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Stimmritzenkrampf bei einseitiger Stimmbandlähmung

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OmaElse  fragt am 15.08.2012
Hallo,
habe jetzt ausführlich die Berichte von Leidensgenossen hier gelesen. Auch ich habe seit über 40 Jahren (bin jetzt 62) nach einer Schilddrüsenoperation eine einseitige Stimmbandlähmung mit hin und wieder, meistens aus dem Schlaf heraus, auftretenden Stimmritzenkrämpfen.Damals, nach der OP konnte ich ein halbes Jahr lang nur flüstern. Es folgte eine logopädische Behandlung und schließlich war und ist die Stimme bis heute zwar tief und ich habe sog. Oktavensprünge, d.h. einige Töne sind einfach weg...Ich bekomme auch ausreichend Luft, zwar langsamer aber aureichend, so dass ich kaum körperliche Einschränkungen habe. Mein großes Problem sind die Stimmritzenkrämpfe, bzw. die Angst davor. Es gibt dagegen ja keine Prophylaxe und ein Notfallmedikament ebensowenig, da es beim Auftreten eines Krampfes ja schon zu spät ist um evtl. Cortison einzunehmen, welches ich immer im Hause habe um im Falle einer Erkältung mit anschwellenden Stimmbändern mir selber helfen zu können.
Im Laufe der Jahrzehnte habe ich schon regelrechte Zwangshandlungen entwickelt, so gehe ich nie ohne ein Getränk in der Tasche aus dem Haus, ich kontrolliere ständig meine Atmung, räuspere mich ständig, habe eine regelrechte Phobie vor Erkältungskrankheiten entwickelt, kann nicht spontan Lachen (geschweige denn Weinen),fürchte mich vor stark gewürzten oder sehr sauren Speisen, an denen ich mich verschlucken könnte. Ich gehe nie mit Freunden in Restaurants, Gespräche in größeren Gruppen erschöpfen mich sehr schnell, da ich die Atemluft gut einteilen muß und ich habe seit Jahren Schlafstörungen, da die Krämpfe meist im Schlaf entstehen.Und gesagt zu bekommen, das man daran nicht erstickt, hilft mir nicht wirklich, denn die Todesangst übermannt mich dann mit brachialer Macht.
Nun habe ich beschlossen, dass 40 Jahre Angst genug sind und habe in Kürze einen Termin in der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf in der Phoniatrie um mich über eine Lateralfixation beraten zu lassen. Mein Leidensdruck ist mittlerweile so groß, dass ich lieber für den Rest meines Lebens flüstere (oder ganz die Gosche halte),als weiterhin mit dieser belastenden Erstickungsangst zu leben. Ich werde zu gegebener Zeit darüber berichten und wünsche allen Mitbetroffenen gute Nerven und besonders Freude an dem, was für sie möglich ist.
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 17.08.2012
Hallo OmaElse,

das ist eine sehr gute Idee an die Uniklinik in Hamburg zu gehen - dort wird man Ihnen sicher helfen! Was mich interessieren würde ist, warum Ihre Stimme tiefer geworden ist? Ich habe das doch richtig verstanden? Oder war die Stimme bereits vor der OP und der logopädischen Behandlung tief? Ist es denn sicher, dass es nur eine einseitige Stimmbandlähmung ist? Was Sie beschreiben passt m.E. sehr gut zu einer beidseitigen inkompletten Recurrensparese (Stimmbandlähmung). Möglicherweise könnte auf einer Seite der Nerv komplett durchtrennt sein und auf der anderen die inkomplette Lähmung. Dann könnte man Ihnen u.U. auch mit einer Botox Injektion ohne großen Aufwand helfen! Ich wäre sehr an dem Verlauf und der Diagnose der Kollegen aus Hamburg interessiert und wünsche Ihnen von Herzen viel Erfolg und Glück mit der Behandlung
Ihr Dr.Michael Schedler
 
