Als Verbrennung (Combustio, Brandverletzung, Verbrennungstrauma) wird eine Schädigung der Haut durch übermäßige Hitzeeinwirkung bezeichnet. Diese kann durch verschiedenste Einwirkungen, wie heiße Flüssigkeiten (Verbrühung), starke Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand) oder Reibung entstehen. Bei der Verbrennung werden in erster Linie die Haut und die Schleimhäute geschädigt. Von der Verbrennung durch Hitze ist die so genannte Kälteverbrennung, eine Sonderform der Erfrierung, zu unterscheiden, die jedoch mit der Verbrennung vergleichbare Schäden auf der Haut verursacht.
Wenn Verbrennungen ein bestimmtes Maß überschreiten, kann dies für den betroffenen Organismus schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Die Summe der systemischen Störungen, die durch schwere Verbrennungen verursacht werden, bezeichnet man als Verbrennungskrankheit. In Deutschland müssen jährlich etwa 10.000 bis 15.000 Menschen mit Brandverletzungen in Kliniken stationär behandelt werden, 10 Prozent davon auf der Intensivstation. Die Hälfte der Verbrennungsunfälle ereignet sich im häuslichen Bereich, bei jedem zehnten Verbrennungsunfall liegt ein Selbstmordversuch oder ein Gewaltverbrechen vor.
Verbrennungen der Haut können durch verschiedenste Einwirkungen entstehen. Beispiele dafür sind Hautschädigungen durch heiße Flüssigkeiten (Verbrühung), Dämpfe oder Gase, die Einwirkung von offenen Flammen, zu starke Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand, dermatitis solaris), elektrischen Strom oder Reibung. Die auf die Haut einwirkende Hitze kann zu schweren Verbrennungen führen. Das liegt vor allem an der schlechten Wärmeleitfähigkeit der Haut. Wenn innerhalb von kurzer Zeit starke Temperaturen auf einen Hautbereich einwirken, kann sich die Wärme nicht schnell genug auf der Haut verteilen. Bei Temperaturen von 50 bis 60 Grad kommt es dann zu einer Gewebeschädigung der oberen Hautschichten. Je nach Dauer und Intensität der Hitzeeinwirkung kommt es zu vorübergehenden oder auch zu bleibenden Schäden. Sehr großflächige Verbrennungen können für die Betroffenen lebensbedrohlich werden.
Großflächige Verbrennungen führen dazu, dass der Körper im Bereich der Wunde große Mengen an eiweißreichen Flüssigkeiten absondert. Es kommt deshalb schnell zu einem Mangel an Eiweiß und Flüssigkeit. Die Eiweiße zerfallen und werden über den Blutkreislauf im ganzen Körper verteilt. Das kann allgemeine Vergiftungszustände hervorrufen. Davon sind dann besonders die Nieren gefährdet. Kommt es daraufhin zu einem Nierenversagen, wird der Körper zusätzlich mit schädigenden Substanzen überschwemmt. Eine solche schwere Vergiftung kann, wenn Sie nicht behandelt wird, zum Tod führen. Die Zerfallsprodukte können auch zu einem Verschluss von Blutgefäßen führen und schwere Durchblutungsstörungen von lebenswichtigen Organen hervorrufen.
Vor allem wenn Verbrennungen der Haut ein bestimmtes Maß überschreiten, kann dies für den betroffenen Organismus schwerwiegende Folgen haben. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Hautschädigung kann es zu Kreislaufschock und entzündlichen Allgemeinreaktionen des Körpers (SIRS, Sepsis) kommen, die im schlimmsten Fall mit Funktionsverlust anfänglich unbeteiligter Organe (akutes Nierenversagen) verbunden sind. Vor allem um die Folgen für den Organismus besser einschätzen zu können, werden Verbrennungen in Schweregrade eingeteilt. Die Schweregrade richten sich vor allem nach der Tiefe des Gewebeschadens.
Grad I: Bei dieser leichtesten Form ist die Verbrennung nur auf die Oberhaut und den
obersten Anteil der Lederhaut beschränkt. Es kommt zu Rötungen, Schwellungen, einem Spannungsgefühl und Schmerzen. Diese leichte Form der Verbrennung heilt in der Regel nach wenigen Tagen von selbst wider aus und hinterlässt keine Narben.
Grad II: Bei dieser Form der Verbrennung kommt es nach anfänglicher Rötung der
Haut relativ schnell zur Blasenbildung. Die Blasen sind dabei prall gespannt und mit Flüssigkeit gefüllt, die Haut über der Blase ist meist relativ stabil. Platzen die Blasen auf, kommt die hellrötliche und nässende Lederhaut Zum Vorschein. Dieser Wundgrund ist stark von Infektionen gefährdet, weil die Wundflüssigkeit ein idealer Nährboden für Bakterien ist. Bei Verbrennungen zweiten Grades bleiben die Haarwurzeln sowie die Drüsen und Rezeptoren
der Haut intakt. Aus diesem Grund schmerzen Verbrennungen zweiten Grades sehr stark. Der Heilungsprozess kann zwei bis drei Wochen Andauern, es bleiben jedoch in der Regel keine Narben zurück. In seltenen Fällen können jedoch Pigmentstörungen in den betroffenen Gebieten auftreten.
