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Magenballon bei Übergewicht

Was ist Adipositas?

Adipositas kommt aus dem lateinischen adeps und bedeutet Fett. Sie wird in der Medizin auch als Fettleibigkeit, Fettsucht oder Obesitas bezeichnet. Hierbei handelt es sich um ein starkes Übergewicht, der durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper mit krankhaften Auswirkungen gekennzeichnet ist. Adipositas wird heute als eine chronische Gesundheitsstörung angesehen. Liegt das Körpergewicht mehr als 20 Prozent über dem Sollgewicht, so spricht man von Übergewicht, Adipositas oder Fettsucht. Man errechnet das Sollgewicht mit dem Body Mass Index (BMI), welches den individuellen Konstitutionstyp mit berücksichtigt. Der BMI wird berechnet, indem man das Gewicht durch das Quadrat der Größe (in Meter) teilt (kg/m²).

Nach Definition der Welt-Gesundheits-Organistation (WHO), liegt eine Adipositas ab einem Körpermassindex (BMI) von 30 kg/m² vor. Liegt der BMI-Wert über 30, so ist das Übergewicht behandlungsbedürftig. Der BMI- Grenzwert von 30 gilt nur für Erwachsene Europäer und liegt z.B. für Asiaten deutlich niedriger.

Dagegen wird die Adipositas bei Kindern unter Berücksichtigung von Entwicklungsstand und Alter bestimmt.

Man unterscheidet drei Schweregrade der Adipositas. Zur Abgrenzung der Schweregrade wird ebenfalls der BMI herangezogen:

  • Normalgewicht - BMI= 18,5-24,9
  • Übergewicht - BMI= 25-29,9
  • Adipositas Grad I - BMI= 30-34,9
  • Adipositas Grad II - BMI= 35-39,9
  • Adipositas Grad III - BMI= Extreme Adipositas
    (Adipositas permagna oder morbide Adipositas) BMI ≥ 40

Bei der Bewertung der Adipositas berücksichtigt die WHO jedoch den Faktor Alter nicht. Eine leichte Zunahme des BMI ist mit zunehmendem Alter als normal zu beurteilen. Deshalb ist das Alter zu berücksichtigen. So ergeben sich demnach folgende Normalwerte des BMI:

Alter 19-24 - normaler BMI 19-24
Alter 25-34 - normaler BMI 20-25
Alter 35-44 - normaler BMI 21-26
Alter 45-54 - normaler BMI 22-27
Alter 55-64 - normaler BMI 23-28
über 65 Jahre - normaler BMI 24-29

Adipositas geht mit hohen Begleit- und Folgeerkrankungen einher und erfordert ein langfristiges Behandlungs- und Betreuungskonzept.
Jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist deutlich übergewichtig und sollte aus medizinischen Gründen sein Gewicht reduzieren. Übergewicht und Adipositas tragen hohe Kosten für das Gesundheitssystem. Etwa 5 % aller Gesundheitsausgaben werden in den Industrieländern für die Behandlung der Adipositas und ihrer Folgen ausgegeben.

1985 wurde die Deutsche Adipositas-Gesellschaft gegründet. Sie ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern und therapeutisch tätigen Experten und versucht die Öffentlichkeit auf dieses Gesundheitsproblem aufmerksam zu machen. Aufgrund der wachsenden gesundheitspolitischen Bedeutung der Adipositas ist dies heute besonders notwendig.

Ursachen der Adipositas

Die Ursachen der Adipositas sind vielfältig. So können folgende Faktoren als Auslöser in Frage kommen:

 

Erbanlage (genetische Disposition)

Die Entwicklung einer Adipositas kann zum Teil auch genetisch (mit)bedingt sein. Familiär bedingte Erbanlagen können die Entstehung einer Adipositas fördern. Das heißt aber nicht,  dass dieser Mensch im Laufe seines Lebens auch unbedingt übergewichtig wird. Eine genetische Veranlagung ist allein nicht ausreichend, damit sich eine Fettleibigkeit entwickelt.
Großen Einfluss auf das Körpergewicht haben vor allem das Essverhalten, Art des Essens, Menge des Essens und die Bewegung.

