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Kältebehandlung | Kryochirurgie

Die Kältebehandlung kann bei Warzen, Aknenarben, gutartigen und bösartigen Tumoren eingesetzt werden

Definition Kältebehandlung

Bei verschiedenen Veränderungen an der Haut kann eine Kältebehandlung (Kryochirurgie) sinnvoll sein.

Ursachen

Die gezielte Anwendung von Kälte auf der Haut kann unter anderem bei Warzen, Narben, gut- oder bösartigen Tumoren oder auch den Vorstufen von bösartigen Tumoren vorgenommen werden.

Bei Warzen gibt es mehrere Unterarten, die jeweils durch verschiedene Viren bedingt sind.

Narben entstehen nach jeder die Lederhaut, eine tiefere Hautschicht, durchdringenden Verletzung beziehungsweise Operation. Durch die ablaufende Wundheilungsreaktion wird die entstandene Lücke mit unspezifischem Bindegewebe verschlossen. Auch als Folge von Akne können sich Narben bilden.

Hämangiome (Blutschwämmchen) sind Gefäßneubildungen unbekannter Ursache, die gelegentlich vererbt werden können.

Ein Basaliom ist ein Tumor, der gewissermaßen eine Zwischenform aus gut- und bösartigem Tumor darstellt. Die Bildung eines Basalioms wird durch Belastung mit Sonnenstrahlen (UV-Licht) gefördert.

Weitere kleine Wucherungen (Tumore) an der Haut sind meist gutartig, können manchmal auch bösartig sein. Die Ursache solcher Wucherungen ist oftmals nicht bekannt, fördernd kann je nach dem Befund z. B. eine starke Sonneneinstrahlung (UV-Strahlen), eine Belastung mit weiteren Strahlen oder mit chemischen Substanzen sein. Gelegentlich kann den Hautwucherungen auch eine erbliche Komponente zugrundeliegen. Es gibt auch Erbkrankheiten, die nahezu immer mit Hauttumoren einhergehen.

Hautveränderungen können auch Krebsvorstufen darstellen, beispielsweise Morbus Bowen oder aktinische Keratose (Lichtwarzen).

Symptome

Die Hauttumore können sich prinzipiell an jeder Hautstelle des Körpers befinden, wobei es je nach Art der Wucherung bevorzugte Körperstellen gibt.

Warzen können je nach der Art klein, rundlich und hervortretend sein, aber auch blumenkohlartig wachsen. Insbesondere unter der Fußsohle können sich Dornwarzen befinden, die beim Auftreten mit dem Fuß stark schmerzen können. Feigwarzen, die durch Sexualkontakt übertragen werden können, befinden sich meist in der Intimregion.

Narben sind oftmals nicht weiter auffällig. Entwickeln sie sich jedoch ungünstig, so können sie verschiedenartige Probleme hervorrufen. Offensichtlich ist dabei eine ästhetisch störende Vergrößerung oder Verfärbung. Aber auch normal große Narben können unansehnlich sein, wenn sie an gut sichtbarer Stelle vorliegen. Besonders bei Narbenzug und -schrumpfung kann auch die Funktion beziehungsweise die Bewegung behindert werden. Bei Kindern kann dies unter Umständen sogar zu einer Wachstumsstörung führen. In Einzelfällen können auf Narben darüber hinaus Krebsgeschwülste entstehen.

Blutschwämmchen (Hämangiome) sind gutartige Tumore, die als rötliche bis bläuliche Knötchen erkennbar sind. Sie stellen lediglich ein ästhetisches Problem dar. Meist sind sie schon bei Säuglingen vorhanden und bilden sich im Regelfall wieder von alleine zurück.

Andere Tumore können flach, erhaben oder manchmal auch eingedellt sein. Die Farbgebung kann von hautfarben oder hell über rötlich oder bläulich bis hin zu braun oder schwarz variieren. Die Ränder können scharf oder unscharf begrenzt sein, letzteres kann manchmal ein Hinweis auf Bösartigkeit sein. Schmerzen bestehen in den allermeisten Fällen nicht. Es kann unter Umständen Juckreiz auftreten. Bei bösartigen Tumoren können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in andere Körperbereiche oder in nahe Lymphknoten absiedeln und auch dort schwerwiegende Probleme bereiten.

Eine Mischform aus gut- und bösartigem Tumor ist das Basaliom (semimaligner Tumor), das zwar nicht streut, aber an seinem Wachstumsort in das umliegende Gewebe einwächst und dieses zerstört.

Aus verschiedenen Veränderungen können sich später bösartige Tumore entwickeln, beispielsweise aus der aktinischen Keratose oder aus dem Morbus Bowen.

Diagnose

Nach der Patientenbefragung (Anamnese) betrachtet der Arzt die gesamte Haut und insbesondere die verdächtigen Befunde. Um Einzelheiten zu erkennen, wird ein Vergrößerungsglas benutzt. Oftmals kann dann bereits ein Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung geäußert werden. Sicherheit gibt im Prinzip nur eine feingewebliche Untersuchung (Histologie) des Befundes, z. B. nach einer Probeentnahme.

Differenzialdiagnose

Ganz verschiedene gutartige und manchmal auch bösartige Veränderungen müssen voneinander unterschieden werden.

