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Regionalanästhesie und eventuelle Narkose Kinder

Lesezeit: 7 Min.

Möglichkeiten der Betäubung für Kinder

Regionalanästhesie und vergleichbare Methoden

Bei Kindern ist für Operationen und auch für bestimmte Untersuchungen eine Vollnarkose erforderlich. Dennoch kann auch eine Regionalanästhesie, also eine Schmerzhemmung in einem größeren Körperbereich, hinreichend sein oder auch zusätzlich zur Narkose vorgenommen werden. Gängige Methoden der Regionalanästhesie sind die Periduralanästhesie (PDA), die Spinalanästhesie und die Armplexusanästhesie. Bei kleinen Eingriffen genügt es oftmals, eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) vorzunehmen.

Wann kommt eine Regionalanästhesie des Kindes in Frage?

Die Methoden der Regionalanästhesie bei Kindern können zu einigen verschiedenen Anlässen eingesetzt werden. Im Allgemeinen dient die jeweilige Art der Regionalanästhesie oder die Narkose dazu, die Operation, die Behandlung oder die Untersuchung reibungslos und für das Kind schmerz- und angstfrei durchführen zu können.

Eine Periduralanästhesie oder eine Spinalanästhesie kann für viele operative Eingriffe am Bein vorgenommen werden. Ebenso kann sie bei einem Teil der Operationen im unteren Bauchbereich, in der Leistengegend oder am Damm erfolgen.

Die Armplexusanästhesie kann bei vielen Eingriffen im Bereich des Armes, der Hand oder der Schulter eingesetzt werden. Kleinere Eingriffe können unter Umständen mit einer Betäubungsspritze (Lokalanästhesie) durchgeführt werden.

Bei Kindern, insbesondere bei Kleinkindern, ergibt sich bei vielen Operationen die Problematik, dass bei einer örtlichen Betäubungsmethode nicht genügend Einsicht und Ruhigbleiben möglich ist und der junge Patient sich beispielweise zu viel bewegt oder Angst bekommt. Daher kann nicht nur bei chirurgischen Eingriffen, die von sich aus eine Narkose benötigen, sondern auch bei kleineren Operationen oder verschiedenen Untersuchungen eine Vollnarkose angezeigt sein. Zu diesen Untersuchungsmethoden, die eine Narkose benötigen können, gehören beispielsweise Röntgenaufnahmen oder Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie).

Welche Voruntersuchungen werden durchgeführt?

Vor dem Eingriff erfolgt eine grundlegende Diagnostik, ob Erkrankungen vorliegen könnten, die ein Risiko für die Betäubung (Regionalanästhesie oder auch Narkose) sowie für die jeweilige Operation darstellen. Zu den angewendeten Methoden gehören neben der Befragung des Patienten und der Eltern (Anamnese) die körperliche Untersuchung sowie in manchen Fällen ein EKG und eine Blutuntersuchung. Gegebenenfalls sind weitergehende Untersuchungen in Bezug auf besondere Problematiken oder Krankheiten erforderlich. Wichtig ist ebenso der Ausschluss von Allergien gegen eingesetzte Narkosemittel und weitere Wirkstoffe.

Durchführung der Regionalanästhesie (Kinder)

Bei einer Regionalanästhesie wird im Gegensatz zur Vollnarkose nur ein Teil des Körpers betäubt, und der Patient bleibt bei Bewusstsein. Es kann allerdings sinnvoll sein, ein Schlaf- oder Beruhigungsmedikament zu geben (z. B. für einen Dämmerschlaf). Gespritzt werden können bei einer Regionalanästhesie örtliche Betäubungsmedikamente (Lokalanästhetika) oder schmerzhemmende Wirkstoffe (Opioide).

Häufig eingesetzte Varianten der Regionananästhesie sind die Spinalanästhesie und die Periduralanästhesie (PDA, Epiduralanästhesie). Zunächst erfolgt eine örtliche Betäubung der Einstichstelle. Bei der Spinalanästhesie befindet sich die Injektionsstelle im Lendenbereich, die Periduralanästhesie kann im Brust- oder Lendenwirbelbereich oder auch am Kreuzbein vorgenommen werden.

Bei der Periduralanästhesie (PDA, Epiduralanästhesie) wird das Betäubungsmedikament zwischen die beiden Schichten der harten Rückenmarkshaut injiziert. Die Wirkung beginnt nach ungefähr einer Viertelstunde. In den meisten Fällen wird ein feiner Katheter in diesen Zwischenraum eingeführt, um erneut oder auch kontinuierlich Betäubungsmittel hineinpumpen zu können. Die richtige Position des Katheterendes wird durch bildgebende Verfahren, z. B. durch eine Röntgen- oder eine Ultraschalluntersuchung, kontrolliert. In der Zeit nach der Operation können durch den Katheter auch Schmerzmittel eingepumpt werden.

Bei der Spinalanästhesie erfolgt die Einspritzung in die das zentrale Nervensystem umgebende Flüssigkeit (Liquor) innerhalb der Wirbelsäule. Die Wirkung tritt bereits nach einigen Minuten ein.