OmaElse  sagt am 19.08.2012
Hallo docmick,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ja, die Stimme war vor der Schilddrüsen-OP normal, hab als junges Mädchen gern viel und laut gesungen (Obs auch schön war weiß ich nicht :-)) Nach der OP war ich ein halbes Jahr heiser und allmählich kam die Stimme zurück, aber eben hauptsächlich die tiefen Töne. Soweit mir bekannt ist ist es eine einseitige Recurrensparese. Vor gut 25 Jahren war ich damit schon einmal in Eppendorf und wurde dort gerne den Jungärzten vorgeführt, die sollten sich doch mal diese "interessanten" paradoxen Stimmbandbewegungen anschauen. Schließlich wurde ich mit dem Rat entlassen: "Finden sie sich damit ab und lernen Sie damit zu leben!"
Nun, ich hoffe, dass sich da inzwischen doch einiges geändert hat und ich auf eine etwas sensiblere Behandlung hoffen darf. Ich werde Sie gerne über das Ergebnis informieren.
Vielen Dank für Ihre guten Wünsche!
LG Brigitte
 
KausT  sagt am 11.09.2012
Hallo Docmick,

ich bitte OmaElse zunächst um Entschuldigung, dass ich mit meinem Anliegen dazwischengrätsche. Ich weiß allerdings nicht wie ich docmick, der ja anscheinend das Krankheitsbild kennt, anders kontaktieren kann.

Nun zu meinem Anliegen - vor etwa 3,5 Wochen bekam ich Husten, sehr wahrscheinlich weil ich mit einem völlig durchgeschwitzten T-Shirt Fahrrad gefahren bin. Ich hatte es wohl zu sehr auf die leichte Schulter genommen und wenige Tage später einen extremen Strandtag mit Sonnenbrand und mehrfachem Baden verlebt. Danach ging es mir richtig schlecht und der Husten wurde schlimmer, ich habe mehrere Tage im Bett verbracht. Der Husten schwächte sich allmählich ab, so dass ich hauptsächlich nur noch nachts nennenswerte Hustenanfälle hatte (wohl durch die Liegeposition). Mittlerweile ist nun auch noch eine Erkältung mit verstopfter Nase dazu gekommen. Auch diese habe ich fast hinter mir. Allerings erfahre ich seit mehr als einer Woche Symptome, die dem Stimmritzenkrampf (VCD= Vocal Cord Dysfunction) entsprechen. Ich wache etwa 2-3 mal die Nacht auf mit einem Erstickungsgefühl und muss dann Husten und Räuspern, um schließlich wieder Luft zu bekommen. Es hilft mir dabei, den Kehlkopf zu bewegen und mich zu konzentrieren. Ich spüre dabei regelrecht, wie der Hals im Kehlkopfbereich verschlossen ist. Trotzdem ich damit inzwischen relativ gut umgehen kann, mache ich mir Sorgen, dass dies einen chronischen Verlauf annehmen könnte.
Ich habe keine Berichte darüber gefunden, dass VCD durch eine Erkältung oder Husten ausgelöst werden kann und möglicherweise auch wieder verschwindet. Allerdings habe ich tatsächlich, wie mehrfach als Ursache angeführt wird, starke psychische Belastungen. Wissen sie oder jemand anderes in diesem Forum über etwaige Zusammenhänge.

Viele Grüße KausT
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 12.09.2012
Hallo KausT,
mich würde einmal interessieren wer denn die VCD diagnostiziert hat? Die Symptome entsprechen eher einem Reflux verursachten Krankheitsbild. Folgendes ist wichtig: 1. treten die Symptome nur nachts auf? 2. Falls auch tagsüber - sind die Beschwerden belastungsabhängig? Das entspräche dann nämlich einem EILO-Syndrom, das durchaus auch mit nächtlichen Atemnotattacken verbunden sein kann! 3.Es kann sich auch um eine supraglottische Obstruktion, bspw. durch ein Ansaugen der Epiglottis handeln. In diesem Falle kommt es praktisch immer, früher oder später, zu einem gastrooesophagealen Reflux, der ebenfalls genau diese Symptome verursachen kann.
In allen genannten Fällen bringt die Somnoskopie durch einen auf diesem Gebiet erfahrenen Endoskopiker entscheidende Hinweise auf die Genese (Krankheitsentstehung). Die Auslösung durch eine Erkältung schließt keineswegs die genannten Krankheitsbilder aus, da es nicht ungewöhnlich ist, dass durch eine Infekt eine Atemwegsobstruktion verschlimmert oder erstmals auffällig wird.
Ich hoffe die Info hilft weiter. Falls nicht bin ich auch eauf meiner Emailadresse "dr.schedler@[Link anzeigen]" erreichbar.
Gute Besserung wünscht Ihnen

