Herpes genitalis, eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD), ist derzeit wie andere sexuell übertragbare Erkrankungen wieder im Anstieg.
Klinisch äußert sich der primäre Herpes genitalis durch Brennen und Schmerzen, dann Bläschen und herpetiformen Ulzerationen an Labien, Portio und Vagina bzw. Glans penis und Penisschaft. Häufig ist auch die Perianalregion betroffen. Typisch ist zudem ein teilweise beidseitige Beteiligung der regionalen Lymphknoten.
Rezidive (Rückfälle) sind in den meisten Fällen symptomatisch und äußern sich mit den typischen Herpesbläschen. Die Häufigkeit der jährlichen Rezidive kann sehr variabel sein.
Bei Schwangeren mit Herpes genitalis kann es zum Herpes neonatorum (Herpes beim Neugeborenen) kommen. Die Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen) des Herpes neonatorum beträgt etwa 1 pro 7.500 Geburten. Die Ansteckung des Neugeborenen erfolgt dabei perinatal (während der Geburt) über den infizierten Geburtskanal.
Aufgrund der Verfügbarkeit typenspezifischer diagnostischer Methoden lassen sich symptomatisch und asymptomatisch (ohne Symptome) Hepatitis-simplex-Virus-2-infizierte (HSV-2) Frauen identifizieren. Damit stellt sich die Frage, ob eine generelles Screening sinnvoll ist.
Seroepidemiologische Untersuchungen fanden in den USA eine Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von 22% in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings wissen 90 % der HSV-2-antikörper-positiven Personen nichts von ihrer Infektion. Neuere Untersuchungen zeigten, dass HSV-2-Infizierte unwissentlich das Virus asymptomatisch (ohne Symptome) über verschiedene genitale Lokalisationen ausscheiden können.
Diese asymptomatische (ohne Symptome) Population dürfte somit das Hauptreservoir für die dauernde Weiterverbreitung von HSV-2 in der Bevölkerung darstellen.
HSV-2 ist in der sexuell aktiven Bevölkerung hochprävalent ist, was zum einem eine hohe neonatale Morbidität (Krankheitswahrscheinlichkeit) bedingt und zum anderen einen wichtigen Kofaktor bei der Infektion mit HIV und Weiterverbreitung darstellt.
Typen-spezifische Antikörpertests ermöglichen es heute HSV-2-infizierte Personen weitgehend sicher zu identifizieren. Wegen der zunehmenden Verbreitung von HSV-2 werden inzwischen Screeningtests für bestimmte Populationen von einigen Experten gefordert. Allerdings gibt es hierzu keine evidenz-basierten Leitlinien, die ein etwaiges Screening rechtfertigen würde. Von einer kalifornischen Arbeitsgruppe, bestehend aus STD-Experten und Vertretern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, wurden jetzt Empfehlungen zur Anwendung von HSV-2-Tests erarbeitet.
Grundlage hierfür waren eine systematische Auswertung der aktuellen Literatur, wobei das Hauptaugenmerk auf bestimmte Risikogruppen gelegt wurde. Diese Auswertung ist die erste evidenz-basierte Analyse zur Bedeutung des selektiven HSV-2Screenings bei Risikogruppen. Ein HSV-2-Screening wäre für diese Population sinnvoll, vorausgesetzt es würden in der Folge geeignete Beratungsangebote über eine Risikovermeidung und eine antivirale Therapie angeboten.
Aufgeschlossene Patienten mit hohem Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen und eine HIV-Infektion, HIV-Infizierte und Personen mit HSV-2-infizierten Partnern würden am meisten von der Bestimmung des HSV-2-Serostatus profitieren. Dem gegenüber zeigte sich, dass ein generelles Schwangeren-Screening auf HSV-2-Antigen oder Antikörper nach evidenz-basierten Kriterien nicht sinnvoll ist. Zur Bestätigung einer klinischen Erkrankung sind Antigen- oder Antikörpertests hingegen durchaus geeignete diagnostische Methoden.
Personen, die auf eine HSV-2-Infektion untersucht werden, sollte eine ausführliche Beratung hinsichtlich der Möglichkeit einer Prävention und Transmission dieser Infektion angeboten werden. Hierbei wird zwischen einer Beratung vor und nach einer Testung unterschieden. Diese Beratung sollte insbesondere auch Möglichkeiten zur Vermeidung einer Weiterübertragung beinhalten. Es macht unter evidenz-basierten Betrachtungen wenig Sinn, Kosten für eine Testung bzw. ein Screening-Programm aufzuwenden, wenn dieses keine Auswirkung auf die zukünftige Lebensführung hat. Nur wenn ein adäquates Beratungsangebot vor und nach einer Testung auf motivierte Patienten trifft, wäre ein Screening erfolgreich und kosteneffizient.