Definition
Eine
Sterilisation ist ein Eingriff, der eine
dauerhafte Empfängnisverhütung ermöglicht. Anders als bei anderen Methoden zur Verhütung ist die
Unfruchtbarkeit in den meisten Fällen
nicht wieder rückgängig zu machen.
Ursachen
Eine
Sterilisation kann bei einigen Gründen in Frage kommen. Beispielsweise kann sie durchgeführt werden, wenn andere Verhütungsmethoden
nicht vertragen werden. Ebenso kann sich eine Sterilisation empfehlen oder sogar medizinisch notwendig werden, wenn eine
Schwangerschaft und
Geburt eine
erhebliche Gesundheitsgefährdung für die Frau darstellt, oder wenn eine
schwerwiegende Beeinträchtigung des Kindes zu erwarten ist. Die Sterilisation auf Wunsch der Patientin sollte erst durchgeführt werden, wenn die Familienplanung
abgeschlossen ist beziehungsweise sicher keine Kinder mehr gewollt werden. Daher erfolgt der Eingriff in vielen Fällen erst
nach dem 35. Lebensjahr.
Symptome
Eine reguläre Schwangerschaft entsteht, wenn eine
Eizelle von einem
Spermium befruchtet wird und sich (bereits als mehrzelliges Gebilde) nach Wanderung im Eileiter in der
Gebärmutterschleimhaut einnistet. Bei der Sterilisation wird verhindert, dass Spermium und Eizelle durch den Eileiter gelangen können.
Diagnose
Es erfolgt zunächst eine
Befragung (Anamnese) der Frau und eine gründliche Untersuchung aus gynäkologischer Sicht. Durchgeführt werden ebenfalls meist eine
Ultraschalluntersuchung oder weitere bildgebende Verfahren sowie für die Operation eine Blutuntersuchung.
Differenzialdiagnose
Insbesondere sollte abgewägt werden, ob eine
andere Verhütungsmethode sinnvoller für die Frau ist.
Therapie
Konservative Therapie
Es findet sich eine
Vielzahl von Verhütungsmethoden,
die eine unterschiedliche Wirkungsweise und eine unterschiedliche
Sicherheit aufweisen. Dazu gehören verschiedene herkömmliche Methoden
wie
unterbrochener Geschlechtsverkehr (Coitus interruptus) oder
Geschlechtsverkehr nur zu einem sicher unfruchtbarem Zeitpunkt, die Einnahme von
Medikamenten (z. B. die „Pille“),
Kondome sowie das Einlegen eines
Verschlusses über den Gebärmutterhals (Portiokappe) oder einer Membran. Ebenso kann eine so genannte
Spirale (Intrauterinpessar) in die Gebärmutter eingelegt werden.
Operation
Bei einer
Sterilisations-Operation werden die Eileiter so verschlossen oder durchtrennt, dass kein Spermium mehr zur Eizelle vordringen kann und es daher auch zu
keiner Befruchtung kommt.
Der Eingriff wird meist in
Vollnarkose, seltener auch in Regionalanästhesie (Betäubung eines größeren Körperbereiches) durchgeführt.
Der Eingriff kann durch einen
Bauchschnitt (Laparotomie) oder eine
Bauchspiegelung
(Laparoskopie) vorgenommen werden. Bei der Operation mittels
Bauchspiegelung wird über einen kleinen Einschnitt am Bauchnabel ein
optisches Gerät (Laparoskop) mit einer kleinen Videokamera
eingeschoben. Um das Bauchgewölbe aufzuspannen und die Sicht zu
verbessern, wird CO2-Gas eingeblasen. Benötigte Instrumente werden über
weitere Einschnitte in den Bauchraum eingeführt. Auf einem Monitor
sieht der Operateur in Echtzeit das Operationsgebiet und kann die
notwendigen Maßnahmen durchführen. Oftmals wird ebenfalls ein
Instrument über die Scheide in die Gebärmutter eingeführt, um die
Gebärmutter bewegen zu können.
Die
Eileiter können nun
unterbunden werden (Ligatur) oder mit speziellen Clips abgeklemmt
werden. Die Eileiter können ebenfalls durch Hitze oder elektrischen
Strom zugeschweißt werden (Koagulation). Als alleinige Maßnahme oder
zusätzlich zur Koagulation können die Eileiter durchtrennt werden oder
ein Stück herausgeschnitten werden. Bisweilen werden die Eileiter auch
komplett herausgeholt.