Dr.Michael Schedler
 
OmaElse  sagt am 17.09.2012
Hallo docmick,
heute war endlich mein Termin im UKE-Hamburg und es ging eigentlich aus wie das sprichwörtliche Homberger Schießen! Die Untersuchung hat ergeben was ich schon wußte. Einseitige Recurrensparese.(sowie ich die Diagnose schriftlich habe, werde ich sie in den richtigen Begriffen schildern) Die Stellung des gelähmten Stimmbandes ist sehr gut, der Durchlass für die Atemluft etwas gering. Da ich aber mit der Stimme selbst keine Probleme habe ist der Istzustand akzeptabel. Um mir zu etwas mehr Luft zu verhelfen, könnte ein Teil des gelähmten Stimmbandes per Laser entfernt werden, was dann aber zu ständiger Heiserkeit führt und mir wurde davon abgeraten. Vor allem, weil es für mein Hauptproblem, den nächtlichen Stimmritzenkrämpfen, keine Verbesserung bringen würde und der Eingriff nicht mehr rückgängig zu machen wäre.
Mir wurde auch erklärt, dass die Stimmritzenkrämpfe möglicherweise durch Reflux verursacht werden, auch wenn ich subjektiv gesehen keine Magenprobleme habe.Es wurde mir geraten, etwas erhöht zu schlafen und ich bekam Pantoprazol-Activis 40 mg zur Prophylaxe. (mit dem Hinweis, nach gewisser Zeit evtl. etwas zur Vorbeugung gegen Osteoparose einzunehmen)
Mit der Behandlung und Untersuchung bin ich sehr zufrieden und alle meine vielen Fragen wurden erschöpfend beantwortet.
Also heißt es nun Kopf hoch und weiter so!

Liebe Grüße
Brigitte
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 18.09.2012
Hallo OmaElse,
die Idee mit dem Reflux ist ja schon mal nicht schlecht! Aber eins kommt mir spanisch vor: warum sollten bei einer einseitigen Recurrensparese nachts Stimmritzenkrämpfe auftreten? Und wieso ist bei angeblich normaler Funktion eines Stimmbandes der "Durchlass für die Atemluft" gering? Ich kann mir nur vorstellen, dass doch eine beidseitige Recurrensparese vorgelegen hat und sich ein Stimmband eben nur teilweise erholt hat; will heißen, dass der Glottis(Stimmritzen)spalt sich zwar öffnet, aber nur teilweise und eben nicht genügend weit, so dass man man doch von einer beidseitigen Recurrensschädigung (fachchinesisch Recurrensläsion) ausgehen muss! Die muß dann aber bitte schön gemäß den Empfehlungen für beidseitige Paresen behandelt werden!! Ich empfehle Ihnen sich mal bei Prof. Ptok Med. Hochschule Hannover oder bei Prof. Nawka Charite´ Berlin vorzustellen, das ist für Sie nicht so weit wie zu mir nach Ramstein. Prof. Ptok arbeitet erfolgreich mit Botox bei solchen Störungen und Prof. Nawka operiert diese auch, wie viele andere Phonochirurgen in Deutschland, u.a. auch ich, tun! Es ist übrigens falsch zu behaupten eine Laserglottiserweiterung führe zu "ständiger Heiserkeit" - ich habe im Gegenteil sogar schon öfters Stimmverbesserungen gesehen, wie Sie z.B. auch in diesem Forum nachlesen können. Nämlich Kommentare von Leuten, die bei mir diesen Eingriff durchgeführt bekamen. Gerade heute habe ich eine Lehrerin aus Leipzig operiert, die sehr große Angst vor der Op hatte, da für sie die Stimme natürlich besonders wichtig ist. Falls gewünscht stelle ich Ihnen gerne einen Telefonkontakt zu der Pat. her, die sich derzeit noch in unserer Klinik befindet. Ich möchte mich mit dieser Darstellung nicht brüsten, will aber doch einige Dinge klar stellen, die für viele Pat. von enormer Wichtigkeit sind.
Von Herzen alles Gute für Sie
Ihr Dr.Michael Schedler
 
