Die Krätze (medizinisch Scabies oder Acarodermatitis) ist eine infektöse Hauterkrankung des Menschen, die ausschließlich durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) hervorgerufen wird. Die Krätze wird zudem zur Gruppe der sexuell übertragbaren Erkrankungen gezählt. Es handelt sich vor allem um eine ansteckende und stark juckende Erkrankung.
Krätzmilben gehören wie alle anderen Milben zu den Spinnentieren und leben beim Menschen in der obersten Hautschicht, der Hornhaut.
Zunächst einige Angaben zur Krätzmilbe:
Erreger der Krätze ist die 0,2-0,5 mm große Krätzmilbe. Die befruchteten Milbenweibchen graben kleine Gänge in die Hornschicht der Haut und legen dort ihre Eier und Kot ab, aus denen sich nach etwa drei bis sechs Wochen geschlechtsreife Krätzmilben entwickeln. Aus den Eiern schlüpfen sechsbeinige Larven. Es entsteht eine neue Milbengeneration, welche die Gänge durchbohren, weiter auf die Hautoberfläche wandern und dort leben. Hier entwickeln sie sich zu den achtbeinigen Nymphen. Nach einem kurzen Reifevorgang entstehen daraus schließlich die Männchen und etwas verzögert die Weibchen. Männchen haben die Aufgabe der Befruchtung und sterben nach der Begattung ab. Dagegen gehen die Weibchen nach der Eiablage zugrunde. Für Milbenmännchen dauert die Gesamtentwicklungszeit etwa 9-14 Tage und für die Weibchen etwa 12 bis 21 Tage.
In der Haut des Betroffenen sind bis zu 1 cm lange Gänge erkennbar, die am Ende eine sichbare Erhebung aufweisen, in der das Milbenweibchen sitzt. Die Milbengänge sind häufig in Körpereinfaltungen wie Zehenzwischenräume, Genitalbereich, Achsenfalten oder aber auch an Brustwarzen, Handgelenken oder Fingern zu finden. Nach wenigen Wochen kommt es aufgrund der Milben-Exkremente zu entzündlichen Reaktionen der Haut. Die befallenen Stellen jucken stark, werden aufgekratzt und führen zu offenen geschwürartigen Wunden. Diese sind für Bakterien wiederum ein guter Angriffspunkt. So kommt es nicht selten zu bakteriellen Infektionen. Besonders Menschen mit Immunabwehrschwächen oder malignen Hauterkrankungen können von schweren Verläufen mit massivem Milbenbefall betroffen sein.
Bei der Krätze unterscheidet man einige Sonderformen:
Die Krätze kann sich schnell ausbreiten und kommt je nach Umfeld unterschiedlich häufig vor. Die Ausbreitungsgefahr ist im Herbst und Winter größer als zu anderen Jahreszeiten. Sie ist weltweit verbreitet und sehr ansteckend. Trotz verbesserter Hygiene und erhöhtem Lebensstandard breitet sie sich auch in Deutschland zunehmend aus. Milben leben von Zellflüssigkeit, Lymphe und Epidermiszellen.
In den 50'er Jahren gab es in den Industrieländern fast keinen Krätzevorfall mehr. Erst ab den 60'er Jahren trat die Erkrankung zusammen mit dem Anstieg der sexuell übertragbaren Krankheiten vermehrt wieder auf.
Das Ansteckungsrisiko ist besonders auf engem Raum sehr hoch. Nach dem Infektionsschutzgesetz ist Scabies eine meldepflichtige Erkrankung.
In der Familie und in Gemeinschaftseinrichtungen wie Jugend- und Altenheimen oder Krankenhäusern, wird die Erkrankung relativ schnell verbreitet. Besonders enge Hautkontakte wie Geschlechtsverkehr oder Stillen können erheblich zur Milbenverbreitung beitragen.
