Definition
Bei verschiedenen
Veränderungen an der Scheide (Vagina) oder den Schamlippen kann eine Operation zur Behandlung oder zur Korrektur sinnvoll sein.
Ursachen
Am Genitalbereich der Frau können sich viele Krankheiten entwickeln.
Feigwarzen (Kondylome, Condyloma acuminata) sind Gewebewucherungen, die durch eine Infektion mit dem Virus HPV Typ 6 oder 11 ausgelöst werden. Es handelt sich um eine sexuell übertragbare Krankheit.
Die
Bartholin-Drüsen (Bartholinische Drüsen) liegen beidseits in der Scheide und sondern ein Sekret ab, das insbesondere beim Geschlechtsverkehr als „Gleitmittel“ dient. Bei einem Aufstau des Sekrets kommt es zu einem Anschwellen der Drüse.
Ein
Abszess ist eine abgekapselte Entzündung beziehungsweise Eiteransammlung. Im Genitalbereich entstehen Abszesse oft durch Entzündungen an Haarwurzeln, die sich abgrenzen.
Eine
Zyste ist ein zumeist flüssigkeitsgefüllter Hohlraum. Zysten am weiblichen Genitale werden vor allem durch eine Fehlentwicklung des Gewebes mit Drüsenzellen am falschen Ort verursacht.
Auch weitere Gewebewucherungen oder -veränderungen können vorliegen.
Narben entstehen nach Verletzungen, in diesem Körperareal am häufigsten durch Operationen und Geburtsvorgänge.
Manchmal besteht in der Mitte der Scheide eine Art
Trennwand (Septum), die eine angeborene Strukturveränderung ist.
Das
Jungfernhäutchen kann ebenfalls eine angeborene Veränderung aufweisen. Ist es nicht geöffnet, so spricht man von einer Hymenalatresie. Ist es stark verengt, wird es Hymenalstenose genannt.
Ein weiterer Anlass für eine Operation kann ein aufgedehntes oder eingerissenes Jungfernhäutchen sein, da dies in manchen Kulturen als nachteilig empfunden werden kann. Eine solche Veränderung muss nicht zwangsläufig durch Geschlechtsverkehr entstehen, sondern kann auch durch ganz andere mechanische Einflüsse verursacht werden oder bereits so angelegt sein.
Symptome
Feigwarzen finden sich in den meisten Fällen am äußeren Genitalbereich, am Gebärmutterhals sowie im und am Anus. Es handelt sich um warzige Gewebevermehrungen. Die Befunde sind schmerzlos, selten kann es zu Juckreiz und einem brennenden Gefühl kommen.
Beim Sekretstau einer Bartholin-Drüse kommt es zu einer Schwellung und eventuell zu einer Entzündung, die Schmerzen verursacht.
Ebenso äußert sich ein Abszess durch eine schmerzhafte Schwellung.
Narben können dazu führen, dass der Geschlechtsverkehr schmerzhaft ist.
Ein Scheidenseptum (Trennwand) kann bis in die Gebärmutter hineinreichen. Bei einem Scheidenseptum kann es zu Schmerzen kommen, der Geschlechtsverkehr kann behindert oder unmöglich werden.
Bei einer Verengung oder einem Verschluss des Jungfernhäutchens kann es zum Aufstau von Blut während der Menstruation kommen, was starke Schmerzen bedingen kann.
Diagnose
Die Patientin wird zunächst befragt (Anamnese). Es erfolgt eine körperliche Untersuchung, unter anderem auch eine gynäkologische Untersuchung mit den Fingern. Oftmals erfolgt eine Scheidenspiegelung und Spiegelung des Gebärmutterhalses. Je nach Befund können weitere spezielle Untersuchungen erforderlich sein. Bei Feigwarzen sollte auch der Geschlechtspartner untersucht werden.
Differenzialdiagnose
Feigwarzen (Condylomata acuminata) sind von den Condylomata lata zu unterscheiden, die bei Syphilis auftreten können. Schwellungen der Bartholin-Drüsen und Abszesse müssen von anderen meist entzündlichen Veränderungen unterschieden werden.
Therapie
Konservative Therapie
Kleine Feigwarzen können durch Auftragen des Wirkstoffs Podophyllin behandelt werden. Bei den anderen Erkrankungen können die Symptome eventuell durch nichtoperative Maßnahmen vermindert werden, jedoch ist zur ursächlichen Behandlung meist eine Operation angezeigt.
Operation
Die jeweilige Operation kann in Vollnarkose oder in örtlicher Betäubung erfolgen.
