Definition Kinderlosigkeit
Bei vielen Paaren besteht trotz
Kinderwunsch eine
Kinderlosigkeit. Häufige Untersuchungsmethoden bei ausbleibender Schwangerschaft (Sterilität) sind Röntgen- und Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eileiter.
Ursachen der Kinderlosigkeit
Die Ursachen für Kinderlosigkeit können beim männlichen oder beim weiblichen Partner liegen. Oftmals kann jedoch auch kein Grund für das Unvermögen, Kinder zu bekommen, nachgewiesen werden.
Beim Mann kann beispielsweise eine
Spermaschädigung vorliegen, so dass nicht genügend funktionsfähige Spermien die Eizelle erreichen können (
Zeugungsunfähigkeit). Hier spielt eine ausreichende Spermienanzahl, eine regelrechte Spermienform sowie eine gute Beweglichkeit der Spermien eine große Rolle. Des Weiteren können Fehlbildungen vorhanden sein oder Erektionsstörungen einen erfolgreichen Geschlechtsverkehr unmöglich machen oder behindern.
Bei der Frau können
Fehlbildungen und
Veränderungen der Gebärmutter zur Kinderlosigkeit führen. Es kann eine Schädigung, z. B. eine Verklebung, der Eileiter (Tuben) vorliegen. In diesem Fall können Eizelle oder Spermien nicht mehr durch den Eileiter hindurch wandern. Ein solcher Tubenverschluss entsteht oft nach Entzündungen, Operationen oder durch Gewebeveränderungen. Wenn Tumore ausgeprägt sind, beispielsweise Myome oder Polypen, kann sich dies ebenfalls negativ auswirken. Auch an der Scheide können strukturelle Veränderungen vorliegen. Ebenso kann eine ungünstige Schleimzusammensetzung das Hochwandern der Spermien verhindern. Oft liegt die Ursache der Zeugungsunfähigkeit auch im Eierstock (Ovar). Dort kann beispielsweise eventuell ein normaler Eisprung nicht stattfinden, oder es liegen Probleme im hormonproduzierenden Gewebe vor, so dass es zu einem zu niedrigen oder zu hohen Spiegel von bestimmten Hormonen im Blut kommt. Diese hormonellen Störungen können manchmal auch von der Hirnanhangdrüse oder anderen Zellen, die Hormone ausschütten, ausgehen.
Bei beiden Partnern können psychische Probleme und Stress Faktoren sein, die das Kinderkriegen verhindern können. Zu diesen Problemen gehört auch der innere und eventuell äußere Druck durch die Kinderlosigkeit an sich. Es kann durch die seelischen Problematiken z. B. zu einem Ausbleiben des Eisprungs oder zu Erektionsschwäche kommen.
Symptome
Es wird zwischen Sterilität und Infertilität unterschieden. Bei Sterilität kommt es trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs nicht zu einer Schwangerschaft, bei Infertilität kann eine Schwangerschaft nach der Empfängnis nicht regelrecht weitergeführt werden. Bei Infertilität kann es also zu Fehlgeburten kommen.
Diagnose
Es bestehen einige Untersuchungsmethoden, die bei Kinderlosigkeit durchgeführt werden können. Neben der Untersuchung des männlichen Partners und seiner Spermien wird zunächst die Patientin befragt (Anamnese), und es wird eine frauenärztliche Grunduntersuchung mit Fingeruntersuchung und Betrachtung der Scheide vorgenommen. Eine Blutuntersuchung, speziell auf Hormonspiegel, ist sinnvoll. Der Schleim von Gebärmutterhals und Scheide wird untersucht, teilweise werden auch gezielt der Schleim der Frau und die Spermien des Mannes zusammengebracht, um festzustellen, ob eine gute Spermienwanderung möglich ist. Im Ultraschall und im Röntgenbild können verschiedene Veränderungen festgestellt werden. Die invasiven Untersuchungen (für die ein kleiner Eingriff notwendig ist) werden weiter unten beschrieben.
Differenzialdiagnose
Die Fülle der verschiedenen Ursachen der Kinderlosigkeit müssen auseinandergehalten werden, damit eine gezielte Therapie erfolgen kann oder eine Aussage über die Prognose getroffen werden kann.
Therapie
Konservative Therapie
Bei einigen Ursachen kommt eine Hormontherapie in Frage. Um z. B. einen Eisprung auszulösen, kann das Hormon HCG (humanes Choriogonadotropin) unter bestimmten Voraussetzungen gegeben werden. Um die Zusammensetzung des Schleims zu verbessern, kann manchmal das weibliche Geschlechtshormon Östrogen gegeben werden.
