Definition Ösophagoskopie
Eine Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie) ist ein Untersuchungsverfahren, mit dem verschiedene Krankheitsbilder und Auffälligkeiten der Atemwege abgeklärt werden können. Neben der Untersuchung ist es bei kleinen Veränderungen auch möglich, bestimmte Therapiemaßnahmen vorzunehmen.
Ursachen
Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein schlauchförmiges Organ, das der Beförderung der geschluckten Speisen und Flüssigkeiten vom Mund in den Magen dient. Um diese Funktion ausüben zu können, bedarf es mehrerer verschiedener Muskeln in der Organwand. Wichtig sind insbesondere die Verschlussmuskeln am Anfang und am Ende zum Magen hin. Letztere verhindern auch den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre.
Die Spiegelung der Speiseröhre wird vorgenommen, wenn Symptome oder vorangegangene Untersuchungsergebnisse darauf hindeuten, dass eine Erkrankung der Speiseröhre vorliegt, beispielsweise eine Schleimhautentzündung oder ein (gutartiger oder bösartiger) Tumor. Eine Veränderung der Schleimhaut kann häufig auch durch die Refluxkrankheit verursacht werden, bei der immer wieder Magensäure in die Speiseröhre gelangt und das Gewebe schädigt, was nach dauerhaftem Bestehen bis hin zum Krebs führen kann. Weiterhin diagnostiziert werden können krankhafte Aussackungen der Speiseröhre (Zenker-Divertikel), die durch Druckerhöhung mit nachfolgender Schleimhautschwäche in der Speiseröhre entstehen, sowie die Achalasie, bei der es durch mangelnde Erschlaffung des Speiseröhren-Ausganges zu einem Aufstau von Speisebrei kommt. Diverse andere Befunde, z. B. meist bei Leberschäden auftretende Krampfadern (Ösophagus-Varizen) oder Verletzungen, können ebenfalls durch die Spiegelung festgestellt werden.
Ebenso ist die Speiseröhrenspiegelung eine Methode zur Behandlung von krankhaften Befunden, beispielsweise zur Entfernung von Fremdkörpern oder von Polypen.
Symptome
Bei vielen Krankheiten der Speiseröhre bestehen Schluckbeschwerden. Bei der Refluxkrankheit (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) kommt es zu Sodbrennen beziehungsweise einem Schmerzgefühl hinter dem Brustbein. In einem Zenker-Divertikel (Schleimhautaussackung) setzen sich oft Speisereste ab, die faulen können und dann einen unangenehmen Mundgeruch verursachen. Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) können zu schweren Blutungen führen. Bei Tumoren der Speiseröhre kommt es oft erst in einem späteren Stadium zu Beschwerden wie z. B. Schluckproblemen. Bösartige Tumore können Tochtergeschwülste (Metastasen) ausbilden, die sich an anderer Stelle im Körper absetzen und dort Probleme bereiten können. Bei Fremdkörpern in der Speiseröhre bestehen neben Schluckbeschwerden und einem unangenehmen Gefühl oft auch Schmerzen.
Diagnose
Es erfolgt eine Befragung des Patienten (Anamnese). Daraufhin wird eine körperliche Untersuchung durch den Arzt vorgenommen. Mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Röntgen und Computertomographie kann oftmals ein Befund dargestellt werden. Weiterhin ist in vielen Fällen eine Blutuntersuchung erforderlich.
Differenzialdiagnose
Die verschiedenen Krankheiten müssen voneinander unterschieden werden und auch von anderen Erkrankungen im Hals- und Brustbereich abgegrenzt werden, wozu unter anderem auch die Speiseröhrenspiegelung dient.
Therapie
Konservative Therapie
Je nach Erkrankung können verschiedene, zum Teil nichtoperative Behandlungen sinnvoll sein.
Operation
Die Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie) kann in örtlicher Betäubung (meist bei flexiblen Geräten) oder in Vollnarkose (meist bei starren Instrumenten) durchgeführt werden.
Über den Mund wird ein flexibles oder ein starres optisches Gerät (Ösophagoskop) in die Speiseröhre geschoben. Nun kann das Innere der Speiseröhre beurteilt werden. Zuvor wird die Speiseröhre manchmal durch Luft etwas aufgedehnt, um das Organ besser einsehen zu können.
Während der Untersuchung lassen sich kleinere Maßnahmen durchführen. Wichtig bei Krebsverdacht ist die Probeentnahme von Gewebe an auffälligen Stellen, damit dann eine feingewebliche Untersuchung (Histologie) vorgenommen werden kann, um die Art der Veränderung genau festzustellen. Ebenfalls möglich ist die direkte Entfernung von kleinen, als gutartig einzustufenden Tumoren, z. B. Polypen. Bestimmte weitere Schleimhautveränderungen können im Rahmen der Spiegelung ebenfalls manchmal therapiert oder beseitigt werden, falls sie vorgefunden werden. Fremdkörper, die die Speiseröhre verlegen, können herausgeholt werden.
Bei Verletzungen, wie sie beispielsweise durch Fremdkörper verursacht werden können, wird meist eine Magensonde eingeführt, um das Gewebe zu schonen. Die Sonde kann nach wenigen Tagen wieder entfernt werden.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Oftmals kann erst während der Luftröhren- oder Bronchienspiegelung festgestellt werden, um was für einen Befund es sich handelt und welche Maßnahmen im Laufe des Eingriffs noch erforderlich oder sinnvoll sind.
Komplikationen
Organe und Strukturen im Gebiet der Ösophagus-Spiegelung können manchmal beschädigt werden. Dies kann unter anderem Zähne, Mund-, Rachen- und Kehlkopfschleimhaut sowie die Speiseröhre betreffen. Vielfach verschwindet eine Beeinträchtigung der Schleimhaut wieder von selbst. Selten sind Schädigungen von Nerven, was zu einem meist vorübergehenden Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen oder weiteren Ausfällen führen kann. Es kann sehr selten zu Wundheilungsstörung, Narbenbildung und daraus resultierenden Folgeproblemen kommen. Ebenfalls selten sind Behinderungen der Atmung, beispielsweise durch eine Schwellung, sowie Schluckbeschwerden. Vor allem bei der Durchführung kleiner Eingriffe kann es zu Blutungen und Nachblutungen kommen. Allergische Reaktionen auf verwendete Substanzen können in verschiedenen Schweregraden vorkommen.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Die Prognose ist abhängig von der Krankheit, die bei der Speiseröhrenspiegelung sowie bei den anderen Untersuchungen festgestellt wird.
Hinweise
Vor der Operation
Gegebenenfalls müssen Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen, beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, weggelassen werden. Dies wird mit dem behandelnden Arzt besprochen.
Bei Durchführung der Spiegelung in örtlicher Betäubung darf vier Stunden vorher nicht mehr gegessen und geraucht, zwei Stunden vorher nichts mehr getrunken werden. Bei einer Operation in Vollnarkose erhöht sich die Zeitspanne.
Nach der Operation
Erfolgt die Untersuchung unter ambulanten Bedingungen, so muss sich der Patient abholen lassen und darf innerhalb eines Tages keine Autos oder Maschinen bedienen. Ebenso sollten wichtige Entscheidungen vertagt werden.
Aufgrund des beeinträchtigten Schluck- und Hustenreflexes nach der Betäubung des Rachens sollte für mindestens 2 Stunden nach der Untersuchung nichts gegessen oder getrunken werden. Ebenfalls sollte während dieser Zeit auf Rauchen verzichtet werden.
Zeigen sich Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hindeuten, so sollte umgehend der Arzt konsultiert werden.
Letzte Aktualisierung am 06.05.2010.