Eine Drainage kann in den Bauchraum
eingeführt werden, damit Wundflüssigkeit aufgefangen werden kann. Der
Schlauch kann nach wenigen Tagen wieder gezogen werden.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Komplikationen und
unvorhergesehene Befunde
können dazu führen, dass eine Erweiterung oder Änderung der
Operationsmethode vorgenommen werden muss. Falls Verwachsungen im
Bauchraum vorgefunden werden, können diese aufgetrennt werden.
Komplikationen
Benachbarte Organe oder anatomische Strukturen können bei der Operation
verletzt werden. Dadurch kann es unter anderem zu
Blutungen und
Nachblutungen kommen.
Nervenbeschädigungen können zu
Lähmungserscheinungen,
Taubheitsgefühl
oder auch zu meist nicht dauerhaften Funktionseinbußen der Harnblase
führen. Verwachsungen im Bauchraum können entstehen. Selten kommt es zu
schwerwiegenden Komplikationen wie einer lebensbedrohlichen
Bauchfellentzündung oder einem
Darmverschluss.
Es können sich entzündliche Verbindungskanäle (Fisteln) z. B. zwischen
Harnröhre oder Harnblase, Scheide und Mastdarm entwickeln. Des Weiteren
kann es zu überschießender Narbenbildung mit Funktionseinbußen und
Schmerzen
sowie zu Allergien kommen. Nicht zuletzt kann es durch die
Sterilisation und ihre Dauerhaftigkeit zu psychischen Problematiken
kommen.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen
Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen
geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit
dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
In den meisten Fällen lässt sich durch eine solche Sterilisation die
bezweckte Unfruchtbarkeit herstellen. Die Sterilisation ist eine verhältnismäßig sehr
sichere Verhütungsmethode.
Es kann jedoch selten vorkommen, dass ein Eileiter wieder passierbar
wird, z. B. durch Bildung einer Fistel (entzündlicher
Verbindungskanal). Je jünger die behandelte Frau ist, desto größer ist
die Möglichkeit, dass später dennoch eine Schwangerschaft eintritt.
Eine solche Schwangerschaft trotz vorangegangener Sterilisation ist
häufig (in etwa 30 % der Fälle) eine
Eileiterschwangerschaft oder eine
Bauchhöhlenschwangerschaft.
Beide machen nach gewisser Zeit Komplikationen und können nicht
ausgetragen werden, sondern müssen durch eine Operation entfernt werden.
Da durch die Sterilisation eine
dauerhafte Empfängnisverhütung
erzielt werden soll, lässt sich der Eingriff nur sehr schwierig wieder
rückgängig machen. Eine Wiederherstellungs-OP der unterbundenen
Eileiter kann nur per Bauchschnitt und nur durch wenige Ärzte
vorgenommen werden. Die Erfolgsaussichten der Wiederherstellung, die im
Übrigen auch nicht von der Krankenversicherung getragen wird, sind
abhängig von der Methode, die für die Sterilisation gewählt wurde. Als
weitere Möglichkeit, dennoch eine Schwangerschaft auszutragen, ist eine
künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation). Oftmals sind diese
Methoden jedoch nicht erfolgreich, und es kann dann zu psychischen
Auswirkungen bei der Frau kommen.
Hinweise
Vor der Operation
Durch die Auswirkungen sollte die Entscheidung für oder gegen eine Sterilisation
sehr gut überdacht werden. Neben den
Vorteilen, die eine Sterilisation bietet, gibt es auch erhebliche Gründe, die
gegen
den Eingriff sprechen können, beispielsweise Unsicherheit über
langfristigen Kinderwunsch (insbesondere bei einschneidender
Veränderung der Lebensumstände), Drängen auf eine Operation von anderen
Menschen im Umfeld der Frau sowie der Umstand, dass eine Sterilisation
beim Mann weniger aufwändig ist.
Die Entscheidung sollte daher
auch nicht zu kurzfristig getroffen werden, z. B. als Reaktion auf eine
Geburt, Fehlgeburt oder einen Schwangerschaftsabbruch.
In aller
Regel bezahlen die Krankenversicherungen die Sterilisation nur dann,
wenn medizinische Gründe vorliegen, die den Eingriff notwendig machen.
Gegebenenfalls
müssen um die Operationszeit herum Medikamente, die die Blutgerinnung
herabsetzen, beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, weggelassen werden.
Nach der Operation
Nach
dem Eingriff können bestimmte Verhaltensweisen und Maßnahmen notwendig
werden, um eine schnelle Genesung zu bewirken. Diese werden mit dem
Arzt abgesprochen und sollten befolgt werden.
Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte baldmöglichst der Arzt kontaktiert werden.
Sterilisation | Tubensterilisation | Dauerhafte Empfängnisverhütung
Letzte Aktualisierung am 07.05.2010.