Youtube
Folgen Sie uns auf  

FUT und FUE-Methode der Haartransplantation

Lesezeit: 5 Min.

Als besonders gelungen gilt die Haartransplation, wenn man nicht registriert, dass ein Eingriff durchgeführt wurde...

Einleitung

Als besonders gelungen gilt eine Haartransplantation für Patienten und Arzt, wenn man trotz neuer Haarlinie und -fülle nicht registriert, dass ein Eingriff durchgeführt wurde das Ergebnis erscheint natürlich. Der Blick zentriert sich anstatt auf die haarlose Stirn wieder auf die Hauptcharakteristika des Gesichts Augen, Nase, Mund und steigert die durch den Haarverlust geminderte Prägnanz in der sozialen Interaktion. Diese Natürlichkeit ist von den technischen Aspekten ebenso abhängig wie von der Größe der verwendeten Transplantate (Grafts).

Wesentliche Fortschritte und Verbesserungen sind in diesem Feld der kosmetisch-ästhetischen Chirurgie folglich immer mit der Verwendung zunehmend kleinerer Grafts und entsprechend subtilerer Implantationsmethoden einhergegangen. Der Endpunkt dieser Entwicklung ist heutzutage mit der Verwendung der kleinsten natürlichen Haargruppierung erreicht, der Follikulären Einheit (engl. Follicular Unit, FU). Eine solche anatomisch vorgegebene Einheit, die aus 1 bis 4 Haaren besteht, weist eine gemeinsame Bindegewebsscheide auf, hängt einem gemeinsamen Hautmuskel an und wird von einem gemeinsam Nerven- und Blutgefäßgeflecht versorgt. Ihre Verwendung erhebt die sogen. FU-Techniken zum Goldstandard der modernen Haartransplantation und ist ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal zur Erzielung eines optimalen, eben natürlichen Ergebnisses.

Standardtechniken sind die FUT  (Follicular Unit Transplantation)  und die FUE (Follicular Unit Extraction), die sich in der Art der Entnahme der Follikulären Einheiten unterscheiden, nicht aber bzgl. des Umgangs mit den Transplantaten nach der Bergung wie auch der Implantationsmethode an den schütteren oder kahlen Arealen des vormals behaarten Schopfes   folglich entsprechen sich die Transplantationsergebnisse im Empfängerareal, ohne dass sich die beiden Methoden diesbezüglich unterschieden.


FUT (FollicularUnitTransplantation) und FUE (FollicularUnitExtraction)

Die FUT-Methode, auch als Streifentechnik bezeichnet, ist schneller und weniger aufwändig. Am Hinterkopf wird ein zuvor bzgl. der Anzahl Follikulärer Einheiten bedarfsgerecht ausgemessener Streifen Haares entnommen, die Entnahmestelle mit einer konventionellen fortlaufenden Technik vernäht oder mit einer Hautlammernaht versorgt.
Bei der FUE-Methode hingegen werden die einzelnen Follikulären Einheiten in einem Schrotschuß-Muster mit einer sehr feinen Stanze (Durchmesser ca. 1mm) einzeln entnommen ein wesentlich subtileres, für das OP-Team aber auch anstrengenderes und zeitaufwändigeres, folglich kostenintensiveres Verfahren.

Narbenbild

Entsprechend der Entnahmemethode unterscheiden sich die beiden Verfahren also im Wesentlichen  durch das Narbenbild am Hinterkopf. Bei der FUT verbleibt günstigerweise eine feine Narbe, die unter anderem auch durch spezielle Verschlusstechniken (Trichophytic Closure) optimiert und aufgelöst werden kann. Die FUE hingegen hinterlässt einen nur bei Suche und genauer Betrachtung sichtbaren Sternenhimmel kleinster Narbenpünktchen.

Aufarbeitung und Handling der Grafts

Die Aufarbeitung der einzelnen Follikulären Einheiten unter dem Stereomikroskop ist definitionsgemäß ein integraler Bestandteil des Eingriffs: kein Mikroskop, keine FU-Methode! Nur hierdurch ist gewährleistet, dass die einzelnen Einheiten sauber, sprich unter Wahrung der mikroskopisch-anatomischen Grenzen, getrennt werden: die FU bleibt als physiologische Einheit erhalten, die Anwachsraten sind hoch. Wird überschüssiges Gewebe sauber und schonend entfernt, können die Einsetzkanäle am Transplantationsort sehr klein gehalten werden (0,7 - 1,2 mm), was erhebliche Vorteile birgt: die kumulativ resultierende Gesamtwunde, folglich das Operationstrauma selbst, fällt geringer aus, Heilungsprozesse laufen schneller ab, der für das Graft-Überleben wichtige Wiederanschluss an Blut-, Sauerstoff- und Nährstoffversorgung geht schneller vonstatten. Durch die optimale optische Kontrolle ist eine sehr präzise Schnittführung möglich, die eine größtmögliche Schonung der FUs bei minimalem Verschnitt garantiert, wodurch konsekutiv das Spenderareal des Patienten für mögliche Folgeeingriffe geschont wird.In der Zeitspanne außerhalb des Körpers sind die Transplantate besonders gefährdet, zum einen gegenüber Austrocknung, zum anderen durch den weiter ablaufenden Zellstoffwechsel, der zu einer Selbstvergiftung führt. Die Umgebungsbedingungen zwischen Hebung und Wiedereinsetzen der Grafts sind also für das Überleben extrem wichtig. Zum einen muss gewährleistet sein, dass eine permanente Lagerung in einer physiologischen Lösung erfolgt, die das Körpermilieu imitiert. Zum anderen sollte diese Flüssigkeit optimalerweise auf 4 Grad Celsius gekühlt sein, wodurch der Stoffwechsel auf ein Mindestmaß reduziert wird. Des Weiteren müssen die Grafts auch bei der Bearbeitung unter dem Mikroskop stets feucht gehalten werden. 

