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Fingergelenk-Prothese

Lesezeit: 4 Min.

Was ist eine Fingergelenk-Prothese?

Ein künstliches Gelenk heißt Gelenkprothese. Nicht nur an größeren Gelenken wie Hüfte und Knie kann eine Prothese sinnvoll sein, sondern zunehmend auch an kleinen Gelenken. Daher kann eine Prothese am Fingergelenk die geeignete Versorgung bei einer dortigen Gelenkschädigung sein. Diese Schäden kommen oft durch Gelenkrheuma (Rheumatoide Arthritis, Chronische Polyarthritis) zustande, seltener auch durch Arthrose (Gelenkverschleiß) oder Verletzungen. Besonders vorteilhaft kann die Fingergelenk-Prothese am Grundgelenk oder Mittelgelenk des Fingers sein. Das Kunstgelenk kann sehr unterschiedlich aussehen und besteht meist aus Kunststoff oder Metall.

Wann wird eine Prothese in ein Fingergelenk eingesetzt?

Fingergelenk-Prothesen kommen in Frage, wenn ein Fingergrundgelenk oder Fingermittelgelenk stark geschädigt ist. Prinzipiell kann auch das Fingerendgelenk mit einer Prothese versorgt werden, was an diesem Ort üblicherweise aber nicht genutzt wird.

Die Gelenke am Finger können durch mehrere Arten von Schäden so weit zerstört werden, dass sie nicht mehr ausreichend bewegungsfähig sind. Häufig liegt ein Gelenkbefall von Rheuma zugrunde, meist handelt es sich um Rheumatoide Arthritis (auch Chronische Polyarthritis genannt). Die Fingergelenke können aber auch durch Verschleiß (Arthrose) sowie durch Verletzungen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Eine Gelenkprothese am Finger kommt in Frage, wenn an dem Gelenk eine starke Bewegungseinschränkung oder Schmerzen vorliegen. Allerdings müssen einige Strukturen wie insbesondere die Sehnen noch einigermaßen intakt sein.

Funktionsweise

Mit einer Prothese wird ein geschädigtes natürliches Gelenk ersetzt. Es übernimmt dessen Funktion und sorgt für Beweglichkeit und Stabilität. Die möglichen Kunstgelenke sind vielgestaltig, gerade für den Einsatz an einem Fingergelenk gibt es eine ganze Reihe von Varianten. Sie bestehen aus Materialien wie Silikon, Keramik oder Metallen. Die Prothesen weisen Verankerungen für die beiden angrenzenden Knochen sowie ein Gelenkscharnier auf. Sie sind damit vergleichbar mit anderen Gelenkprothesen für den menschlichen Körper. Zum Einsatz ist eine Operation nötig.

Eine neuartige Methode ist der Einsatz einer Bioprothese in das Fingergelenk. Dies sind kleine Kissen aus einem Material, das nach und nach von körpereigenem Bindegewebe ersetzt wird. Der Vorgang, bis die Biokissen sich aufgelöst haben, erstreckt sich über etwa drei Jahre. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Fingergelenk-Prothesen muss die Bioprothese nicht direkt in den Knochen eingesetzt werden, sondern nur in den defekten Gelenkspalt.

Welche Untersuchungen müssen vor dem Einsatz einer Fingergelenk-Prothese durchgeführt werden?

Viele wichtige Untersuchungen geschehen bereits zur Diagnostik der Erkrankung, die hinter den Beschwerden am Finger steckt. Nach einem Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) beurteilt der Arzt die Finger sowie andere Gelenke. Er hält Ausschau nach typischen Zeichen für Erkrankungen, die in Frage kommen. Er tastet die Finger ab und prüft die Beweglichkeit. Rheumatische Erkrankungen werden auch mit Blutuntersuchungen und durch einen Internisten (Arzt für Innere Medizin) abgeklärt. In einem Röntgenbild kann das Ausmaß der Schäden dargestellt werden, die Operation kann geplant werden.

Was müssen Patienten vor der Operation beachten?

Vor dem Eingriff müssen möglicherweise Medikamente, z. B. Blutgerinnungshemmer wie ASS oder Cumarine, abgesetzt werden. Dies entscheidet der Arzt.

