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Schädliche Medikamente in der Schwangerschaft

Lesezeit: 3 Min.

Welche Medikamente können Schäden am Kind auslösen?

Die Liste an Medikamenten, die in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit nicht gegeben werden können, ist lang. Verschiedenste Auswirkungen auf das Kind oder auch auf die Mutter sind möglich. Das betrifft nicht nur verschreibungspflichtige, sondern auch viele frei erhältliche Mittel. Auch diese können für das ungeborene Kind gefährlich sein, selbst wenn sie für normale Erwachsene kaum Nebenwirkungen haben.

Auch Medikamente, die eine Frau wegen einer chronischen Erkrankung schon seit längerem einnimmt, sollten in Frage gestellt werden. Dabei muss aber auch bedacht werden, dass ein Absetzen des Medikaments gefährlich werden kann, weil es zu einem Rückfall der Erkrankung kommen kann. Es muss also entschieden werden, ob die Therapie mit dem gleichen Präparat, mit einem Ersatzmedikament oder überhaupt nicht weitergeführt wird. Für manche werdenden Mütter ist das sogar ein vermeintlicher Grund, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Das ist bei den allermeisten Medikamenten nicht einfach so gerechtfertigt.

Ob gewisse Medikamente schädlich sind, hängt teils auch von dem Fortschritt der Schwangerschaft ab. Viele Mittel sind besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel (erste zwölf Wochen) kritisch, andere Medikamente entwickeln sich erst später in der Schwangerschaft zu schädlichen Substanzen.

Ein drastisches Beispiel für Schädigungen ungeborener Kinder durch ein Arzneimittel ist die Contergan-Katastrophe. Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre kamen etwa 5000 bis 10 000 Kinder mit schweren Fehlbildungen an den Gliedmaßen zur Welt. Die Mütter hatten zu einem kritischen Zeitpunkt in der Schwangerschaft das Medikament Contergan (Wirkstoff: Thalidomid) eingenommen, das diese Schäden hervorrief. Diese Katastrophe hat verdeutlicht, dass bei Medikamenten in der Schwangerschaft große Vorsicht angebracht ist, wenn ihre Auswirkungen nicht bekannt sind. Der Wirkstoff Thalidomid wird heute noch gegeben, allerdings nur zu ganz speziellen Krankheitsbildern (bestimmte bösartige Tumorerkrankungen, Lepra) und nicht bei Schwangeren.

Acetylsalicylsäure (ASS, z. B. als Aspirin) kann vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel zu Komplikationen führen. So kann sich unter Aspirinwirkung eine wichtige Gefäßverbindung des kindlichen Blutkreislaufs (Ductus arteriosus Botalli) zu früh verschließen, was bis zum Tode des Babys führen kann. Viele weitere Schmerzmittel können ebenfalls nicht ohne Bedenken in der Schwangerschaft verabreicht werden.

Benzodiazepine (Beruhigungsmittel, Schlafmittel) können zu Komplikationen wie allgemein geschwächten Muskeln des Kindes führen (Floppy-Infant-Syndrom).

Eine Reihe von Antibiotika ist nicht für Schwangere geeignet. Tetrazykline führen zu Schäden an den Zähnen des Kindes, die dann auch verfärbt sind. Aminoglykoside (z. B. Gentamicin) können bedingen, dass das Kind taub ist. Aufgrund von Infektionskrankheiten selbst besteht aber oft ein hohes Risiko für das Kind. Deshalb muss gerade in solchen Fällen auf ein Antibiotikum ausgewichen werden, das keine Schadwirkung hat.

Äußerst schädlich für das ungeborene Kind sind die Retinoide. Darunter findet sich ein Medikament gegen Akne, das Isoretinoin. Dies darf eine Schwangere auf keinen Fall anwenden.

ACE-Hemmer können Schäden verursachen, z. B. an Nieren und am Gehirn. Einige andere Mittel gegen Bluthochdruck wie z. B. die AT1-Antagonisten (Sartane) haben ebenfalls gefährliche Auswirkungen auf die Schwangere und das ungeborene Kind.

Valproinsäure ist ein Medikament gegen Epilepsie und psychische Störungen, das in der Schwangerschaft keinesfalls angewendet werden darf. Die Gefahr für Fehlbildungen und geistige Fehlentwicklungen ist stark erhöht. Auf Valproinsäure verzichten müssen sogar alle Frauen, die im gebärfähigen Alter sind und bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie schwanger werden. Das Mittel Carbamazepin, das ebenfalls gegen Epilepsie eingesetzt wird, kann beim Baby im Bauch zu schweren Missbildungen führen, beispielsweise am Rückenmarkkanal. Auf diese Weise kann ein offener Rücken entstehen (Spina bifida), außerdem sind Finger- und Zehenfehlbildungen möglich.

Antidepressiva, vor allem aus der Gruppe der SSRI, können Fehlbildungen und Fehlgeburten bedingen.

Die allermeisten Abführmittel dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Die Versorgung auch des Kindes mit Nährstoffen und Flüssigkeit kann sonst gestört werden.

Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung, die Cumarine (Marcumar), können unter anderem zu geistigen Einschränkungen des Kindes führen oder zu weichen Knochen.

Pflanzliche Medikamente müssen in der Schwangerschaft ebenso vorsichtig gehandhabt werden wie chemische Medikamente. Das gilt sogar für Tees. Viele der pflanzlichen Mittel sind nur vermeintlich sanft und können nicht nur gewollte Wirkungen, sondern ebenso starke Nebenwirkungen haben. Außerdem enthalten die Präparate oft Alkohol, welches in der Schwangerschaft ebenfalls schädlich ist. Das Risiko ist besonders groß, wenn ein solches Präparat regelmäßig eingenommen wird und so immer wieder Alkohol in den Körper gelangt.

Viele andere Medikamente, darunter auch bekannte und häufig verwendete Mittel, sind in ihren Auswirkungen unsicher. Die Wissenschaft weiß nicht, ob eine Gabe gefahrlos möglich ist. Deshalb wird lieber auf sie verzichtet. Auch sollten aus diesem Grund keine Medikamente genommen werden, die nicht wirklich erforderlich sind. Die Schwangere sollte etwa keine Mittel gegen bloße ungefährliche Erkältungen einnehmen. Ebenfalls gilt, dass bei allen Medikamenten in der Schwangerschaft eine möglichst geringe Dosis angewendet werden soll.

Eine Institution in Deutschland hat sich auf das Thema Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit spezialisiert, das Zentrum für Embryonaltoxikologie. Von diesem können sich Mütter und behandelnde Ärzte beraten lassen.

V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 08.02.2016
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