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Verhütung

Was ist Verhütung?

Die Verhütung (Kontrazeption) dient der gezielten Verhinderung einer Schwangerschaft im Rahmen der Familienplanung sowie dem Schutz vor Ansteckung an sexuell übertragbaren Krankheiten. Bei den Verhütungsmethoden kann man zwischen hormonellen, natürlichen und mechanischen Maßnahmen unterscheiden.

Die Sicherheit einer Verhütungsmethode wird durch den so genannten Pearl-Index ausgedrückt. Diese Zahl gibt an, wie viele von insgesamt 100 Frauen in einem Jahr während der Anwendung der gleichen Verhütungsmethode schwanger werden. Man spricht daher auch von der Zahl ungewollter Schwangerschaften in 100 Frauenjahren oder 1200 Anwendungsmonaten. Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer ist die Methode der Verhütung.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Die hormonelle Kontrazeption ist momentan nach der Sterilisation die sicherste Methode zur Schwangerschaftsverhütung. Es gibt viele verschiedene Präparate und Anwendungsmöglichkeiten, die aber alle auf dem gleichen Prinzip basieren. Durch die Gabe von synthetischen Hormonen, die den körpereigenen Hormonen Östrogen und/oder Gestagen gleichen, wird der Menstruationszyklus verändert. Die Mittel bewirken, dass kein Eisprung stattfindet und keine Schwangerschaft zustande kommen kann. Üblicherweise werden die Wirkstoffe als Anti-Baby-Pille eingenommen. Diese wird oft einfach nur als "Pille" bezeichnet.

Kombinationspräparate

Die am häufigsten eingesetzten Präparate sind die Kombinationspillen, die sowohl Östrogene als auch Gestagene enthalten. Sie verhindern den Eisprung, machen den Schleim, der den Gebärmuttermund abdichtet (Zervixschleim) zäher und verhindern die vollständige Ausbildung der Gebärmutterschleimhaut. Übliche Kombinationspräparate werden pro Zyklus 21 Tage lang eingenommen, in den 7 Tagen ohne Einnahme erfolgt die Menstruation als Entzugsblutung. Kombinationspräparate haben einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9, dies ist ein niedriger Wert - solche Mittel bieten also einen sehr guten Schutz vor ungewollten Schwangerschaften. Wie wirkt die Pille?

Weitere hormonelle Verhütungsmethoden:

Zweiphasenpräparate
Dies sind Antibabypillen, die in der ersten Hälfte des Zyklus nur Östrogene enthalten, in der zweiten dann zusätzlich Gestagene.

Zwei- bzw. Dreistufenpräparate
Sie enthalten eine konstante Menge Östrogen, jedoch wird die Konzentration an Gestagen in zwei oder eben drei Stufen im Lauf eines Zyklus gesteigert. Die Phasenpräparate entsprechen eher dem normalen hormonellen Ablauf während eines Zyklus, haben aber eine gleich hohe Sicherheit wie die einphasigen Kombinationspräparate.

Kontrazeptionspflaster
Bei dieser Methode werden die Hormone nicht in Form von Tabletten täglich eingenommen, sondern durch ein Pflaster über die Haut aufgenommen. Dieses Pflaster wird eine Woche lang auf die Haut geklebt und gibt Östrogene und Gestagene ab. Für einen Zyklus werden drei Pflaster für jeweils eine Woche benötigt, danach schließt sich eine einwöchige Pause an, in der die Menstruation erfolgt. Der Pearl-Index liegt bei 0,9.

Vaginalring
Dieser Ring aus weichem Kunststoff wird direkt in die Vagina eingeführt und verbleibt dort für drei Wochen, in denen er kontinuierlich Hormone freisetzt. Der Vorteil eines Vaginalrings besteht darin, dass die tägliche Einnahme einer Pille entfällt und die Wirkung nicht durch bestimmte Medikamente oder Durchfall bzw. Erbrechen beeinträchtigt wird. Zum Geschlechtsverkehr kann der Ring für kurze Zeit entfernt werden, falls sich die Partner durch diesen gestört fühlen. Vaginalringe sind ein ebenso sicheres Verhütungsmittel wie die Kombinationspräparate.