Therapie

Konservative Therapie

Durch verschiedene nichtoperative Vorgehensweisen können bestimmte Veränderungen therapiert werden. So kann z. B. bei Blutschwämmchen eine Cortisonbehandlung erfolgen, vor allem wenn sie an Bereichen sitzen, die einer Kältebehandlung oder einer Lasertherapie nicht zugänglich sind. Bei Warzen wird in vielen Fällen zunächst versucht, sie mit bestimmten Tinkturen oder auch Pflastern zur Rückbildung zu bringen. Bei anderen Veränderungen können z. B. auch das Auftragen von Salben, eine Lasertherapie, eine Verödung, eine Bestrahlung, die Behandlung mit Strom sowie mit der so genannten Blitzlampe (IPL-Behandlung) vorgenommen werden.

Operation

Neben der herkömmlichen chirurgischen Entfernung kann die jeweilige Hautveränderung auch mit einer Kälteanwendung (Kryotherapie) behandelt werden. Durch die Kälte soll das Gewebe des jeweiligen Hautbefundes abgetötet werden.

Die Kältebehandlung wird in den meisten Fällen ohne eine Betäubung vorgenommen, insbesondere bei bösartigen Tumoren erfolgt jedoch eine Betäubung.

Es bestehen zwei Vorgehensweisen für die Kryochirurgie. Die Art der Kältetherapie richtet sich nach dem Befund beziehungsweise den speziellen Gefahren der Behandlung der jeweiligen Veränderung. Verwendet wird flüssiger Stickstoff, welcher eine Temperatur von -196°C aufweist.

Beim Sprühverfahren wird die Kälte auf die Hautveränderung gebracht, ohne dass diese berührt wird. Die Methode eignet sich unter anderem für die Behandlung von Warzen, Narben, vielen weiteren Tumoren sowie seltener auch Blutschwämmen.

Beim Kontaktverfahren wird ein Metallstück für einige Sekunden auf die Hautveränderung gedrückt, der sich vorher im flüssigen Stickstoff befand und somit die Kälte aufgenommen hat. Diese Vorgehensweise wird unter anderem durchgeführt bei Blutschwämmen, Warzen, Aknenarben und weiteren Tumoren.

Bei der Behandlung von bösartigen Tumoren und ihren Vorstufen wird oft eine Temperaturmesssonde in das nicht befallene Gewebe unterhalb der Wucherung eingeschoben, um zu testen, ob genügend Kälte entwickelt wurde.

Mögliche Erweiterungen der Operation

Bei manchen Befunden sind mehrere Behandlungssitzungen notwendig, um ein ansprechendes Resultat zu erhalten (z. B. bei Warzen, Narben).

Komplikationen

Sehr oft treten nach der Kälteeinwirkung Blasen auf, die innerhalb von Tagen bis Wochen verschwinden. Schmerzen werden ebenfalls meist nur für kurze Zeit verspürt. Bei der Vereisung können umgebende Strukturen beschädigt werden. Teils können erhebliche Funktionseinschränkungen oder auch kosmetische Probleme daraus resultieren. Es können Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse auftreten. Bei Nervenverletzungen kann es unter anderem zu Taubheitsgefühl und Lähmungserscheinungen kommen, die vorübergehend, aber auch dauerhaft sein können. Weiterhin kann es zu Wundheilungsstörungen und überschießender Narbenbildung kommen. Des Weiteren können sich Pigmentstörungen ergeben, die manchmal auch dauerhaft sein können. Allergische Reaktionen jeden Schweregrades können nicht ausgeschlossen werden.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Prognose

In vielen Fällen lässt sich eine Hautveränderung gut mit Kälte (Kryochirurgie) beseitigen, und es bilden sich nur geringe Narben. Bei der Kältetherapie von Tumoren kann jedoch noch weniger als bei der herkömmlichen Chirurgie (Exzision) vorhergesagt werden, ob der Befund komplett vereist werden konnte. Daher kommt es verhältnismäßig oft zu einem Wiederauftreten (Rezidiv) des Befundes. Aus diesem Grund ist bei den meisten Tumoren eine Kältebehandlung nicht die Therapiemöglichkeit der ersten Wahl. Nach einer Kryotherapie wird oftmals in einem gewissen zeitlichen Abstand eine erneute Probeentnahme an der Stelle durchgeführt, um sicherzugehen, dass die Wucherung nicht wieder aufgetreten ist.

Bei Blutschwämmen (Hämangiomen) ist die Kryotherapie die Behandlungsmöglichkeit, bei der es zu den wenigsten Komplikationen kommt. Daher wird sie als erste Maßnahme durchgeführt. Ist die Kältebehandlung nicht erfolgreich, so muss eine weitere Therapie, z. B. mit dem Laser, in Erwägung gezogen werden.

Auch eine Narbenwucherung kann oft durch die Kälteanwendung gebessert werden. Eine komplette Rückbildung ist jedoch in der Regel nicht möglich. Auch Aknenarben werden durch die Kältebehandlung aufgeweicht werden, was in diesem Falle auch das Behandlungsziel ist.

Hinweise

Vor der Operation

Medikamente, die die Blutgerinnung negativ beeinflussen, wie beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, müssen oft in Absprache mit dem Arzt weggelassen werden.  

Nach der Operation

Falls die Behandlungssitzung unter ambulanten Bedingungen und mit Schmerzmitteleinwirkung erfolgt, so muss der Patient beachten, dass er für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte er sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.

Für zwei Monate sollte sich der Patient weiterhin nicht sonnen oder in ein Solarium gehen, um eine Pigmentstörung an der behandelten Stelle zu verhindern.

Falls Auffälligkeiten bemerkt werden, die auf Komplikationen hindeuten könnten, so sollte nicht gezögert werden, den Arzt zu kontaktieren.

Kältebehandlung | Kryochirurgie



Letzte Aktualisierung am 06.05.2010.

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