Operation
Zu den Eingriffen bei Kinderlosigkeit gehören auch bestimmte Untersuchungsmethoden, um nach der jeweiligen Ursache zu forschen. Bildgebende Verfahren mit Kontrastmitteleinbringung sind insbesondere sinnvoll, um strukturelle Veränderungen von Gebärmutter (Uterus) und Eileitern (Tuben) festzustellen oder auszuschließen.
Eine Betäubung ist für diese Eingriffe
nicht notwendig.
Bei der Röntgendarstellung von Gebärmutter und Eileitern mit Kontrastmittel (Hysterosalpingographie, HSG) wird eine feine Sonde oder ein Katheter durch die Scheide in den Gebärmutterhals eingeschoben. Nun kann ein bestimmtes Kontrastmittel injiziert werden, welches dann durch Gebärmutter und Eileiter in die Bauchhöhle gelangt. Während dieses Vorgangs wird eine Serie von Röntgenbildern aufgezeichnet. Das Kontrastmittel wird später allmählich wieder ausgeschieden.
Die Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittel funktioniert auf ähnliche Weise. Es wird allerdings ein anderes Kontrastmittel verwendet als bei der Röntgenserie.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Falls eine eindeutige und ausreichende Untersuchung mit den Kontrastmitteldarstellungen nicht möglich ist, so muss gegebenenfalls eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) oder eine operative Bauchspiegelung (Laparoskopie, Pelviskopie) durchgeführt werden.
Bei Strukturveränderungen wird oft eine operative Korrektur an Scheide, Gebärmutter oder Eileiter durchgeführt.
Bei anderen Ursachen hingegen kann eine künstliche Befruchtung helfen, dass Kinder gezeugt werden können. Dies kann mit Spermien vom Partner oder unter Beachtung von rechtlichen Konsequenzen auch mit fremden Spermien geschehen.
Komplikationen
Strukturen im Bereich des Eingriffs können
verletzt werden. So kann es selten zu einer Durchstoßung der Gebärmutterwand kommen. Durch Beschädigung von Gefäßen kann es zu
Blutungen und
Nachblutungen kommen, weniger starke Blutungen verschwinden meist bald von alleine. Schmerzen können beim Einschieben der Sonde ergeben, länger andauernde
Schmerzen bilden sich in aller Regel nach wenigen Stunden wieder zurück. Infektionen sind möglich, z. B. durch Keimeinbringung aus der Scheide in die Gebärmutter. Allergien, z. B. auf das eingespritzte Kontrastmittel, können nicht ausgeschlossen werden. Selten kann es zu Allgemeinreaktionen wie Übelkeit und Erbrechen oder zu schnellem Herzschlag kommen. Es besteht bei der Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung eine gewisse Strahlenbelastung, die aber als sehr gering einzustufen ist.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
In den meisten Fällen kann mit den möglichen Untersuchungen eine Veränderung, die zur Sterilität (verhinderte Empfängnis) oder Infertilität (Unmöglichkeit, eine Schwangerschaft auszutragen) führt, erkannt werden, sofern sie vorhanden ist. Folgemaßnahmen, gegebenenfalls Korrekturoperationen, können notwendig werden, damit der Kinderwunsch nicht unerfüllt bleibt. Falls trotz der Ausschöpfung aller Methoden keine erfolgreiche Schwangerschaft verwirklicht werden kann, kann eventuell über die Adoption eines Kindes nachgedacht werden.
Hinweise
Vor der Operation
Um eine Gefährdung durch die Kontrastmitteluntersuchung von Gebärmutter und Eileitern zu zu vermeiden, darf keine Schwangerschaft vorliegen. Aus diesem Grunde wird eine solche Diagnostik lediglich in der ersten Zyklushälfte durchgeführt, wenn vorher eine normale Regelblutung stattgefunden hat.
Nach der Operation
Falls der Eingriff unter ambulanten Bedingungen erfolgt, so muss die Patientin beachten, dass sie aufgrund der teils noch bestehenden Medikamentenwirkung für 24 Stunden kein Auto, keine anderen Verkehrsmittel und keine Maschinen selbst bedienen darf. Daher sollte sie sich abholen lassen. Bedeutsame Entscheidungen sollten ebenfalls vertagt werden.
Für einige Tage nach der Untersuchung sollten Geschlechtsverkehr, das Einlegen von Tampons sowie Spülungen der Scheide unterlassen werden.
Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte baldmöglichst der Arzt kontaktiert werden.
Letzte Aktualisierung am 07.05.2010.