Östrogenfreie Ovulationshemmer
Dies sind Pillen, die nur Gestagen enthalten, die jedoch auch den Eisprung verhindern (im Gegensatz zu den Minipillen). Östrogenfreie Ovulationshemmer müssen kontinuierlich eingenommen werden, es erfolgt keine Pause von sieben Tagen wie bei den Kombinationspräparaten.

Die Minipille
Sie ist eine Verhütungsmethode, bei der nur Gestagene in niedrigen Konzentrationen in Form von Tabletten täglich eingenommen werden. Minipillen verhindern nicht den Eisprung, bieten jedoch einen relativ sicheren Schutz durch die Veränderung des Zervixschleims (Schleim am Gebärmutterhals). Die Spermien werden daran gehindert, in die Gebärmutter gelangen zu können. Die Minipille wird vor allem Frauen empfohlen, die Präparate mit Östrogenen nicht vertragen oder diese aus bestimmten Gründen nicht einnehmen dürfen.

Das Stäbchen
Es handelt sich um ein kurzes Stäbchen aus Kunststoff, das unter die Haut an der Innenseite des Oberarms eingesetzt wird (Implantat) und dort Gestagene freisetzt. Das Hormonimplantat verliert nach etwa drei Jahren seine Wirkung und muss dann entfernt und ersetzt werden. Es hat eine sehr gute kontrazeptive Wirkung, sein Pearl-Index liegt bei 0 bis 0,08. Diese hohe Sicherheit ist vor allem dadurch gewährleistet, dass keine Anwendungsfehler wie bei den Pillen auftreten können.

Die Dreimonatsspritze
Sie ist ein so genanntes Depotpräparat, bei dem Gestagene unter die Haut gespritzt werden und von dort aus eine Weile wirken können. Eine Spritze kann so für drei Monate den Eisprung verhindern. Allerdings weisen diese Präparate eine höhere Rate an Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Blutungsunregelmäßigkeiten auf als andere hormonelle Methoden. Der Pearl-Index wird mit 0,3 bis 1,4 angegeben.

Natürliche Verhütungsmethoden

Alle natürlichen Verhütungsmethoden beruhen auf der Tatsache, dass es während eines Zyklus theoretisch nur fünf fruchtbare Tage gibt: drei Tage vor dem Eisprung, der Tag des Eisprungs und einen Tag nach dem Eisprung. Bei einem völlig regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen sind das die Tage 12 bis 16. Diese fruchtbaren Tage können mithilfe verschiedener Methoden bestimmt werden, so dass nur an diesen Tagen eine zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahme wie beispielsweise der Einsatz von Kondomen notwendig ist oder auf Sex verzichtet wird. Der Pearl-Index bei der Kombination der Methoden zur Bestimmung der fruchtbaren Tage liegt bei sorgfältiger Anwendung zwischen 0,8 und 10. Sie haben also im Mittel eine geringere Sicherheit als etwa die Anti-Baby-Pille und andere hormonelle Methoden.

Die Bestimmung der fruchtbaren Tage ist über folgende Methoden möglich:

Kalendermethode nach Ogino und Kaus
Dabei muss über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten die Dauer der einzelnen Zyklen beobachtet werden. Der erste fruchtbare Tag des Zyklus wird berechnet aus dem kürzesten Zyklus in Tagen minus 18; der letzte fruchtbare Tag ist der längste Zyklus minus 11.

Billings-Methode
Bei dieser Methode wird täglich die Menge und Konsistenz des Zervixschleims (Schleim am Muttermund) beurteilt. Etwa zwei bis drei Tage vor dem Eisprung verdoppelt sich die Menge des Zervixschleims und er kann zwischen den Fingern zu einem langen, durchsichtigen Faden gezogen werden (Spinnbarkeit). An den unfruchtbaren Tagen ist das Zervixsekret, das vom Scheideneingang entnommen werden kann, eher weißlich und kaum zu Fäden spinnbar.

Messung der Basaltemperatur
Dieser Bestimmung der fruchtbaren Tage liegt die Tatsache zugrunde, dass sich nach dem Eisprung der Körpertemperatur durch den Einfluss des Hormons Progesteron um etwa 0,5°C erhöht. Die Temperatur sollte immer morgens, nach fünf bis sechs Stunden Schlaf zur gleichen Uhrzeit mit dem gleichen Gerät bestimmt werden. Drei Tage nach dem Anstieg der Körpertemperatur um mindestens 0,2°C bis zum Beginn der Periode ist es unwahrscheinlich, schwanger zu werden.