 

Gestörte Fettbalance

Die Adipositas kann auch als Ergebnis einer gestörten Fettbalance aufgefasst werden. In diesem Fall ist der Organismus nicht mehr in der Lage, die über einen längeren Zeitraum mit der Nahrung aufgenommene Menge an Fett zu verwerten. Dies führt zu einer vermehrten Fettspeicherung. Somit kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Fettaufnahme mit der Nahrung und der Fettverwertung. Eine gestörte Fettbalance kann folgende Ursachen haben:

  • übermäßige Fettaufnahme bei normaler Fettverwertung
  • verlangsamte Fettverwertung bei normaler Fettaufnahme, z.B. aufgrund mangelnder Bewegung 
  • eine Kombination der beiden erstgenannten Gründe

Eine vermehrte Fettspeicherung führt nicht zur Steigerung der Anzahl an Fettzellen, sondern zu einer Vergrößerung der einzelnen Fettzellen.

 

Ernährung, Lebensweise und mangelnde körperliche Bewegung

Zu viel und falsche Ernährung, sowie zu wenig Bewegung (Energieverbrauch) führen zu einer ungesunden Energiebilanz und zu erheblichen Gewichtsschwankungen. Empfehlenswert sind besonders ballaststoffreiche und proteinhaltige Nahrungen, da sie für die Verdauung mehr Energie verbrauchen. Auch die Fettqualität spielt eine wesentliche Rolle. Bestimmte Fette wie das LDL-Cholesterin werden vom Körper leichter eingelagert. Daneben können auch überschüssige Kohlenhydrate in Fett umgewandelt werden.

 

Seelische Faktoren

Essen hat nicht nur die Funktion der Energie- und Nährstoffzufuhr, sondern dient auch als Mittel zum Trost, zur Beruhigung und Belohnung. Dazu gehören vor allem Stress, Depression, Einsamkeit und Frustation. Diese Zustände werden meist mit Essen belohnt. So entsteht der so genannte Kummerspeck und schließlich eine Adipositas.

 

Krankheiten

Bestimmte Krankheiten können auch zu Fettleibigkeit führen. Hierzu gehören insbesondere Erkrankungen wie Schilddrüsen-Unterfunktion, Cushing-Syndrom (Störungen des Kortisonhaushaltes) oder Hirntumore.

Essstörung und Sucht liegen immer dann vor, wenn oft und ohne Hungergefühl zwanghaft große Mengen von Nahrungsmitteln verzehrt werden.

 

Sozio-kulturelle Faktoren

  • Bewegungsmangel
  • Sitzende Tätigkeit
  • Passive Freizeit wie Fernsehen oder Computerspiele
  • Waren-Überangebot
  • Falsche Erziehung: „Der Teller wird leer gegessen."
  • Essen als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung
  • Fastfood
  • Fertignahrung statt frisch gekochter Mahlzeiten
  • Farb- und Geruchsstoffe
  • Übergewicht als Schönheitsideal
  • Übergewicht als Zeichen für Wohlstand in manchen Kulturen
     

Nebenwirkungen von Medikamenten

Medikamente wie Insulin, Antdepressiva, Neuroleptika, Kortikosteroide, Betablocker und medikamentöse Verhütungsmittel weisen als Nebenwirkung definitiv eine Gewichtszunahme auf. Dagegen gibt es Medikamente wie Symphatikomimetika oder Viagra, die erst beim Absetzen den Effekt der Gewichtszunahme aufweisen.

