Als Cholesteatom (Perlgeschwulst) wird die Einwucherung der obersten Hautschicht aus dem äußeren Gehörgang (mehrschichtig verhorntes Plattenepithel) in das Mittelohr bezeichnet. Durch das Einwachsen des Gewebes entsteht eine chronisch-eitrige Entzündung des Mittelohres, die auch als chronische Knocheneiterung bezeichnet wird. Beim Cholesteatom kann man zwischen drei Arten unterscheiden:
Vor allem bei chronischen Mittelohrentzündungen wird in 60 Prozent aller Fälle ein Cholesteatom diagnostiziert.
Beim Cholesteatom wachsen Zellen aus dem Bereich des äußeren Gehörgangs in die Paukenhöhle des Ohres ein. Der äußere Gehörgang ist mit bestimmten Zellen, den so genannten Plattenepithelzellen ausgekleidet, das dahinter gelegene Mittelohr dagegen mit Schleimhautzellen. Diese beiden Strukturen sind im Normalfall durch das Trommelfell vollständig voneinander getrennt. Wird das Trommelfell durchlässig oder völlig zerstört, beispielsweise durch eine chronische Mittelohrentzündung, kommt es häufig zu einer Zerstörung der Schleimhautauskleidung des Mittelohres. Als Ersatz für die zerstörten Schleimhautzellen kann dann die oberste Hautschicht des Gehörganges, das Plattenepithel, in die Paukenhöhle des Ohres einwachsen.
Im Gegensatz zur Schleimhaut entstehen jedoch auf der Oberfläche des Plattenepithels bestimmte Abbauprodukte, die aus der engen Paukenhöhle nicht aus dem Ohr nach draußen gelangen können. Dieses Sekret sammelt sich nun an bestimmten Stellen im Mittelohr an. So entsteht ein Druck im Mittelohr, durch den auch benachbarte Knochen- oder sogar Innenohrstrukturen bis hin zur Hirnhaut zerstört werden können. Durch den gestörten Sekretabfluss kann sich das Mittelohr sehr leicht entzünden und es kommt zu immer wiederkehrenden und schließlich chronischen Mittelohrentzündungen. Meist ist das Bakterium Pseudomonas aeruginosa daran beteiligt. Ein Cholesteatom enthält zudem große Mengen an Cholesterin und ist entsprechend gelblich gefärbt.
Zu den Krankheitszeichen des Cholesteatoms und der meist begleitend auftretenden Entzündung zählt vor allem ein übel riechender eitriger Ausfluss aus dem Ohr (fötide Otorrhoe). Die Betroffenen leiden außerdem unter zunehmender Schwerhörigkeit sowie gelegentlich auch Ohr- oder Kopfschmerzen. Die immer wiederkehrende Entzündung des Mittelohres verursacht zudem nicht selten Fieber und ein schweres allgemeines Krankheitsgefühl. Die größte Gefahr eines unbehandelten Cholesteatoms besteht darin, dass die Entzündung und Knochenzerstörung in andere Bereiche des Ohres vordringen kann. Hiervon können die Gehörknöchelchen, das Innenohr sowie die Hirnnerven betroffen sein, was sich oft auch durch Schwindel und Gesichtslähmungen bemerkbar macht. Im schlimmsten Fall kann die Entzündung auch die Hirnhäute und Hirngewebe erfassen.
Bei der Untersuchung des Ohres durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt sind der mögliche Trommelfelldefekt sowie typische weiße Cholesteatom-Schuppen erkennbar. Oft finden sich zudem Polypen, die aus dem einwachsenden Gewebe herausragen. Durch eine Hörprüfung (Audiogramm) kann eine Verminderung der Hörfähigkeit erkannt werden. Das Vorhandensein eines Cholesteatoms sowie dessen Größe und das Ausmaß der knöchernen Zerstörung kann durch zusätzliche röntgen- oder computertomographische Aufnahmen erkannt werden.
Ein Cholesteatom sollte in jedem Fall operativ entfernt werden. Gegebenenfalls wird im Rahmen der Operation werden der bestehende Trommelfelldefekt wieder verschlossen und eine möglicherweise zerstörte Gehörknöchelchenkette wieder aufgebaut (Tympanoplastik).
Bei ausgedehntem Cholesteatom oder einer sehr starken Zerstörung des Mittelohres muss eine so genannte Radikaloperation durchgeführt werden. Dabei wird eine gemeinsame Höhle aus Gehörgang, Warzenfortsatzhöhle und Kuppelraum des Mittelohres hergestellt. Diese ist von außen über eine erweiterte Öffnung des Gehörgangs einsehbar, sodass das Ohr ausreichend gereinigt und gespült werden kann. Auch in diesem Fall kann häufig das ehemalige Mittelohr mit einem neuen Trommelfell verschlossen und das Hörvermögen damit wieder verbessert werden (flache Pauke).
Vor einer geplanten Operation des Cholesteatoms kann zudem versucht werden, die Begleitentzündung mit einem Antibiotikum zu behandeln. Das ist vor allem dann notwendig, wenn es zu sehr starkem eitrigen Ausfluss aus dem Ohr kommt. Wird zusätzlich zur bakteriellen Entzündung ein Pilzbefall festgestellt, so kommen auch Antimykotika zum Einsatz.
Die Prognose eines Cholesteatoms ist in den meisten Fällen sehr gut. Bei der Mehrzahl der Betroffenen, die sich einer Cholesteatom-Operation unterziehen, kann das Hörvermögen erhalten oder sogar verbessert werden. Bei einer geringen Anzahl von Patienten sind die Zerstörungen im Mittelohr jedoch bereits soweit vorangeschritten, dass eine Rekonstruktion nicht mehr möglich ist. Hier können Hörgeräte, die den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepasst werden, Abhilfe schaffen.