schlucklos  sagt am 18.09.2012
Hallo. Das was OmaElse oben beschreibt, kenne ich seit einigen Jahren selber: ständig trockener Rachen, so daß ich immer Wasser dabei habe. Hustenreiz, Schluckstörungen in Form von gar nicht schlucken und atmen können (gefühlte minutenlang). Nachts davon aufwachen (Todesangst). Nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen können. Verschiedene Ärzte aufgesucht: HNO erzählt was von massiven Verspannungen im Nackenbereich und hat Osteopathie empfohlen. Selber hat er Hörtest gemacht = i. O. Eine spezielle Untersuchung der Stimmbänder wurde nicht gemacht. Beim Osteopathen behandelt worden: bei letztem Termin (O. hat Hals nach rechts unten gedreht) plötzlich wieder Schlucklähmung (wie ein Krampf). Puls jagt hoch. Halteband vom Kehlkopf ist wohl extrem "stramm". War auch schon als Notfall vorletztes Wochenende im Krankenhaus. Leider nur auf Internistischer Abteilung. Zum wiederholten Male Magenspiegelung: können dabei die Stimmritzen/-bänder geschädigt werden (ich hatte 2002 schon mal eine Magenspiegelung)? Leider hatte ich vor 4 Wochen ein sehr trauriges Erlebnis und habe mich danach noch mehr verspannt. Der Zustand mit Engegefühl und Druck auf Kehlkopf sowie von hinten in den Nacken lässt gar nicht mehr nach. 2009 wurde mal eine Schilddrüsenzyste entdeckt, die etwas auf die Luftröhre drückte. War aber mittig schon eingetrocknet, konnte also nicht punktiert werden. Habe Jodid erhalten, danach waren die Werte okay. Kann diese Zyste durch den Druck den Nerv geschädigt haben? Vom Zahnarzt soll ich auch die Kieferstellung kontrollieren lassen. Aber die Beklemmung ist doch im unteren Halsbereich. Ich bin jetzt Mitte 40 und soll auch den Hormonstatus kontrollieren lassen (Wechseljahre). Termin habe ich schon. Positiv allergisch getestet wurde ich akutell auf Sommergräser und im Jahr 2001 auf Cobalt. Ich weiß nicht mehr weiter und fühle mich von einigen Ärzten im Stich gelassen (psychosomatisch). Was kann ich sonst noch tun?
Vielen Dank für eine schnelle Antwort.
Claudia
 
schlucklos  sagt am 18.09.2012
Ich sollte ergänzend zu meinen obigen Ausführungen noch erwähnen, dass ich fast ständig einen Druck (wie unter Wasser) auf beiden Ohren verspüre. Dazu Druckschmerz (schon bei leichtem Drüberstreichen) unterm linken Unterkiefer (Drüse?),der sofort leichte Atembehinderung auslöst (als ob was nach drinnen gedrückt wird). Ohrenstiche und -kribbeln mit ab und zu richtigem Stechen. Meine Mandeln sind (leider) noch drin, die sich ständig in den Löchern vollsammeln. Wenn ich die dann mit dem Nagel meines kleinen Fingers leere, kommt eklig stinkendes Zeug raus. Aber danach bessert sich die Atmung für kurze Zeit. Das gleiche gilt nach Gabe von schleimhautabschwellenden Nasenspray (Nasic). Ich hab seit Mitte der 90 ér ein Loch in der Nasenscheidewand. 2002 wurde operativ versucht, dieses zu schließen (und nebenbei eine linksseitige Nasenscheidewandkrümmung zu beheben). Anfangs war alles okay, aber da ein winzig kleiner Spalt verblieb, ist das Loch nun doppelt so groß wie vorher und eine chronisch offene Wunde. Ständig muß ich Blutkrusten entfernen, die bis weit in den hinteren Raum ragen. Blut fließt dann auch in den ohnehin sehr trockenen und gereizten Rachenraum. Und auf künstliche Parfümstoffe reagiere sich seitdem allergisch: sobald ich auch nur in die Nähe von Parfüm komme, kriege ich Kratzen im Hals und die Nase wird oft dicht. Leider ist ja heutzutage alles parfümiert. Das ganze ist mir auch schon auf den Magen geschlagen.
Viele Grüße Claudia
 
Inibini  sagt am 18.09.2012
Hallo OmaElse,
ich bin besagte Patientin, von der Dr. Schedler oben schrieb.
Ich leide an einer bds. Recurrensparese und bin nach langen Zögern bei Dr. Schedler gelandet.
Alle Beschwerden, die Sie beschreiben hatte ich auch. Meine gelähmten Stimmbänder operieren zu lassen, habe ich mich nicht getraut, denn überall ist zu lesen, dass man nach dem Lasern zwar mehr Luft bekommt, aber die Stimme leidet. Das kann ich mir als Lehrerin nicht leisten.

