Als Nagelentzündungen bezeichnet man Infektionen der Finger- oder Zehennägel. Nagelentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Nägel. Je nachdem, wo sich die Entzündung befindet unterscheidet man zwischen Nagelbettentzündung (Paronychie) und Nagelwallentzündung, wobei die Übergänge zwischen diesen Erkrankungen oft fließend sind. Vor allem Personen, die beruflich oft mit Wasser in Kontakt kommen, haben ein erhöhtes Risiko für Nagelentzündungen. Aber auch Diabetiker, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder einer schweren Grunderkrankung sind anfällig für diese Erkrankung. Häufige und übertriebene Nagelpflege begünstigt ebenfalls das Auftreten von Nagelentzündungen, weshalb Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer.
Anatomisch bestehen die Nägel an den Fingern und Zehen aus einer Nagelplatte, einem aus Keratin bestehenden eigentlichen Nagel, einem Nagelbett, einer Nagelfalz und dem Nagelwall. Die Nagelplatte ist fest mit dem darunter liegenden Nagelbett verwachsen. Das Nagelbett geht an den Nagelrändern nahtlos in die tiefen Schichten der umgebenden Haut über. An den Seiten und nach hinten ist der Nagel von einer Hautfalte umrahmt. Die beiden Seiten bezeichnet man als Nagelfalz, den an der Nagelwurzel liegenden Abschnitt als Nagelwall. Dieser wird durch das Nagelhäutchen bedeckt. Die Übergangsstellen zwischen dem Nagel und der umgebenden Haut sind besonders anfällig für Infektionen. Entzündungen des Nagels werden in den meisten Fällen durch Bakterien, seltener durch Pilze, verursacht. Gelangen Keime durch meist kleine Verletzungen des Nagelhäutchens oder des Nagelfalzes in den Körper, vermehren sie sich rasch und breiten sich leicht auf die umliegenden Strukturen Nagelbett und Nagelwall aus.
Häufig entstehen Nagelinfektionen durch Unvorsicht bei der Nagelpflege. Frauen sind aus diesem Grund etwas häufiger von Nagelentzündungen betroffen als Männer. Weitere Ursachen von Entzündungen sind größere Nagelverletzungen, wie beispielsweise Quetschungen. Begünstigend sind zudem eingewachsene Nägel und Nägelkauen. Besonders gefährdet sind Diabetiker (Zuckerkranke), da sie verstärkt zu Infektionen neigen. Menschen, die sehr viel mit Wasser und Reinigungsmitteln hantieren und Personen mit einem geschwächten oder durch Medikamente unterdrückten Immunsystem, sind ebenfalls sehr anfällig für Erkrankungen dieser Art.
Bei einer akuten Nagelbett- oder Nagelwallentzündungen zeigen sowohl Nagelfalz als auch Nagelwall typische Zeichen einer Entzündung. Dazu zählen vor allem eine Rötung und Überwärmung der betroffenen Region, sowie Schmerzen, ein pulsierendes Pochen und eine Schwellung im Bereich der Entzündung. Bei einer eitrigen Infektion, die auch als Panaritium bezeichnet wird, tritt zudem gelblicher Eiter aus der Entzündetet Nagelregion. Durch die akute Entzündung sind dabei nicht selten auch die Lymphknoten in der Achselregion vergrößert und leicht schmerzhaft. In einigen Fällen leiden die Betroffenen zudem unter Fieber und Schüttelfrost.
Die anatomischen Strukturen im Bereich der Nägel erschweren den Abfluss des Eiters nach außen und begünstigen so die Ausbreitung der Infektion in umgebende Weichteilstrukturen, sowie in Knochen, Gelenke und Sehnenscheiden. Wegen dieser Gefahr einer fortschreitenden Infektion müssen Panaritien immer möglichst rasch behandelt werden. Man unterscheidet dabei zwischen
Eine chronische Nagelentzündung, die oft mehrere Finger gleichzeitig betrifft, bereitet dem Betroffenen weniger Schmerzen und wird deshalb oft gar nicht erkannt. Meist äußert sie sich nur durch eine rot-bläuliche Verfärbung der Nagelfalz.
Eine Nagelentzündung kann vom behandelnden Arzt in den meisten Fällen bereits per Blickdiagnose und anhand der typischen Symptome sicher erkannt werden. Eine Bestimmung des auslösenden Erregers im Labor durch einen Abstrich ist in der Regel nur dann notwendig, wenn es sich nicht um eine eitrige und damit bakteriell bedingte Nagelinfektion handelt. Vor der Operation eines Panaritiums wird zudem oft eine Röntgenaufnahme der Hand gemacht. Sie klärt, ob bereits auch Knochen und Sehnen von der Entzündung betroffen sind. Bei chronischen Formen der Nagelentzündung sind zur Ursachenforschung unter Umständen noch weitere Untersuchungen, wie beispielsweise die Bestimmung des Blutzuckers notwendig.
Eine akute Nagelentzündung kann in der Regel zunächst mit kühlenden Umschlägen und milden Seifenbädern behandelt werden. Grundsätzlich sollte jede Nagelinfektion von einem Arzt therapiert werden, da eine Selbsttherapie die Situation eher noch verschlimmern kann. Eitrige Entzündungen (Panaritien) erfordern zudem oft eine Antibiotikatherapie und die operative Eröffnung der Eiterhöhle, damit der Eiter nach außen abfließen kann. Meist reicht dazu eine örtliche Betäubung aus. Bei einem oberflächlichen Panaritium paraungale genügt in der Regel ein kleiner Hautschnitt entlang des Nagelwalls. Tiefere Infektionen erfordern hingegen das Freilegen des Nagelrandes im Infektionsgebiet. Bei Nagelbettentzündungen muss, damit der Eiter abfließen kann, der Nagel selbst geöffnet oder entfernt werden. Nach dem Eingriff bessert sich die Entzündung meist sofort und die Beschwerden klingen ab.
Auch fortgeschrittene Infektionen mit Beteiligung von Sehnen oder Knochen müssen chirurgisch behandelt werden. Bei schweren Infektionen werden die Finger zur besseren Heilung ein paar Tage lang in einer Gipsschiene ruhig gestellt. Bei einer chronischen Nagelentzündung besteht die Therapie in erster Linie darin, auslösende Ursachen zu beseitigen. Arbeiten mit Wasser und Reinigungsmitteln sollten deshalb zunächst gemieden werden. Insbesondere Diabetiker, aber auch andere Patienten, die häufig Entzündungen der Fußnägel aufweisen, sollten auf bequemes Schuhwerk achten. Bei der Pflege von Finger- und Fußnägeln ist besondere Vorsicht geboten.
Werden akute Nagelentzündungen rechtzeitig erkannt und behandelt, heilen sie meist ohne Folgeschäden ab. In seltenen Fällen bleiben kleine Verformungen des Nagels zurück, die aber eher kosmetisch störend sind. Auch die Operation eines Panaritiums ist ein relativ risikoarmer Eingriff, Blutungen oder Nervenverletzungen sind selten. Wenn der Nagel entfernt werden musste, wächst innerhalb von etwa drei Monaten ein neuer Nagel nach.
Wird mit der chirurgischen Behandlung eines Panaritiums jedoch zu lange gewartet, besteht aufgrund der anatomischen Verhältnisse die Gefahr, dass sich die Infektion auf benachbarte Strukturen wie Knochen, Nerven und Sehnen ausdehnt und diese schädigt oder zerstört. Auch chronische Nagelentzündungen heilen meist aus, wenn die auslösenden Ursachen wie zum Beispiel hautreizende Reinigungsmittel vermieden werden