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Erkältung o. Grippe?

Was ist eine Erkältung und was ist eine Grippe?

Häufig werden im alltäglichen Sprachgebrauch die Bezeichnungen Erkältung und Grippe synonym benutzt, und meinen eigentlich den sehr häufig vorkommenden grippalen Infekt. Ein grippaler Infekt, oder auch Erkältung, ist eine akute Infektionskrankheit der Schleimhaut im Bereich der Nase sowie der Nasennebenhöhlen, Hals und Bronchien. Die Infektion wird in erster Linie durch Viren ausgelöst, manchmal sind zusätzlich auch Bakterien an der Infektion beteiligt (Sekundärinfektion).

Erkältungsinfekte sind die häufigsten Infektionen des Menschen überhaupt, Kleinkinder sind mit bis zu 13 Mal im Jahr am häufigsten betroffen. Erwachsene erkranken durchschnittlich etwa zwei- bis dreimal im Jahr an einem grippalen Infekt. Dieser grippale Infekt wird häufig mit der deutlich schwereren Grippe (Influenza) verwechselt, die vor allem für immunschwache Personen, wie für Säuglinge und alte Menschen, tödlich enden kann. Eine Grippe tritt gehäuft in der typischen Grippesaison auf und ist sehr ansteckend. Eine häufige Folge sind so genannte Grippe-Epidemien, also ein stark gehäuftes Auftreten von Grippefällen in einem begrenzten Gebiet und zu einer bestimmten Zeit.


Was sind die Ursachen beider Erkrankungen?

Sowohl die Grippe als auch der grippale Infekt werden durch Viren verursacht.

  • Im Falle des grippalen Infektes sind dies meist Rhino-, Entero-, Corona-, Mastadeno- oder Paramyxoviren. Kommt zur Virusinfektion noch eine Infektion durch Bakterien hinzu, wird dies als Sekundär- oder auch Superinfektion bezeichnet. Insgesamt sind als Krankheitsverursacher über 200 sehr verschiedene Viren aus unterschiedlichen Virusfamilien beschrieben. Sie alle sind an die oberflächliche Schleimhaut der leicht zugänglichen Atemwege angepasst und verursachen ähnliche Symptome. Da die Atemwege vom Rachenraum bis zu den Verzweigungen des Bronchialbaumes mehrere Barrieren von Abwehrzellen aufweisen, müssen die Erreger die Immunabwehr durch eine besonders schnelle Vermehrung umgehen.

    Die Symptome der durch sie ausgelösten Erkältungskrankheit wie Husten, erhöhte Schleimproduktion und Niesen ermöglichen wiederum den Viren, sehr einfach zu einem neuen Opfer (Wirt) zu gelangen. Die Vielzahl unterschiedlicher Viren und ihrer Subtypen erklärt, warum Menschen so häufig an einem virusbedingten grippalen Infekt erkranken können. Die Tatsache, dass bei sonst gesunden Menschen eine Erkältung keinen tödlichen Verlauf nimmt zeigt, dass die auslösenden Viren sehr stark an den Menschen angepasst sind. Die Schädigung seines Wirts ist für ein Virus kein vorteilhafter Effekt, da er zur eigenen Vermehrung auf ihn angewiesen ist.

  • Die Grippe wird hingegen durch das Influenza-Virus ausgelöst. Influenza-Viren sind weltweit verbreitet und werden in die Typen A, B und C unterteilt. Diese drei Virustypen lösen unterschiedlich schwere Krankheitsbilder aus und variieren in ihrer Tendenz zur Ausbreitung. Für Menschen sind in erster Linie Influenza-Viren vom Typ A und B gefährlich.

    Meist dient der Mensch dem Virus als Wirt, es können jedoch auch Tiere, wie Schweine oder Vögel von Influenza-A-Viren befallen werden. Gerade in Regionen, in denen Menschen und Tiere auf sehr engem Raum miteinander leben, können sich Influenza-Viren, die hauptsächlich Tiere befallen und solche an denen überwiegend Menschen erkranken, "vermischen" und neue Subtypen bilden. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle neue Grippe H1N1 (Schweinegrippe)

Wie unterscheiden sich die Symptome von Grippe und Erkältung?

Oberflächlich betrachtet ähneln sich die Symptome von Erkältung und Grippe. Es gibt jedoch deutliche Merkmale zur Unterscheidung beider Erkrankungen.

  • Eine gewöhnliche Erkältung läuft in der Regel in zeitlichen Phasen ab. Die ersten Anzeichen sind meistens Halskratzen bis hin zu Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, oft verbunden mit leichtem Frösteln. Als besonders typisches Erkältungssymptom tritt sehr oft zur gleichen Zeit eine Entzündung der Nasenschleimhäute (Schnupfen) auf, der sich überwiegend durch ein Brennen und Kitzeln in der Nase. Fast immer kommen für einen Zeitraum von vier bis fünf Tagen Kopf- und Gliederschmerzen hinzu. Etwa ab dem sechsten Tag der Erkrankung kann sich zudem ein trockener Reizhusten entwickeln, der im weiteren Verlauf manchmal in einen festsitzenden Husten übergehet. In den meisten Fällen ist eine Erkältung nach etwa einer Woche überstanden, sie kann aber auch bis zu zwei Wochen andauern.

