Definition
Die Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen) sind Organe, von denen sich jeweils zwei rechts und links hinter der Schilddrüse im Hals befinden.
Die Nebenschilddrüsen sind linsenförmig und mit drei bid fünf Millimetern Durchmesser relativ klein. In den Epithelkörperchen wird ein bestimmtes Hormon (Parathormon, auch Parathyrin genannt) produziert, welches den Kalziumgehalt des Blutes erhöht und somit auf den Mineralhaushalt der Knochen einwirkt.
Ursachen, die zu einer Nebenschilddrüsen-Operation führen
Die Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) wird in primäre und sekundäre Formen unterteilt, je nachdem, ob die Ursache im Organ selbst oder außerhalb liegt.
Die primäre Überfunktion resultiert entweder aus einem Nebenschilddrüsen-Tumor, meist einem Adenom, in seltenen Fällen auch einem Karzinom, oder aus einer bloßen Überproduktion des Parathormons (Hyperplasie).
Die sekundäre Überfunktion wird meist durch Nierenfunktionseinbußen (Niereninsuffizienz) ausgelöst. Dadurch kommt es zu einem verminderten Phosphatgehalt des Blutes und zu verminderter Vitamin-D-Ausschüttung, das zum Teil in den Nieren hergestellt wird. Beides bewirkt eine vermehrte Bildung von Parathormon. Manchmal ist die sekundäre Form auch durch Kalzium-Aufnahmestörungen im Darm bedingt.
Symptome
Durch den zu großen Hormon- beziehungsweise Kalziumgehalt des Blutes kommt es bei einer Nebenschilddrüsenüberfunktion einerseits zu einem vermehrten Knochenabbau und andererseits zu einer Ablagerung von Kalk in anderen Organen, besonders in Form von Nierensteinen. Der Patient bekommt oft Magen-Darm-Beschwerden, verspürt ein erhöhtes Durstgefühl und muss vermehrt Wasser lassen. Des Weiteren können sich Gallensteine bilden. Eine Muskelschwäche kann ebenfalls bemerkt werden.
Eine sehr starke Belastung mit Kalzium im Blut (hyperkalzämische Krise) ist oft lebensbedrohlich.
Diagnose
Die Diagnose ergibt sich aus den Werten für Kalzium und Parathormon, die in der Blutuntersuchung festgestellt werden. Im Urin findet sich eine erhöhte Kalzium- und Phosphatausscheidung. Der Gehalt weiterer Stoffe im Blut und im Urin dient der Unterscheidung der Ursachen. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder CT (Computertomographie) werden durchgeführt, um Tumoren festzustellen. Der Knochenabbau kann oft durch eine so genannte Szintigraphie dargestellt werden.
Differenzialdiagnose
Eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut kann auch andere Ursachen haben. Häufig sind auch andere Tumoren der Grund dafür, manchmal auch Medikamenteneinnahmen, Infektionskrankheiten oder weitere Umstände.
Therapie
Konservative Therapie
Bei wenig ausgeprägter Symptomatik ohne bereits eingetretene Schäden kann eine nichtoperative Therapie mit erhöhter Flüssigkeitsaufnahme und Arzneimittel- beziehungsweise Hormongabe ausreichend sein.
Operation
Oftmals empfiehlt sich bei der Überfunktion der Nebenschilddrüse eine operative Therapie. Bei einem Nebenschilddrüsen-Tumor muss nur das jeweils befallene Epithelkörperchen entfernt werden. Nur sehr selten sind mehrere der Nebenschilddrüsen betroffen. Bei einer sekundären Überfunktion müssen alle Epithelkörperchen herausgenommen werden, wobei ein restliches Gewebestück verbleibt, um die Funktion der Organe zu erfüllen.
Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt.
Über einen queren Halseinschnitt werden die vier Nebenschilddrüsen aufgesucht. Manchmal ist es auch möglich, ähnlich einer Bauchspiegelung über einige kleine Zugänge ein feines optisches Gerät (Endoskop) sowie die anderen benötigten Instrumente einzuführen und auf diese Weise zu operieren. Die Nebenschilddrüsen werden einzeln begutachtet, daraufhin wird entschieden, ob eines, mehrere oder alle von der jeweiligen Erkrankung betroffen sind. Eine kurzfristige feingewebliche Untersuchung während der laufenden Operation, die so genannte Schnellschnittuntersuchung, kann bei unklaren Fällen der Entscheidung dienen.