Gestern wurde ich operiert- Laser-Glottiserweiterung. Bereits beim Aufwachen habe ich bemerkt, dass ich viel besser Luft bekomme, was für mich nach 16 Jahren ein wahrer Segen ist. Meine Stimme hört sich prima an, ich kann mit Sicherheit nach ein paar Logopädiesitzungen wieder arbeiten und ich glaube, dass meine Stimme besser sein wird, weil ich jetzt viel mehr Luft zum Sprechen habe.

Ich danke Dr. Schedler und seinem gesamten Team, besonders den Mitarbeitern der Bettenstation, für alles, was sie für mich getan haben. Mein Leben wird sich verändern.

Ihnen , OmaElse, alles Gute!
 
OmaElse  sagt am 19.09.2012
Hallo,
hier steh ich nun ich armer Tor, und bin so schlau als wie zuvor....
Dr. Schedler, vielen Dank für Ihre Antwort. Auch mir kommt alles ein wenig spanisch vor. Hier zunächst der Untersuchungsbefund in Fachsprache: Videoendoskopie: Respiratorisch Stimmlippenstillstand rechts in Medianstellung, Stimmlippen ansonsten reizlos, etwas Ödem bds. insgesamt Glottisspalt recht eng. Interaryteanoidales Ödem als Zeichen eines laryngopharyngealen Reflux.

Alleine dadurch, dass ich nun ein magensäurehemmendes Medikament einnehmen soll, geht es mir ja keinen Deut besser. Dies soll die Magensäure als potentiellen Trigger der ILO-Anfälle ausschließen. Selbst eine Magenspiegelung wurde mir vorgeschlagen. Nie im Leben, ich habe und ich hatte noch nie Magenprobleme und soll jetzt täglich ein Medikament einnehmen auf ein "vielleicht" hin?
Also, ich bin grad sehr ratlos!
Inibini, vielen Dank für Ihren Bericht, es ist schön zu hören, wie jemandem so gut geholfen wurde. Falls ich mich doch für eine Glottiserweiterung entscheiden sollte, würde ich auch nach Ramstein fahren, auch wenn es ein weiter Weg ist. Als gebürtige Schwäbin aus dem Raum Stuttgart fahre ich die Strecke eh sehr oft.
Ich muß jetzt ein paar Tage über alles nachdenken, obwohl ich merke, dass mir die intensive gedankliche Beschäftigung mit meinem "neuralgischen Punkt" nicht besonders guttut. Es macht mich traurig und ich habe Albträume und doch muß man täglich als Mensch funktionieren.
Liebe Grüße
Brigitte
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 21.09.2012
Liebe OmaElse,
ich verstehe Ihren Frust, muss aber doch sagen, dass die Kollegen mit der Verordnung einer Säurehemmung genau das getan haben, was ich auch verordnet hätte - und zwar auch dann, wenn Sie selbst der Auffassung sind, dass Sie keine Magenprobleme hätten! Die Refluxproblematik kann sehr vielgestaltig sein und muss nicht immer mit "Magenbeschwerden" im herkömmlichen Sinne einhergehen. Ich würde Ihnen versuchsweise eine maximale Säurehemmung mit 2x tgl. Pantoprazol 40 mg (morgens und vorm Zubettgehen)und zusätzlich 4x 25 Tropfen MCP (Paspertin),bei über 70 kg Gewicht 4x30 Trpf. verordnen. Ich habe sogar hierzu schon in Einzelfällen zusätzlich 2x 150 mg Ranitidin verordnet und erst hierunter dann einen Erfolg gesehen! Mir ist klar, dass viele Kollegen eine solche Kombination für übertrieben halten werden, aber mir hat sie sich in extremen Fällen bewährt.
Nocheinmal, Sie nehmen diese Medikamente nicht auf "ein vielleicht" hin, sondern es ist ein "Test", durch dessen Ausgang wir weitere Informationen bekommen werden. Falls keinerlei Besserung eintreten sollte, so wäre dies ein starkes Argument für einen operativen Eingriff! Also geben Sie Ihrem Herz eine Stoß und probieren Sie es!
LG und alles Gute
Ihr Dr.Michael Schedler
 
