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Entbindung | Die Geburt aus medizinischer Sicht

Lesezeit: 6 Min.

Was ist eine Entbindung?

Mit der Geburt des Kindes endet die Schwangerschaft nach etwa 38 Wochen. Vor allem im medizinischen und geburtshilflichen Sprachgebrauch wird die Geburt auch als Entbindung bezeichnet. Die normale Geburt wird durch die Ausschüttung von Botenstoffen aus dem kindlichen Organismus eingeleitet. Diese Substanzen aktivieren die Ausschüttung des Wehenhormons Oxytocin aus der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) der Mutter. Zusammen mit weiteren Botenstoffen (Prostaglandinen) wird die Wehentätigkeit hervorgerufen. Ebenfalls eine Art der Entbindung ist der Kaiserschnitt (Schnittentbindung, Entbindung mittels Operation).

Erste Anzeichen der beginnenden Geburt

Die meisten werdenden Mütter bemerken einige Zeit vor der Geburt des Kindes, dass sich ihr Körper verändert und sich im Bauch etwas regt. An den Tagen vor der Entbindung kann es sein, dass sich Schwangere sehr müde fühlen und ihnen alltägliche Dinge schwerer fallen als sonst. Ein wichtiger Vorbote der Geburt ist der Abgang des Schleimpfropfens, der während der Schwangerschaft den Muttermund abgedichtet hat. Dieser Vorgang wird historisch Zeichnungsblutung oder Zeichnen genannt. Dennoch kann es sein, dass die Entbindung noch ein oder zwei Tage auf sich warten lässt, manchmal auch mehrere Wochen. Das Zeichnen erkennen Schwangere daran, dass ein zähflüssiger Schleim abgeht, der auch blutig sein kann.

Eine bevorstehende Geburt kündigen die Wehen an, die in immer kürzeren Abständen auftreten, je näher die Entbindung rückt. Bei den Wehen zieht sich die Gebärmutter, ein äußerst kräftiger Muskel, rhythmisch zusammen, was je nach Phase der Geburt mehr oder weniger schmerzhaft ist. Treten die Wehen in sehr regelmäßigen Abständen auf, sollte sich die Schwangere auf den Weg in die Klinik oder das Geburtshaus machen, um sich dort auf die Entbindung vorbereiten zu können. Ein weiteres wichtiges Signal, möglichst schnell in die Klinik zu fahren, ist der Blasensprung. Dabei reißt die Eihülle, die Kind mitsamt Fruchtwasser umgibt, an einer Stelle ein. Fruchtwasser kann aus der Gebärmutter herauslaufen und in meist geringen Mengen (nur sehr selten im Schwall) aus der Scheide abgehen. Das Platzen der Fruchtblase tritt manchmal schon auf, wenn noch keine Wehen vorhanden sind. Es handelt sich dann um einen vorzeitigen Blasensprung.

Ablauf der Geburt

Eine normale, vaginale Geburt lässt sich in drei Phasen einteilen: Eröffnungsperiode, Austreibungsperiode, Nachgeburtsperiode. Insgesamt dauert eine Entbindung bei einer Erstgebärenden im Schnitt zwölf Stunden, bei einer Mehrgebärenden etwas kürzer. Die individuelle Dauer kann sehr deutlich davon abweichen.

Zu Beginn der Eröffnungsperiode treten Wehen ein, die den Muttermund auflockern und öffnen sollen. Er kann sich bis zu einem Durchmesser von zehn Zentimetern erweitern, wodurch der Kopf des Kindes tiefer in das Becken der Schwangeren rutschen kann. Die Öffnung des Muttermundes kann bei Erstgebärenden bis zu zehn Stunden dauern. Bei Frauen, die schon ein oder mehrere Kinder zur Welt gebracht haben, verläuft dieser Vorgang in der Regel deutlich schneller. Werden die Wehen im Verlauf der Eröffnungsphase stärker, kommt es zum Blasensprung, wobei in den meisten Fällen der untere Teil der Eihülle über dem Kopf des Kindes einreißt und das Fruchtwasser ausströmt.

