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Heuschnupfen, Allergische Rhinitis

Gerade im Frühjahr leiden viele Menschen unter Heuschnupfen

Definition Heuschnupfen

Die allergische Rhinitis, im Volksmund auch als "Heuschnupfen" bezeichnet, beschreibt eine Erkrankung des Abwehrsystems (Immunsystem).

Durch Pollen, Gräser und andere Stoffe wie Tierhaare oder Hausstaubmilben kommt es im Nasen-, Mund- und Ohrenbereich zu einer überschießenden Reaktion (Überempfindlichkeit) der menschlichen Abwehr.

Normalerweise hat das Immunsystem die Aufgabe, gesundheitsschädliche (pathogene) Stoffe und Lebewesen (Organismen wie Bakterien, Viren oder Pilze) abzuwehren und zu vernichten. Dringt eine fremde, pathogene Substanz in den Körper ein, so kommt es entweder noch auf der Hautoberfläche oder im Köperinneren durch die aktivierten ortsständigen Abwehrzellen (zum Beispiel die Makrophagen oder Lymphozyten) zu einer Entzündungsreaktion. Ziel der Entzündung ist es, den fremden Organismus abzutöten und zu eliminieren. Nur so bleibt der Mensch gesund und überlebt. Von einem Heuschnupfen spricht man, wenn die Abwehrreaktion des Körpers gegen Stoffe erfolgt, die normalerweise kein krankmachendes Potential besitzen wie Pollen, Gräser, Tierhaare, Hausstaubmilben oder andere Umweltstoffe der Luft. Der Körper erkennt bestimmte Anteile dieser Stoffe als "fremd" (meist sind es Proteinbestandteile) und so werden sie als Auslöser einer Allergie, als "Allergene" bezeichnet.

Abhängig von der Blütezeit der verschiedenen Bäume, Sträucher oder Gräser schwankt die Allergenbelastung der Luft und saisonale Erkrankungsgipfel werden beobachtet. Treten Krankheitssymptome ganzjährig auf (man spricht dann von "perennialen" Symptomen) so müssen Tierhaare (meist Katzenhaare), Hausstaubmilben oder Schimmelpilze als Allergene in Betracht gezogen werden.

Der Heuschnupfen macht einen Anteil von 60% aller Allergien aus und hat seinen Erkrankungsgipfel ungefähr im Alter von 15 Jahren. Berücksichtigt man die Tatsache, dass heutzutage jeder dritte Mensch einmal im Leben an einer Allergie erkrankt (meist schon im Kindesalter), so ist ersichtlich, was für Ausmaße die Erkrankung Heuschnupfen in der Bevölkerung annimmt.

Ursache des Heuschnupfens

Der Entstehungsmechanismus einer Allergie ist vielseitig (multifaktoriell). Zum einen werden Stress und Belastung, zum anderen eine steigende Schadstoffbelastung der Umwelt bzw. der Lebensmittel und die verstärkte Hygiene als Auslöser diskutiert.

Allergien werden abhängig von den jeweils beteiligten Zellen und der Reaktionszeit des Körpers in vier große Gruppen (I-IV nach Coombs und Gell) unterteilt.Heuschnupfen zählt zum Allergie-Typ I und ist der am häufigsten vorkommende Typ. Er wird als "Soforttyp" bezeichnet. Voraussetzung für eine allergische Reaktion ist der Erstkontakt mit dem Allergen (Sensibilisierungsphase) in der der Betroffene noch nichts merkt. Kommt er jedoch ein zweites Mal mit dem Allergen in Kontakt, so existieren nun im Körper bestimmte Moleküle (IgE- Antikörper), deren Bindungsstelle exakt auf das Allergen passt.

Es kommt zur Sofortreaktion (innerhalb von Sekunden bis Minuten), denn die IgE- Antikörper, die in diesem Falle auf Abwehrzellen (Mastzellen) sitzen, binden das Allergen. Als Folge entleeren sich die Mastzellen und setzen Stoffe wie Histamin, Leukotriene und andere Entzündungs- übermittelnde (Entzündungsmediatoren) Stoffe frei.