Es handelt sich um eine infektiöse Hauterkrankung, die durch bestimmte Parasiten verursacht werden, die den Körper besiedeln. Die Milbenentwicklung läuft vom Ei über ein Larven- und zwei Nymphenstadien zum adulten Tier ab. Beim Männchen dauert sie etwa 14 Tage und beim Weibchen etwa eine Woche länger. Nur die Weibchen legen Bohrkanäle in die Oberhaut (Epidermis) und deponieren hier ihre Eier und ihren Kot. Eine weibliche Milbe kann bis zu 60 Tage alt werden. Die Überlebenszeit beträgt außerhalb des Wirtes maximal 3-4 Tage. Ein einziges Milbenweibchen reicht schon aus, um eine Krätzmilbe auszubilden.
Die Grabmilben führen zu einer Reizung und Gewebszerstörung, es kommt zu einer Schädigung der Haut. Die Hautschädigung wird durch die auf die Haut auswandernden Larven zusätzlich verstärkt. Auch die Weiterentwicklung zu Nymphen und die auf der Haut lebenden Männchen und Weibchen reizen die Haut und führen zu weiteren Gewebsschäden.
Der Befall wird in zwei Phasen eingeteilt. Die erste Phase endet in zwei bis sechs Wochen nach Befallsbeginn. Ihr folgt die zweite Phase, diese ist vor allem durch allergische Abläufe bestimmt. Die Allergie wird durch Allergene ausgelöst, die über die Ausscheidungen oder über zerfallende Körper toter Milben ins Gewebe gelangen. Die Hautreaktion tritt auch oft an Stellen auf, die bereits vorher mit Milben oder anderen parasitären Gliedertieren befallen waren.
Die Krätzmilbe ist ein in ihrem Lebensraum auf den Menschen spezialisierter Parasit und kann außerhalb der Haut nur wenige Tage überleben.
Obwohl die Krätze oft mit unhygienischen Verhältnissen und Verwahrlosung assoziiert wird, hat sie nicht unbedingt mit unhygienischen Lebensverhältnissen zu tun. Sie wird vor allem durch engen Hautkontakt übertragen, also von Mensch zu Mensch. Besonders betroffen sind Alten- und Pflegeheime, Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser. Die Ansteckung erfolgt vor allem durch lang andauernden Körperkontakt oder Bettwärme. Daher ist das Übertragungsrisisko vor allem beim Geschlechtsverkehr und in der Familie am größten. Bei Patienten, die große Mengen an Milben auf beziehungsweise in der Haut haben, reicht schon ein kurzer Hautkontakt aus, um eine Infektion zu verursachen.
Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zur Ausbildung der Krankheit, beträgt in der Regel einige Wochen. Wenn viele Tiere übertragen werden, kann es schon innerhalb weniger Tage zu einem Ausbruch kommen. Hierbei spielt die Hygiene und die Funktion des Immunsystems der Betroffenen eine entscheidende Rolle. Betroffene mit einem guten Immunstatus und Menschen die häufig baden oder duschen, erschweren die Vermehrung der Milben. Jedoch ist die Krätze auf diese Weise nicht vollständig aufzuhalten.
Die Erstinfektion zeigt sich oft nach sechs Wochen. Die Symptome der Krätze werden durch eine Entzündung der Haut hervorgerufen und treten bevorzugt im Bereich der Handgelenke, Fingerzwischenräume, Ellbogen, Gesäß, Nabelregion, hinter den Ohren, Gelenkbeugen, Brust- und Achselbereich und in der Genitalregion auf. Diese Stellen werden vor allem deshalb bevorzugt, da die weiblichen Milben für ihre Gänge Körperstellen mit hoher Temperatur und dünner Hornschicht vorziehen. Es treten vor allem folgende Erscheinungen und Symptome auf:
Jede Person mit den oben genannten typischen Hautveränderungen ist zunächst Krätzeverdächtig, insbesondere dann wenn ein unerklärlich starker Juckreiz besteht.
