Definition Gebärmutterkrebs
Bei
Tumoren der weiblichen inneren Genitalien, beispielsweise
Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs, ist oftmals eine Operation notwendig.
Ursachen von Gebärmutterkrebs
Gebärmutterhalskrebs (
Zervixkarzinom) ist der häufigste bösartige Tumor im Genitalbereich der Frau. Ein erhöhtes Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, besteht bei häufigem Geschlechtsverkehr und Partnerwechsel, bei Schwangerschaft, Rauchen, Smegma beim männlichen Partner (weißliche Substanz, die sich zwischen Eichel und Vorhaut bilden kann) sowie bei Infektionen mit bestimmten Viren (HPV Typ 16 und 18).
Der eigentliche, von der Schleimhaut ausgehende
Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom, auch: Korpuskarzinom oder Uteruskarzinom) ist der zweithäufigste bösartige Genitaltumor. Er ist oft durch eine Stimulation des Zellwachstums durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen bedingt. Ein höheres Risiko für diese Art von Krebs der Gebärmutter besteht daher bei längerer Einnahme von Östrogen-Präparaten, bei stärkerem Übergewicht (dabei ist meist der Östrogenspiegel erhöht), bei häufigem Ausbleiben des Eisprungs sowie bei anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“).
Manchmal gehen bösartige Tumore von der Gebärmutterwand aus. Diese heißen Sarkome (Uterussarkome) und entstehen im Muskel- oder Bindegewebe. Nur sehr selten können die gutartigen Myome zu Sarkomen entarten.
Sehr selten sind bösartige Tumore, die aus dem Gewebe des Eileiters hervorgehen (Tubenkarzinome).
Wesentlich häufiger ist wiederum Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Ein erhöhtes Risiko für bösartige Wucherungen des Eierstocks besteht bei Frauen europäischer Abstammung, weiteren Krebserkrankungen (besonders Brustkrebs) im Körper sowie bei Kinderlosigkeit. Mitunter können sich auch gutartige Geschwülste zu bösartigen Befunden entwickeln.
Symptome
Beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) bestehen in einem frühen Stadium oftmals keine Symptome. Es kann dann vor allem zu unregelmäßigen, verstärkten Blutungen kommen, die so heftig sein können, dass sie lebensbedrohlich sind.
Beim Endometriumkarzinom (bösartiger Tumor der Gebärmutter, von der Schleimhaut ausgehend) treten sehr häufig ebenfalls Blutungen auf. Diese beginnen oft bereits in einem frühen Krebsstadium. Insbesondere besteht bei jeder Blutung nach den Wechseljahren ein starker Verdacht auf Endometriumkarzinom, aber zu einem früheren Zeitpunkt kann diese Krebserkrankung ebenfalls auftreten. Es kann ein unangenehmer Ausfluss aus der Scheide bestehen. Schmerzen können vor allem bei einem fortgeschrittenen Tumor vorkommen.
Ein
Sarkom (bösartiger Muskel- oder Bindegewebstumor) der Gebärmutter äußert sich ebenfalls oft in Blutungen oder später in Schmerzen oder dem Gefühl, dass sich ein „Klumpen“ im unteren Bauchbereich befindet.
Ein
Tubenkarzinom (Eileiterkrebs) macht meist erst sehr spät Beschwerden wie Abgang von Flüssigkeit oder Schmerzen.
Bei
Ovarialkarzinomen (bösartigen Eierstocktumoren) bestehen sehr oft keinerlei Beschwerden, insbesondere bei noch nicht so weit fortgeschrittenen Wucherungen. Manchmal kann der Knoten als Verdickung getastet oder gesehen werden. Später können sich unter anderem Bauchschmerzen, Harn- und Stuhlprobleme sowie durch eventuelle Hormonbildung Änderungen von Geschlechtsmerkmalen, z. B. Zeichen einer Vermännlichung, ausbilden.
Alle diese bösartigen Tumore können in das Gewebe umliegender Organe (unter anderem Harnblase, Mastdarm) einwachsen und dieses zerstören. Ebenso können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden, die sich in Lymphknoten oder an anderer Stelle des Körpers absiedeln.