Häufig tritt Adipositas in industrialisierten Ländern auf, da hier die Lebensbedingungen durch wenig körperliche Arbeit und Nahrungsüberfluss geprägt sind.
Viele Zivilisationskrankheiten hängen direkt mit dem Übergewicht zusammen. So verursacht die Adipositas nicht selten Entzündungen, Diabetes, Herzinfarkt und Krebs. Außerdem gilt Übergewicht als Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Arteriosklerose, Schlaganfall, Herzinfarkt u.a. Zudem bestehen ernsthafte Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat wie Gelenkschäden, Muskelverspannungen, Knochendeformitäten und Bandscheibenvorfall.
Die finanziellen und soziowirtschaftlichen Folgen von Übergewicht sind enorm.

 

Symptome durch Übergewicht

Die Verteilung des Körperfettes unterscheidet sich bei Mann und Frau. Eine hüft- und oberschenkelbetonte Birnenform ist typisch für den weiblichen Fettverteilungstyp, dagegen weist der Mann eine eher stamm- oder bauchbetonte Apfelform auf. Bei der Bauchfettsucht besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.

Adipositas führt zu einer Reihe körperlicher Beschwerden. Diese wären:

  • Atemnot und Kurzatmigkeit
  • anfallsweise auftretende und länger als zehn Sekunden anhaltende Atemmstillstände (Schlafapnoe-Syndrom)
  • Rückenschmerzen, vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • Kniebeschwerden, aufgrund der Überbelastung der Gelenke und der schnelleren Abnutzung.
  • verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • nässende Ekzeme zwischen Fettwülsten, z.B. bei Frauen unter dem Busen.
  • Stoffwechelstörungen wie erhöhte Blutfettwerte, erhöhter Blutzucker oder erhöhte Harnsäure (Gicht).
  • Seelische Probleme wie mangelndes Selbstwertgefühl.
  • Potenz- und Libidostörungen, z.B. Erektionsstörungen beim Mann.

Zudem stellt die Adipositas ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen dar:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Arterienverkalkung
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Herzinfarkt
  • Erhöhter Blutdruck
  • Schlaganfall (Insult)
  • Beinvenen-Thrombose
  • Diabetes Typ 2
  • Gallenblasenerkrankungen
  • Gicht
  • Gelenkschäden an Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenken

Neben den körperlichen Auswirkungen hat die Adipositas auch erhebliche psychische Belastungen zur Folge. Übergewichtige werden aufgrund der vorherrschenden Idealvorstellungen des Körpers, die durch Mode, Werbung und Filmindustrie geprägt sind, leicht ins Abseits gedrängt. Oft werden sie verspottet, gehänselt und flüchten sich häufig in soziale Isolation. Betroffene leiden oft unter psychischen Erkrankungen.

 

Diagnose der Adipositas

Die wichtigste Frage in der Adipositas-Sprechstunde ist die Frage nach dem Warum. Die Patienten kommen in der Regel mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen, Problemen, Erwartungen und Wünschen. So ist auch das Spektrum der Diagnostik sehr vielseitig.
Bei der Erstvorstellung wird der Patient über die Vorgeschichte der Gewichtsentwicklung befragt. Als nächstes folgt eine gründliche ärztliche Untersuchung: Größe, Gewicht, Blutdruck, Bauch- und Hüftumfang, internistische und neurologische Untersuchung. Bei der ersten Vorstellung und auch im späteren Verlauf wird mindestens einmal pro Jahr eine Nüchtern-Blutentnahme durchgeführt. Bei der Blutentnahme sucht man nach Hormonstörungen als Ursache der Adipositas und Störungen des Fett- und/oder Zuckerstoffwechsels als Folge der Adipositas.

Zusammengefasst sind nach den offiziellen „Leitlinien Adipositas 050/001" der AWMF im Vorfeld folgende Voruntersuchungen durchzuführen:

  • Körpergröße und -gewicht, Taillenumfang 
  • Klinische Untersuchung 
  • Nüchternblutzucker 
  • Cholesterin, Triglyzeride 
  • Harnsäure 
  • Kreatinin 
  • TSH, Dexamethason 
  • Albumin/Kreatinin-Ratio 
  • EKG

In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie Glukose-Belastungstest, Hormontestung, Messung von Körperzusammensetzung und Energieumsatz, sowie Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen sehr sinnvoll sein.

