Als Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet man eine Glucosestoffwechselstörung, die während einer Schwangerschaft auftritt und erkannt wird. In der Medizin wird sie auch als Gestationsdiabetes bezeichnet und stellt eine spezielle Form der Zuckerkrankheit dar. Meistens tritt sie im letzten Drittel der Schwangerschaft auf und verschwindet auch nach der Geburt wieder. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es nach der Schwangerschaft zu einer Manifestation oder aber die Patienten (etwa neun Prozent der Frauen) entwickeln in den folgenden Jahren einen Typ-2 Diabetes. Der Schwangerschaftsdiabetes tritt meistens in der 24.28. Schwangerschaftswoche auf, da ab der 24. Woche der Insulinbedarf stetig ansteigt. Deshalb wird jeder Schwangeren in dieser Zeit empfohlen, einen Zuckerbelastungstest durchführen zu lassen. Diese Untersuchung ist bei bestehenden Risikofaktoren besonders wichtig.
Der einfache Suchtest kann in der Regel beim Gynäkologen oder Hausarzt durchgeführt werden. Etwa 80 Prozent der Frauen die bereits einen Gestationsdiabetes entwickelt haben, leiden erneut während einer zweiten Schwangerschaft darunter.Etwa 1-5 Prozent aller Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes, das entspricht etwa drei von hundert schwangeren Frauen.
Der Gestationsdiabetes gehört somit zu den häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen. Meistens sind übergewichtige Frauen betroffen, die in der Familie bereits einen Typ-2-Diabetiker haben oder wo ein Gestationsdiabetes schon einmal aufgetreten ist.Während den Schwangerschaftsuntersuchungen ist daher ein konsequentes Screening erforderlich.
Ursache für einen Gestationsdiabetes ist primär der gesteigerte Insulinbedarf, der durch den Einfluss der Schwangerschaftshormone ausgelöst wird. Die Bauchspeicheldrüse kann dem gesteigerten Insulinbedarf nicht nachkommen und wird ausgeschöpft. Zudem ist Insulin das einzige Hormon, welches blutzuckersenkend wirkt. Schwangerschaftshormone und die von der Plazenta (Mutterkuchen) gebildeten Hormone führen zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Es kommt zu einem Ungleichgewicht zwischen blutzuckererhöhenden Hormonen wie Östrogen, Plazentalaktogen und dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin. Kann nun der erhöhte Bedarf an Insulin durch die Bauchspeicheldrüse, anhand einer vermehrten Insulinfreisetzung, nicht gedeckt werden, so entwickelt sich der Gestationsdiabetes.
Aber auch die Ernährung während der Schwangerschaft spielt eine wesentliche Rolle. Denn Schwangerschaft bedeutet nicht (wie viele es tun), für zwei essen! Der Insulinbedarf nimmt nach der Schwangerschaft wieder ab, so dass der Gestationsdiabetes in der Regel wieder verschwindet.
Ein erhöhtes Risiko, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln, besteht wenn folgende Punkte zugrunde liegen:
In der Regel verläuft der Schwangerschaftsdiabetes ohne Beschwerden. Die Erkrankung wird meist zufällig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen entdeckt oder erst dann, wenn bereits Folgeerscheinungen auftreten. Die typischen Symptome z.B. verstärktes Durstgefühl, trockener Mund, Sensibilitätsstörungen etc., wie sie bei Typ1 oder Typ2- Diabetes üblich sind, treten in der Regel hier nicht auf.
Die wichtigsten Folgeerscheinungen eines Gestationsdiabetes sind:
Die Diagnose eines Gestationsdiabetes wird durch einen Glukosebelastungstest (Oraler Glukose Toleranztest, oGTT) gestellt. Die Schwangere muss hierfür eine zuckerhaltige Lösung (75 g Glukose) trinken. Am Morgen vor dem Test erfolgt zunächst eine Blutentnahme. Nach der Glukosezufuhr erfolgen nach ein und zwei Stunden weitere Blutentnahmen. In den Tagen vor dem Test sollten die Patienten möglichst kohlenhydratreich essen, um die Bauchspeicheldrüse zu aktivieren.
Besonders wichtig ist hier, dass die Patienten acht Stunden vor der Blutentnahme nichts essen dürfen. Wasser trinken ist erlaubt.
