Bei einem Herpe simplex handeltes sich um eine Hauterkrankung die durch die Herpes simplex Viren verursacht werden.
Es existieren zwei Formen des Viruse:
Etwa 80% der Weltbevölkerung sind mit diesem Virus infiziert. Die Zahl der Erkrankungen ist viel geringer, da in den meisten Fällen das Virus durch das körpereigene Immunsystem in Schach gehalten wird.
Je nach Sexualpraktik, könne beide Typen sowohl an den Lippen als auch am Genital auftreten. Vom ersten Infektionsort aus kann sich die Infektion auch über weitere Hautpartien ausbreiten. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum ersten auftreten von Symptomen, dauert 2- 12 Tage.
Die erste Infektion mit einem Herpes simplex Virus bleibt gehäuft ohne Symptome. Die Viren lösen eine Immunreaktion aus, bei der Antikörper gebildet werden. Die Antikörper heften sich an das Virus und machen es dadurch unschädlich. Gleichzeitig krabbeln die Viren aber auch an sensorischen Nerven entlang.
Sensorische Nerven vermitteln das Gefühl von Berührungen von der Haut in das Gehirn. Am Ende so eines Nervs liegt ein Knoten, der der Verschaltung mit dem nächsten Nerv dient. Dieser Knoten wird Ganglion genannt. Die Herpes Viren „verstecken" sich innerhalb des Ganglions. So können sie den Immunzellen entgehen und verbleiben ein Leben lang im Körper des Infizierten.
Wird das Immunsystem geschwächt, können sich die Herpes Viren ungehindert vermehren. In großer Anzahl wandern sie jetzt entlang der Nerven zurück in die Haut und lösen eine Sekundärinfektion aus.
Mögliche Faktoren die das Immunsystem schwächen sind:
Eine Sekundärinfektion verläuft bei beiden Typen der Viren symptomatisch und zeigt sich entweder als Lippenherpes oder als Genitalherpes.
Infiziert sich ein Neugeborenes unter der Geburt mit einem Genitalherpes des mütterlichen Geburtskanals, treten viel schwerere Symptome auf, als bei einem Erwachsenen. Das Neugeborene ist noch nicht in der Lage, das Virus durch Antikörper in Schach zu halten. Deswegen breitet sich der Herpes im ganzen Körper aus und befällt auch die Organe des Babys.
Schwere Lungenentzündungen und Entzündungen des Gehirns sind die Folge. Deswegen werden Ungeborene von Müttern, die an einer Erstinfektion mit einem Genitalherpes erkrankt sind, via Kaiserschnitt (Sectio) zur Welt geholt. Dadurch wird der Kontakt mit den Viren der mütterlichen Vagina vermieden. Ist die Schwangere schon vor der Schwangerschaft einmal an einem Genitalherpes erkrankt, ist die Gefahr einer Ansteckung für das Ungeborene viel geringer.
In sehr seltenen Fällen können ein Lippenherpes oder ein Genitalherpes mit schweren Komplikationen verlaufen. Gelingt es dem Immunsythem nicht, den Virus zu bekämpfen, breitet er sich ungehindert im ganzen Körper aus. Es entsteht eine Blutvergiftung (Sepsis) und eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis). Beide Erkrankungen sind lebensgefährliche Krankheitsbilder.
Bei einer Blutvergiftung fühlt sich der Patient schwer krank. Die Viren greifen auf Organe über, so dass es zu einem Organversagen kommt.
Eine Enzephalitis beginnt mit Kopfschmerzen und Änderungen des Wesens. Da die infizierten Zellen des Gehirns anschwellen, hat das Gehirn bald keinen Platz mehr im Schädel. Der Betroffene erleidet Nervenausfälle, epileptische Anfälle und fällt in ein Koma.
Die Diagnose erfolgt bei beiden Virusarten über die typischen Beschwerden zusammen mit den charakteristischen Bläschen. In unsicheren Fällen kann mittels einer speziellen Untersuchung die Diagnose gesichert werden. Hierbei wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich von den entzündeten Bläschen genommen. Aus diesem Material kann dann das genetische Material (die DNA) des Virus isoliert werden. Herpes simplex Viren Typ 1 unterscheiden sich hinsichtlich ihrer DNA von den Typ 2 Viren.
Diese Untersuchung dauert lange und ist teuer, so dass sie nur ein einzelnen Fällen angewandt wird. Es gibt auch einen Bluttest auf Herpes simplex Viren. Das Virus löst eine Immunantwort aus. Das heißt, das Immunsystem des Körpers bildet Antikörper, um das Virus zu bekämpfen.
Diese Antikörper sind immer ganz speziell gegen eine Virusart gerichtet. So kann anhand der Antikörper festgestellt werden, ob der Mensch schon einmal Kontakt mit einem Herpes simplex Virus hatte. Der Test hat aber zwei Schwachpunkte. Er kann keine akute Infektion von einer chronischen Infektion unterscheiden. Das liegt daran, dass der Körper direkt beim ersten Kontakt mit dem Virus Antikörper bildet, die auch noch dann, wenn das Virus in einem Ganglion ruht, im Blut nachweisbar sind. Außerdem setzt der Test ein intaktes Immunsystem voraus. Ist das Immunsystem geschwächt (HIV, Krebs) bildet der Körper erst gar keine Antikörper.