Nun leidet der Betroffene unter allergischen Symptomen (zum Beispiel entsteht durch die Histamin-Ausschüttung Juckreiz).

Sind mehrere Familienmitglieder an einem Heuschnupfen erkrankt, liegt der Verdacht nahe, dass eine familiäre Vererbung vorliegt. Man spricht dann von einer atopischen Veranlagung (der Begriff stammt aus dem griechischen und heißt soviel wie: "sonderbar" und geht mit einer erhöhten Bildung der IgE- Antikörper einher). Sind beide Eltern von einer Atopie betroffen, so steigt das Risiko für ein Erkranken des Kindes auf 60% an.

Berücksichtigt werden muss auch der Aspekt, dass Stoffe manchmal ähnliche Oberflächen wie das Allergen besitzen und so kann es bei einer Allergie gegen Pollen auch zu einer Reaktion gegen die Frucht des Kernobstes kommen. Das bezeichnet man als Kreuzallergie.

 

Symptome beim Heuschnupfen

Da es verschiedene Auslöser des Heuschnupfens gibt, fallen die Symptome in ihrer Form und Stärke unterschiedlich aus. Durch die Ausschüttung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren kann es
zu einem Juckreiz im Nasen-, Mund-, Rachen-, Ohren- und Augenbereich (die Stoffe reizen die Nerven in der Haut) kommen.

Gehäuft treten Niesreiz und durch eine erhöhte Schleimabsonderung der Schleimdrüsen eine laufende und verstopfte Nase auf.

Außerdem kommt es zu  einer Erweiterung der kleinen Gefäße, die sauerstoffreiches Blut transportieren (die Durchblutung nimmt zu, das Areal schwillt an und wird rot), einer Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Müdigkeit, zu einer veränderten Geschmacks- und Geruchswahrnehmung und zu einer Gewebeschädigung durch die Abwehrzellen, die zum Ort des Geschehens gelockt werden (Spätreaktion). Im schlimmsten Fall führt die allergische Reaktion zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufversagen (anaphylaktische Schock) und dann ist schnelle Hilfe lebenswichtig.

Diagnose

Für die Diagnosestellung einer Allergie ist die Befragung des Patienten (Anamnese) von größter Bedeutung. Bei Kindern sollten Aussagen der Eltern hinzugezogen werden (Fremdanamnese).

Beim Heuschnupfen steht die Befragung nach einer saisonalen Abhängigkeit der Symptome im Vordergrund. Ist dies der Fall, so kann der Arzt mit Hilfe von Angaben zur Blütezeit verdächtige Allergene fokussieren: Bäume blühen zum Beispiel zwischen Januar und Mai, Gräser vom Mai bis zum August und Kräuter vom Juli bis zum Oktober.

Angaben zur Haltung von Haustieren müssen gemacht werden und es muss gefragt werden, wie lange die Beschwerden schon existieren (Abgrenzung akut/chronisch) und ob ein Zusammenhang mit bestimmten Situationen (wie Stress, Streicheln einer Katze oder Aufenthalt im Wald, Garten etc.) besteht.

Dann sollte beim Hausarzt oder Hautarzt (Dermatologen) ein Hauttest durchgeführt werden.

Mögliche standardisierte Verfahren sind:

  • der Reibetest (das verdächtige Allergen wird gelöst  in die Haut eingerieben),
  • der Prick-Test (die Testlösung wird auf die Haut aufgetragen und mit einer Lanzette eine kleine Läsion verursacht, das Ablesen erfolgt nach spätestens 20 Minuten),
  • der Intrakutan-Test (die verdünnte Allergenlösung wird unter die Haut gespritzt, ein Ergebnis wird nach 20 Minuten oder nach 10 Stunden erwartet) und
  • der Epikutan-Test (das Allergen, wird mit Hilfe von Vaseline und einem Pflaster auf der Haut fixiert, nach 72 Stunden erfolgt ein Ablesen).