Zur Eingangsdiagnostik zählt zudem auch immer die Auswertung eines 3-5-Tage-Ernährungsprotokolls des Patienten, der gemeinsam mit einer Ökotrophologin erstellt wird. Besteht der Verdacht auf eine Entwicklungsstörung bei Kindern oder Probleme in der Schule, so kann eine psychologische Untersuchung sehr sinnvoll sein.

Besonders die Frage nach der sozialen Situation einer Familie ist wichtig, um bei der Umsetzung von Therapieempfehlungen helfen zu können, sofern dies notwendig ist. Sind die diagnostischen Untersuchungen in allen Bereichen abgeschlossen, so kann man erst dann eine geeignete Behandlungsform mit dem Patienten und evtl. der Familie gemeinsam festlegen.

 

Differentialdiagnose

Adipositas kann auch bei bestimmten Krankheiten oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Man sollte vor allem an folgende Krankheitsbilder denken:

  • Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose)
  • Störungen des Kortisonhaushaltes (Cushing-Syndrom)
  • Hirntumore
  • Sucht

 

Therapie und Magenballon

Zu den konservativen Therapieformen gehören Diät und medikamentöse Therapie. Versagen alle konservativen Behandlungsmethoden, dann kann die so genannte Adipositaschirurgie zum Einsatz kommen.

Chirurgische Therapie

Die Adipositaschirurgie umfasst verschiedene chirurgische Maßnahmen zur Bekämpfung des krankhaften Übergewichts. Die Wahl der Operationsmethode hängt von vielen Faktoren und den persönlichen Wünschen des Patienten ab. In der Regel können alle Operationen auch laparoskopisch durchgeführt werden. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Schnitt, durch den der Operateur unter Kamerasicht Instrumente in die Bauchhöhle einbringt und dadurch oftmals schonender und weniger komplikationsbehafteter operiert. Ein wichtiger Vorteil ist zudem die geringere Gefahr von Wundheilungsstörungen durch kleinere Narben.
Ein operativer Eingriff zur Gewichtsreduktion darf jedoch nicht als Allheilmittel angesehen werden. Als alleinige Maßnahme ist sie nicht sinnvoll und führt nicht zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion, wenn sie nicht zusätzlich durch Ernährungsumstellung, Verhaltenstherapie und Bewegungstherapie unterstützt wird. Man muss sich im Klaren sein, dass es sich bei der Adipositas um eine chronsiche Erkrankung handelt, die durch eine langfristige, über Jahre aufgebaute Therapie behandelbar ist. Alle anderen und kurzfristig durchgeführten Maßnahmen sind nicht erfolgsversprechend.

Voraussetzungen für eine chirurgische Therapie sind:

  • Body-Mass-Index > 40 
  • oder BMI > 35 mit Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Schlafapnoe, Arterielle Hypertonie usw.
  • Übergewicht, der seit mehr als 3 Jahren besteht. 
  • Alter zwischen 18 und etwa 65 Jahren. 
  • Konservative Methoden wie Ernährungsumstellung, Rehabilitationen oder Diäten bereits ausgeschöpft.
  • Keine Depression
  • Keine Suchtsymptomatik

Operative Maßnahmen sollten strengen Indikationen unterworfen werden und nur bei extremem Übergewicht angewandt werden. Man unterscheidet prinzipiell zwei Arten des operativen Vorgehens: Einmal die direkte Reduktion des Körperfetts wie Fettabsaugung oder Liposuktion und Eingriffe am Magen-Darm-Trakt, um eine Reduktion der Kalorienaufnahme zu erreichen. Direkte Eingriffe sind vor allem sinnvoll, wenn durch die Adipositas bereits Komplikationen wie Gelenkbeschwerden oder Hautschäden eingetreten sind. Eingriffe am Magen-Darm-Trakt haben das Ziel, ihn zu verkleinern oder Teile aus dem Verdauungsprozess auszuschalten. Damit soll zum einen, ein schnelleres Sättigungsgefühl und zum anderen, eine Verringerung der Verwertung der aufgenommenen Kalorien erreicht werden. Diese Eingriffe und Veränderungen können dauerhaft bestehen. Es gibt natürlich auch Operationen mit vorübergehender Wirkung z.B. die „Abschnürung" des Magens mit einem elastischen Band.