OmaElse  sagt am 24.09.2012
Hallo Dr. Schedler,
nachdem ich mich nun eingehender über die Refluxproblematik informiert habe und dabei auf den Begriff "stiller Reflux" gestossen bin, muß ich gestehen, dass mindestens 5 der 12 dort beschriebenen Symptome auf mich zutreffen. Vor allem an der Rachenrückwand abfließender Schleim (meine Nasennebenhöhlen sind laut CT von vor 4 Wochen frei),ständiges Räuspern, kratzen und Kribbeln im Hals.
Also habe ich vor drei Tagen mit der Einnahme von 2xtgl. Pantoprazol 40 mg begonnen. Es ist wirklich erstaunlich und auch ein wenig irritierend, da ist gar nix mehr zum abräuspern.....mein ganzer Rachenraum wirkt wie frisch geputzt und aufgeräumt. Sollte es so einfach sein? Ich wäre überglücklich darüber.
Nun werde ich dies einige Wochen beobachten und auch mit dem Befund des CT und der Videoendoskopie mit meinem HNO sprechen.
Ich werde über den weiteren Verlauf berichten und bedanke mich zunächst ganz herzlich für die Beratung und die unterstützenden, Mut machenden Worte von Ihnen.
Liebe Grüße
Brigitte
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 25.09.2012
@OmaElse, Sie sehen, dass es sich lohnt, wenn man seine Vorurteile überwindet, auch wenn man manchmal die Zusammenhänge nicht so ohne Weiteres versteht! Sind Sie nicht froh, dass sie den Versuch gewagt haben? Übrigens, ich würde auf alle Fälle zusätzlich MCP-Tropfen, wie oben beschrieben einnehmen, da die dafür sorgen, dass sich der Magen rechtzeitig entleert, auch wenn man nichts gegessen hat. Der Magen hat nämlich die Eigenart, wenn der Magensaft zu sauer ist, den Schließmuskel am Magenausgang solange geschlossen zu halten bis die Säure zu einem gewissen Grad neutralisiert ist (meistens eben durch Nahrungsaufnahme). Leider wird aber Magensäure nicht nur beim Essen produziert, sondern auch bei Aufregung, Stress, Zigarettenrauchen und anderen Dingen, von denen man es nicht erwartet. Außerdem kommt es nach einer gewissen Zeit auch zu einem "Gewöhnungseffekt" gegenüber Pantoprazol und anderen PPI, wie Omeprazol, Lansoprazol etc.! Also daran denken, dass Säurehemmung zwar gut ist, aber noch besser der Magen, wenn er nicht zum Verdauen gebraucht wird, leer sein sollte! Auch weniger saurer Reflux kann übrigens erhebliche Probleme machen, gerade im Rahmen des von Ihnen erwähnten "Stillen Refluxes"!
Sie sollte auf alle Fälle eine Schlaflabor Untersuchung und eine Somnoskopie durchführen lassen, da schlafbezogene Atemstörungen (wie z.B. Schlafapnoe) häufig mit einer Refluxproblematik in Verbindung stehen! Weiterhin alles Gute und scheuen Sie sich nicht, sich an mich zu wenden, falls sie noch Fragen haben sollten.
Weiterhin alles Gute wünscht Ihnen
Ihr Dr.Michael Schedler
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 14.10.2012
Liebe OmaElse,
würde mich nur interessieren, ob die Sache auch weiterhin funktioniert hat und Sie immer noch beschwerdefrei sind?
LG Ihr Dr.Michael Schedler
 
Nuna  sagt am 27.11.2014
Hallo Herr Schedler
Haben Sie je wieder einmal etwas vom Verlauf bei OmaElse gehört? Es würde mich nämlich auch sehr interessieren, da ich immer wieder mir Rachenentzündungen zu kämpfen habe. Auch jetzt leide ich wieder an einer Laryngitis, habe vom HNO Antibiotika bekommen und es bessert so langsam aber sicher nach dem dritten Tag.
Ich bin eine 38jährige Frau, nach Total OP der SD linksseitige Lähmung. Nehme täglich Euthyrox und Novothyral ein. Lungenfunktionstest ergab (wegen andauernder Atemnot und Engegefühl auf der Brust) knapp 70%. Nach der Therapie mit Singulair bin ich wieder auf 100%.
Meine Symptome sind jeweils:
Trockener Hals, Durstgefühl,viel Speichel
Linksseitig ein Gefühl von geschwollen sein, ein Kloss im Hals zu haben
Schluckweh und Ohrenschmerzen/druck

