterien, die sich bei vielen Menschen am Körper befinden, meist ohne dass sie Probleme bereiten.

Vorgehensweise bei der Sanierung

Eine Sanierung funktioniert nur zum Teil mit Antibiotika (meist Mupirocin), vor allem aber mit antiseptischen Mitteln. Antiseptisch heißt, dass die Anzahl der Krankheitserreger (Bakterien) reduziert wird. Die Mittel werden an der Körperoberfläche und an bestimmten Schleimhäuten verwendet, so dass die Bakterien verschwinden. Der Körperbereich wird damit desinfiziert.

Auch die Kleidung sowie Oberflächen und Gebrauchsobjekte im Umfeld des Betroffenen müssen gereinigt werden. Dazu kommen desinfizierende Mittel und Waschlösungen zum Einsatz.

Die wichtigsten Maßnahmen im Rahmen der MRSA-Sanierung umfassen:

  • Einbringung von Mupirocin-Nasensalbe (Eismycin®, Turixin®) in die Nase
  • Mundspülung und Rachenspülung mit antiseptischen Mitteln
  • Regelmäßiges Duschen bzw. Waschen des ganzen Körpers inklusive der Haare
  • Nach dem Waschen Verwendung frischer Kleidung und frischer Bettbezüge
  • Wechsel von Zahnbürste, Rasiergeräten und anderer Gebrauchsgegenstände

Die Sanierung wird für fünf Tage durchgeführt. Die Sanierung kann erfolgreich abgeschlossen werden, wenn keine Besiedlung der MRSA-Bakterien mehr nachweisbar ist. Das wird in Tests überprüft, die ab drei Tage nach dem Ende der Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Wird an drei unterschiedlichen Tagen dann kein MRSA mehr nachgewiesen, gilt die Person als von der Besiedlung befreit.

Phasen der Sanierung

Der Verlauf einer MRSA-Sanierung kann in sechs Phasen aufgegliedert werden.

  • Phase A bezeichnet das Screening, also die Untersuchung einer Person mit einem Risiko, mittels Abstrich. Vor der Behandlung muss, soweit noch nicht geschehen, die MRSA-Belastung an verschiedenen Körperstellen festgestellt werden wie in der Nase, im Mund und Rachen, unter den Achseln und in den Leisten sowie am After.
  • Phase B ist die Behandlung, die eigentliche Sanierung mit desinfizierenden Mitteln und einer Nasensalbe. Meist dauert die Phase der Behandlung fünf Tage.
  • Phase C bezeichnet die Pause zwischen Behandlung und Kontrolluntersuchungen über drei Tage.
  • Phase D ist die Kontrolle des Ergebnisses, indem über drei Tage Abstriche an den zuvor betroffenen Körperregionen genommen werden.
  • Phase E beinhaltet weitere Kontrollabstriche zu späteren Zeitpunkten, z. B. einen, drei, sechs und zwölf Monate nach der Sanierungsbehandlung.
  • Phase F ist gegeben, wenn nach zwölf Monaten keine positiven MRSA-Abstriche mehr gefunden wurden. Allerdings muss weiterhin noch bei der Aufnahme in eine Klinik eine Kontrolle auf MRSA erfolgen. Solange das Ergebnis nicht klar ist, muss der Patient vorläufig isoliert untergebracht werden.

Erfolg der Sanierung

Der Erfolg der MRSA-Sanierung hängt vom Einzelfall ab. Es gibt Personen, bei denen sich die Bakterien nur zeitweise ansiedeln und von alleine wieder verschwinden - hier kann die Sanierung die Entfernung deutlich beschleunigen. Andere Menschen haben hartnäckig mit den Bakterien zu kämpfen. Bei diesen Menschen kommt es häufig vor, dass sich auch nach der gelungenen Sanierung erneut Staphylococcus-aureus-Bakterien bzw. MRSA auf der Haut und Schleimhaut festsetzen. Ansonsten gesunde Personen, die keine störenden Faktoren haben, werden mittels Sanierung in der Regel den MRSA nach zwei Wochen los.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 22.11.2015
War dieser Artikel hilfreich?

Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu MRSA

?
mrsa erkrankung   Offene Frage
fragt ajoie   vor ~ 1 Jahr  192

Guten Tag,
Meine Mutter hatte MRSA. Sie ist verstorben. Ich durfte Sie nicht einmal nch ihrem Tod sehen. Man Hatte den Sarg zugetan. Wegen dem MRSA. ... mehr

Alle Beiträge anzeigen: Infektionen » MRSA

Stellen Sie Ihre Frage

Haben Sie bereits ein Benutzerkonto? Anmelden (Login)
Bitte wählen Sie ein passendes Forum aus.
Bitte geben Sie einen Titel für Ihre Frage oder Anmerkung ein.


Ja, ich möchte Antworten per E-Mail erhalten

Ich stimme den Nutzungsbedingungen und den Datenschutzbestimmungen zu.

10 Fragen zu MRSA

Arztsuche

Ärzte
Portrait Dr. med. Achmed Tobias Scheersoi, Schlosspraxis Brühl, Brühl, Plastischer Chirurg Dr. A. Scheersoi
Plastischer Chirurg
in 50321 Brühl
Dr. I. Kuhfuss
Plastischer Chirurg
in 58097 Hagen
Portrait Prof. Dr. Frank Peter, Klinik am Wittenbergplatz, Berlin, Plastischer Chirurg Prof. Dr. F. Peter
Plastischer Chirurg
in 10789 Berlin
Alle anzeigen Zufall