Chlamydia trachomatis, ein zu den Bakterien gehörender Erreger, verursacht die nicht-gonorrhoische Urethritis (NGU - Harnröhrenentzündung), die als die häufigste sexuell übertragene Infektion gilt. Die Zahl der NGU-Fälle hat in den letzten Jahren wieder weltweit zugenommen.
Wie auch bei anderen venerischen Infektionen (durch Geschlechtsverkehr übertragen), insbesondere der Syphilis, wird auch bei der NGU in Deutschland ein steigender Trend beobachtet. Dabei kommen auch Koinfektionen mit anderen Geschlechtskrankheiten vor. Vor allem muss eine Gonorrhoe als Koinfektion ausgeschlossen werden.
Beim Mann ist die Urethritis die häufigste klinische Manifestation, die im Gegensatz zu Frauen, meist symptomatisch verläuft. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt 10 bis 14 Tage. Leitsymptome sind die Dysurie (erschwerte, schmerhafte Harnentleerung) und der Fluor urethralis, der sich durch ein wässriges und schleimiges Sekret darstellt.
Bei aszendierenden Infektionen kommt es zur Epididymitis (Nebenhodenentzündung) und einer Epididymoorchitis (Entzündung von Nebenhoden und Hoden) mit Ausstrahlung der Beschwerden in die Leistengegend. Ob Chlamydien auch eine Prostatitis (Entzündung der Prostata) verursachen können, ist umstritten.
Bei Homosexuellen finden sich neben der Urethritis oftmals auch eine Proktitis (Infektion des Enddarms). Unbehandelt kann es nach Jahren zur sekundären Infertilität mit Azoo- oder Oligospermie kommen.
Bei Frauen stellen Chlamydien ein wesentlich größeres Gesundheitsproblem dar als bei Männern. Während die Bakterien in der Zervix (Gebärmutterhals) sich nur einige Monate halten können, persistieren sie in den Tuben über viele Jahre. Dies führt zu einer chronischen Infektion der Eileiter, was in der Folge zu Verwachsungen, Funktionsverlust und letztendlich zum Verschluss führt. Hieraus kann sich dann eine Pyo- oder Hydrosalpinx (seröses oder eitriges Sekret im Eileiter) entwickeln.
Nicht selten kommt es in der Folge wegen der ungünstigen anatomischen Verhältnisse zu einer Eileiterschwangerschaft. Eine abgelaufene Chlamydiensalpingitis (Entzündung von Eileiter und Eierstöcke) gilt als die häufigste Ursache einer tubaren Sterilität. Die Salpingitis kann in vielen Fällen subakut ablaufen, weswegen sie unerkannt bleibt. Nicht selten wird in diesen Fällen unter einer Fehldiagnose eine Appendektomie durchgeführt.
Chlamydien-bedingter Tubenverschluss ist ein häufiger Grund für die Durchführung einer In-Vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung) bei Kinderwunsch. Weitere Komplikationen sind die Perihepatitis (Leberentzündung) und eine Peritonitis (Bauchfellentzündung).
Wird bei unsachgemäßer Hygiene urethrales Sekret in die Augen verschmiert, resultiert eine Chlamydien-Konjunktivitis (Bindehautentzündung). Nicht selten wird erst durch die eitrige Konjunktivitis (Bindehautentzündung) die Diagnose einer NGU gestellt.
Bei der Geburt kommt es in einem hohen Prozentsatz zur Übertragung der Chlamydien auf das Neugeborene. Folgen sind die kindliche Einschlusskörper-Konjunktivitis (Bindehautentzündung) und eine Pneumonie (Lungenentzündung).
Im Anschluss an eine genitale Chlamydien-Infektion kann eine reaktive Arthritis auftreten, deren Immunmechanismus noch unklar ist. Typisch ist dabei eine Synovitis (Entzündung der Gelenkkapsel).
Die Diagnose einer Chlamydieninfektion wird heute meist durch den Nachweis von bakterieller DNA mittels Sondentests oder Nukleinsäureamplifikationstests verifiziert. Antikörpernachweise sind in der Regel nur wenig hilfreich.
Die Therapie erfolgt mit Doxyzyklin, Makroliden (Azithromycin, Roxithromycin, Erythromycin) oder Chinolonen (Levofloxacin, Ciprofloxacin). Die Therapiedauer beträgt 7 Tage. Zur Vermeidung von "Ping-Pong"-Infektionen ist eine Mitbehandlung der oder des Sexualpartners, auch wenn dieser oder diese asymptomatisch sind, unbedingt notwendig. Nach durchgemachter Infektion besteht keine Immunität gegen Chlamydien. Reinfektionen sind daher jederzeit möglich. Ein Impfstoff gegen Chlamydien steht nicht zur Verfügung.