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Schwindel im Liegen - was sind die Gründe?

Lesezeit: 4 Min.

Liegeschwindel - ein Symptom, viele Ursachen

Schwindel, medizinisch Vertigo genannt, ist eine Störung des Gleichgewichtssinnes. Dabei handelt es sich um ein Symptom, das in einer Vielzahl von Situationen und aus vielen verschiedenen Gründen auftreten kann.

Betroffene haben dabei das subjektive Empfinden, dass sich alles um sie herum dreht oder der Boden unter ihren Füßen schwankt. Sie müssen sich festhalten oder setzen, um einen Sturz zu vermeiden. Gelegentlich tritt Vertigo auch im Liegen auf. Dies kann spontan im Ruhezustand geschehen, häufiger beim Umdrehen, beim Hinlegen oder einem Aufsteh-Versuch. Im Liegen dauern die Anfälle meist nur Sekunden.

Forschungsergebnisse verweisen auf den benignen Lagerungsschwindel als häufigsten Auslöser des Liege-Schwindels mit knapp 19 Prozent aller Fälle. Starke psychische Belastungen und Stress rangieren mit etwas über 15 Prozent auf Platz 2 der Ursachenliste. Die möglichen weiteren Gründe sind vielfältig. Frauen sind im Durchschnitt häufiger als Männer betroffen, ältere Menschen über 60 häufiger als junge.

Diese Fragen wird der Arzt stellen

Die Form, in der die Schwindelattacken auftreten, lassen Rückschlüsse auf die Ursache zu und öffnen Wege zu einer Behandlung:

  • Halten die Schwindel-Attacken länger an oder treten sie nur für einen Moment auf?
  • Wie häufig zeigt sich der Schwindel?
  • Wird der Schwindel als Gefühl des Drehens oder eines schwankenden Untergrundes empfunden?
  • Tritt Vertigo im Liegen auf oder bessern sich die Symptome, sobald sich der Patient hinlegt und versucht, zu entspannen?
  • Geht der Schwindel mit Sehstörungen wie einer Einschränkung oder einem Verschwimmen des Gesichtsfeldes einher?
  • Wie alt ist die betroffene Person?
  • Sind Vorerkrankungen, zurückliegende Unfälle, Traumata, Stress oder Medikamenteneinnahme beziehungsweise Giftstoffe in Betracht zu ziehen?

Schwindel im Liegen – das sind die möglichen Ursachen

Die Bandbreite der Ursachen für Schwindel reicht von harmlosen Auslösern bis hin zu Ausprägungen von ernsthaften Erkrankungen. Sie können Schwindel im Liegen, aber auch im Stehen, Sitzen oder in der Bewegung auslösen.

Alkohol

Unschädlich, aber vermeidbar ist Schwindel im Liegen nach größeren Mengen alkoholischer Getränke. Im Extremfall treten dabei Übelkeit und Erbrechen mit auf.

Stress, Schlafmangel, unzulängliche Ernährung

Bedrückende Lebensumstände, Angst, Stress, seelische und körperliche Überanstrengung sowie einseitige Ernährung hinterlassen ihre Spuren. Vertigo im Liegen oder in jeder anderen Situation ist dann nur eines von vielen Symptomen, mit denen der Organismus auf Missstände aufmerksam macht. Betroffene sollten so gut wie möglich versuchen, belastende Faktoren auszuschalten: Manchmal hilft bei den genannten Gründen schon eine Umstellung der Ernährung oder ein mildes pflanzliches Mittel für mehr Ausgeglichenheit und besseren Schlaf, damit eine Erholung einsetzt. Gleichzeitig ist es wichtig, Schwindel und anderen Symptomen auf den Grund zu gehen, denn sie verstärken das allgemeine Unbehagen des Patienten noch.

Benigner Lagerungsschwindel

Gutartig, aber lästig ist der „benigne Lagerungsschwindel“, der überwiegend bei Frauen auftritt.
Dabei treten kurze Drehschwindel-Anfälle auf, sobald sich die Betroffenen im Liegen umdrehen oder aus dem Bett aufstehen. Gelegentlich gesellen sich noch Übelkeit und Sehstörungen (Flimmern vor Augen) dazu.

Die Ursache sind die „Otoliten“ oder „Ohrsteine“ in den Bogengängen des Innenohrs, dem Zentrum des Gleichgewichtsempfindens. Geraten diese Steinchen oder Kristalle vereinzelt in andere Bereiche des Innenohrs, erhält das Gehirn Falschmeldungen über Position und Bewegung des Betroffenen – Schwindelanfälle sind die Folge.

Bestimmte Lagerungsübungen mit Unterstützung eines Arztes bringen die Otolithen wieder in Position und dämmen die Vertigo-Anfälle ein. Grundsätzlich ist es hilfreich, sich so normal wie möglich zu verhalten und zu bewegen. Für gewöhnlich löst sich das Problem nach einer Weile von selbst.