 

Restriktive Techniken

Durch diese Operationstechniken wird die Kapazität des Magens eingeschränkt. Die Erfolgsaussichten sind sehr unterschiedlich. Grob gesehen geht man von einer 60% igen Erfolgsquote aus. Die restlichen 40 % erzielen zwar auch eine Gewichtsreduktion, diese bleibt allerdings oft hinter den Erwartungen zurück. Die Erfolgsquote sinkt deutlich mit Ansteigen des BMI. Zu den restriktiven Techniken zählen:

 

Magenballon (BIB-System)

Laut Definiton der Metropolitan Life Insurance (1983) wurde das BIB-System als Hilfsmittel zur Gewichtsreduktion für solche Patienten entwickelt, die mindestens 40 % mehr als ihr Idealgewicht wiegen und mit anderen Maßnahmen keinen dauerhaften Gewichtsverlust erzielen konnten. Sie hat sich bei Patienten mit zu starkem Übergewicht und Patienten, die einem erhöhten Risiko lebenswichtiger Operationen unterliegen, als besonders nützlich erwiesen.

Es handelt sich hierbei um einen Ballon, der durch den Mund über die Speiseröhre bis in den Magen eingeführt wird. Das BIB-System besteht aus einem weichen, dehnbaren Ballon, einem Einsatzschlauch sowie einem Füllsystem. Mit dem Füllsystem kann der Arzt das Hilfsmittel zur Gewichtsreduktion oral einführen und wieder entfernen. Eine Operation ist nicht erforderlich. Befindet sich der leere Ballon im Magen, wird er mit steriler Kochsalzlösung oder Luft gefüllt. Im gefüllten Zustand ist der Ballon so groß, dass er weder durch die Speiseröhre noch in den Dünndarm wandern kann. Er schwimmt lediglich frei im Magen und füllt den Magen partiell. Die Patienten haben ein Gefühl der Sättigung.
Wie bereits erwähnt handelt es sich hierbei um keinen chirurgischen Eingriff. Der Arzt führt zunächst mit Hilfe einer Endoskopiekamera eine Magenuntersuchung durch und setzt den Ballon erst dann ein, wenn keine Abnormalitäten festgestellt werden. Wichtig ist hierbei, dass der Ballon in einem kompakten, ungefüllten Zustand eingeführt wird. Durch die Oberflächenanästhesie zur Betäubung des Kehlkopfbereichs wird der Schluckprozess erleichtert. Unter Umständen können auch Muskelrelaxanzien verwendet werden. Sobald der Ballon im Magen angekommen ist, wird er durch einen kleinen, am Ballon eingebrachten Füllschlauch mit einer strerilen Kochsalzlösung gefüllt. Nach dem Füllvorgang wird der Katheter wieder vorsichtig entfernt. Der Ballon ist mit einem selbstdichtenden Ventil ausgestattet. Nach dem ganzen Vorgang schwimmt er nun frei im Magen. Insgesamt dauert es 20-30 Minuten bis der Ballon eingesetzt wird. Anschließend wird der Patient noch eine Weile ambulant überwacht und dann entlassen.

Da sich im Magen nun ein  Fremdkörper befindet, empfindet man schon nach einer geringen Nahrungsaufnahme einen gefüllten Magen.