Sollte ich da vielleicht auch mal Abklärungen machen lassen betreffend Reflux? Ich schlafe wunderbar, mein Mann berichtet periodisch von einem Klacken, aber eher selten.
 
hansM  sagt am 08.05.2016
Hallo DocMick,

ich weiß, dass ich hier auf einen Uralt-Thread antworte, aber mir geht es ähnlich wie KlausT, und ich habe sonst nirgends entsprechende Fragestellungen/Antworten gefunden, weder online, noch von Ärzten.

Ich wäre Ihnen sehr für eine Einschätzung dankbar, weil mich die Sache ziemlich beunruhigt.

Angefangen hat alles mit einem einfachen Atemwegsinfekt vor knapp 5 Wochen.
(Ich leider unter leichtem Asthma, welches vor 6 Jahren aufgrund einer unbemerkten Allergie
erstmal aufgetaucht ist, mittlerweile aber nur noch bei Infekten auftritt.)

Ich bekam ein Cortison-haltiges Spray verschrieben, 2*tägliche Anwendung. Weil die Leukozythen erhöht waren, auch ein Antibiotikum.
Es stellte sich nach wenigen Tagen eine Heiserkeit ein, die bis heute anhält, mittlerweile aber etwas besser ist.
Der Atemwegsinfekt war bis auf die verbliebene Heiserkeit nach 2 Wochen weg (vom Pneumologen kontrolliert, Lunge OK).
Bin trotz Heiserkeit dann wieder in die Arbeit, für 2 Tage. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen ersten Anfall/Kehlkopf/Stimmritzenkrampf?.
War nachts, Kehlkopf plötzlich zu, Luft komplett weg, ich vermute für ca. 30 Sekunden, Todesangst.

Ich habe mich über das Internet sofort informiert, und erfahren, dass diese Krämpfe nicht tödlich sein können,
und bin dort an diversen Stellen auf das Krankheitsbild VCD gestoßen.

Nächster Tag HNO:
- VCD hält er für unwahrscheinlich
- Therapie: Nochmal Antibiotikum, Cortison oral, Pantoprazol 2*40 mg
- Krankschreibung eine weitere Woche
Tag für Tag sind die Anfälle häufiger geworden, ich denke z.T mindestens 10 in verschieden schwerer Form.
Erneuter Termin HNO, er hat mich an seine Kollegin, Phonetikerin, weiterverwiesen

Phonetikerin hat sich den Kehlkopf genauer angesehen, viele kleine Entzündungen dort gefunden.
Vermutung, dass durch Antibiotikum usw. Magen temporär geschädigt wurde, und die Anfälle durch reflux kommen. Therapie:
- Krankschreibung weitere 3 Wochen (bis Pfingsten)
- Ernährung umstellen, Spazierengehen beim Schlafen Oberkörper hoch lagern
- Reduktion Pantoprazol auf 1*40 mg
- Überweisung an Pneumologen + Magenspiegelung

Pneumologe:
- Lunge OK
- Veto gegen Magenspiegelung, solange Kehlkopf stark gereizt ist
- Therapie zusätzlich: Inhalieren, ständig Kaugummi-Kauen oder zuckerfreie Bonbons lutschen

Die Beschwerden sind nach Befolgung der Ratschläge vom Pneumologen bald besser geworden, dann aber stagniert, kann sein, dass sie aktuell noch ganz leicht besser werden.
Aktuell am Tag 0-2 tendenziell leichtere+kürzere Anfälle, Nachts 1-3. Bei verschlucken (Gestern 1* passiert) weiterhin schwere Anfälle.

Pneumologe und HNO gehen wohl davon aus, dass die Anfälle mit der Zeit von alleine aufhören,
VCD wird nicht vermutet, Stimmritzenkrämpfe sind es aber wohl definitiv.

Was mich stark beunruhigt ist:
- In allen Quellen online gibt es nirgends Hinweise auf Stimmritzenkrämpfe, die in einem Infekt einmalig auftreten,
und dann wegbleiben, es wird ausschliesslich vom wohl chronischen Leiden VCD berichtet.
- Ich habe das Gefühl, dass die Heiserkeit schon fast weg ist, aber der Rückgang der Anfälle staginiert.

