Das lymphozytäre Choriomeningitis-Virus (LCMV) ist ein in der ärztlichen Praxis wenig bekannter Erreger, der Schädigungen des Fetus verursachen kann.
LCMV, ein zu den Arenaviridae gehörender Erreger, verursacht eine Krankheit des zentralen Nervensystems (ZNS). Als tierisches Reservoir und Übertrager gelten Hamster und die Hausmaus. Die Nager, bei denen meist eine asymptomatische (ohne Symptome), persistierende Infektion vorliegt, scheiden das Virus mit dem Speichel, Urin oder Fäzes aus.
Die Ansteckung des Menschen erfolgt vermutlich durch viruskontaminierte Nagerexkremente, Nahrungsmittel oder Staub. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch konnte noch nicht festgestellt werden.
Erkrankungen durch lymphozytäre Choriomeningitis wurden in den letzten Jahren aus Europa sowie Süd- und Nordamerika berichtet. Nach Schätzungen kommt es in Deutschland jedes Jahr zu etwa 100 Erkrankungsfällen.
Betroffen sind insbesondere Personen, die beruflich Kontakt zu Nagern haben, wie beispielsweise Tierpfleger oder Laborpersonal. Auch in der Landwirtschaft Tätige weisen ein höheres Infektionsrisiko auf. Infektionen, die durch freilebende Nager verursacht werden, treten meist im Winter und Frühling auf.
Auch durch Hamster, die in Tierhandlungen erworben werden, kann es zur LCMV-Infektion kommen. Wird in einer Tierhandlung LCMV bei einem Nager, z. B. Hamster, identifiziert, muss davon ausgegangen werden, dass ein Großteil des Nagertierbestandes dieses Geschäfts infiziert ist.
Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt beim Menschen etwa 1 bis 3 Wochen. Der klinische Verlauf reicht von einer asymptomatischen (ohne Symptome) Infektion (35%), einer leichten bis mittelgradigen Symptomatik (50%) bis hin zur klassischen Beteiligung des zentralen Nervensystems mit einer Choriomeningitis oder Enzephalopathie (15%).
Die Erkrankung beginnt zunächst mit Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Myalgien (Muskelschmerzen). Das Fieber hält über 4 bis 14 Tage an. Die Kopfschmerzen sind oftmals ausgeprägt und frontal oder retroorbital betont.
Es bestehen weiterhin Appetitlosigkeit, Halsschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Arthralgien (Gelenkschmerzen). Bei der körperlichen Untersuchung fällt eine Entzündungen des Rachens auf. In seltenen Fällen verläuft die Infektion tödlich (letal).
Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann es zur Übertragung des Virus auf den Feten kommen. Als Folge einer fetalen LCMV-Infektion kann ein Hydrozephalus resultieren. Über die Häufigkeit der fetalen Komplikationen gibt es derzeit noch keine eingehenden Untersuchungen. Berichte über kindliche Schädigungen liegen aus Deutschland jedoch vor.
Die Haltung eines Hamsters im Umfeld einer Schwangeren sollte wegen der möglichen Gefährdung des Feten unterbleiben.
Die Diagnostik der LCMV-Infektion erfolgt durch den Nachweis spezifischer Antikörper der IgM- und IgG-Klasse mittels gängiger serologischer Methoden. In einigen Laboratorien wurde zudem inzwischen die PCR zum Nachweis viraler LCMV-Genome im Liquor etabliert.
Die Therapie erfolgt symptomatisch und supportiv. Eine antivirale Therapie oder ein Impfstoff stehen nicht zur Verfügung.