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Wie versorgt der Chirurg eine Gefäßverletzung, die während einer Operation auftritt?

Lesezeit: 2 Min.

Eine OP ist nicht selten der Grund für eine Gefäßverletzung

Im Verlauf einer chirurgischen Operation werden häufig in unmittelbarer Nähe von Blutgefäßen Skalpelle und andere Werkzeuge mit Schneide oder Spitze eingesetzt. Unter ungünstigen Bedingungen kann es passieren, dass der Operateur eines dieser Gefäße verletzt. Bei einigen Operationen ist es auch unvermeidlich, dass Gefäße durchtrennt werden müssen. Verschiedene Untersuchungen gehen davon aus, dass zwischen 6 und 40 Prozent aller Blutgefäßverletzungen auf medizinische Eingriffe zurückgehen.

Kommt es zu einer scharfen Gefäßverletzung, muss diese rasch wieder verschlossen werden, um den Blutverlust gering zu halten und eine Mangelversorgung der Extremitäten (Gliedmaßen) oder anderer Körperregionen zu verhindern. Je größer das betroffene Blutgefäß ist, desto größer ist die Gefahr von Folgeschäden. Um ein beschädigtes oder durchtrenntes Blutgefäß wieder zu verschließen, kann das Vernähen der Wunde ein geeignetes Mittel sein. Auch die Verödung mit elektrischem Strom (Kauterisierung) oder das Kleben mit der Substanz Fibrin ist sinnvoll.

Genäht wird punktuell oder fortlaufend

Bevor eine Naht gesetzt werden kann, muss das Blutgefäß stillgelegt werden. Hierzu wird mit einem geeigneten chirurgischen Instrument, der sogenannten Gefäßklemme, der Blutfluss beidseitig der Verletzung unterbrochen. Anschließend kann die Wunde dann entsprechend ihrer Ausprägung versorgt werden. Punktuelle Gefäßverletzungen werden vorzugsweise mit einzelnen Fäden (Einzelknopfnaht) versorgt. Die Standard-Methode bei Gefäßverletzungen ist jedoch das Vernähen mit einer fortlaufenden überwendlichen Naht, die allerdings erst nach dem Entfernen der Gefäßklemmen verknotet werden sollte. Hierdurch wird das unnötige Raffen des Gefäßgewebes so gering wie möglich gehalten. Von grundsätzlicher Wichtigkeit beim Vernähen einer Blutgefäßverletzung ist das Arbeiten von innen nach außen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die Intima, also die innerste Schicht des Blutgefäßes, sich nicht vom restlichen Gefäß löst und dieses verstopft.

Wird ein Gefäß-Ende verschlossen, beispielsweise nach der Entfernung eines Organs oder Gewebebereiches, dann kann dies ebenso mithilfe eines chirurgischen Fadens vorgenommen werden. Dieses Unterbinden des Blutgefäßes wird auch Ligatur genannt.

Blutgefäße erfordern Fingerspitzengefühl

Beim Wiederherstellen eines verletzten Blutgefäßes ist die eingesetzte Nahttechnik oft mitentscheidend für den Erfolg des Eingriffs. Blutgefäße sind ebenso unersetzliche wie empfindliche Gebilde, in denen das lebensnotwendige Blut in alle Regionen unseres Körpers transportiert wird. Eine wichtige Voraussetzung zur erfolgreichen Versorgung einer Gefäßverletzung ist die schonende Behandlung der Gefäßwände während des Vernähens. Wird dieser Grundsatz nicht beherzigt, kann es zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen kommen.

Die Wände der größeren Blutgefäße bestehen aus drei Schichten. Die innerste Schicht, die mit dem Blut in direktem Kontakt steht, ist die Tunica interna oder auch Intima genannt. Sie wird von der Tunica media oder kurz Media umschlossen. Die Außenhaut eines Blutgefäßes bildet die Tunica adventitia, die mit dem umgebenden Körpergewebe in Kontakt steht. Um Verletzungen an den inneren Schichten zu vermeiden, wird der Kontakt von chirurgischen Instrumenten wann immer möglich auf die Adventitia beschränkt.

Alternativen zur Naht

Insbesondere wenn ein verletztes Blutgefäß schnell verschlossen werden muss, kann die Elektrokaustik (Kauterisierung) das geeignete Mittel der Wahl sein. Über ein Gerät (Elektrokauter) wird ein hochfrequenter Wechselstrom verwendet, um Gewebe abzutrennen oder - in diesem Fall - zu veröden. Dieses Verfahren hat sich insbesondere zur raschen Verschließung von Blutgefäßen während einer Operation bewährt. Eine mögliche Gefahr besteht allerdings im Nachbluten im Bereich verbrannter Gewebeareale.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Fibrin-Klebstoff, der aus menschlichem Blut und auch aus tierischen Bestandteilen hergestellt wird. Diese Technik zum Verschließen von Verletzungen an Blutgefäßen ist immer dann erfolgversprechend, wenn besonders empfindliche Gewebeteile verletzt sind. Der Einsatz von Nadel und Faden ist nicht notwendig. Ziel der Behandlung ist es, die Wundränder so lange zu verschließen, bis der vom Körper ausgehende Selbstheilungsprozess die ursprüngliche Wunde wieder verschlossen hat.



Dr. A. Sackmann Dr. Andreas Sackmann
Gesundheitsredakteur

aktualisiert am 08.07.2016
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