Morbus Menière

Wiederkehrende Schwindel-Attacken gehen bei der Menière-Erkrankung vermutlich auf Verlagerung von Lymph-Flüssigkeit im Innenohr zurück. Benannt wurde die Erkrankung nach einem französischen Arzt, der Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts praktizierte. Die Störung tritt anfallsartig mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Tinnitus gepaart auf. Häufig kommen noch Sehstörungen und Ausfälle des Hörvermögens vor. Morbus Menière ist recht selten. Die Therapie mit Medikamenten ist möglich.

Zervikogener Schwindel

Meist gepaart mit Kopfschmerzen oder Spannungsschmerzen im Nacken- und Brustwirbelbereich, kann Liegeschwindel auf Veränderungen in der oberen Wirbelsäule hinweisen. Der gesamte Sehnen- und Muskelapparat in der beschriebenen Körperregion ist dabei durch Unfälle oder degenerative Erscheinungen beeinträchtigt, die hier angesiedelten Sinneszellen senden „Falschmeldungen“ ans Gehirn. Auch Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule können massive Gleichgewichtsstörungen auslösen. Dies wird unter dem Begriff „zervikogener Schwindel“ zusammengefasst.

Die therapeutischen Möglichkeiten bestehen aus Schmerzmitteln, Entzündungshemmern, muskelentspannenden Einreibungen oder Medikamenten oder Physiotherapie. Bei einem Bandscheibenvorfall sind zuweilen auch operative Maßnahmen notwendig.

Entzündung des Gleichgewichtsnervs

Auch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs selbst (Nervus vestibularis) führt zu Schwindelanfällen, sei es im Sitzen, Gehen oder Liegen.

Gesundheitsstörungen, die zu Liegeschwindel führen

Eine ganze Reihe von Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen führt zu Liegeschwindel als Symptom.

  • Kreislaufschwankungen, die kurzfristig zu einer Sauerstoff-Unterversorgung führen: Sie können Sehstörungen, kurze Bewusstseinstrübung, Ohnmacht, Schwindel auslösen. Im Regelfall bessern sich aber diese Symptome im Liegen, statt vermehrt im Liegen aufzutreten.
  • Entzündungen und Infektionen: Grippale Infekte, Mittelohrentzündungen, infektiöse Durchfallerkrankungen und andere Arten von Erkrankungen mit Fieber lösen häufig Kreislauf- und Blutdruckschwankungen aus. Liege-Schwindel kann als Symptom auftreten.
  • Ein Schlaganfall sorgt stets für eine Minderdurchblutung bestimmter Gehirn-Areale und damit je nach den betroffenen Stellen auch für Gleichgewichts- und Wahrnehmungs-Störungen.
  • Während einer Schwangerschaft ist der Organismus zusätzlich belastet und hormonellen Veränderungen unterworfen. Häufig leidet der Kreislauf. Liegeschwindel, besonders in Rücken- oder linksseitiger Lage, ist ein typisches Symptom.
  • Wechseljahre: Auch in den Wechseljahren kann die hormonelle Umstellung dazu führen, dass Schwindelanfälle in unterschiedlichsten Situationen auftreten.
  • Das Vena-cava-Kompressions-Syndrom: Beim Liegen auf der rechten Körperseite wird die Hohlvene, die Vena cava, zuweilen durch das Gewicht der inneren Organe gedrückt. In der Folge kann das Blut nicht ungehindert zum Herzen zurückfließen, das Herz-Kreislauf-System und die Versorgung mit Blut geraten kurzfristig ins Stocken. Die Schwindel-Symptome sollten sich bei einer Körperdrehung auf die linke Seite spontan bessern. Das Vena-cava-Syndrom tritt typischerweise während Schwangerschaften auf.
  • Multiple Sklerose, eine Autoimmunerkrankung, bei der Nervenzellen direkt geschädigt werden.
  • Migräne
  • Tinnitus
  • Morbus Parkinson
  • Tumore im Bereich von Gehirn und Zentralnervensystem, die ebenfalls die Impulsverarbeitung und Leitfähigkeit der Nerven stören.

Welche Rolle spielt das Sehen?

Die über das Auge empfangenen Sinneseindrücke werden vom Gehirn auf verschiedene Weise verwertet. So versucht es beispielsweise, Gleichgewichtsstörungen über die visuellen „Meldungen“ auszugleichen. Häufig treten Schwindelanfälle erst beim Schließen der Augen auf, wenn dieser Kompensations-Faktor ausfällt.

In einigen Fällen ist es unwichtig, ob die Augen geschlossen oder offen sind, in anderen lassen Schwindel und andere Symptome nach, sobald der Patient die Augen schließt. Dies ist beispielsweise bei Migräne recht oft der Fall.



B. Langrehr
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 07.08.2017
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Schwindel

 
sagt neff888   vor > 2 Jahre  450

Vielen Dank für die Antworten.

ich kann jetzt nur sagen mir geht es wieder ganz gut.

Gestern hatte ich noch einen Kontrolltermin beim HNO, der ... mehr

Alle Beiträge anzeigen: HNO (Hals-Nasen-Ohren) » Schwindel

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14 Fragen zu Schwindel
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