Kennen Sie ein Krankheitsbild mit Stimmritzenkrämpfen, die mit einem Infekt(Kehlkopfentzündung) gehäuft auftreten, und dann wegbleiben? Gegen das von Ihnen angeführte EILO-Syndrom spricht, dass die ANfälle nicht durch Belastung kommen (allerdings habe ich seitedem auch keine Sport gemacht, nur leichte Gartenarbeit)

Oder muss ich jetzt jederzeit Angst haben, diese Krämpfe zu bekommen? Das zu wissen wäre mir sehr wichtig.

Danke im Vorraus für Ihre Einschätzung,

@KlausT (falls Sie das noch mitbekommen): Wie hat sich denn das Krankheitsbild weiter entwickelt? Was hat sich im Endeffekt herausgestellt? Wie geht es Ihnen jetzt? Würde mich interessieren..

Hans
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 08.05.2016
Das bei KlausT gesagte trifft auch bei Ihnen zu! Dass das Pantoprazol geholfen hat bestätigt nur meine Vermutung! Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit eine supraglottische Obstruktion, die Ihre Atembeschwerden triggert. Eine VCD ist wenig wahrscheinlich. Mit der gegenwärtigen Behandlung ist Ihr Reflux aber nicht ausreichend therapiert. Bitte erhöhen Sie auf 2x 40 mg Esomeprazol oder Pantozol und nehmen Sie zusätzlich Domperidon 10mg Tab 2x tgl. Außerdem sollten Sie eine ambulante Schlaflabor Untersuchung, sog Polygraphie durchführen lassen. Wichtig wäre hier v.a. der RDI, nicht nur der AHI. Zu was das bedeutet gerne mehr per Email. Bitte wenden Sie sich bei Bedarf an meine im Forum hinterlegte Emailadresse .
Alles Gute Ihr Dr Michael Schedler
 
hansM  sagt am 19.05.2016
Hallo Herr Dr. Schedler,

vielen Dank für die Tipps, die von Ihnen vorgeschlagenen Hinweise zur Dosierung der Medikamente haben eine sofortige Besserung gebracht. Hatte seitdem keinen einzigen Kehlkopfkrampf mehr.

Herzliche Grüße,
Hans
Portrait Dr.med. Michael GJ Schedler, Germanamerican Hospital, Ramstein, HNO-Arzt, Arzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Dr. Schedler  sagt am 02.06.2016
Das freut mich sehr! Trotzdem sollten Sie eine Polygraphie durchführen lassen, möglichst mit Bestimmung des RDI. Dies ist bspw mit dem sog Watch-PAT möglich. Für eine Bewertung in den einschlägigen Portalen Jameda, Sanego und Co wäre ich Ihnen dankbar.
Halten Sie mich auf dem Laufenden.
Beste Grüße Ihr
Dr Michael Schedler
 
GabiGab  sagt am 15.09.2016
Hallo Herr Dr. Schedler,
Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. ?
Ich habe seit ein paar Monaten CFS/M.E. Und bin damit sehr eingeschränkt. Vor ein paar Wochen habe ich eine Vitamin C Infusion erhalten (7,5 g) und habe eine Stunde später Kehlkopfkrämpfe bekommen. Die Krämpfe hielten bis vor 3 Tagen an, kamen häufig Nachts (3 bis 4 pro Nacht) und manchmal am Tage beim Essen oder einfach so beim Laufen. Nach 2 Tagen anhaltender Kehlkopfkrämpfe konnte ich nur noch flüssige Nahrung zu mir nehmen. Zum KAuen war auf einmal die Muskulatur zu schwach. Auch habe ich den Eindruck, dass die Zunge bei den Kaubewegungen verkrampft. Nun sind die Krämpfe seit 3 Tagen abgeklungen, ab und zu beginnt ein leichter Krampf, wenn ich versuche zu kauen. Feste Nahrung geht immer noch nicht, ich kann nur Püriertes Essen.
Beim HNO Arzt war ich, Endoskopie des Kehkopfes war unauffällig, ein paar Lymphknoten waren geschwollen. In der Rettungsstelle war ich auch schon. Dort gab es Buscopan für die Krämpfe, das hat aber nichts gebracht.
HaBen Sie eine Idee was ich machen kann oder an wen ich mich wenden kann?
Vielen Dank.
Freundliche Grüße

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