Auch der Mensch kann sich irrtümlicherweise mit befruchteten Eiern des Hundespulwurms infizieren. Während sich in Hund, Wolf oder Fuchs als Endwirt die befruchteten Eier zu adulten (erwachsenen), etwa 16 cm langen Hundepulwürmern entwickeln, erfolgt im Menschen die Entwicklung des Hundespulwurms nur bis zum Larvenstadium
Ein besonderes Ärgernis, nicht nur für Kommunen, sind Verschmutzungen durch Hundekot. Besonders ärgerlich sind "Hundehäufchen" auf Kinderspielplätzen und Gehwegen. Wenig bekannt ist jedoch, dass von diesen Verschmutzungen auch in Deutschland Infektionsgefahren ausgehen.
Durch Hundekot können Eier des Hundespulwurms, Toxocara (T.) canis, übertragen werden und die Toxocariasis (synonym: viszerale und okuläre Larva migrans) verursachen.
Ursache ist die Verschmutzung von Gehsteigen durch Hundekot. Nach dem Verschlucken der Hundespulwurmeier schlüpft die Larve im Dünndarm und passiert die Darmschleimhaut. Über den Blutweg gelangen die Larven in die verschiedenen Organe, in denen sie eosinophile Granulome auslösen.
Besonders betroffen sind die Leber und Lungen. Auch ist ein Befall des Gehirns und vor allem der Augen möglich. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt etwa 2 Wochen. Eine Weiterentwicklung der Larven im Menschen ist nicht möglich. Die Larven können jedoch Monate bis zu 7 Jahre überleben.
Durch die Wanderung und Sensibilisierung entstehen Gewebeschäden. Die meisten Infektionen laufen asymptomatisch (ohne Symptome) ab.
Die klinischen Erscheinungen hängen von der Zahl der Larven, vom befallenen Gewebe und vom Ausmaß der Abwehrreaktionen ab. Die Entzündungsreaktion um vitale Larven kann sehr gering sein. In den symptomatischen Fällen kommt es zu Mattigkeit, Durchfall, Urtikaria (Nesselsucht), Fieber, Asthma, Husten, rezidivierender Pneumonie (Lungenentzündung), Hepatosplenomegalie (Vergrößerung von Leber und Milz) oder fokalen neurologischen Symptomen.
Eine seltene Manifestation ist die Larva migrans ocularis, die mit einem Retinoblastom verwechselt werden kann.
Im Differentialblutbild imponiert eine ausgeprägte Eosinophilie (Erhöhung bestimmter weißer Blutkörperchen) mit einem Anteil von bis 60%. Zudem ist IgE in der Regel erhöht.
Die Diagnose wird meist durch den Nachweis von Antikörpern gegen T. canis im Serum gestellt. Die Erkrankung ist selbstlimitierend und die Prognose ist gut.
Eine klinisch etablierte Chemotherapie steht bisher nicht zur Verfügung. Die Behandlung wird derzeit mit Diethylcarbamazin, Albendazol, Mebendazol, Tiabendazol oder Ivermectin über einen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen versucht.
Wichtig ist vor dem Behandlungsbeginn einen okulären Befall (Befall des Auges) auszuschließen, da in diesem Fall zugleich eine simultane systemische Verabreichung von Kortikosteroiden empfehlenswert ist.
Eine chirurgische Therapie ist bei peripher gelegenen Toxokaragranulomen nicht sinnvoll.
Die beste Prävention einer Toxocariasis ist die regelmäßige Entwurmung der Hunde. Ferner sollten Hunde von Kinderspielplätzen ferngehalten werden. Die meisten Hundehalter handeln verantwortungsbewusst, so dass von deren Tieren nur ein geringes Infektionsrisiko ausgeht.
Anders ist das Risiko bei dem Personenkreis einzuschätzen, der im Umfeld von Bahnhöfen oder städtischen Parkanlagen lebt und dort auch Hunde hält.Die Erkrankung tritt weltweit auf und wird nicht selten auch in Deutschland beobachtet. Die Eier werden meist von Welpen oder laktierenden Hündinnen ausgeschieden und müssen dann über 3 bis 4 Wochen im Freien heranreifen, bevor sie infektionstüchtig sind.
Die Infektion des Menschen erfolgt durch die orale Aufnahme embryonierter Eier mit Sand, Erde, Nahrungsmitteln oder Wasser. Typische Infektionsorte sind daher Sandkästen auf Spielplätzen, die kein Schutzgitter haben.
Halten sich auf Spielplätzen häufig Hunde auf, so besteht das Risiko einer fäkalen Kontamination. Besonders gefährdet für eine Toxocariasis sind insbesondere auch Rollstuhlfahrer, wie Untersuchungen zeigten.