Setzen der Stichkanäle

Unter der Maßgabe der Verwendung von FUs, die unter Beachtung vorgenannter Empfehlungen gewonnen werden, haben die Einsetzkanäle, die an den schütteren und kahlen Stellen gestochen werden, den größten Einfluss auf ein natürliches Ergebnis. Die hierzu verwendeten, feinsten Skalpelle werden möglichst genau an die individuelle Größe der FUs des Patienten angepasst, wobei Breite und Länge des Schnittblattes unter Beachtung gewisser Multiplikatoren auf das Volumen der FU und die Tiefe des angestrebten Sitzes der Haarwurzelspitze abgestimmt werden. Hierdurch wird ein präziser Sitz gewährleistet, der die FU in der gewünschten Ausrichtung verankert. Die zum Wiederanschluss an Blutgefäß- und Nervenversorgung zu überbrückenden Wachstumsstrecken wie auch die Diffusionsstrecken der Nährstoffe sind hierdurch optimal kurz. Die Tiefe der Einstiche ist limitiert, wodurch das unterliegende Gefäßsystem geschont werden kann.
Die Einsetzkanäle selbst müssen in Raumebene und Rotation die natürliche  Haarwuchsrichtung an eben diesem Implantationsort genau imitieren nur so kann ein optimales, nicht sichtbares, da natürliches Ergebnis erzielt werden.


Verteilung der Grafts

Die differenzierte Verteilung der Grafts unterschiedlicher Stärke (1-4 Haar-Follikel) ist eine weitere wesentliche Voraussetzung für ein natürliches Ergebnis. Insbesondere die Kreation der zuvor mit dem Patienten festgelegten Haarlinie bedarf  besonderer Aufmerksamkeit und Konzentration. So soll der Übergang von der haarlosen Stirn zum behaarten Schopf fließend sein, die Haarlinie darf nicht unnatürlich symmetrisch und gerade, somit als scharfe Grenzlinie erscheinen. Hierzu ist eine kulissenartige, mit feinsten Einzelhaaren beginnende Staffelung von FU-Einheiten ansteigenden Kalibers erforderlich, die zudem eine hohe Dichte aufweisen müssen, um die Durchsicht durch die frontale Haarlinie auf die dahinterliegende Kopfhaut zu verwehren.

In den Zonen des frontalen Stirnlocken- und Brückenbereiches wiederum müssen kräftige FUs in schindelnd-überlappender Technik angeordnet werden, um eine möglichst gute Deckung und die Illusion des vollen Haares bei vergleichsweise geringer FU-Dichte zu gewährleisten.

Einsetzen der Grafts

Auch das Einsetzen der Grafts ist eine Kunst für sich erst nach spezialisiertem Training gelingt es unter Verwendung besonders feiner Pinzetten, die Transplantate einzubringen, ohne sie zu schädigen. Insbesondere die nicht sichtbare, so genannte Bulge-Region muss hierbei geschont werden, da sie das Zellreservoir für die Regeneration der Haarwurzel beherbergt.
Die Stichkanalöffnung muss unter Verwendung einer Lupenbrille identifiziert werden. Die Einsetzrichtung ist zwar durch den Kanal vorgegeben, nicht desto trotz sind zur präzisen und schonenden  Ausrichtung bei einem Kanaldurchmesser von minimal 0,7mm genaue Kenntnisse bzgl. der Haarwuchsrichtung erforderlich. Nur so ist gewährleistet, dass das Transplantat ohne wesentliche Stauchung und wiederholtes Nachfassen zügig implantiert wird. Wie die Verteilung der Grafts in Bezug auf  die FU-Größe und somit Deckung und Dichte zu erfolgen hat (s.o.), wird durch wiederholte Rücksprache mit dem Operateur festgelegt.


Fazit

Durch Verwendung der Follikulären Einheit in Kombination mit genauer Imitation der Haarwuchsrichtung und gekonnter Verteilung der Grafts unterschiedlichen Kalibers kann mit FUE und FUT unter Beachtung der vorgenannten Kautelen das derzeit optimale, da natürlichste Ergebnis durch Haartransplantation erzielt werden. Die Verfahren sind als Goldstandard der herkömmlichen Methodik zu betrachten. Da allerdings kaum Optimierungspotential besteht, zeichnen sich weit reichende Entwicklungen in der Behandlung des Haarausfalls weniger im Bereich dieser etablierten Verfahren ab, als dass sie in den Bereichen der Gen- und Stammzellforschung zu erwarten sind.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass eine gelungene Haartransplantation nur dann zu erzielen ist, wenn der Eingriff durch hoch spezialisiert ausgebildete, dauerhaft trainierte, motivierte und selbständig-verantwortlich arbeitende medizinisch-technische Mitarbeiter im eingespielten Team und in permanenter Kommunikation mit dem behandelnden Arzt ausgeführt wird.

Letzte Aktualisierung am 04.03.2015.
War dieser Artikel hilfreich?

Arztsuche

Ärzte
Portrait Dr. Pejman Boorboor, Parkklinik Hannover, Hannover, Plastischer Chirurg Dr. P. Boorboor
Plastischer Chirurg
in 30655 Hannover
Portrait Annette Ulatowski, Rein ästhetisch, Wermeldkirchen, Plastische Chirurgin A. Ulatowski
Plastische Chirurgin
in 42929 Wermeldkirchen
Dr. P. Boorboor
Plastischer Chirurg
in 20148 Hamburg
Alle anzeigen Zufall

15 Tipps zum Abnehmen
Mit diesen praktischen Tipps nimmst du ganz leicht ab! Hier gratis anfordern