Die Kosten des Magenballons betragen etwa 4.000 Euro und sind somit relativ hoch. Außerdem kann der Magenballon nur maximal sechs Monate im Magen verbleiben. Längere Einsatzzeiten werden nicht empfohlen. Grund dafür ist, dass der säurehaltige Mageninhalt das Ballonmaterial im Laufe der Zeit schwächt und so eine Ballonentleerung herbeiführen kann. Eine Deflation (Entleerung) des Ballons kann unter Umständen gar nicht bemerkt werden. Deshalb fügt der Arzt meist der Ballonfüllung einen Farbstoff hinzu. Eine frühzeitige Deflation erkennt man somit durch eine Farbveränderung des Urins. Bei Verdacht auf eine Deflation sollte der Arzt sofort verständigt werden.

Der Ballon ist klein genug um den Darm zu passieren. Er wird in der Regel auf natürliche Weise aus dem Körper ausgeschieden. Es gab aber auch Fälle, wo er chirurgisch aus dem Darm entfernt werden musste.

Empfiehlt der Arzt, den Ballon länger als sechs Monate zu verwenden, so muss er alle sechs Monate durch einen neuen Ballon ersetzt werden. Während der Einsatzzeit des Ballons sind Medikamente zur Reduktion der Magensäure zu empfehlen, da sie die Wahrscheinlichkeit von Magenreizungen und Beschädigung des Ballons verringern.

Nach sechs Monaten kann der Magenballon aber auch durch ein Magenband oder eine Gastroplastik ersetzt werden.

Die Entfernung des Magenballons erfolgt in der Regel genauso wie er eingesetzt wurde. Die Patienten erhalten vor der Entfernung ein Muskelrelaxans und Oberflächenanästhesie zur Betäubung der Kehle. Unter Anwendung einer Endoskopiekamera wird ein Katheter durch den Mund in den Magen eingeführt. Der Ballon wird punktiert, entleert und im entleerten Zustand gefasst und wieder entfernt.

 

Gastroplastik und Magenband

Bei einer Gastroplastik wird ähnlich wie bei einem Magenband ein kleiner Vormagen (Pouch) gebildet. Durch diesen Pouch wird nur eine begrenzte Nahrungsmenge aufgenommen. Der wesentliche Unterschied von Gastroplastik zum Magenband besteht darin, dass der Durchlass (Stoma) zum Restmagen nicht durch die Implantation eines steuerbaren Magenbandes verengt wird, sondern durch Klammernähte, die den operativ ausgebildeten Pouch vom Restmagen bis auf einen kleinen Durchlass abtrennen. Die Klammernähte werden aus Sicherheitsgründen oft gleich mehrfach ausgeführt.

Die Gastroplastik ist technisch weniger anspruchsvoll als die Implantation eines Magenbandes. Ein wichtiger weiterer Vorteil sind die Kosten. Gastroplastiken können billiger durchgeführt werden. Dagegen kann das Magenband bis zu 1.600 Euro (je nach Fabrikat) teuer sein.

In einigen Fällen kam es jedoch zu teilweise gerissenen Klammernähten, die eine erneute Operation erforderlich machten, um einen erneuten Gewichtsanstieg zu vermeiden. Auch eine Feineinstellung des Stomas wie beim Magenband ist bei der Gastroplastik leider nicht möglich. Zudem ist sie nur bedingt reversibel. Daher sind Gastroplastiken in letzter Zeit seltener geworden.

 

Roux-en-Y-Magenbypass

Bei dem Roux-en-Y-Magenbypass handelt es sich um ein Verfahren, bei der durch eine Verkleinerung des Magens eine Restriktion der Nahrungsaufnahme erzeugt werden kann. Zudem wird die Darmpassage verkürzt, damit es eine sehr geringe malabsorptive Komponente gibt. Daher spricht man hier auch von einer auf Restriktion beruhenden Technik mit malabsorptiven Nebenwirkungen. Bei diesem Verfahren ist jedoch der so genannte Dumping-Syndrom sehr gefürchtet. Hierbei handelt es sich um die Übelkeit nach dem Verzehr von Süßigkeiten.