Bei kleinen Wucherungen oder anderen Veränderungen, die abgeklärt werden sollten, wird der Befund entfernt, eventuell erfolgt dann eine Naht. Ist der Befund größer, erfolgt oftmals zunächst eine Probeentnahme von Gewebe. Es erfolgt dann eine feingewebliche Untersuchung (Histologie), um genau nachzuweisen, um was für eine Veränderung es sich handelt.
Feigwarzen (Kondylome) werden meist durch Laserstrahlen oder Elektrobehandlung verödet oder durch Kälte entfernt.
Bei einer Schwellung der Bartholin-Drüse durch Aufstau von Sekret wird die Drüse aufgeschnitten, damit der Inhalt beziehungsweise Eiter herausfließen kann. Daraufhin erfolgt eine Naht, so dass das Innere der Drüse nach außen gekehrt ist (Marsupialisation).
Bei einem Abszess (Eiterhöhle) wird ein Schnitt vorgenommen, so dass der Eiter heraustritt und die Entzündungshöhle dann offen bleibt. Eine Naht erfolgt nicht. Manchmal wird eine laschenartige Struktur eingeführt, um einen Eiterabfluss zu gewährleisten. Die Lasche kann nach wenigen Tagen wieder herausgezogen werden.
Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) werden herausgeschnitten, meist wird der entstehende Defekt an der Wand der Scheide mit einer Naht verschlossen.
Bei Narben wird das veränderte Gewebe durch verschiedene Methoden entfernt oder eingeschnitten. Manchmal muss der Defekt durch Naht verschlossen werden.
Besteht eine Scheidentrennwand (Septum), so wird diese herausgeschnitten. Die Wunden an der Wand der Scheide werden durch Nähte verschlossen.
Bei zu engem oder verschlossenem Hymen (Jungfernhäutchen) erfolgt die Eröffnung durch Schnitt. Nur selten ist ein Vernähen kleiner Defekte notwendig.
Um ein gerissenes oder zu weites Jungfernhäutchen wiederherzustellen, wird der Rand knapp eingeschnitten, die Bestandteile in die Mitte gezogen und eine Naht gesetzt.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Selten können Komplikationen oder unerwartete Operationsverhältnisse dazu zwingen, dass weitere Maßnahmen getroffen werden müssen, die so nicht geplant waren.
Komplikationen
Benachbarte Organe oder anatomische Strukturen können bei der Operation
verletzt werden. Dadurch kann es unter anderem zu
Blutungen und
Nachblutungen kommen. Nervenbeschädigungen können unter anderem zu Funktionseinbußen der Harnblase führen. Blasenentleerungsstörungen sind meist nicht dauerhaft. Insbesondere Entzündungen treten aufgrund der Keimbesiedlung der Scheide relativ häufig auf. Es können sich entzündliche Verbindungskanäle (Fisteln) z. B. zwischen Harnröhre oder Harnblase, Scheide und Mastdarm entwickeln. Des Weiteren kann es zu überschießender Narbenbildung mit Funktionseinbußen und Schmerzen z. B. in der Scheide sowie zu Allergien kommen.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Gewebeveränderungen können zumeist problemlos entfernt werden. Manchmal ist dennoch ein Wiederauftreten (Rezidiv) möglich. Insbesondere die Kondylome (Feigwarzen) treten relativ oft erneut auf. An eine Untersuchung und eventuelle Mitbehandlung des Partners sollte gedacht werden.
Auch die strukturellen, teilweise angeborenen Veränderungen können operativ zumeist zufriedenstellend behandelt werden.
Nach einer Rekonstruktion des Jungfernhäutchens kommt es nicht immer zu einer Blutung beim ersten Geschlechtsverkehr. Es sollte bedacht werden, dass dies auch bei noch unbeschädigtem Jungfernhäutchen oft nicht der Fall ist.
Hinweise
Vor der Operation
Gegebenenfalls müssen Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen, beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, weggelassen werden. Dies wird mit dem behandelnden Arzt besprochen.
Nach der Operation
Geschlechtsverkehr kann oft für einen bestimmten Zeitraum nicht ausgeübt werden. Tampons sollten nicht benutzt werden, besser sind Vorlagen.
Ärztliche Kontrollen sollten regelmäßig wahrgenommen werden.
Ergeben sich Auffälligkeiten, die Zeichen von Komplikationen sein können, so sollte möglichst rasch der Arzt kontaktiert werden.
Letzte Aktualisierung am 07.05.2010.