     
Rötungen weisen auf eine Reaktion hin. Diese kann, muss aber nicht beweisend für das Vorliegen einer Allergie sein. Genauso verhält es sich mit der IgE- Konzentration im Blut. Diese kann auch durch andere Faktoren, wie ein Infekt oder ein Malignom, erhöht sein.

 

Differentialdiagnose

Bevor eine spezielle Allergie diagnostiziert werden kann, müssen systemische Erkrankungen wie Malignome und Infekte durch Pilze/ Bakterien/ Viren ausgeschlossen werden, die ein ähnliches Erkrankungsbild verursachen können. Auch psychische Ursachen wie eine Depression oder ein ängstlich- hypochondrisches Verhalten können allergische Symptome imitieren.

Therapie

Allergien sind nicht heilbar, aber meist können die Anzahl der Anfälle und die Schwere der Symptome gut behandelt werden. Zuerst sollten die Auslöser (wenn bekannt) gemieden werden. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man sich von geliebten Haustieren trennen muss oder im schlimmsten Fall bei starker Allergenbelastung am Arbeitsplatz (zum Beispiel in der Landwirtschaft durch die Pollen- und Gräserbelastung) einen Arbeitsplatzwechsel vornehmen muss. Auch im Alltag kann man sich der Pollen- und Gräser- belasteten Luft nur schwer entziehen. Mittlerweile gibt es spezielle Fensternetze (ähnlich wie Moskitonetze) die Pollen und Allergene der Luft zurückhalten. Am wichtigsten sind diese für das Schlafzimmer.

Bei einer Hausstaubmilbenallergie sollten Teppiche und Vorhänge aus den Zimmern verbannt werden und das Bettzeug ausreichend häufig bei 90 Grad gewaschen werden. Für die Matratze gibt es spezielle Überzüge, die undurchlässig für Milben sind. Außerdem gibt es spezielles Allergiker-Bettzeug, denn Federbetten sind stark Milbenlastig.

Ist Stress ein Auslöser der Allergie, so kann autogenes Training oder eine Verhaltenstherapie zur Entspannung führen. Auch finden die Hypnose, das Erlernen der Selbsthypnose, Homöpathie und die Akupunktur Anwendung. Manchmal hilft ein Wohnortswechsel oder ein Urlaub in Allergen- ärmeren Gebieten wie den Bergen oder am Meer.

Spezielle Kuren können vom Arzt verschrieben werden und in schweren Fällen beteiligen sich die Krankenkassen an den Kosten.

Führen all diese Maßnahmen nicht zu einer Linderung der Beschwerdesymptomatik, so muss die Allergie medikamentös behandelt werden: Bei einer leichten Ausprägung hilft der Einsatz von Calciumpräparaten. Meist werden Antihistaminika (z. B. Loratatin) verschrieben. Diese setzen sich auf die Rezeptoren des Histamins und blockieren dessen Wirkung. Außerdem werden Leukotrienantagonisten (Montelukast) benutzt, diese verhindern die Wirkung des Leukotrien (wirkt ähnlich wie Histamin). Zusätzlich kann das Ausschütten von Histamin und Leukotrienen aus den Mastzellen durch Mastzellstabilisatoren (Cromoglicinsäure) verhindert werden. Bei schwereren Formen findet ein Cortisonpräparat Anwendung. Dies verringert die allgemeine Entzündungsreaktion durch verminderte Histaminbildung und andere Mechanismen.

Zum größten Teil gibt es all diese Medikamente in Nasenspray-, bzw. Atemspray-, Salben-, Tropfen- oder Tablettenform und eine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker sollte erfolgen.

Ist auf lange Sicht kein Behandlungserfolg vorhanden, so kann eine Hyposensibilisierung bzw.  Desensibilisierung in Betracht gezogen werden. Hierbei wird dem Betroffenen das bekannte  Allergen (derzeit nur bei Insektengift-, Pollen-, Gräser- oder Hausstauballergie möglich), in aufsteigender Dosis verabreicht. Dieser Prozess dauert drei Jahre und kann mittlerweile durch die Einnahme einer Tablette (täglich) oder das Erhalten einer Spritze (in den ersten drei Monaten wöchentlich, anschließend einmal pro Monat) erfolgen. Grundlage der Therapie ist der Aspekt, dass sich durch den kontinuierlichen Kontakt mit dem Allergen, andere Antikörper (IgG- Antikörper) bilden, die beim erneuten Allergen-Kontakt mit den IgE- Antikörpern konkurrieren. Die allergische Reaktion wird so abgeschwächt.