Bei den meisten Patienten erreicht man eine schnellere und größere Gewichtsreduktion als wie beim Magenband. Allerdings ist auch hier, wie beim Magenband nach mehreren Jahren eine leichte Gewichtszunahme möglich. In der Regel handelt es sich um 5-10 % des verlorenen Gewichtes.

 

Restriktiv-Malabsorptive Verfahren

Biliopankreatische Diversion mit Duodenalschwitch

Der duodenale Switch (Umstellung) ist eine Weiterentwicklung der biliopankreatischen Diversion. Sie besitzt jedoch den Vorteil, dass der Magenpförtner noch vorhanden ist und somit ein so genanntes „Dumping" verhindert. Es verhindert also eine Sturzentleerung von Zucker aus dem Restmagen mit nachfolgender Blutzuckerregulation und Nebeneffekten, z.B. Übelkeit oder Schweißausbruch. Der Schlauchmagen hat ein Gesamtvolumen von etwa 80-120 ml.

Bei dieser Technik wird der Duodenalstumpf verschlossen und der Zwölffingerdarm mit dem Ileum (Teil des Dünndarms) verbunden.

Die Ergebnisse hinsichtlich Gewichtsverlust und Lebensqualität sind überzeugend.

 

Malabsorptive Verfahren

Biliopankreatische Diversion nach Scopinaro

Die biliopankreatische Diversion (Teilung) ist eine Weiterentwicklung des intestinalen Bypasses. Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Roux-en-Y-Magenbypass. In Bezug auf den Gewichtsverlust handelt es sich um eine äußerst effektive Therapie. Sie ist aber sehr anspruchsvoll und wegen der möglichen Komplikationen nach der Operation und im Langzeitverlauf potentiell gefährlicher. Es handelt sich um eine Magenteilentfernung mit Belassen eines Restmagens, das ein definiertes Volumen von 200-250 ml aufweist. Der Restmagen wird mit dem unterem Dünndarm verbunden und ermöglicht einen raschen Shunt in den unteren Dünndarm (Ileum).

Das Gewicht wird durch die Umleitung der Verdauungssäfte (bilopankreatische Diversion) über eine permanente, verringerte Aufnahme (selektive Malabsorption) für Fett und Stärke, gehalten. Der obere, ausgeschaltete Dünndarmanteil wird wiederum mit dem unteren Dünndarm verbunden, etwa 50 cm vor dem Übergang in den Dickdarm. Sie enthält sämtliche Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse und die Galle aus der Leber. Durch diese Technik wird die resorptive Dünndarmfläche für Fette und Stärke so stark verkleinert, dass nur noch kleine Mengen verdaut und vom Körper aufgenommen werden können. Die Eiweißaufnahme wird geringfügig reduziert und einfache Zuckerbindungen ungehindert aufgenommen. Der so genannte Common Channel beträgt dabei 50 cm.

 

Sonstige Verfahren

Magenschrittmacher

Das System besteht aus einem implantierbaren Gastrostimulator (IGS), einem Leitungsdraht sowie einem Programmiergerät, Lesestift und Softwarepaket für den Arzt. Der IGS ist etwa so groß wie eine Taschenuhr (60 x 54 x 10,3 mm) und wiegt um die 55 g. Auch hier gelten die gleichen Indikationen wie beim Magenband. Man rechnet hier mit einem Gewichtsverlust von maximal 30 Prozent. Das heißt wiederum, dass sie bei einem BMI > 45 nicht besonders sinnvoll erscheint. Es handelt sich um ein sehr teures System, welches von der Kasse nicht bezahlt wird. Zudem sollte man bedenken, dass zum Tausch der Batterien erneute Operationen notwendig sind, die wiederum mit weiteren Kosten verbunden sind.