Ist der Muttermund nach der Eröffnungsphase ausreichend weit, beginnt der eigentliche Geburtsvorgang, die Austreibungsperiode. Durch den Druck des kindlichen Kopfes auf den Beckenboden der Mutter werden reflektorisch die Presswehen ausgelöst. Dabei spannt die Schwangere ihre Bauchmuskeln mit jeder Wehe an und presst, um die Austreibung des Kindes zu unterstützen. Die Austreibungsperiode sollte bei der Geburt des ersten Kindes nicht länger als eine Stunde, bei einer zweiten Geburt nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Dies ist wichtig, da in der Phase der Presswehen die Plazenta (Mutterkuchen) und damit auch das Kind schlechter durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden.

Nach der Geburt des Kindes beginnt die dritte und letzte Phase des Geburtsvorgangs, die Nachgeburtsperiode. Dabei löst sich in einem Zeitraum von etwa 20 Minuten die Plazenta von der Gebärmutter ab und wird als so genannte Nachgeburt ausgestoßen. Von Hormonen aktiviert zieht sich die Gebärmutter in kurzer Zeit sehr stark zusammen, was zusätzlich hilft, die durch die Ablösung der Plazenta entstandene Blutung zu stillen.

Untersuchungen und Überwachung während der Geburt

Um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten, werden beide vor und während der Geburt von Hebammen und Frauenärzten untersucht. Vor der Entbindung wird eine CTG (Cardiotokographie) durchgeführt, bei der gleichzeitig Herzschlag des Kindes und Wehentätigkeit registriert werden. Durch diese Maßnahme kann der Zustand des Kindes kontrolliert werden, so dass im Falle von Komplikationen schnell die nötigen Behandlungen eingeleitet werden können.

Die Position des Kindes im Mutterleib wird vom Arzt oder der Hebamme bestimmt. Bei bestimmten Lageveränderungen muss entschieden werden, ob ein Kaiserschnitt notwendig ist.

Der Fortschritt der Geburtseinleitung wird anhand der Öffnungsweite des Muttermunds beurteilt. Hat ein vorzeitiger Blasensprung bereits stattgefunden, wird ein Abstrich vom Muttermund genommen und im Labor auf eventuelle Krankheitserreger und Infektionszeichen untersucht. Der Mutter wird in der Regel vor Beginn der Geburt Blut abgenommen, um die Blutgruppe zu bestimmen und die Blutgerinnung zu kontrollieren. Dies ist besonders wichtig, wenn die Schwangere sich für eine Schmerzlinderung durch Periduralanästhesie (PDA) entscheidet. Die angehende Mutter bekommt auch einen so genannten Zugang, eine feine Plastikkanüle, die in einer Vene meist an der Hand oder am Unterarm platziert wird. Über diesen Zugang können der Schwangeren bei Notwendigkeit Medikamente und Flüssigkeit gegeben werden.

Während des Geburtsvorgangs werden in regelmäßigen Abständen Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen sowie die Öffnung des Muttermundes kontrolliert. Ist noch Zeit bis zur Entbindung, kann sich die Schwangere individuell auf die Geburt vorbereiten, beispielsweise durch ein warmes Bad oder eine Dusche. Meist wird die werdende Mutter mithilfe von Einläufen oder Klysmen abführen. Die besonderen Vorbereitungen auf den Geburtsvorgang sind in der Regel schon im Voraus mit der betreuenden Hebamme abgesprochen, da sich die Schwangere schon weit vor der Geburt eine Klinik oder ein Geburtshaus zur Entbindung auswählt und mit den Geburtshelfern ihre Wünsche bespricht.

Medizinische Eingriffe bei Geburtsschwierigkeiten

Wenn Komplikationen während des Geburtsvorganges auftreten, ist ein schnelles Handeln entscheidend. Besonders schwierig ist bei einer vaginalen Geburt die Austreibungsphase, da sie nicht zu lang dauern darf, um beim Kind einen Sauerstoffmangel zu verhindern. Ist es nach Beginn der Austreibungsperiode abzusehen, dass die Geburt des Kindes nicht schnell genug ablaufen kann, können so genannte geburtshilfliche Operationen angezeigt sein, die eine schnellere Entbindung ermöglichen. Zu diesen Eingriffen zählt die Saugglockenentbindung (Vakuumextraktion), bei der eine kleine Saugglocke an den Hinterkopf des Kindes angebracht wird, um das Kind unterstützend zu den Wehen herauszuziehen. Ähnlich verläuft die Zangenentbindung oder Zangenextraktion, bei der das Kind mit zwei löffelähnlichen Schlaufen geführt wird.