Diagnose
Die Patientin wird zunächst befragt (Anamnese). Es erfolgt eine körperliche Untersuchung, unter anderem auch eine gynäkologische Untersuchung mit den Fingern sowie eine Kolposkopie (Scheidenspiegelung). In einer Ultraschalluntersuchung oder anderen bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie können teilweise Auffälligkeiten erkannt werden. Ein Abstrich des Muttermundes wird vorgenommen, der dann im Labor beurteilt wird. Eine Blutuntersuchung ist ebenfalls sinnvoll. Eine sichere Diagnose des Befundes ist nur durch Gewebeentnahme mit anschließender feingeweblicher Untersuchung (Histologie) möglich, insbesondere durch Konisation (kegelförmige Probeentnahme aus dem Gebärmutterhals) oder Ausschabung (Abrasio oder Kürettage) der Gebärmutterschleimhaut.
Differenzialdiagnose
Die verschiedenen Krebsarten müssen voneinander unterschieden werden sowie von gutartigen Tumoren oder entzündlichen Veränderungen abgegrenzt werden. Die beim Zervixkarzinom auftretenden unregelmäßigen Blutungen können durch viele verschiedene Erkrankungen bedingt sein.
Therapie
Konservative Therapie
Eine
Bestrahlung kann in bestimmten Fällen, vor allem bei bereits eingetretener Metastasen-Absiedlung, sinnvoll sein. Auch eine Chemotherapie oder eine Hormontherapie kann, gegebenenfalls als Kombination mit der Strahlentherapie, bei bestimmten Voraussetzungen angezeigt sein. Diese Therapieformen können auch zusätzlich zur Operation vorgenommen werden. Als unterstützende Maßnahmen können weitere nichtoperative Behandlungsmethoden durchgeführt werden.
Operation
Ziel der Operation ist es, die befallenen Bereiche möglichst vollständig zu entfernen, so dass der Krebs nicht weiter fortschreiten kann. So müssen teilweise nicht nur die inneren Geschlechtsorgane, sondern auch Strukturen in der Nähe herausgenommen werden.
Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt.
Der Zugang erfolgt meist über einen
Bauchschnitt (Laparotomie). Manchmal kann es auch ausreichend sein, eine
Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchzuführen. Dabei wird über einen kleinen Einschnitt am Bauchnabel ein optisches Gerät (Laparoskop) mit einer kleinen Videokamera eingeschoben. Um das Bauchgewölbe aufzuspannen und die Sicht zu verbessern, wird CO2-Gas eingeblasen. Benötigte Instrumente werden über weitere Einschnitte in den Bauchraum eingeführt. Auf einem Monitor sieht der Operateur in Echtzeit das Operationsgebiet und kann die notwendigen Maßnahmen durchführen. Meist wird die Bauchspiegelung mit einem Eingriff durch die Scheide kombiniert.
Beim Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) wird die Gebärmutter (Uterus) in den meisten Fällen unter Mitnahme der umgebenden Haltestrukturen (Parametrien) sowie dem oberen Bereich der Scheide herausoperiert (Operation nach Wertheim). Bei nur geringer Ausdehnung des Tumors kann manchmal eine moderne Operation vorgenommen werden, bei der nur Gebärmutterhals und Scheidenanteile herausoperiert werden, der Hauppteil der Gebärmutter (verbleibt im Körper (Trachelektomie). Nach dieser OP sind Schwangerschaften möglich, jedoch ist die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt größer, oder die Empfängnis bleibt ganz aus.
Beim Endometriumkarzinom (Krebs der Schleimhaut der Gebärmutterhöhle) wird die Gebärmutter mitsamt Eileitern und Eierstöcken herausgeholt.
Beim Sarkom (Krebs der Gebärmutterwand) ist bisweilen eine alleinige Entfernung der Gebärmutter ausreichend.
Ein bösartiger Eileitertumor (Tubenkarzinom) oder Eierstocktumor (Ovarialkarzinom) wird meist durch beidseitige Entfernung des Eierstocks, der Eileiter, der Gebärmutter sowie eines Teils des Bauchfells (Peritoneum, „Netz“) behandelt. Bei bestehendem Kinderwunsch und geringer Ausdehnung kann es bisweilen ausreichend sein, dass der gegenseitige Eierstock, Eileiter und Gebärmutter belassen werden, um eine spätere Schwangerschaft noch zu ermöglichen.
Allen Eingriffen gemeinsam ist, dass Lymphknoten, in die die Lymphflüssigkeit aus dem Tumorgebiet abgeleitet werden, ebenfalls herausgeholt werden müssen. Dies betrifft in den meisten Fällen die Lymphknoten im Becken- und Hauptschlagaderbereich.