  • Im Gegensatz zur eher harmlosen Erkältung beginnt eine echte Grippe abrupt, mit starken Kopfschmerzen, sowie erheblichen Gelenk- und Muskelschmerzen. Daneben treten Kreislaufbeschwerden, Müdigkeit, Übelkeit und ein allgemeines Schwächegefühl ein. Während Fieber bei Erkältungen eher selten auftritt, geht eine Grippe meist mit hohen Temperaturen bis 41°, sowie Schüttelfrost und Schweißausbrüchen einher. Eine Grippe dauert etwa 7-14 Tage an, ohne das anfänglich eine Besserung der Beschwerden eintritt.

Wie werden die Erkrankungen diagnostiziert?

Die Diagnose eines grippalen Infekts sowie einer echten Grippe erfolgt meist rein klinisch, das heißt aufgrund der Symptome und einer körperlichen Untersuchung. In den ersten drei bis vier Tagen nach Krankheitsbeginn kann zudem ein Schnelltest für die echte Grippe Hinweise auf den Krankheitserreger geben. Auch eine Virusanzucht aus Zellkulturen ist möglich. Hierbei handelt es sich um eine aufwendige Methode, die nur in den ersten Tagen nach dem Beginn der Krankheit Erfolg verspricht. Eine Blutuntersuchung kann die Diagnose unterstützen.


Wie unterscheiden sich Grippe und Erkältung in der Therapie?

Die Behandlung einer gewöhnlichen Erkältung besteht vor allem darin, dem Körper Ruhe zu gönnen und sich in warmen Räumen aufzuhalten. Bei Husten und Schnupfen sollte man viel Wasser und Tee trinken, um den Schleim flüssig zu halten und einen Flüssigkeitsverlust des Körpers durch Schweiß, Tränen- oder Nasenflüssigkeit auszugleichen. Auch Inhalationen können helfen, die Schleimhäute anzufeuchten und vom Schleim zu befreien. Abschwellende Nasensprays sollten nur kurzzeitig (bis fünf Tage) verwendet werden, da eine dauerhafte Anwendung zum Austrocknen und Anschwellen der Nasenschleimhaut sowie zu einer Abhängigkeit führen kann.

Andere Medikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure können zudem Symptomen wie Kopfschmerzen und Fieber entgegenwirken. Antibiotika bekämpfen lediglich bakterielle Infektionen und sind daher bei Erkältungskrankheiten eher nicht sinnvoll. Eine Ausnahme besteht im Falle einer bakteriellen Sekundärinfektion mit gelblich-grünem (eitrigen) Husten oder Schnupfen. Bei Patienten mit einer schwerwiegenden Grunderkrankung (wie beispielsweise HIV, Diabetes mellitus oder chronischen Lungenerkrankungen) ist jedoch eine vorbeugende Gabe zur Verhinderung einer bakteriellen Superinfektion meist notwendig.

Die Therapie einer echten Grippe besteht in erster Linie in der Linderung der Beschwerden. Auch hier ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie körperliche Schonung wichtig. Bei Risikopersonen, wie Säuglingen, älteren Menschen sowie Personen mit schweren Grunderkrankungen, werden sofort spezielle Medikamente (Neuramidase-Hemmer) eingesetzt. Sie blockieren das Enzym Neuramidase, das bei der Vermehrung des Grippevirus eine wichtige Rolle spielt. Durch diese Form Behandlung verläuft die Influenza milder und ist auch schneller wieder vorbei. Das „Anti-Grippe-Mittel" muss man jedoch innerhalb von 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome anwenden.

Beschwerden wie Fieber oder Schmerzen lassen sich in der Regel mit leichten Schmerzmitteln, wie Ibuprofen und Paracetamol, lindern.Da der Körper durch eine Grippe stark geschwächt ist, können auch hier zusätzlich Bakterien eindringen (Sekundärinfektion). Schwerwiegende Organerkrankungen, zum Beispiel eine Lungenentzündung, können die Folge sein. In diesen Fällen werden auch bei der Influenza zusätzlich Antibiotika eingesetzt.

Um einer Grippe vorzubeugen, besteht die Möglichkeit, sich gegen bestimmte Grippe-Viren impfen zu lassen. Der optimale Zeitraum dafür liegt immer zwischen September und November.

Wie ist die Prognose beider Erkrankungen?

Eine Erkältung verläuft in der Regel nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis acht Tagen harmlos und dauert selten länger als eine Woche. Viele Menschen haben im Jahr mehrere Erkältungen, bei Kleinkindern gelten auch vier bis neun Erkrankungen pro Jahr noch als normal. Eine erkrankte Person kann etwa zwei bis zehn Tage für andere ansteckend sein.
Auch die Grippe verläuft bei jungen Menschen, die keine zusätzlichen Krankheiten haben, in der Regel ohne Komplikationen.

Für kleine Kinder, ältere Menschen mit Vorerkrankungen und Patienten mit Abwehrschwäche besteht jedoch die Gefahr, verschiedene schwere Komplikationen zu erleiden. Durch eine Zweitinfektionen mit Bakterien und anderen Viren können schwere Lungenentzündungen, Herzmuskelentzündungen und Gehirnhaut- und Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis), auftreten, die im schlimmsten Falle auch tödlich verlaufen. Risikopersonen wird deshalb vor allem in der Grippesaison zu einer Impfung geraten.


Letzte Aktualisierung am 26.10.2011.

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