Die natürliche Methode der Schwangerschaftsverhütung sollte möglichst in Kombination der Kalender-, Billings- und Basaltemperaturmethode erfolgen. Sie setzt voraus, dass die Zyklen in etwa gleich lang sind und regelmäßig verlaufen. Stress, Einnahme von Medikamenten, Krankheiten und Diäten können die Sicherheit dieser Methode deutlich herabsetzen. Außerdem erfordert die natürliche Schwangerschaftsverhütung konsequente, tägliche Beobachtung und Dokumentation der körperlichen Veränderungen während des Zyklus.


Mechanische Methoden zur Verhütung

Diese Verhütungsmethoden haben keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt und werden in der Regel nur zum Geschlechtsverkehr eingesetzt.

Zu den mechanischen Verhütungsmethoden zählen:

Das Scheidendiaphragma
Dies ist eine dünne Membran, die durch einen Metallring in Form gehalten wird. Das Diaphragma wird direkt vor den Muttermund gesetzt und für einen verbesserten Schutz mit Cremes bestrichen, die Spermien abtöten, so genannte Spermizide. Das Diaphragma kann von der Frau selbst vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden, was jedoch einiger Übung bedarf. Der Pearl-Index des Diaphragmas mit spermiziden Cremes liegt bei 4 bis 10.

Portiokappen
Sie werden auch Zervix-Pessare genannt und ähneln den Scheidendiaphragmen, nur dass sie etwas größer und weniger flexibel sind. Sie werden ebenfalls über den Muttermund gestülpt und können mit spermiziden Cremes ergänzt werden. Das Einsetzen ist relativ schwierig und muss häufig durch einen Gynäkologen durchgeführt werden. Portiokappen können vom Ende der Periode bis kurz vor den Beginn der nächsten getragen werden und bieten einen Pearl-Index von etwa 6.

Das Kondom
Es ist immer noch das am häufigsten verwendete Mittel zur Empfängnisverhütung. Eine Sonderstellung in der Reihe der Kontrazeptiva erhält das Kondom neben dem Femidom, weil es als einziges Schutz vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten bietet. Der Pearl-Index liegt aufgrund häufiger Anwendungsfehler bei 2 bis 12.

Das Kondom für die Frau (Femidom)
Es bietet ebenso wie das Kondom Schutz vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten und wird von der Frau vor dem Geschlechtsverkehr in der Vagina platziert. Der Pearl-Index wird mit 1 bis 14 angegeben.

Weitere Möglichkeiten der Verhütung

Spermizide
Diese spermientötenden Substanzen können als Cremes oder in Form von Zäpfchen, Tabletten oder Schaum direkt in die Vagina gegeben werden. Sie bieten nach etwa 10 Minuten Schutz durch das Abtöten der Spermien und die Verhinderung des Eindringens in die Gebärmutter. Werden Spermizide allein angewendet, liegt der Pearl-Index je nach Präparat bei 3 bis 21, was keinen besonders zuverlässigen Schutz darstellt.

Spirale (Intra-Uterin-Pessar)
Neben den direkt mechanisch wirkenden Methoden kann auch die so genannte Spirale, das Intrauterinpessar, zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt werden. Diese Pessare bestehen aus einem T-förmigen Kunststoff. der in der Gebärmutter platziert wird und dort mehrere Jahre verbleiben kann. Eine Schwangerschaft wird entweder durch die Abgabe von Kupfer-Ionen oder von Gestagen verhindert. Der Pearl-Index der Intrauterinpessare liegt zwischen 0,9 und 3.

Sterilisation
Eine meist endgültige Methode der Verhütung bietet der Sterilisation, die sowohl bei der Frau als auch beim Mann durchgeführt werden kann. Dabei werden in einer Operation entweder die Samenleiter beim Mann oder die Eileiter bei der Frau durchtrennt.

 



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 22.02.2010, aktualisiert am 20.11.2012.
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