Der Dammschnitt (Episiotomie) bezeichnet das Einschneiden des Bereichs zwischen Vagina und Anus, um den Beckenausgang zu erweitern, wenn der Kopf des Kindes nicht hindurch passt. Diese Methode wird allerdings heute nur noch in wenigen Fällen eingesetzt, da sie wegen ihrer späteren Nachteile für die Frau sehr umstritten ist.

Bei kritischen Zuständen kann ein Kaiserschnitt (eventuell als Notkaiserschnitt) vorgenommen werden. Der Kaiserschnitt wird heutzutage vielfach auch als geplanter Eingriff bei bestehenden Risiken oder auf Wunsch der Mutter vorgenommen.

Psychosomatische Aspekte der Geburt

Die Geburt eines Kindes ist ein einschneidendes, zentrales Erlebnis im Leben einer Frau. Trotz aller positiven Seiten - einem Kind das Leben schenken, selbst ein Kind als Geschenk zu erhalten - ist es wichtig, auch die schwierigen Aspekte einer Entbindung zu beleuchten. Die Geburt bedeutet neben den vielen körperlichen Schwierigkeiten und Schmerzen auch eine seelische Belastung. Diese gilt es der Schwangeren möglichst zu nehmen. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Geburtsvorbereitungskursen, die werdende Mütter mit Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt versorgen. Die Schwangeren sollten sich, eventuell auch mit ihrem Partner, schon einige Zeit vor der Entbindung eine Klinik oder Geburtshaus aussuchen. Es sollte dem Geschmack der Schwangeren entsprechen und ihr ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Auch die persönliche Beziehung zu einer Hebamme, die auch zur Geburt anwesend sein wird, kann in dieser Zeit aufgebaut werden.

Die werdenden Eltern müssen sich schon vor dem Einsetzen der Wehen darüber im Klaren sein, wie die Geburt idealerweise verlaufen soll und ob der Partner dabei sein möchte. Werdende Mütter sollten ihre Partner niemals dazu überreden oder drängen, mit in den Kreißsaal zu kommen. Wünscht der Mann sich, seine Frau zu unterstützen und auch während der Geburt bei ihr zu bleiben, ist er sicher immer willkommen. Es ist jedoch noch eine zusätzliche Belastung für die Gebärende, wenn sich der Partner in dieser Situation völlig unangemessen verhält oder er selbst damit gar nicht zurechtkommt. Lehnt der Mann ein Beiwohnen der Geburt ab, sollte die Schwangere diesen Wunsch respektieren. Es kann für beide in diesem Fall entspannter ablaufen, wenn sich die werdende Mutter eine andere Vertrauensperson aussucht, die sie begleiten kann.

Auch die Frage der Schmerzstillung wird weiterhin kontrovers diskutiert. Während die eine Partei der Meinung ist, dass Schmerzen zu einer Geburt dazu gehören müssten, verteidigt die andere Partei ihre Einstellung, dass der Schmerz nicht zum Geburtsvorgang beitrage und deshalb als überflüssig bewertet werden könne. Wie und in welcher Form die Schwangere Medikamente zu Schmerzlinderung erhalten möchte, sollte sie selbst entscheiden. Dazu ist es natürlich notwendig, dass eine ausführliche Aufklärung durch einen Anästhesisten erfolgt, der der Schwangeren alle Möglichkeiten und Risiken aufzeigt. So kann sie schon vor Beginn der Wehen ihren Weg wählen und gewinnt dadurch in einem weiteren Punkt Sicherheit.



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 09.02.2016
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sagt Dr. Hirsch   vor 3 Tage  63

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sagt dawala   vor 3 Tage  125066

Hallo steffy,

zur Feststellung eines Teils des Hormonspiegels ist der Endokrinologe zuständig. Das ist ein Facharzt, der sich nur auf unseren sehr ... mehr

?
fragt Luna2379   vor 6 Tage  37

Guten Morgen
Ich bin seid 7 Monaten steriliesiert und habe auch immer meine blutung bekommen für waren sehr unterschiedlich.
Mal waren es 12 Tage ... mehr

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