Grad III: Bei dieser Verbrennung handelt es sich um eine tiefgreifende Zerstörung der Haut.
Sie betrifft die Oberhaut und die Lederhaut und kann bis ins Unterhautfettgewebe reichen. Auch die Hautanhangsgebilde, wie Haarfollikel, Drüsengewebe sowie Tast- und Schmerzrezeptoren sind dabei von der Verbrennung betroffen. Weil die Rezeptoren zerstört sind, ist eine Verbrennung dritten Grades meist schmerzlos. Allerdings gehen die Verbrennungen des dritten Grades in den Randbereichen der Verbrennung nahtlos in Verbrennungen II. Grades über. Deshalb sind diese Randbereiche sehr schmerzhaft. Die Haut ist in den betroffenen Bereichen nicht mehr durchblutet, weil die Blutgefäße ebenfalls verbrannt sind. Die Wunden im Bereich der Verbrennung bluten also nicht. Der Grund der Brandwunde erscheint weißlich oder ist schwarz verkohlt. Die Wunde ist stark infektionsgefährdet und bei der Heilung entstehen Narben. Ziehen diese Narben über Gelenke hinweg, kann diess zu Bewegungseinschränkungen führen.
Grad IV: Diese Verbrennungen sind sehr schwerwiegend. Auch Muskeln und Knochen können betroffen sein. Bei dieser Form der Verbrennung tritt keine Spontanheilung mehr auf. Die Haut ist bereits verkohlt und es sind erhebliche Weichteildefekte zu beobachten.
Bei akuten Verbrennungen sollten die betroffenen Körperstellen als erstes von der Kleidung befreit werden, da der Stoff der Kleidung Hitze speichern kann. Danach sollten die Brandwunden zunächst gekühlt werden. Dazu genügt schon das Berieseln der Wunden mit kaltem Leitungswasser. Das Wasser sollte eine Temperatur zwischen 15 und 20 Grad haben. Auf keinem Fall sollten die Wunden mit Eiswasser gekühlt werden, da dies zu einer zusätzlichen Schädigung führen kann. Durch die Verbrennung entstehenden Brandblasen sollten möglichst nicht geöffnet werden. Sie sind ein natürlicher Schutz, der das Eindringen von Bakterien sehr wirkungsvoll verhindern kann. Auf die Verbrennung dürfen keine Cremes oder Hausmittel wie beispielsweise Mehl aufgetragen werden. Die Wunde sollte vielmehr mit einem sterilen Verband, oder mit einem metallbedampften Vlies abgedeckt werden. Die Wahl des richtigen Spezialverbandes kann für den Verlauf des Heilungsprozesses ausschlaggebend sein.
Bei sehr schweren Verbrennungen muss man zudem die Atmung des Betroffenen überwachen, da es bei schweren Verbrennungen zu einem Atemstillstand kommen kann. Im Falle eines Atemstillstandes muss der Betroffene schnellstmöglich intubiert und beatmet werden. Der starke Flüssigkeitsmangel, der bei großen Brandwunden auftritt, kann durch eine Elektrolytlösung ausgeglichen werden. Treten starke Schmerzen auf, kann die Gabe von starken Schmerzmitteln, wie Morphin, sinnvoll sein. Bei schweren Verbrennungen, die mehr als 10 Prozent (bei Kindern 5 Prozent) der Körperoberfläche betreffen, müssen die Betroffenen unbedingt sofort in eine Spezialklinik transportiert werden. Das gilt insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, die auch schon bei geringeren Verbrennungen in einer Spezialklinik behandelt werden sollten.
Bei Verbrennungen I. Grades reicht in der Regel bereits die Kühlung der Wundfläche aus. Blasen, die bei Verbrennungen II. Grades auftreten, sollten von einem Arzt steril punktiert werden. Die Blasenhaut sollte nach der Punktion jedoch auf der Brandwunde bleiben, da sie einen natürlichen Schutz vor Infektionen bietet. Nach dem Punktieren sollte zudem ein hydroaktiver Wundverband aufgelegt werden. Es sollten dabei nur Wundverbände angewandt werden, die nicht mit der Wunde verkleben. Bei großflächigen Bandwunden kann eine Hauttransplantation sinnvoll notwendig werden. Zudem muss bei offenen Wunden unbedingt eine vorbeugende Behandlung gegen Infektionen durchgeführt werden, da jede Infektion die Wundheilung verzögert. Um eine überschießende Narbenbildung oder ein Keloid zu verhindern, sollten bei großflächigen Brandwunden spezielle Kompressionsverbände angelegt werden.
Die Prognose für den Heilungverlauf von Verbrennungen hängt in hohem Maße vom Schweregrad und der Fläche der Verbrennung ab. Dabei wird die Ausdehnung einer Verbrennung über die so genannte Neuner-Regel beurteilt. Bestimmten Körperbereichen werden jeweils Prozentzahlen zugeordnet:
Sind 80 Prozent oder mehr der gesamten Hautoberfläche von schweren Verbrennungen betroffen, tritt meistens trotz Intensivbehandlung der Tod ein. Daneben ist auch das Alter des Betroffenen, eventuelle Vorerkrankungen, die Erstbehandlung am Unfallort und die anschließenden Behandlung ausschlaggabend. Bei schwerer Narbenbildung kann unter Umständen eine lebenslange Nachbehandlung notwendig sein.