Am Ende des Eingriffs werden im Regelfall Drainagen in den Bauchraum eingeführt, damit Wundflüssigkeit abgeleitet werden kann. Nach einigen Tagen können die Schläuche wieder entfernt werden. Des Weiteren ist es oft notwendig, einen Blasenkatheter einzuführen.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Oftmals ist die oben beschriebene Operation für die Behandlung des jeweiligen Tumors nicht ausreichend, um eine möglichst komplette Entfernung zu erreichen. Dies zeigt sich gelegentlich auch erst während des Eingriffs. Gegebenenfalls müssen daher z. B. die Aufhängestrukturen der Gebärmutter, Teile der Scheide oder Eierstöcke und Eileiter mitentfernt werden. Im Übrigen müssen manchmal auch weitere Organe ganz oder teilweise entfernt werden, beispielsweise Darm, Blase, Bauchfell oder andere Bauchorgane. Ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) oder eine künstliche Harnableitung ist manchmal notwendig.
Darüber hinaus können Komplikationen dazu führen, dass eine Erweiterung oder Änderung der Operationsmethode vorgenommen werden muss. Eventuell ist ein Übergehen von der Bauchspiegelung in eine offene Operation erforderlich.
Sehr selten wird bei der Operation festgestellt, dass statt des Eingriffs besser eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung erfolgen sollte. In diesem Fall kommt es zu einem Operationsabbruch.
Komplikationen
Benachbarte Organe oder anatomische Strukturen können bei der Operation
verletzt werden. Dadurch kann es unter anderem zu
Blutungen und
Nachblutungen kommen. Nervenbeschädigungen können zu Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl oder auch zu meist nicht dauerhaften Funktionseinbußen der Harnblase führen. Verwachsungen im Bauchraum können entstehen. Schwellungen, z. B. durch Lymphaufstau, können sich entwickeln. Es kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung oder einem Darmverschluss kommen. Es können sich entzündliche Verbindungskanäle (Fisteln) z. B. zwischen Harnröhre oder Harnblase, Scheide und Mastdarm entwickeln. Des Weiteren kann es zu Infektionen, Wundheilungsstörungen, überschießender Narbenbildung mit Funktionseinbußen und Schmerzen sowie zu Allergien kommen.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Die Prognose richtet sich nach Art, Schwere und Ausdehnung der Tumorerkrankung sowie danach, ob die Geschwulst komplett entfernt werden konnte. Es können z. B. bereits Metastasen (Tochtergeschwülste) vorliegen, die die Prognose erheblich einschränken.
Nach einer kompletten Gebärmutterentfernung kommt es zum Ausfall der Monatsblutungen. Ebenfalls besteht Unfruchtbarkeit.
Nach Entfernung eines Eileiters oder eines Eierstocks kommt es nicht zur Unfruchtbarkeit, wenn das gegenseitige Organ noch funktionsfähig ist. Nach der Entfernung beider Eierstöcke ist die Patientin unfruchtbar, durch die fehlende Hormonproduktion ergeben sich Erscheinungen, die denen in den Wechseljahren entsprechen, sowie ein Ausfall der Regelblutung. Arzneimittel können diese Beschwerden bekämpfen. Manchmal kommt es nach dem Eingriff auch zu depressiven Episoden oder zu Libidoverlust oder auch -steigerung.
Nach Entfernung des oberen Bereiches der Scheide kommt es manchmal zu einem störenden Gefühl beim Geschlechtsverkehr.
Hinweise
Vor der Operation
Gegebenenfalls müssen Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen, beispielsweise Marcumar® oder Aspirin®, weggelassen werden. Dies wird mit dem behandelnden Arzt besprochen.
Nach der Operation
In der Zeit nach der Operation sollte keine
zu starke körperliche Tätigkeit ausgeübt werden, insbesondere sollten
keine schweren Lasten hochgehoben oder getragen werden. Auch Geschlechtsverkehr kann für einen bestimmten Zeitraum nicht ausgeübt werden. Tampons sollten nach einer Gebärmutterentfernung nicht benutzt werden, besser sind Vorlagen. Ebenso sollte auf Scheidenspülungen verzichtet werden.
Ärztliche Kontrollen sollten regelmäßig wahrgenommen werden.
Ergeben sich Auffälligkeiten, die Zeichen von Komplikationen sein können, so sollte möglichst rasch der Arzt kontaktiert werden.
Letzte Aktualisierung am 07.05.2010.