Bei beiden Methoden verspürt der Patient nach dem Wirkungseintritt ein Taubheits- und Wärmegefühl in den Beinen und im Unterleib. Eine Bewegung der Beine ist für die Zeit der Betäubung nicht oder kaum noch möglich.

Spinalanästhesie und Periduralanästhesie können auch miteinander kombiniert werden (combined spinal and epidural anaesthesia, CSE). Die Verfahren ergänzen sich gut, da der Wirkungseintritt bei der Spinalanästhesie schnell geschieht und durch den Katheter bei der Periduralanästhesie im Verlauf die Betäubung effektiv weitergeführt werden kann. Die verabreichte Menge der Wirkstoffe kann dadurch vermindert werden.

Eine weitere Methode der Regionalanästhesie für Kinder ist die Armplexusanästhesie. Dabei wird das hauptsächliche Nervengeflecht des Armes (Plexus brachialis) betäubt. Dieser Armplexus zieht vom Rückenmark in Richtung Arm und dient der Nervenversorgung der Schulter und des Armes. Ein Wirkstoff zur Ausschaltung der Schmerzleitung wird für die Plexusanästhesie in die Umgebung des Nerven eingespritzt, der den (sensiblen) Bereich versorgt, in dem der Eingriff erfolgen soll. Bei der Armplexusanästhesie kann es zu einem kurzen unangenehmen Gefühl wie bei einem elektrischen Schlag kommen. Ansonsten bestehen meist keine Schmerzen beim Einstich, da vorher eine örtliche Betäubung des Areals erfolgt. Es kann ein spezieller Stimulator eingesetzt werden, um anhand von kurzen Muskelbewegungen zu erkennen, ob die Injektionsnadel richtig positioniert ist. Es dauert ungefähr eine Viertelstunde, bis die Armplexusanästhesie vollständig wirkt und der Arm schlaff und gefühllos wird. Für einige Stunden lässt sich der Arm dann nicht mehr oder kaum noch aktiv bewegen.

Es gibt mehrere Einspritzpunkte, je nachdem, welcher Bereich durch die Plexusanästhesie betäubt werden soll. Eine Injektion in die so genannte Gefäß-Nerven-Scheide im Achselhöhlenbereich des Armplexus dient der Betäubung von Hand, Unterarm und teilweise auch dem Oberarm. Unter das Schlüsselbein wird meist gespritzt, um den kompletten Arm von der Schulter abwärts zu betäuben. Über dem Schlüsselbein schaltet eine Betäubungsspritze vornehmlich die Schmerzen in Anteilen von Unterarm, Oberarm und Ellenbogen aus. An den Halsbereich erfolgt eine Spritze wiederum, wenn eine Schmerzhemmung an der Schulter bis zum Oberarm erforderlich ist. Falls die Schmerzhemmung länger andauern soll, z. B. auch zu einer Nachbehandlung, kann ein Katheter so eingelegt werden, dass der Wirkstoff über diesen kleinen Schlauch kontinuierlich oder immer wieder eingebracht wird.

Manchmal wird eine Vollnarkose nötig

In einigen Fällen ist eine Narkose (Allgemeinanästhesie) sinnvoll, oder es muss von einer Spinal- oder Periduralanästhesie in eine Narkose gewechselt werden. Dies ist der Fall, wenn die Betäubung durch die Methoden nicht hinreichend ist oder wenn die Wirkstoffe sich zu stark im Körper verteilen. Wenn eine Narkose eingeleitet wird, kann das Kind nichts mehr bewusst wahrnehmen und verspürt auch keine Schmerzen mehr. Vergleichbar ist der Narkosezustand etwa mit einer Tiefschlafperiode.

Bisweilen werden Narkosemittel oder andere Medikamente verwendet, die lediglich eine Zulassung für erwachsene Patienten besitzen. In diesem Fall ist ein besonderes Gespräch zwischen Arzt und Eltern notwendig, um Nutzen und Risiken zu klären. Eine Einverständniserklärung ist bei Einsatz des jeweiligen Wirkstoffes vor dem Eingriff erforderlich.

In vielen Fällen wird mit Hilfe einer Nadel ein Zugang in die Vene gelegt und die Wirkstoffe zur Narkose dort hineingespritzt. Insbesondere bei kleineren Kindern kann die Einleitung der Narkose mit gasförmigen Wirkstoffen sinnvoll sein, die über die Atemluft gegeben werden, also oftmals über eine Maske (Maskennarkose) oder manchmal auch über einen Beatmungsschlauch (Intubationsnarkose). Falls die Operation länger dauert, kann mehrmals erneut das Mittel gegeben werden oder stetig eingeleitet werden.

Beatmungsvorrichtungen werden benötigt, um die ausreichende Zufuhr von Sauerstoff zu gewährleisten. Neben der Atemmaske kann auch ein Schlauch (Tubus) sinnvoll sein, der in die Luftröhre gelegt wird (Intubation). Ein Vorteil der Intubation ist, dass kein Speisebrei aus dem Magen und keine Speichelflüssigkeit in die Atemwege gelangen. Um den Tubus einzuführen, müssen Wirkstoffe zur Muskelerschlaffung (Muskelrelaxantien) gespritzt werden. Diese sind meist auch für die jeweilige Operation von Vorteil. Ein modernes System zur Beatmung ist die Larynxmaske, eine Maske, die sich über dem Kehlkopf befindet. Die Larynxmaske stellt gewissermaßen einen Kompromiss aus Maske und Tubus dar.

