Der Begriff Schwerhörigkeit (Hypakusis) ist eine Bezeichnung für Erkrankungen, die das Hörvermögen kurzzeitig oder dauerhaft herabsetzen. Die Schwerhörigkeit ist ein sehr häufiges Krankheitsbild, das mit zunehmendem Alter zunehmend auftritt. In Deutschland ist etwa jeder 15. schwerhörig. Bei der Form der Schwerhörigkeit kann man zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit unterscheiden. Zudem existieren sowohl vorübergehende als auch bleibende Hörstörungen.
Die Ursachen für eine Schwerhörigkeit können sehr vielfältig sein und reichen von der einfachen Altersschwerhörigkeit über Infektionen der Ohren bis hin zu chronischen Lärmschädigungen oder Tumoren. Schwerhörigkeit kann auch angeboren sein. Durch vermehrte Lärmbelastung der Ohren im Alltag nimmt die Schwerhörigkeit mittlerweile auch bei jungen Menschen stark zu. Dabei wird die Höhe eines Tons als Tonfrequenz bezeichnet und in Hertz (Hz) gemessen. Der menschliche Hörbereich liegt zwischen 20 und 20.000 Hertz, wobei das menschliche Ohr zwischen Frequenzen von 500 und 5.000 Hertz am empfindlichsten ist. In diesem Frequenzbereich liegt auch die menschliche Sprache. Die Lautstärke eines Tons wird in Dezibel (dB) gemessen. Dabei liegt die so genannte Schmerzgrenze für das menschliche Ohr bei 120 Dezibel. Schallreize, die über diesem Pegel liegen, können im Ohr bereits irreparable Schäden hinterlassen. Die manifeste Form einer Schwerhörigkeit lässt sich zunächst in drei Formen untergliedern:
Die Schwerhörigkeit kann zunächst unterteilt werden in akute und chronische Verläufe der Erkrankung, die entweder vorübergehend auftritt oder aber bleibende Schäden beim Betroffenen hinterlässt. In den meisten Fällen tritt eine Schwerhörigkeit nur vorübergehend auf, beispielsweise bei Entzündungen des Ohres oder beim Fliegen im Flugzeug. Im Falle einer länger andauernden Schwerhörigkeit muss zunächst differenziert werden, welche Geräusche wahrgenommen werden können. Oft entwickelt sich eine Schwerhörigkeit langsam über Jahre hinweg und wird deshalb von den Betroffenen zunächst nicht wahrgenommen. Man unterscheidet dann zwischen der Normalhörigkeit über eine mittelgradige Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit:
Da in vielen Fällen auch das Innenohr von einer Schwerhörigkeit betroffen ist, kann es zudem bei den Betroffenen auch zu Schwindelanfällen oder Gleichgewichtsstörungen kommen.
Eine Schwerhörigkeit kann in der Regel von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten einfach festgestellt und klassifiziert werden. Zunächst werden in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) der Verlauf und die Entstehung der Schwerhörigkeit erfragt.Ein Hörtest kann schließlich Aufschluss darüber geben in welchem Ausmaß eine Hörminderung vorhanden ist. Dazu werden dem Betroffenen verschiedene Töne unterschiedlicher Frequenzen präsentiert um zu überprüfen, ob diese noch gehört werden. So wird eine individuelle Hörkurve erstellt, die zudem auch zwischen der Knochen- und der Luftleitung unterscheidet und so auch erste Hinweise auf die Form der Schwerhörigkeit geben kann.
In der Ohrspiegelung (Otoskopie) kann der Hals-Nasen-Ohrenarzt zudem Anomalien im Bereich des Gehörgangs erkennen.Weitere Möglichkeiten zur Diagnose einer Schwerhörigkeit bieten Tests wie die Tympanometrie und der Stapedius-Reflex. Hierbei kann die Funktionalität des Trommelfells bestimmt werden. Auch die otoakustischen Emissionen oder die so genannte ERA (electrical response audiometry) geben Aufschluss über die Ursache einer Schwerhörigkeit.
Besonders wenn eine Schwerhörigkeit neu Auftritt sollte der behandelnde Arzt ausschließen, dass systemische Grunderkrankungen oder Stoffwechselstörungen für die Hörminderung verantwortlich sind. Beispiele dafür sind Erkrankungen der Niere, der Gefäße oder des Immunsystems. Im Zweifelsfall kann eine Blutuntersuchung Aufschluss geben.
Therapie der Schwerhörigkeit richtet sich in erster Linie nach der Ursache der Hörminderung. Es kommen sowohl medikamentöse als auch operative Maßnahmen in Frage, die je nach Krankheitsursache individuell mit dem Patienten abgestimmt werden müssen. Für die Versorgung einer Innenohrschwerhörigkeit können beispielsweise Cochleaimplantate eingebracht werden, während Schwellungen oder Infektionen im Bereich des Mittelohres oft auch mit Infusionen oder Medikamenten sehr gut behandelt werden können. In einigen Fällen ist auch der Einsatz von Hörgeräten oder Hörersatzmitteln vor allem bei ausgeprägter bei Schwerhörigkeit nötig.
Die Prognose einer Schwerhörigkeit richtet sich vor allem nach der Ursache der Erkrankung. Vor allem bei Kindern sollten angeborene oder erworbene Hörfehler so früh wie möglich behandelt werden, da es neben bleibenden Schäden auch zu einer verzögerter oder mangelhaften Sprachentwicklung kommen kann.