Die Erfolgsquote der Desensibilisierung ist mit 75% sehr hoch. Die allerneuste Therapie besteht aus der Verabreichung von Anti-IgE-Antikörper (alle vier Wochen). Diese binden die IgE-Antikörper selbst, sodass diese für eine allergische Reaktion nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Gefahr eines Kreislaufversagens (anaphylaktischer Schock) durch eine allergische Reaktion wird abhängig vom Schweregrad mit einem Antihistaminikum (z. B. Fenestil), Sauerstoff- und Flüssigkeitsgabe, Adrenalin, Cortison und im schlimmsten Fall mit einer Wiederbelebungsmaßnahme behandelt.

 

Prognose

Da eine Allergie wie der Heuschnupfen nicht heilbar ist, sollte schon kurz nach der Geburt eines Kindes eine "Allergieprophylaxe" betrieben werden. Darunter fallen das Stillen des Kindes bis zum sechsten Lebensmonat, das Vermeiden von Zigarettenrauch in nächster Umgebung und eine Reduktion der Hausstaubmilben im Schlafbereich. Außerdem ist durch Studien nachgewiesen, dass Kinder die in ländlicher Umgebung mit mehreren Geschwistern aufwachsen, weniger an Allergien erkranken.

Zusätzlich können Prä- und Probiotika (enthalten Laktobazillen), die einen positiven Einfluss auf die Darmflora haben und das Immunsystem stärken, durchaus einen positiven Einfluss auf die Allergieentwicklung oder deren Verlauf nehmen.

 

Hinweise für den Patienten

Die Nebenwirkungen der oben genannten Medikamente sollten unbedingt berücksichtig werden! Antihistaminika führen häufig zu Müdigkeit und können ein Glaukom (grüner Star) auslösen. Durch die Leukotrienantagonisten können Kopfschmerz, Fieber, Übelkeit und Durchfall entstehen. Eine Cortison- Therapie hilft nicht sofort und kann in höheren Dosen zu einer Erkrankung namens "Morbus Cushing" führen. Leitsymptome sind ein Vollmondgesicht und eine ausgeprägte Gewichtszunahme. Außerdem kann eine Zuckerkrankheit (Diabetes), eine Knochenentkalkung (Osteoporose), Verletzungen des Magens und Hautveränderungen ausgelöst werden.

Das Immunsystem ist abgeschwächt und der Patient Infekt- gefährdet. Eine Hypo- bzw. eine Desensibilisierung ist für Schwangere und Kinder unter sechs Jahren nicht geeignet (es gibt noch nicht ausreichend Studien). Um die Pollenbelastung im Schlafzimmer zu minimieren sollte man vor dem Schlafengehen duschen und die Haare waschen. Die getragene Kleidung vom Tag sollte außerhalb des Schlafzimmers ablegt werden. Will man lüften, so sollte dies zu "pollenarmen" Zeiten geschehen (in der Stadt ist dies morgens, in ländlicher Umgebung abends).

Reagiert man auf Schimmelpilze allergisch sollte eine hohe Feuchtigkeitsansammlung im Raum vermieden werden. Auch Zimmerpflanzen und Nahrungsmittel sollten streng auf Pilzansammlungen kontrolliert werden. Eine Firma in Amerika entwickelte in den letzten Jahren die erste „allergenfreie“ Katze. Im Prinzip ist das eine gute Idee, aber in der Realität sind diese Tiere viel zu teuer und Forscher prüfen derzeit noch Reaktionen von Allergikern auf diese Tiere.



Letzte Aktualisierung am 06.05.2010.

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