In seltenen Fällen entnimmt man eine Hautbiopsie aus einer verdächtigen Stelle. Man kann die Milben auch selbst aus den Gängen durch Kratzen mit einem Rundkörperskalpell oder mit einem scharfen Löffel gewinnen.
Gelingt der Milbennachweis z.B. aufgrund einer starken, ausgebreiteten Überempfindlichkeitsreaktion mehrfach nicht, so kann man eine antiparasitäre Probebehandlung durchführen. Sie sollte als so genannte „Sicherheitsbehandlung" (Ganzkörper ohne Kopf) durchgeführt werden.
Besteht der Verdacht auf Befall mit Milben vom Tier oder mit freilebenden Milben, so werden auch hier Hautproben entnommen. Die Tier- bzw. Trugkrätze-Milben weichen morphologisch von der Krätzmilbe ab. Ihre Anzahl ist geringer als bei einem Krätzmilbenbefall.
Differentialdiagnostisch sollte man die Diagnose „Krätze" von folgenden Erkrankungen abgrenzen:
Die Krätze heilt nicht von selbst ab und bedarf daher einer medikamentösen Therapie mit speziellen Mitteln. Da die Erkrankung sich mit der Zeit verschlimmert, ist eine Therapie unbedingt notwendig. Wichtig ist vor allem das Partner und Familienmitglieder mitbehandelt werden sollten, auch wenn sie keine Symptome zeigen.
Zum Einsatz kommen so genannte Anti-Skabies-Mittel, die in der Regel nur einmal angewandt werden. Reicht eine einmalige Behandlung nicht aus, so kann die Therapie wiederholt werden. Die Medikamente sollen einerseits die Milbe vernichten und andererseits eine erneute Infektion verhindern.
Im Allgemeinen beginnt die Therapie mit einem Ganzkörper-Bad. Nach dem Bad sollte die Haut wieder trocknen und auf die normale Hauttemperatur abkühlen. Anschließend wird das gewählte Mittel angewandt. Das gewählte Antikrätzpräparat sollte vor dem Zubettgehen auf alle Befalls- und potentiellen Befallsstellen aufgetragen werden. Wichtig ist, dass die Behandlung den ganzen Körper mit Ausnahme von Gesicht und behaartem Kopf einbeziehen sollte. Eine Behandlung von Gesicht, Nacken und Kopfhaut kann bei Kleinkindern und im Falle von Scabies norvegica erforderlich werden.
Mittel zur oralen Behandlung der Krätze sind in Deutschland derzeit nicht zugelassen.
Die Krätze ist in der Regel gut behandelbar. Mit äußerlich angewendeten Lotionen ist die Krankheit in 95 Prozent der Fälle wirksam behandelbar. In den meisten Fällen bleibt jedoch der typische Juckreiz noch einige Zeit auch nach der erfolgreichen Therapie bestehen. Normalerweise kommt es nur infolge einer falschen Behandlung zu einem Therapiversagen. Werden zudem nicht alle Menschen aus dem persönlichen Umfeld der Betroffenen ebenfalls behandelt, so kann die Infektion bei Kontakt mit diesen Menschen häufig erneut auftreten. Die Krätze verläuft unbehandelt chronisch. Spontanheilungen sind jedoch auch nach Jahren möglich.
Betroffene die ihre Hygiene vernachlässigen, müssen oft mit Komplikationen rechnen: Die infizierten Hautstellen werden durch den Juckreiz aufgekratzt. Diese offenen Hautstellen können durch Baktereien besiedelt werden und weitere, schwerwiegendere Krankheitsbilder wie Wundrose oder Sepsis (Blutvergiftung) hervorrufen.
Durch verschiedene Maßnahmen kann man die Krätze (Scabies) vorbeugen:
Vergessen Sie nicht: Milben können bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchte höchstens zwei bis vier Tage außerhalb des menschlichen Körpers überleben. Dagegen sind sie bei Temperaturen um die 12 °C und feuchter Luft bis zu 14 Tagen lebensfähig.