Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, die operiert werden müssen. Dazu gehören akute Blutungen oder auch ein länger andauernder Blutverlust größerer Menge.
Durch ein schweres Geschwür kann ein Loch (Perforation) in der Magenwand oder Darmwand entstehen, das ebenfalls sehr gefährlich ist.
Ursachen die zu einer Notoperation am Magen führen
Bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) besteht ein Mangel an gewebeschonenden Faktoren (Schleim, normale Blutversorgung) und / oder eine zu hohe Säurebelastung. Ursache ist oftmals das Bakterium Helicobacter pylori. Medikamente, Rauchen, Alkohol, hormonelle Störungen und Stress können das Geschwür ebenfalls auslösen und verstärken. Ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) hat ähnliche Ursachen, hier ist der Zusammenhang mit dem Keim Helicobacter pylori noch ausgeprägter, und auch die Vererbung spielt eine Rolle.
Symptome
Häufig bestehen bei nicht stark ausgeprägten Geschwüren keinerlei Beschwerden. Beim Magengeschwür besteht oftmals ein Schmerz und Druckgefühl im oberen Bauchbereich, der zu unterschiedlichen Zeiten auftreten kann. Häufiges Erbrechen kann zu einer Gewichtsabnahme führen. Beim Zwölffingerdarmgeschwür sind die Schmerzen meist in nüchternem Zustand am stärksten und bessern sich beim Essen. Bei beiden Formen kann schwarz gefärbter Stuhl bei Geschwürblutungen auffällig werden, manchmal wird auch Blut erbrochen. Bei starkem Blutverlust bestehen Schocksymptome mit Blässe, Bewusstseinstrübungen, Schwindelgefühl und kalter, feuchter Haut. Eine Perforation (Magen- beziehungsweise Darmdurchbruch) äußert sich in der Regel durch starke Bauchschmerzen (akutes Abdomen) und zunehmende Abwehrspannung des Bauches. Es entsteht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis), die häufig zu lebensbedrohlichen Zuständen führt.
Diagnose
Neben der Befragung des Patienten (Anamnese) und der Abtastuntersuchung werden bildgebende Verfahren, z.B. Ultraschall oder manchmal auch Röntgen, angewendet. Die Magenspiegelung (Gastroskopie) beziehungsweise Zwölffingerdarmspiegelung sichert meist die Diagnose und kann bei Blutungen, die weniger stark ausgeprägt sind, auch der Behandlung dienen. Zusätzlich erfolgt eine Blutuntersuchung. Beim akuten Abdomen bringt manchmal erst die Operation Klarheit über die Ursache der Beschwerden.
Differenzialdiagnose
Insbesondere ein Karzinom muss bei Geschwüren ausgeschlossen werden. Der Ort des Geschwürs, der Blutung oder des Durchbruches muss festgestellt werden. Bluterbrechen kann in etwas unterschiedlicher Form auch bei Lungenblutungen auftreten.
Therapie
Konservative Therapie
Bei blutenden Geschwüren muss oft zusätzlich zur Operation der Blut-, Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch Infusionen ausgeglichen werden. Gering ausgeprägte Blutungen können mitunter auch im Rahmen einer Magenspiegelung gestillt werden.
Langfristig wichtig ist eine Ausmerzung der eventuell vorhandenen Helicobacter-pylori-Bakterien (Eradikation) und das Weglassen weiterer auslösender Faktoren, z.B. der die Magenwand schädigenden Medikamente.
Operation
Falls eine Blutung nicht oder nur vorübergehend durch andere Vorgehen gestoppt werden kann oder ein Magen- oder Zwölffingerdarmdurchbruch besteht, ist eine Notoperation angezeigt.
Die Operation erfolgt in Vollnarkose.
Es erfolgt meist ein Schnitt an der Bauchdecke (Laparotomie), nur selten reicht auch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) als Operationszugang aus.
Der Magen beziehungsweise Zwölffingerdarm wird bei einer Blutung aufgeschnitten, meist wird die Blutung mittels Nähten gestillt und auch das Organ wieder zugenäht.
Bei einem Organdurchbruch vernäht der Operateur die offene Stelle. Zuvor wird oftmals der Rand der Öffnung aufgrund der schlechten Heilungstendenz entfernt. Spülflüssigkeit wird in den Bauchraum verbracht, so dass möglichst viele entzündungsauslösende Substanzen und Materialien entfernt werden.
Oft wird eine Drainage in den Bauchraum gelegt, um Blut und Wundsekret abzuleiten. Auch eine Magensonde wird aus diesem Grund häufig eingeführt. Beides kann nach mehreren Tagen wieder gezogen werden.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Manchmal ist es notwendig, auch die Ursache für das Geschwür zu bekämpfen, beispielsweise indem die Nerven durchtrennt werden, die die Säureproduktion fördern. Eventuell gefundene vernarbte Stellen oder Tumoren müssen oft besonders behandelt werden, manchmal sind spezielle Operationen, z.B. mit Teilentfernung von Magen, Darm oder anderen Organen, notwendig.
Komplikationen
Durch die Operation kann es zu Verletzungen von in der Nähe liegenden Organen mit unter Umständen gefährlichen Auswirkungen kommen. Verwachsungen und andere Gegebenheiten können ebenfalls zu weiteren Komplikationen führen. Bei Undichtigkeit der Magen- oder Darmwand sowie bei Keimeinwirkung kann es zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung kommen. Des Weiteren können Blutungen, Nachblutungen, Wundheilungsstörungen und überschießende Narbenbildung entstehen. Hieraus resultieren eventuell funktionelle oder ästhetische Problematiken sowie selten auch Narbenbrüche. Nervenverletzungen können ein Taubheitsgefühl bedingen. Auch Allergien können ausgelöst werden.
Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die gängigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gespräch mit dem Arzt kann hierdurch nicht ersetzt werden.
Prognose
Die Prognose bei der Ulcusblutung hängt von der Menge des verlorenen Blutes ab. Bei einem Geschwürdurchbruch richtet sich die Prognose nach der Schwere und der erfolgreichen Behandlung der Bauchfellentzündung.
Wird die Ursache der Geschwürerkrankung nicht erfolgreich bekämpft, so kann wiederholt ein Geschwür auftreten (Rezidiv).
Hinweise
Vor der Operation
Da es sich um eine Notoperation handelt, können oft vorbereitende Maßnahmen, wie das Weglassen von gerinnungshemmenden Medikamenten, nicht vorgenommen werden.
Nach der Operation
Viele der Patienten müssen nach dem Eingriff auf der Intensivstation überwacht werden.
Der Nahrungsaufbau erfolgt langsam, oftmals ist in den ersten Tagen eine künstliche Ernährung durch Infusionen notwendig.
Um die Ursache des Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs zu behandeln, ist oft eine regelmäßige Medikamenteneinnahme angezeigt.
Letzte Aktualisierung am 12.11.2010.