Wie läuft die Operation zum Einsetzen einer Fingergelenk-Prothese ab?

Eine Gelenkprothese am Finger wird unter Betäubung des Armnervengeflechts (Plexusanästhesie) oder unter Allgemeinnarkose eingesetzt. Der Operateur verschafft sich über einen Hautschnitt einen Zugang zum Gelenk. Falls zerstörtes oder überschüssiges Gewebe wie kaputter Knorpel oder eine Schleimhautwucherung vorliegt, wird es beseitigt. Dann wird das Gelenk für den Prothesen-Einsatz vorbereitet. Für die gewöhnlichen Prothesen werden in die Knochen Vertiefungen für die Verankerung gebohrt. Für die Bioprothesen ist dies nicht notwendig. Daraufhin fügt der Operateur die Prothese ein. Auf Knochenzement als Verbindungsmasse kann normalerweise verzichtet werden. Oftmals müssen dann noch die Sehnen neu gerichtet werden. Das Gewebe und die Haut werden zugenäht und die Hand mit einem Verband versorgt. In einer Operationssitzung können, falls notwendig, gleich mehrere Fingergelenke mit Prothesen versorgt werden.

Mögliche Komplikationen

Allgemeine Operationsrisiken können zu Komplikationen führen. Dazu gehören Schwellungen und Schmerzen, Blutungen und Blutergüsse. An der Operationswunde kann sich eine Wundheilungsstörung oder eine Infektion ergeben. Die Infektion kann bis in das Gelenk vorgedrungen sein, woraufhin meist die Prothese herausgenommen und später ersetzt werden muss. Narben auf der Haut können wie bei jeder Operation entstehen.

Im Speziellen kann es an der Prothese zu Problemen kommen. Das Material des künstlichen Gelenkes im Finger kann brechen. Es kann sich aus der Verankerung lösen. In solchen Fällen muss das Kunstgelenk entfernt und ein neues eingesetzt werden. An Silikonprothesen kann sich des Weiteren eine Schleimhautwucherung entwickeln.

Verhaltenshinweise nach der Operation

Die Fäden entfernt der Arzt nach ungefähr zwei Wochen. Die Termine für die Nachkontrollen sollten eingehalten werden. Oftmals ist eine besondere Form der Krankengymnastik notwendig, um die Bewegung und Stabilität des operierten Gelenkes zu gewährleisten. Manchmal muss der Patient bestimmte Schienen tragen, um das Gelenk stabil zu halten und neuen Veränderungen vorzubeugen.

Prognose bei einer Prothese im Fingergelenk

In den meisten Fällen ist die Operation erfolgreich und das betroffene Gelenk wird wieder beweglich und stabil. Trotzdem kann in der Regel keine optimale Funktion wie in einem natürlichen, unversehrten Gelenk erreicht werden. Die Prothese im Fingergelenk hält meist 10 bis 15 Jahre, oft auch länger, es kann aber auch schon früher beschädigt sein.

Alternative Behandlungsmethoden

Statt einer Gelenkprothese ist in einigen Fällen eine Gelenkversteifung (Arthrodese) angebracht. Ganz besonders gilt das für die Fingerendgelenke, welche recht häufig von einer Arthrose betroffen sind. In den Fingerendgelenken ist es nämlich wichtiger, eine Stabilität zu erreichen, anstatt es besonders beweglich zu machen.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 19.08.2016
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Fragen, Antworten und zusätzliche Informationen zu Fingergelenk-Prothese

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fragt felixeva   vor > 5 Jahre  1319

Zum Zeitpunkt des Unfalles (unsere Töchter griff in eine Fahradkette) war Eva knapp 5 Jahre alt. Das Fingerendglied konnte leider nicht erhalten ... mehr

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Fingergelenke   Offene Frage
fragt Vreni   vor > 6 Jahre  984

Seit 2Jahren wachsen mir Knötchen an der rechten Hand, bei allen Fingern am Endgelenk ( Heberten Arthrose) sagte mir der Arzt, sei der Name. Das ... mehr

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fragt Kate   vor > 6 Jahre  1239

Ich hatte vor 10 Jahren eine Grundgelenkprothese im Mittelfinger der linken Hand. Einer der Stifte löste sich im Knochen - Fazit war, dass die ... mehr

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