Campylobacter (C.) jejuni ist neben Salmonellenspezies weltweit die häufigste Ursache einer akuten infektiösen Enteritis (Darmentzündung). 1963 erhielt der von bereits von T. Escherich im 19. Jahrhundert beschriebene Keim die Bezeichnung Campylobcter jejuni.
Erst Anfang der 1980er Jahre wurde die Bedeutung dieses Bakteriums als Ursache von lebensmittel-übertragenen ("food-borne") Infektionen bekannt.
Campylobacter ssp. sind spiralförmige, gramnegative, bi- oder monopolar begeißelte und ß-Laktamase-bildende Spirillen. Bezüglich der Taxonomie wird Campylobacter der Epsilon-Gruppe der Proteobakterien zugeordnet. Es lassen sich 21 Subspezies differenzieren. Die wichtigsten humanpathogenen Campylobacter-Spezies sind C. coli und C. fetus.
Intestinale Campylobacter-Infektionen stehen nach enteralen Salmonellosen in Deutschland an der zweiten Stelle der gemeldeten akuten Gastroenteritiden (Magen-Darm-Grippen). So werden jährlich etwa 50.000 Fälle von Infektionen gemeldet.
Aktuelle Meldetrends weisen darauf hin, dass Campylobacter die Salmonellen bereits in einigen Bundesländern überholt hat. Das Erregerreservoir ist der Intestinaltrakt von warmblütigen Wild-, Nutz- und Heimtieren. Als Infektionsquelle gelten Trinkwasser, Milch und Fleischprodukte. Insbesondere nicht ausreichend gegartes Hühnerfleisch ist eine häufige Ansteckungsquelle.
Kleinraumepidemien ausgehend von Grillfesten sind in den Sommermonaten daher keine Seltenheit. In der Landwirtschaft tätige Personen können sich direkt bei infizierten Nutztieren anstecken. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt weniger als 7 Tage und ist mitunter von der Infektionsdosis abhängig. Neben asymptomatischen Verläufen (ohne Symptome) stehen klinisch wässrige, oft schleimige, oftmals auch blutige Durchfälle im Vordergrund des Beschwerdebildes. Daneben können Fieber, Myalgien (Muskelschmerzen) und ein Meningismus (Nackensteifigkeit) auftreten. In den meisten Fällen verläuft die Infektion selbstlimitierend und ist auf wenige Tage beschränkt.
Im zeitlichen Abstand von wenigen Tagen bis Wochen können Komplikationen, wie eine reaktive Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung) sowie ein Guillain-Barré-Syndrom (entzündliche Erkrankung von Nervenwurzeln des Rückenmarks) auftreten. Der Pathomechanismus dieser Komplikationen beruht vermutlich auf einem molekularen Mimikry (Nachahmen) kreuzreagierender Antikörper gegen Antigene der Synovialmembran bzw. neuronaler Antigene.
Die Diagnosestellung einer akuten C. jejuni-Infektion beruht auf der Anzüchtung des Erregers im Stuhl. Hierfür werden üblicherweise Selektivmedien benötigt. Als Antigene werden dabei verschiedene immundominante Proteine eingesetzt. Durch diese Tests lassen sich jeweils C. jejuni-IgA und IgG differenzieren.
Therapeutisch steht die Korrektur des Wasser- und Elektrolythaushaltes an erster Stelle. Im Allgemeinen gut wirksam ist Clarithromycin oder Erythromycin. Auch die Chinolone, wie Ciprofloxcin und Levofloxacin, sind zur Behandlung klinisch schwererer Infektionen geeignet.
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) §7 besteht beim Nachweis einer akuten Infektion durch darmpathogene Campylobcter-Spezies durch das Labor eine namentliche Meldepflicht. Darüber hinaus hat der behandelnde Arzt nach IfSG §6 die namentliche Meldepflicht zu beachten, wenn der Verdacht auf eine akute infektiöse Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe) besteht, wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.