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Narkose Herzchirurgie

Lesezeit: 5 Min.

Narkose bei herzchirurgischen Eingriffen - Erwachsene und Jugendliche

Viele Operationen am Herzen bedürfen einer Narkose (Allgemeinanästhesie). Dies ist ein Zustand, bei dem durch bestimmte Wirkstoffe das Bewusstsein komplett ausgeschaltet ist und somit der Patient weder Schmerzen verspürt noch sich an die Zeit der Narkose erinnern kann. Bei herzchirurgischen Eingriffen können weitere Zusatzmaßnahmen von Seiten der Anästhesie (Narkosemedizin) angezeigt sein. Diese dienen hauptsächlich der Überwachung der lebenswichtigen Funktionen.

Wann ist in der Herzchirurgie eine Narkose angezeigt?

Ein Großteil der Herzoperationen, beispielsweise Herzklappenoperationen oder Bypass-Operationen, bedürfen einer Vollnarkose. Unter diesen Voraussetzungen der Narkose und der Überwachungsmaßnahmen kann der jeweilige Eingriff am Herzen durchgeführt werden.

Untersuchungen vor Narkose und OP

Vor dem Eingriff erfolgt eine grundlegende Diagnostik, ob Erkrankungen vorliegen, die ein Risiko für die Narkose sowie auch für die jeweilige Operation darstellen. Zu den angewendeten Methoden gehören neben der Befragung des Patienten (Anamnese) eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung, eine Röntgenuntersuchung der Brusthöhle (Röntgen-Thorax) und ein EKG (Elektrokardiogramm). Speziell bei Herzeingriffen erfolgt eine erweiterte Diagnostik des Herz-Kreislauf-Systems. Gegebenenfalls sind weitergehende Untersuchungen in Bezug auf andere spezielle Problematiken oder Krankheiten erforderlich. Wichtig ist ebenso der Ausschluss von Allergien gegen eingesetzte Narkosemittel und weitere Wirkstoffe.

Die Durchführung der Narkose bei Herzeingriffen

Parallel zur Narkose selbst sind bei einem herzchirurgischen Eingriff einige Überwachungsmaßnahmen angezeigt. Diese dienen der Kontrolle der Herztätigkeit, des Kreislaufs und der Atmung. Komplikationen und Probleme können auf diese Weise rasch erkannt werden, so dass mit weiteren Maßnahmen umgehend begonnen werden kann, wenn sie notwendig sind.

Vor der Einleitung der Narkose werden Elektroden zur EKG-Ableitung angebracht. Ein klammerartiger Sensor wird an einem Finger befestigt, um den Sauerstoffgehalt des Blutes zu kontrollieren.

Ein spezieller Katheter wird in eine Arterie an der Hand oder der Leiste eingeschoben. Hiermit ist eine Blutdruckmessung direkt innerhalb der Schlagader möglich. Auf einem Bildschirm werden die gemessenen Werte ständig dargestellt. Ebenfalls wird über den arteriellen Katheter wiederholt Blut abgenommen, um den Gehalt an Sauerstoff sowie weitere Parameter bestimmen zu können.

Daraufhin wird mit der Narkose begonnen, bei der der Patient nichts mehr bewusst wahrnehmen kann. Es werden auch keine Schmerzen mehr verspürt. Vergleichbar ist der Narkosezustand etwa mit einer Tiefschlafperiode. Bei der Narkose (Allgemeinanästhesie) wird mit Hilfe einer Nadel ein Zugang in die Vene gelegt. Die Wirkstoffe werden dort hineingespritzt. Falls die Operation länger dauert, kann mehrmals erneut das Mittel injiziert werden oder stetig eingeleitet werden. Manchmal empfiehlt sich auch die Gabe eines Narkosemittels über die Atemluft, also über den Beatmungsschlauch (Intubationsnarkose). Der Schlauch (Tubus) wird normalerweise ohnehin bei einem solchen Eingriff in die Luftröhre gelegt (Intubation) und wird benötigt, um die ausreichende Zufuhr von Sauerstoff zu gewährleisten. Somit kann auch kein Speisebrei aus dem Magen und keine Speichelflüssigkeit in die Atemwege gelangen. Um den Tubus einzuführen, müssen Wirkstoffe zur Muskelerschlaffung (Muskelrelaxantien) gespritzt werden. Diese sind meist auch für die jeweilige Operation von Vorteil.

Während der Narkose wird ein zentraler Venenkatheter (ZVK) gelegt. Dies ist ein feiner Plastikschlauch, der über einen Einstich durch eine Nadel in eine Vene am Hals oder unter dem Schlüsselbein eingeschoben wird. Die Spitze des Katheters wird in der oberen Hohlvene (Vena cava superior) platziert. Die richtige Position wird anhand eines EKG oder einer Röntgenuntersuchung, eventuell mit Kontrastmittel, überprüft. Über den ZVK kann unter anderem der Blutdruck in der Hohlvene (zentraler Venendruck) bestimmt werden und Blut für Untersuchungen abgenommen werden. Ebenfalls können dem Körper Flüssigkeit, Nährstoffe und Arzneimittel über den zentralvenösen Katheter zugeführt  werden.