Bisweilen wird noch eine halbe der vier Nebenschilddrüsen belassen, damit zwar erheblich weniger, aber noch ausreichend Parathormon produziert wird. Dabei ist es möglich, Gewebe aus den Epithelkörperchen einzufrieren, damit es wieder eingepflanzt werden kann, falls der Kalziumwert im Blut zu gering ist. Auch wenn die Nebenschilddrüsen komplett entfernt werden, kann Gewebe an eine andere Stelle des Körpers verpflanzt werden. Hierfür empfiehlt sich z.B. der Unterarm, da dort bei einer weiteren Überfunktion ohne großen Aufwand Gewebe wieder herausgenommen werden kann.
In den Operationsbereich am Hals werden oft Drainagen gelegt, die nach ein paar Tagen wieder gezogen werden können. Diese dienen dem Abfluss von Wundflüssigkeit.
Nach Abschluss des eigentlichen Eingriffs werden die Wunden vernäht.
Mögliche Erweiterungen der Operation
Liegt ein bösartiger Tumor (Karzinom) vor, so müssen möglicherweise mitbefallene Organe der Umgebung ebenfalls teilweise oder komplett entfernt werden.
Da die Nebenschilddrüsen nicht immer an den üblichen Stellen liegen, und auch gelegentlich mehr als vier der kleinen Organe vorhanden sein können, müssen manchmal (unter 5% der Fälle) in einer weiteren Operation die restlichen Epithelkörperchen aufgesucht und entfernt werden. Diese können sich beispielsweise in der Nähe der Wirbelsäule im Halsbereich, an der Speiseröhre oder innerhalb der Schilddrüse befinden. Bisweilen muss auch der Brustkorb durch Teilung des Brustbeins (Sternotomie) eröffnet werden.
Komplikationen
Beschwerden beim Schlucken, Heiserkeit, Atemprobleme sowie Nackenschmerzen verschwinden in der Regel bald. Verletzungen von umliegenden anatomischen Strukturen und Organen sind möglich, dazu gehören auch Schädigungen der Speiseröhre oder der Luftröhre.
Bei Nervendurchtrennung kann es zu Taubheitsgefühl, Lähmungen und insbesondere bei der Nebenschilddrüsen-Operation zu einer Stimmbandlähmung (Recurrensparese) kommen, welche bei einseitiger Schädigung zu Atem- und Schluckproblemen, bei sehr seltener beidseitiger Schädigung zu Atemwegsverengung oder -verschluss führen kann. In diesem Fall ist oft ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) erforderlich. Blutungen und Nachblutungen können auftreten. Meist vorübergehend kann es zu Kalziummangel im Blut durch Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus) kommen, welcher sich in Sensibilitätsstörungen und manchmal in Krämpfen äußert und mit Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr behandelt werden kann.
Infektionen, Wundheilungsstörungen und überschießende Narbenbildung kann entstehen, daraus resultieren Funktionseinschränkungen und ästhetische Auswirkungen. Allergien auf verwendete Substanzen können nicht ausgeschlossen werden.
Prognose
Die Konzentration von Parathormon beziehungsweise von Kalzium und Phosphat im Blut lässt sich durch die Maßnahmen oft gut normalisieren. Falls jedoch schon weitere Schädigungen aufgetreten sind, beispielsweise Knochenabbau oder Nierenverkalkung, kann dies häufig nicht wieder rückgängig gemacht werden.
Hinweise
Vor der Operation
Oft müssen blutgerinnungshemmende Arzneimittel wie beispielsweise Aspirin® oder Marcumar® vor der OP durch den behandelnden Arzt abgesetzt werden.
Nach der Operation
Falls der Patient bereits am OP-Tag nach Hause gehen darf, sollte er sich abholen lassen und darf für 24 Stunden kein Auto fahren, keine Maschinen bedienen und auch keine schwerwiegenden Entscheidungen treffen.
Die möglicherweise verordneten Kalzium- und Vitamin-D-Präparate sollten gewissenhaft eingenommen werden. Eine spezielle nachoperative Behandlung kann erforderlich sein, insbesondere wenn ein bösartiger Tumor bestand.
Bei Beschwerden, die auf Komplikationen deuten können, wie beispielsweise Fieber, Stimmproblemen oder Atembeschwerden sowie auch Missempfindungen und Muskelkrämpfe, so sollte der Arzt umgehend kontaktiert werden, um gegebenenfalls frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen
Letzte Aktualisierung am 23.12.2009.