Im Zuge einer Operation in Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) kann zusätzlich eine Regionalanästhesie sinnvoll sein, da hierdurch eine geringere Wirkstoffmenge genügt, um die Schmerzhemmung zu erzielen.

Weitere Möglichkeiten der Schmerzhemmung bei Kindern können die Plexusanästhesie am Bein, die intravenöse Regionalanästhesie (Gabe des Betäubungsmittels mit spezieller Abschnürtechnik in eine Vene) sowie die örtliche Betäubung sein.

Mögliche Komplikationen der Betäubung

Neben den Risiken durch die Operation selbst können auch durch das Betäubungsverfahren Komplikationen verursacht werden. Schwerwiegende Auswirkungen treten allerdings sehr selten auf. Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse im Einstichbereich können vorkommen. Entzündungen (z. B. Abszesse = abgekapselte Entzündungsherde), Reizungen oder abgestorbene Gewebestellen können nicht ausgeschlossen werden. Eine Infektion kann sehr selten auch über die Blutbahn im Körper verteilt werden (Sepsis). Wird ein Nerv geschädigt, so kann es zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen kommen. Bei versehentlicher Injektion der Medikamente in eine Arterie (Schlagader) können die Wirkungen verstärkt werden. Unter Umständen können dadurch weitere Probleme entstehen.

Allergische Reaktionen verschiedenen Schweregrades, insbesondere durch die eingespritzten Mittel, sind möglich. Bisweilen kann Übelkeit und Erbrechen hervorgerufen werden. In manchen Fällen zieht sich die Luftröhre krampfartig zusammen. Eine ausgesprochen seltene, aber lebensgefährliche Komplikation ist die maligne Hyperthermie, bei der es durch Stoffwechselverschiebungen zu starker Temperaturerhöhung kommt.

Durch die Spinal- und Periduralanästhesie können mehrere Tage anhaltende schwere Kopfschmerzen verursacht werden. Äußerst selten können diese allerdings wesentlich länger andauern. Blasenentleerungsstörungen können auftreten, verschwinden allerdings im Regelfall wieder von selbst. Außerst selten kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen.

Bei der Armplexusanästhesie kann es selten zu einem Durchstich in Richtung Lunge kommen. Dabei kann sich unter anderem eine die Atmung behindernde Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand ausbilden.

Nach einer Intubation oder der Verwendung einer Larynxmaske kann ein Reizzustand im Hals mit Schmerzen und Husten bestehen. Nicht auszuschließen sind Verletzungen im Rachenbereich, an den Stimmbändern sowie auch an den Zähnen.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Erfolgsaussichten der Regionalanästhesie und anderen Verfahren

Durch die Auswahl des geeigneten Verfahrens, gegebenenfalls auch einer guten Kombination, kann in den meisten Fällen eine effektive Schmerzausschaltung während des Eingriffs bei nur geringer Belastung des Organismus ermöglicht werden. Die weitere Prognose richtet sich nach der Operation beziehungsweise der Grunderkrankung.

Hinweise

Vor der Operation

Vor der Einleitung dieser Anästhesiemaßnahmen muss der junge Patient eine bestimmte Zeit mehr oder weniger nüchtern bleiben. Bis sechs Stunden vorher dürfen kleinere Portionen gegessen und getrunken werden, ab diesem Zeitpunkt ist Essen, Trinken sowie auch Rauchen nicht mehr erlaubt. Bis zu zwei Stunden vorher dürfen allerdings noch geringe Mengen Wasser, Tee oder Limonade getrunken werden. Eventuell notwendige Arzneimittel können auch noch kurz vorher mit etwas Wasser genommen werden. Bei Nichtbeachtung muss der Arzt darüber informiert werden, gegebenenfalls muss der Eingriff verschoben werden.

Möglicherweise müssen Medikamente, falls das Kind diese regelmäßig bekommt, in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden.

Körperschmuck (inklusive Piercings), Kontaktlinsen und Ähnliches muss vor dem Eingriff abgelegt werden. Auch Kosmetika sollten weggelassen werden.

Nach der Operation

Eine Überwachung und Behandlung auf der Intensivstation kann sich an die Operation anschließen. Zunächst kann es erforderlich sein, den Patienten vor Verletzungen zu schützen, wenn noch Narkose-Nachwirkungen bestehen. Hierzu kann beispielsweise ein Bettgitter installiert werden.

Falls die Operation unter ambulanten Bedingungen erfolgt, so muss beachtet werden, dass das Kind aufgrund der teils noch bestehenden Medikamentenwirkung für 24 Stunden nicht für die aktive Teilnahme am Straßenverkehr geeignet ist. Weitere Arzneimittel sollten in dieser Zeit nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte baldmöglichst der Arzt kontaktiert werden.

Narkose | Regionalanästhesie



V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 29.08.2016
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