Nicht immer angewendet wird der Lungenarterienkatheter. Dieser ist ebenfalls ein feiner Schlauch aus Kunststoff, der bei bestehender Narkose in eine Vene am Hals oder unter dem Schlüsselbein eingeschoben wird. Über die obere Hohlvene und den rechten Anteil des Herzens (Vorhof und Kammer) wird der Katheter mittels Blutdruckkontrolle oder mittels Röntgendurchleuchtung in der Lungenschlagader positioniert. Am Ende des Katheters befinden sich ein Temperaturmessgerät und eine Ballonvorrichtung. Mit dem Lungenarterienkatheter können eine Blutdruckmessung in der Lungenstrombahn (Pulmonaldruck) erfolgen, der Pumpmechanismus des Herzens kontrolliert werden und weitere Messwerte bestimmt werden.

Ebenfalls möglich, aber nicht immer notwendig ist ein Herzultraschall über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie, TEE). Dafür wird eine spezielle Ultraschallsonde in die Speiseröhre bis auf Höhe des Herzens vorgeschoben. Ermöglicht wird durch dieses Verfahren eine genaue Kontrolle verschiedener Herz- und Schlagaderfunktionen wie beispielsweise Herzklappenbeweglichkeit, Pumpmechanismus oder Herzvolumen. Auch eine eventuelle Blutgerinnselbildung kann durch die TEE nachgewiesen werden.

Meist wird zu einem Herzeingriff auch ein Blasenkatheter gelegt. Die Bestimmung des anfallenden Urins kann ebenfalls der Kontrolle weiterer Werte dienen, die mit dem Herz-Kreislauf-System zusammenhängen.

Mögliche Komplikationen der Narkose

Neben den Risiken durch die Operation selbst können auch durch die Narkose und die weiteren Maßnahmen Komplikationen verursacht werden, wobei schwerwiegende Auswirkungen inzwischen selten sind. Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse im Einstichbereich von Kathetern, Zugängen oder Kanülen können vorkommen. Entzündungen (z. B. Abszesse = abgekapselte Entzündungsherde), Reizungen oder die Entstehung abgestorbener Gewebestellen können nicht ausgeschlossen werden.

Eine Infektion ist möglich, der Erreger kann sehr selten auch über die Blutbahn im Körper verteilt werden (Sepsis). Wird ein Nerv geschädigt, so kann es zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen kommen. Bei versehentlicher Injektion der Medikamente in eine Arterie (Schlagader) können die Wirkungen verstärkt werden. Unter Umständen können dadurch weitere Probleme entstehen. Allergische Reaktionen verschiedenen Schweregrades, insbesondere durch die eingespritzten Mittel, sind möglich. Bisweilen kann Übelkeit und Erbrechen hervorgerufen werden.

In manchen Fällen zieht sich die Luftröhre krampfartig zusammen. Eine ausgesprochen seltene, aber lebensgefährliche Komplikation ist die maligne Hyperthermie, bei der es durch Stoffwechselverschiebungen zu starker Temperaturerhöhung kommt.

Nach einer Intubation kann ein Reizzustand im Hals mit Schmerzen und Husten bestehen. Nicht auszuschließen sind Verletzungen im Rachenbereich, an den Stimmbändern sowie auch an den Zähnen.

An einem Katheter (zentralvenöser Katheter, arterieller Katheter, Lungenarterienkatheter) können sich unter Umständen Blutgerinnsel bilden, die eine Minderdurchblutung in verschiedenen Bereichen des Körpers zur Folge haben können. Bei der Einführung eines Katheters im Hals- oder Schlüsselbeinbereich kann die Brusthöhle und die Lunge verletzt werden, so dass sich beispielsweise eine Luftansammlung um die Lunge herum bilden kann (Pneumothorax), die die Atmung behindert.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Was kann mit der Vollnarkose erreicht werden?

In aller Regel können durch die Narkose Schmerzempfinden, Bewusstsein und Erinnerung effektiv ausgeschaltet werden. Komplikationen und Unannehmlichkeiten sind in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger geworden. Durch die Kontrollmaßnahmen lassen sich viele auftretende Komplikationen direkt erkennen, so dass ein gezieltes Handeln schnell möglich ist.

Hinweise

Vor der Operation

Vor der Einleitung dieser Anästhesiemaßnahmen muss der Patient eine bestimmte Zeit mehr oder weniger nüchtern bleiben. Bis sechs Stunden vorher dürfen kleinere Portionen gegessen und getrunken werden, ab diesem Zeitpunkt ist Essen, Trinken sowie auch Rauchen nicht mehr erlaubt. Bis zu zwei Stunden vorher dürfen allerdings noch geringe Mengen Wasser, Tee oder Limonade getrunken werden. Arzneimittel können auch noch kurz vorher mit etwas Wasser genommen werden. Bei Nichtbeachtung muss der Arzt darüber informiert werden, eventuell muss der Eingriff verschoben werden.

Möglicherweise müssen verschiedene Medikamente, die der Patient sonst einnimmt, in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Es empfiehlt sich oft, ein Beruhigungsmedikament am selben Tag oder am Abend vor der OP zu geben.

Körperschmuck (inklusive Piercings), Kontaktlinsen, herausnehmbare Zahnprothesen und Ähnliches muss vor dem Eingriff abgelegt werden. Auch Kosmetika sollten weggelassen werden.

Nach der Operation

Eine Überwachung und Behandlung auf der Intensivstation kann sich an die Operation anschließen. Zunächst kann es erforderlich sein, den Patienten vor Verletzungen zu schützen, wenn noch Narkose-Nachwirkungen bestehen. Hierzu kann beispielsweise ein Bettgitter installiert werden.

Bei Auffälligkeiten, die auf Komplikationen hinweisen könnten, sollte baldmöglichst der Arzt kontaktiert werden.

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V. Kittlas
Medizinischer Redakteur und Arzt

aktualisiert am 29.08.2016
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