Bei chronischen Schmerzen ist es oft nötig, regelmäßig Schmerzmedikamente einzunehmen, da ein Patient sonst unter ständigen Schmerzen leiden würde.
Es gibt viele verschiedene Arten des chronischen Schmerzes, zum Beispiel bei Krebspatienten, nach Bandscheibenvorfällen, Unfällen, als Nervenschmerzen und viele andere Schmerzarten. Allen diesen Schmerzen ist gemeinsam, dass sie chronisch auftreten und den eigentlichen Sinn eines Schmerzes, nämlich eine Warnfunktion und ein Anstoß zur körperlichen Schonung, nicht mehr erfüllen, sondern eine Belastung für den Schmerzpatienten darstellen und ihn in seinem Alltag in unterschiedlich starken Maß behindern.
Bei diesen chronischen Schmerzen ist es wichtig, dass der Patient nicht nur dann Schmerzmedikamente einnimmt, wenn die Schmerzen auftreten, sondern die Medikamente nach einem festen Schema eingenommen werden, um den Schmerz gar nicht erst auftreten zu lassen. Dazu wurde von der WHO (World Health Organisation, Weltgesundheitsorganisation) ein Stufenschema entwickelt, nach dem sich die medikamentöse Behandlung eines Schmerzpatienten richten soll. Natürlich ist neben der medikamentösen Behandlung auch die nicht medikamentöse Behandlung wichtig, je nach Patient und Schmerz zum Beispiel Krankengymnastik, Akupunktur, Wärme- und Kälteanwendungen und vieles mehr. Diese nicht medikamentösen Behandlungen sind auf jeder Stufe der medikamentösen Behandlung angebracht. Dabei bildet die medikamentöse Schmerzbehandlung oft die Vorraussetzung für andere Therapieoptionen, denn ein Mensch der starke Schmerzen hat wird beispielsweise nur sehr schwer oder gar keine Krankengymnastik machen können. Werden die Schmerzen aber durch Medikamente genommen oder gelindert lässt dies auch eine weiterführende Behandlung und eine Mobilisation des Patienten zu.
Bei dem Stufenschema der Schmerztherapie werden drei Stufen der Behandlung unterschieden. Grob eingeteilt wird dabei nach leichten, mittelstarken und starken Schmerzen. Normalerweise wird der behandelnde Arzt auf der ersten Stufe beginnen und, wenn dies nicht ausreicht, auf höhere Stufen der Behandlung ausweichen. Bei Patienten mit starken Schmerzen kann aber auch gleich auf einer höheren Stufe begonnen werden.
Auf allen Stufen ist es wichtig, dass die Schmerzmedikamente regelmäßig und nach einem festen Zeitplan eingenommen werden. Damit wird im Körper des Patienten immer ein möglichst gleich bleibender Wirkspiegel, also die gleiche Dosis erreicht und so genannte Schmerzspitzen werden vermieden.
1. Stufe - NSAR
2. Stufe - NSAR, Leichte Opioide
3. Stufe - NSAR, Starke Opioide
4. Stufe - NSAR, Starke Opioide, Invasive Maßnahmen
Auf allen Stufen:
+ nicht-medikamentöse Therapie#
+ Bedarfsmedikation Erste Stufe des Schema
Auf der ersten Stufe wird ein weniger stark wirksames Schmerzmittel, ein so genanntes Nicht-steroidales Antiphlogistikum (NSAR) in einem festen Zeitschema eingenommen. In diese Gruppe von Arzneimitteln fallen Schmerzmittel, die meist neben der schmerzstillenden Wirkung auch antientzündlich (antiphlogistisch) und fiebersenkend wirken. Sie entfalten ihre Wirkung an der Stelle, wo der Schmerz entsteht und hemmen dort die Produktion und die Weiterleitung von körpereigenen Stoffen, die die Information Schmerz an das Gehirn weiterleiten.
Gemeinsame Nebenwirkungen dieser Medikamente sind:
Die Medikamente können im Magen-Darm Trakt Störungen von Unwohlsein und Sodbrennen bis hin zu Magenblutungen und Magengeschwüren auslösen, besonders bei Patienten, die ohnehin einen empfindlichen Magen haben. Diese Gefahr besteht insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Kortison.
Vertreter dieser Medikamentengruppe sind beispielsweise:
und viele andere.
Ist die schmerzstillende Wirkung der ersten Stufe nicht ausreichend wird auf die zweite Stufe des Schemas weitergegangen. Bei der zweiten Stufe werden ein NSAR, wie in der ersten Stufe gebräuchlich, mit einem leichten Opioid-Analgetikum kombiniert. Beide Medikamente werden wieder in einem festen Zeitschema eingenommen.
Opioidanalgetika sind Schmerzmedikamente, die dem Opium abgeleitet sind, heutzutage gibt es in dieser Gruppe viele verschieden Vertreter, die aber alle eine ähnliche Wirkweise haben und hauptsächlich zentral, also im Gehirn, wirksam sind.
Gemeinsame Nebenwirkungen sind:
Vertreter dieser Medikamentengruppe sind beispielsweise:
und andere.
Bringt auch die zweite Stufe des Schemas keine ausreichende Besserung für den Schmerzpatienten wird auf die dritte Stufe des Schemas übergegangen.
Dabei wird ein NSAR aus der ersten Stufe des Schemas mit einem stark wirksamen Vertreter der Opioidanalgetika, wie in der zweiten Stufe, kombiniert. Die Wirkungen und Nebenwirkungen sind dabei wie in der zweiten Stufe beschrieben.
Vertreter dieser stark wirksamen Opioidanalgetika sind zum Beispiel:
und viele andere.
Manchmal wird auch eine vierte Stufe des Schemas beschrieben, diese beinhaltet dann zusätzlich zu den Medikamenten der dritten Stufe weitere, so genannte invasive Verfahren der Schmerztherapie. Dazu gehören zum Beispiel Schmerzkatheter oder auch Schmerzpflaster. Diese Maßnahmen kommen hauptsächlich bei Krebspatienten in einem späten Stadium zum Einsatz, finden aber mehr und mehr auch bei anderen Formen des chronischen Schmerzes Anwendung.