Differenetzialdiagnostisch müssen zwei Erkrankungen abgegrenzt werden, die auch zu schmerzhaften Bläschen führen.
Eine Gürtelrose ist ein schmerzhafter Hautausschlag, der durch das Windpockenvirus (Varizella Zoster Virus) verursacht wird. Dieses Virus gehört zur großen Gruppe der Herpes Viren. Bei einem ersten Kontakt mit diesem Virus entstehen bei einem Ungeimpften Windpocken (Varizellen).
Nachdem die Windpocken abgeheilt sind, wandern die Viren, genau wie bei den Herpes simplex Viren, entlang der Nerven zu den sensiblen Nervenwurzeln. Wird das Immunsystem geschwächt, kommen die Viren wieder hervor und lösen eine Gürtelrose aus.
Die Symptome einer Gürtelrose unterscheiden sich nur wenig von denen eines Herpes. Bei einem Herpes treten die Bläschen meistens entweder an den Lippen oder am Genital auf. Bei einer Gürtelrose können sich die Bläschen am ganzen Körper befinden. Das Besondere ist aber, dass sie immer nur eine Hälfte des Körpers betreffen. Ein Herpes betrifft beide Hälften.
Die Grindflecht tritt besonders bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Sie ist eine infektiöse Erkrankung, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Sie wird durch eine Schmierinfektion übertragen und ist so ansteckend, dass meist ganze Schulklassen oder Kindergarten Gruppen befallen werden. Es entstehen auch Bläschen an den Lippen und auf der Haut neben den Lippen. Diese Bläschen verkrusten mit der Zeit und weisen dann eine ganz typische Honig gelbe Kruste auf.
Als Wirkstoff gegen die Viren stehen verschiedene Virostatika zur Verfügung. Aciclovir ist eines davon. Es sorgt dafür, dass sich die Viren nicht mehr vermehren können. Viren, die sich nicht vermehren, werden durch das Mittel nicht angegriffen. Bei begrenztem Hautbefall wird Aciclovir in Form einer Salbe aufgebracht. Der Nachteil dieser Behandlung liegt darin, dass die Salbe eine deutlich sichtbare weiße Spur hinterläßt.
Ein unauffälligere Behandlungsmethode ist in Form von Herpes Pflastern erhältlich. Auf diesen Pflastern befindet sich ein lokal betäubendes Mittel. Die Pflaster können über geschminkt werden. Der Nachteil dieser Behandlungsform liegt darin, dass nur die Symptome gemildert werden. Die Dauer der Erkrankung bleibt gleich, da die Viren nicht an ihrer Ausbreitung gehindert werden.
Die Therapie des Genitalherpes ist die selbe wie beim Lippenherpes. Aciclovir kann bei schwerem Verlauf in Form einer Salbe auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Pflaster zur lokalen Betäubung sollten wegen der empfindlichen Schleimhaut des Genitalbereichs nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
Bei einem Genitalherpes muss der Sexualpartner immer mit behandelt werden. Sonst stecken sich die Partner beim Geschlechtsverkehr gegenseitig erneut an
Bei einem Neugeborenenherpes wird die gleiche Therapie angewand wie bei Komplikationen eines Herpes. Da es sich hier um sehr schwere Erkrankungen handelt, beginnt die Therapie auch schon bei einem Verdacht. Da das Problem im Befall der Organe liegt, wird Aciclovir über eine Infusion direkt in das Blut gegeben. Dafür wird eine kleine Nadel in eine Vene gelegt. Die Behandlung dauert 7-10 Tage, die der Erkrankte im Krankenhaus verbringt.
Solange es sich um einen begrenzten Befall der Lippen oder des Genitals handelt, ist die Prognose sehr gut. Die Symptome verschwinden nach einigen Tagen meist auch ohne eine Therapie. Es kommt aber häufig zu Rückfällen.
Bei einem Neugeborenenherpes, einer Blutvergiftung oder einer Infektion des Gehirns durch die Viren ist die Prognose ungünstig. Wird nicht sofort eine intravenöse Therapie begonnen, kann die Erkrankung tödlich enden. Bei einer Infektion des Gehirns bleiben Defektzustände. Das heißt, die Erkrankung heilt nicht folgenlos aus. Mögliche Folgen sind epileptische Anfälle oder ein vermindertes Hörvermögen.
Eine Herpes simplex Infektion ist eine chronische Erkrankung, die immer dann zum Ausbruch kommt, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Um einen Ausbruch zu vermeiden, sollte das Immunsystem gestärkt werden. Folgende Verhaltensweisen sind dafür hilfreich:
Vermutet der Patient an einem komplizierten Herpes erkrankt zu sein, sollte schnellst möglichst ein Arzt aufgesucht werden. Nur so kann eine Therapie begonnen und schlimmeres vermieden werden.