Dünndarm-Bypass

Hier handelt es sich um ein Verfahren, bei dem lediglich der Dünndarm funktionell verkürzt wird. Dadurch sollen die mit der Nahrung zugeführten Nahrungsbestandteile nicht verdaut werden. Diese Technik wird heute nicht mehr durchgeführt, da sie zum Teil zu tödlichen Nebenwirkungen und Komplikationen geführt hat.

Die Adipositaschirurgie ist nicht im Regelleistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung enthalten. Sie kann aber als Einzelfall immer beantragt und von der Kasse finanziert werden. Voraussetzung ist jedoch der Nachweis über das Ausschöpfen der so genannten  konservativen Methoden zur Gewichtsabnahme.

 

Prognose

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland ein Anstieg der Prävalenz beobachtet. Im Jahre 1999 hatte nur die Hälfte bis ein Drittel der Bevölkerung einen BMI < 24,9. Im Jahre 2003 waren 12,3 % der Männer und 11,3 % der Frauen ab 18 Jahren adipös, dass heißt sie hatten einen BMI von 30 oder höher. Nach neuesten Untersuchungen sind 37 Millionen Erwachsene und 2 Millionen Kinder übergewichtig oder adipös. Jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche leidet an einer Essstörung und 30% der Erwachsenen bewegen sich zu wenig.
Die Patienten müssen sich bewusst werden, dass die Anlage zum Übergewicht immer erhalten bleibt, auch nach einer Gewichtsreduktion. Es haben sich nur langfristige Behandlungskonzepte bewährt. Ein Drittel aller adipösen Patienten schaffen mit Motivation und konsequenter Behandlung eine langfristige Gewichtsminderung.

 

Hinweise für Patienten

Entscheidend ist vor allem eine positive Motivation. Sie sollten folgende Tipps und Maßnahmen beachten:

  • Nur langfristige Behandlungskonzepte sind erfolgsversprechend.
  • Eine gelungene Blitzdiät führt meist zu einer noch stärkeren Gewichtszunahme (Jo-Jo-Effekt).
  • Nur die langfristige Umstellung der Ernährung und Lebensweise führt zu einem Erfolg.
  • Bei einem BMI über 25 sollten Sie ihren Lebensstil ändern und unbedingt abnehmen.
  • Bei einem BMI-Wert über 30 sollte eine Therapie mit Hilfe von Beratung angestrebt werden, z.B. Diätberatung oder Verhaltenstherapie.
  • Mit einer Psychotherapie können die individuellen Ursachen für die Essstörung identifiziert und alternative Verhaltensweisen erlernt werden.
  • Mit dem BMI erhöht sich das Mortalitätsrisiko.
  • Günstige Voraussetzungen für eine Gewichtsreduktion sind: höhere Intelligenz, hoher sozialer Status, starke subjektive Beschwerden, später Beginn der Übergewichtigkeit, messbare Gesundheitsstörungen und eine starke Persönlichkeit.
  • Bei allen Adipositaschirurgischen-Maßnahmen müssen Sie lebenslang Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß einnehmen.
  • Adipöse Patienten sollten nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit ihr Gewicht reduzieren,
  • Bei bestimmten Erkrankungen wie Tuberkulose oder Krebs ist eine Behandlung von Übergewicht nicht sinnvoll. Diese Erkrankungen bringen sowieso eine Gewichtsreduktion mit sich.

Hilfreich für den Erfolg sind:

  • mindestens 500 kcal weniger essen als verbrauchen
  • Mindesttrinkmenge von 2,5 bis 3 Liter
  • Schweißtreibende Bewegung: 3 bis 5-mal wöchentlich, 30 bis 60 Minuten.
V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

verfasst am 18.09.2008, aktualisiert am 18.04.2012.
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fragt fatma   vor 9 Monate  21

Wo finde hallo wo finde ich ihre praxis in offenbach ich würde gerne einen Termin vereinbaren bitte um Rückmeldung und eine telefon nummer mit ... mehr

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