Es gelten folgende Grenzwerte für die Diagnosestellung:
Wird nur ein Wert überschritten, so spricht man auch von einer eingeschränkten Glukosetoleranz (Impaired glucose tolerance). Werden aber zwei oder alle Werte überschritten, so kann man die Diagnose Gestationsdiabetes stellen. Der oGTT wird in der Regel bei allen Schwangeren mit Risikofaktoren durchgeführt.
Der Screeningtest kann auch bei allen Schwangeren durchgeführt werden. Hierfür müssen die Patienten nicht nüchtern sein. Bei diesem Test wird der Blutzucker nach Gabe von 50 g Glukoselösung, nach einer Stunde, bestimmt. Erst wenn der Wert auffällig ist, dass heißt größer als 140 mg/dl ist, so wird im nächsten Schritt ein oGTT durchgeführt.
Diese Untersuchung ist nicht sehr zuverlässig, da nur die Hälfte der Schwangeren mit Gestationsdiabetes eine Glukosurie (Zuckerausscheidung im Urin) aufweisen. Andererseits weisen auch nur etwa die Hälfte der Schwangeren mit einer Glukosurie einen Gestationsdiabetes auf. Daher ist eine Harnuntersuchung alleine nicht aussagekräftig. Für die sichere Diagnosestellung muss ein Zuckerbelastungstest erfolgen. Der Zuckerbelastungstest wird derzeit in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt und wird nur bei bestimmten Risikofaktoren vom Frauenarzt durchgeführt.
Zu den Risikofaktoren zählen:
Ein hoher Blutzucker, auch während einer Schwangerschaft, weist nicht sofort auf eine Zuckerkrankheit hin. Bereits extrem kohlenhydratreiche Nahrung, wie sie meistens in der Schwangerschaft bevorzugt wird, kann den Blutzucker sehr stark erhöhen, obwohl kein Diabetes vorliegt.
Differentialdiagnostisch sollte man bei erhöhten Blutzuckerwerten auch an folgende Erkrankungen denken:
Vorteil des Gestationsdiabetes ist, dass man die Erkrankung gut behandeln kann. Durch eine gezielte Behandlung können auch somit die Risiken und Folgeschäden bei Mutter und Kind ausgelöscht bzw. minimiert werden. Während einer Schwangerschaft müssen die Blutzuckerwerte unbedingt im Normbereich gehalten werden, da zu hohe Werte Schäden beim ungeborenen Kind verursachen können.
In erster Linie wird eine Ernährungsumstellung durchgeführt, sie ist bei 85 Prozent der Patienten ausreichend. Wenn die alleinige Umstellung auf eine vollwertige, gesunde Ernährung nicht ausreichend ist, so kann man diese Patienten durch die zusätzliche Gabe von Insulinspritzen behandeln.
Medikamente kommen beim Schwangerschaftsdiabetes nicht in Frage, da sie das Kind schädigen können.
Wichtig ist die so genannte bedarfsgerechte Ernährung in der Schwangerschaft. Der Energiebedarf ist in der ersten Hälfte der Schwangerschaft nicht erhöht. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft sollten jedoch täglich etwa 100-300 Kalorien zusätzlich aufgenommen werden. Eine bedarfsgerechte Umstellung sieht folgendermaßen aus:
Ein Schwangerschaftsdiabetes ist immer ernst zu nehmen, da sie für Mutter und Kind gefährlich sein kann. Wichtige mögliche Folgen und Risiken für das Kind sind:
Wichtige Risiken für eine Schwangere mit Gestationsdiabetes:
Mit einer rechtzeitigen Normalisierung des Zuckerstoffwechsels, kann man die Risiken für Mutter und Kind erheblich senken. Auch kommt es in der Regel nach der Schwangerschaft, wieder zu einer Normalisierung der Stoffwechselsituation. Obwohl gute Heilungsaussichten bestehen, bleibt dennoch ein erhöhtes Risiko für die Frau, später an einem Diabetes mellitus zu erkranken.
Grundsätzlich ist eine gesunde und bewusste Ernährung in der Schwangerschaft sehr wichtig. Man kann folgende Empfehlungen für schwangere Frauen, auch für schwangere mit Gestationsdiabetes, weitergeben:
Außerdem sind zu empfehlen fünf bis sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, um einen steilen Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten zu verhindern. Neben den Hauptmahlzeiten sollten also zwei bis drei Zwischenmahlzeiten (z.B. Naturjoghurt, frischer Obst und Müsli) eingeführt werden.